Mandarinenbaum züchten - Pflege und Überwintern

Nahansicht MandarinenbaumDer Mandarinenbaum gehört der Gattung der Zitruspflanzen an, wo er sich als die sortenreichste Art behauptet. In seiner chinesischen Heimat verwöhnten die süßen Früchte schon vor Tausenden von Jahren die Gaumen der höhergestellten Beamten. Im hiesigen Klima sind die Mandarinen zwar nicht für den Verzehr geeignet; doch was kümmert das den leidenschaftlichen Hobbygärtner? Züchtet er doch eine Kübelpflanze, die davon zeugt, dass er selbst mit Exoten umzugehen weiß. Wichtigste Prämisse für eine erfolgreiche Kultivierung ist ein adäquates Winterquartier, denn mit der kalten Jahreszeit kann das fremdländische Bäumchen sich nicht anfreunden.

Kurzer Steckbrief
  • Gattung der Zitruspflanzen (Citrus).
  • Wissenschaftlicher Name Citrus reticulata.
  • Wuchshöhe 200 cm bis 500 cm.
  • Immergrüner, leicht bedornter Baum.
  • Einige Sorten sind laubabwerfend.
  • Tiefgrüne, spitz zulaufende Blätter.
  • Grazile, weiße Blüten Mai bis September.
  • Nicht winterharte Kübelpflanze.
  • Früchte nicht zum Verzehr geeignet.
  • Verwechslungsgefahr mit Clementinen.
Inwieweit sich die Früchte des selbst gezogenen Mandarinenbaumes zum Verzehr eignen oder nicht, wird unter den Hobbygärtnern kontrovers diskutiert. Tatsache ist, dass es lediglich eine Geschmacksfrage ist und nichts mit einem eventuellen Giftgehalt der Früchte zu tun hat. Zweifellos spielt die gewählte Sorte ebenfalls eine Rolle. Hier sollte nach dem Motto 'Versuch und Irrtum' gehandelt werden.Mandarinenbaum im Kübel

Züchten

Wenn die happigen Anschaffungspreise für einen fertig gezogenen Mandarinenbaum das Budget sprengen, spricht nichts dagegen, einen Versuch zu starten, den Zitrusbaum aus einem Kern zu züchten. Da traditionsgemäß auf einem Weihnachtsteller die Mandarinen nicht fehlen dürfen, ist dies die beste Gelegenheit, mit dem Projekt zu starten. Ist die Frucht verspeist, werden die Kerne vom Fruchtfleisch befreit und aufbewahrt.
  • Mandarinenkerne für ein paar Tage am luftigen Ort trocknen lassen.
  • Einen oder mehrere Töpfe mit nährstoffarmer Anzuchterde füllen.
  • In jeden Anzuchttopf kommt ein Kern, der dünn mit Erde bedeckt wird.
  • In warmer, heller Lage permanent leicht feucht halten.
  • Vor direkter Sonneneinstrahlung schützen.
  • Bei durchschnittlich 22° Celsius setzt innerhalb von 4-6 Wochen die Keimung ein.
  • Recken die Pflänzchen sich in die Höhe, werden sie regelmäßig mit Wasser besprüht.
  • Umgetopft werden die jungen Mandarinenbäume erst, wenn der Topf durchwurzelt ist.

  Um ganz sicherzugehen, dass sich im Substrat keine Keime, Sporen oder Insekteneier verstecken, wird es vor der Verwendung für 20 Minuten bei 200° Ober- und Unterhitze sterilisiert. Alternativ für 5 Minuten bei 800 Watt in der Mikrowelle.


Eine sympathische Tradition unter Hobbygärtnern ist der Austausch von Ablegern. Daher ist die Züchtung eines Mandarinenbaums aus einem Steckling ebenfalls problemlos möglich.
  • Einen 10 cm bis 15 cm langen Kopfsteckling abschneiden.
  • Die Schnittstelle befindet sich knapp unterhalb eines Blattknotens.
  • Im unteren Teil den Ableger entlauben und kurz in Bewurzelungspulver tauchen.
  • Einen Topf mit Anzuchtsubstrat füllen, worin der Steckling hineingesteckt wird.
  • Um die Kapillaren zu schonen, wird das Loch mit einem Bleistift vorgebohrt.
  • Substrat und Steckling mit Weidenwasser benetzten.
  • Anschließend eine Plastiktüte überstülpen oder in ein Minigewächshaus stellen.
  • Am hellen, warmen, nicht vollsonnigen Ort die Bewurzelung abwarten.
  • Es wird nur so viel Wasser gegeben, dass der Wurzelballen nicht austrocknet.
  • Hat sich ein kräftiges Wurzelsystem gebildet, zeigt sich der erste Austrieb.
Zu guter Letzt wird der jugendliche Mandarinenbaum in einen Kübel umgepflanzt


und ab diesem Zeitpunkt wie ein erwachsenes Exemplar gepflegt.

