Echte Kamille, Matricaria chamomilla - Anbau und Pflege

Echte KamilleDie Echte Kamille ist ein absoluter Klassiker unter den Heilpflanzen und darf in keinem Garten fehlen. Ob als Begleitpflanze im Nutzbeet oder als Zierblume in Rabatten und im Naturrasen: Der Korbblütler kann nach Belieben kultiviert werden. Denn die Blühpflanze selbst stellt nur wenig Anspruch an "ihren" Gärtner. Am idealen Standort wird die Matricaria chamomilla zu einem zuverlässigen Dauerblüher, welche sich jährlich selbst durch Aussaat vermehrt. Neben ihrer Heilkraft für Mensch und Tier verhilft das Gewächs auch anderen Pflanzen zu einer natürlichen Widerstandskraft und einem gesunden Wachstum.

Kurzer Steckbrief
  • Echte Kamille wird seit Jahrtausenden als Heil- und Nutzpflanze verwendet.
  • Die einjährige Pflanze gehört zur Familie der Korbblütler, mit 25 000 Arten eine der größten
  • Pflanzenfamilien weltweit.
  • Das Gewächs ist auch unter den Volksnamen Apfelkraut, Muskatblume, Kuhmelle und Kummerblume bekannt.
  • Matricaria chamomilla kann eine Wuchshöhe zwischen 10 und 60 Zentimetern erreichen.
  • Mit den wirkungsvollen Inhaltstoffen und ätherischen Ölen können Entzündungen und Krämpfe gelindert werden.
  • Die weißen Blüten mit den gelben Köpfen erscheinen zwischen Mai und Ende September.
  • Das Gewächs besitzt einen aufrecht stehenden, stielrunden und mehrfach verzweigten Stängel.
  • Charakteristisch für Echte Kamille sind der hohle Blütenboden und die nach hinten stehenden Blütenblätter.

Standort und Boden

Die aus dem östlichen Mittelmeerraum stammende Pflanze benötigt einen vollsonnigen Standort. Wilde Vorkommen der Matricaria recutita sind häufig an Feldrändern und auf mageren Trockenwiesen anzutreffen. Doch auch wenn der Korbblütler überaus anpassungsfähig ist, so werden doch humusreiche Lehmböden bevorzugt. Das Substrat darf auch einen gewissen Sandanteil aufweisen und einen pH-Wert zwischen neutral bis alkalisch besitzen. Unter solchen Standortbedingungen fühlt sich die Echte Kamille am wohlsten. Um die Pflanze im Kübel zu kultivieren, sollten Sie die herkömmliche Blumenerde zusätzlich mit Humus und Lehm anreichern.

Gießen und Düngen

Der Pflegeaufwand der Heilpflanze ist gering. Zur Förderung und Ausbildung der wertvollen Inhaltsstoffe sollte dem einjährigen Gewächs ausreichend Feuchtigkeit zur Verfügung stehen. Dafür den Boden regelmäßig wässern, wobei aber auch eine kurzweilige Trockenheit der Kamille keinen dauerhaften Schaden zufügt.
  • Entfernen Sie störendes Unkraut, welches das Wachstum der Matricaria chamomilla beeinträchtigen könnte.
  • Im Frühjahr und Spätsommer das Erdreich mulchen und größere Mengen Kompost dem Substrat beimischen.
Auf die Zugabe von Flüssig- oder gar Langzeitdünger können Sie komplett verzichten. Die Kamille ist äußerst genügsam und die Nährstoffe des Komposts reichen für die Pflanze vollkommen aus.

  Düngen Sie mit geringen Mengen an Kalium, um eine reiche Bildung von Blüten zu fördern.

Aussaat und Anbau

Die robusten Pflanzen werden ab April direkt im Freiland ausgesät. Eine Anzucht auf der heimischen Fensterbank kann bereits ab Ende Februar bis Mitte März erfolgen. Trockene Böden werden von den Pflanzen toleriert, allerdings fallen das Wachstum und auch die Blütenernte hierbei nur mäßig aus. Zur Vor- und Aufbereitung des Erdreichs sollten Sie folgende Materialien bereithalten:
  • Humus
  • Lehm
  • Kieselsteine
Echte KamilleMit den Kieselsteinen beugen Sie einer Bodenverdichtung vor und fördern gleichzeitig den Abtransport von überschüssigem Wasser. Die Korbblütler sind Lichtkeimer.


Für eine erfolgreiche Keimung dürfen die Saatkörner deswegen nicht vollständig mit Erde bedeckt werden. Drücken Sie die Samen jedoch leicht an, damit diese nicht vom Wind weggeweht werden können.
  • Halten Sie den Boden gleichmäßig feucht.
  • Spätestens nach 21 Tagen zeigen sich die ersten Triebspitzen.
  • Zu dicht stehende Pflanzen später trennen.
Selbst bei einer bestehenden Drainage im Boden sollten Sie beim Gießen Staunässe vermeiden, schlämmen Sie das Erdreich nicht ein. Um das Wachstum und die Ausbildung der Kamillenpflanzen zu fördern, empfiehlt sich ein Abstand von etwa 10 - 15 Zentimeter zwischen den einzelnen Gewächsen. Separiert wird aber erst, wenn die Pflanzen eine Höhe von etwa 12 Zentimetern erreicht haben.

  Um einen höheren Ernteertrag zu erzielen, können Sie die Samen der Echten Kamille bereits im Oktober ausbringen.

Auch die Anzucht auf der Fensterbank ist mit wenig Aufwand verbunden:
  • Wählen Sie ein flaches Anzuchtgefäß aus.
  • Samen leicht andrücken.
  • Meiden Sie einen Standort mit direkter Sonneneinstrahlung.
  • Mit einem Wasserzerstäuber das Erdreich feucht halten.
  • Beschleunigen Sie die Keimung durch eine gespannte, durchsichtige Folie über dem Pflanztopf.
  • Die Folie täglich für zwei bis drei Stunden vom Gefäß abnehmen.
  • Ab Anfang Mai die jungen Pflanzen ins Freiland an ihren endgültigen Standort umsetzen.
Kontrollieren Sie das Substrat regelmäßig auf Fäulnisbildung. Um den Sauerstoffaustausch zu gewährleisten, sollten Sie die Folie mit einem Zahnstocher perforieren. Wenn Sie Echte Kamille als Nutzpflanze verwenden und die Blüten ernten möchten, so können Sie den Standort und das Beet vielseitig nutzen. Verwenden Sie Matricaria chamomilla beispielsweise als Vorkultur von Tomaten oder Rosenkohl. Sie können die vielseitige Heilpflanze jedoch auch mit folgenden Gemüsearten gleichzeitig kultivieren:
Die ätherischen Öle und anderen Wirkstoffe helfen nicht nur bei zahlreichen menschlichen und tierischen Beschwerden. Auch andere Nutz- und Zierpflanzen profitieren von der Heilkraft der Kummerblume. Eine Teekur, regelmäßig über das Gießwasser verabreicht, schränkt eine starke Population von Würmern ein und wirkt präventiv gegen Wurzelfäule.

Vermehren und Schneiden

Fühlt sich die Echte Kamille am ausgewählten Standort im Freiland wohl, trägt sie in der Regel selbst zu ihrer Vermehrung bei. Sie können jedoch Ende September bis Mitte Oktober die reifen Samenstände vorsichtig abschneiden und an einem dunklen, nicht zu feuchten Ort trocknen lassen. Im Frühjahr wie gewohnt aussäen.

  Die Samen der Matricaria chamomilla können bis zu 100 Jahren im Boden ruhen, ohne dass ihre Keimfähigkeit darunter leidet.

Ein Rück- oder Auslichtungsschnitt ist bei Matricaria chamomilla nicht erforderlich. Um

den Korbblütler als Heilpflanze zu verwenden, sollten Sie die noch jungen Blüten morgens ernten. Verwenden Sie dafür ein scharfes Messer oder eine Schere, um die restlichen Pflanzenteile nicht zu beschädigen.

Überwintern

KamillepflanzenKummerblumen sind einjährig und als solche benötigen Sie keinen speziellen Schutz für die kalte Jahreszeit. Ernten Sie die Blüten oder Samen rechtzeitig ab und bereiten Sie den Boden für das kommende Frühjahr vor. Kamille gehört nicht zu den stark zehrenden Pflanzen und kann problemlos auch im Folgejahr am selben Standort kultiviert werden.

Krankheiten und Schädlinge

Schadhafte

Insekten und Pilzerreger sind ein besonders lästiges Ärgernis für Nutzpflanzen. Nach der Verwendung chemischer Mittel sollten Sie auf einen Verzehr oder eine äußerliche Anwendung der Pflanzenteile verzichten. Jedoch haben sich auch zahlreiche Hausmittel als wirksame Gegenmaßnahmen bewährt.

Blattläuse

Auch wenn die kleinen Plagegeister nur wenige Millimeter groß sind, so können sie durch ihre Nahrungsaufnahme doch zahlreichen Schaden an den befallenen Pflanzen anrichten. Die typischen Symptome Zellsaft saugender Insekten sind neben silbernen und braunen Sprengeln auf dem Laub, eingerollte Triebspitzen und verwelkte Blätter. Blattläuse kommen selten allein, denn ihre Ausscheidungen zählen zu der Leibspeise von Ameisen. Auch wenn Sie selbst auf die befallene Kamillenpflanze verzichten können, so sollten Sie dennoch die Schädlinge bekämpfen. Denn nur so dämmen Sie die Ausbreitung und weitere Vermehrung der Blattläuse ein. Folgende Möglichkeiten stehen Ihnen zur Verfügung, wobei die Bekämpfung einige Zeit in Anspruch nehmen kann:
  • Natürliche Fressfeinde wie Florfliegenlarven, Marienkäfer oder Schlupfwespen in der Nähe aussiedeln.
  • Einen verdünnten Sud aus Brennnesseln oder Ackerschachtelhalmen regelmäßig ausbringen.
  • Mit Kernseife mehrmals abduschen.
  • Entsorgen Sie die komplette Pflanze über den Hausmüll.
Mehltau

Zwei unterschiedliche Arten von Mehltau sind bekannt, welches von verschiedenen Pilzerregern hervorgerufen wird: Falscher Mehltau entsteht bei einer lang anhaltenden feuchten Witterung. Die Erreger des Eipilzes "Oomycota" dringen dabei tief in das Gewebe der Kamille ein. Von außen erkennen Sie den falschen Mehltau an einem schmutzig-grauen Belag, welcher fest an der Unterseite der Blätter sitzt. Der Echte Mehltau hingegen sitzt außen an der Wirtspflanze und wird von Schlauchpilzen verursacht. Charakteristisch für diese Mehltau-Krankheit ist der mehlartige weiße Belag auf der Pflanze, welcher sich leicht wegwischen lässt. Diese pudrige Schicht wird von den Pilzsporen gebildet, welche über den Wind und Insekten weiterverbreitet wird.
  • Entfernen Sie befallene Pflanzenteile sofort.
  • Bringen Sie einen Tee aus Rainfarn oder Knoblauch regelmäßig aus.
  • Niemöl nur behutsam auf den Heilpflanzen verteilen.
  • Eine Mischung aus Milch und Wasser hat sich ebenfalls bewährt.

Sorten

In wärmeren Gebieten wird die Echte Kamille kommerziell angebaut und zu Tee und zahlreichen anderen Produkten verarbeitet. Doch neben Matricaria chamomilla sind auch andere Kamillen-Sorten bekannt.

Tee aus KamillenpflanzenMatricaria tinctoria

Auch als Färberkamille bekannt. Das Gewächs besitzt große Blüten, fein gefiederte Blätter und erreicht eine Höhe von bis zu 50 Zentimetern.

Matricaria biebersteiniana

Die kleinen Blätter der Bergkamille weisen silberfarbene Blätter auf. Die Blütezeit dieser kleinwüchsigen Sorte ist verhältnismäßig kurz und liegt zwischen Mai und Juni. Die Wuchshöhe beträgt lediglich 25 Zentimeter.

Matricaria Bodegold

Diese Pflanze weist ebenfalls große Blüten auf und besitzt einen hohen Anteil an ätherischen Ölen.

Chamaemelum nobile

Gehört nicht zu den Matricaria-Sorten, wird aber häufig mit der Echten Kamille verwechselt. Einige Sorten der römischen Kamille besitzen gefüllte Blüten, andere Blütenformen sind denen der Echten Kamille täuschend ähnlich. Ebenso wie Matricaria chamomilla wird das Kraut vielerorts als Heilpflanze verwendet.

Häufig gestellte Fragen

Mit welchen Pflanzen kann die Echte Kamille verwechselt werden?
Matricaria chamomilla wird häufig mit der strahlenlosen Kamille und der Hundskamille verwechselt. Die größte Verwechslungsgefahr besteht allerdings mit der Hundskamille. Auch diese Pflanze gehört zu den Korbblütlern und weist weiße Blüten mit einer leuchtend gelben Mitte auf. Der strahlenlosen Kamille hingegen fehlen die charakteristisch weißen Blütenblätter, allgemein ist das Gewächs selbst von einem fast unscheinbaren Wuchs. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie die Blüten mittig auseinander schneiden. Die "Echte Kamille" besitzt einen hohlen Blütenboden und einen intensiven Geruch.

Ist Matricaria chamomilla eine mehrjährige Pflanze?
Hin und wieder stolpert man im Internet über das Wort "mehrjährig" in Verbindung mit der Kamillenpflanze. In diesem Zusammenhang ist allerdings nicht die Echte Kamille gemeint, sondern vielmehr Chamaemelum nobile L,, die römische Kamille. Das Mutterkraut, wie dieses Gewächs auch noch genannt wird, ist winterhart und mehrjährig. Matricaria chamomilla hingegen vermehrt sich durch Selbstaussaat und blüht jährlich - unter idealen Bedingungen - zuverlässig am selben Standort. Nur bei der römischen Kamille müssen Sie Vorbereitungen für die kalte Jahreszeit treffen. Wenn Sie unsicher sind, welche Pflanzensorte Sie im Garten kultivieren, schneiden Sie die Blüte auseinander. Chamaemelum nobile L weist einen gefüllten Blütenboden auf.

Wäre die Echte Kamille für die Kultivierung in Pflanzgefäßen geeignet?
Auch wenn Sie keinen eigenen Garten Ihr Eigen nennen, so müssen Sie nicht auf die Heilkraft der nützlichen Kamillenpflanze verzichten. Wählen Sie einen möglichst breiten Kübel aus und legen Sie am Boden eine Drainage aus Tonscherben oder anderen porösen Materialien an. Das Substrat sollte humusreich sein und einen leichten Lehmgehalt aufweisen. Der Balkon oder die Terrasse muss einen vollsonnigen Platz aufweisen, an welcher das vorbereitete Pflanzgefäß gestellt wird. Für die Aussaat gelten die gleichen Richtlinien wie im Garten. Gießen Sie die Korbblütler regelmäßig und düngen Sie das Erdreich einmal pro Monat mit Flüssigdünger.