Standort und Substrat

Der wärmebedürftige Mandarinenbaum möchte den Sommer gerne an der frischen Luft verbringen, denn hier kann er seine volle Pracht entwickeln, sofern die folgenden Modalitäten gegeben sind:
  • Vollsonnige Lage mit Beschattung bei Mittagssonne.
  • Luftumspült, jedoch ohne kalte Zugluft.
  • Unverzichtbar ist ein überdachter, regengeschützter Platz.
  • Frühestens ab Anfang Juni ins Freie tragen.
  • Für eine Auspflanzung im Beet ist der Mandarinenbaum nicht geeignet.
  • Spezielles Substrat für Zitruspflanzen ist optimal.
  • Alternativ durchlässige, lockere Erde auf Kompostbasis mit Hornspänen.
Frucht des MandarinenbaumsEine ganzjährige Zimmerhaltung des Mandarinenbaums ist grundsätzlich zwar möglich, beansprucht hingegen die Aufmerksamkeit des Hobbygärtners in spürbar größerem Umfang. Darüber hinaus ist es äußerst fragwürdig, ob der Mandarinenbaum im Haus seine aparten Blüten entwickelt, denn hierzu ist ein lauer Windhauch unerlässlich.

Gießen und Düngen

Die Regulierung des Wasserhaushaltes bei einem Mandarinenbaum erfordert ein wenig Fingerspitzengefühl. Der Wurzelballen darf weder zu nass, noch zu trocken sein, woraus sich folgern lässt, dass nicht nach einem festen Zeitplan gegossen wird. Vielmehr ermittelt der erfahrene Hobbygärtner mithilfe der Daumenprobe den Wasserbedarf. Dabei wird ein Finger etwa 5 cm tief in das Substrat gesteckt. Fühlt es sich trocken oder lediglich leicht feucht an, ist eine Dosis Wasser gefragt.
  • Moderat nach Daumenprobe gießen.
  • An heißen Sommertagen vermehrt wässern.
  • Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser.
  • Kein Wasser im Untersetzer stehen lassen.
  • Im Frühling und Sommer alle 2 Wochen düngen.
  • Ideal ist ein Flüssigdünger für Zitruspflanzen.
  • Alle 4 Wochen die Blattunterseiten mit Algensaft besprühen.

  Wird für die ersten zwei bis drei Düngergaben ein phosphorbetontes Präparat verwendet, fördert dies die Blüten- und Fruchtbildung des Mandarinenbaumes. Anschließend liegt der Fokus auf Düngemitteln, reich an Stickstoff, Kalium, Magnesium und weiteren Spurenelementen.

Überwintern

Fallen die Temperaturen unter 18° Celsius, ist es an der Zeit, den Mandarinenbaum in sein Winterquartier einzuräumen. Starken Temperaturschwankungen darf das Zitrusgewächs auf keinen Fall ausgesetzt werden, weil es dann kurzerhand sämtliche Blätter abwirft.
  • Das Winterquartier ist lichterfüllt über mindestens 6 Stunden täglich.
  • Die Wohlfühltemperaturen bewegen sich zwischen 5° und 12° Celsius.
  • Je heller die Winterherberge, desto höher ist die Temperatur.
  • Glücklich der Mandarinenbaum, der in einen Wintergarten umsiedelt.
  • Das Zitrusgewächs nicht drehen und wenden, sondern in Ruhe lassen.
  • Ab und zu für frische, jedoch frostfreie Luft sorgen.
  • Sparsam gießen, gleichwohl nicht vertrocknen lassen.
  • Je niedriger die Temperatur, desto geringer ist der Wasserbedarf.
  • Nicht düngen, nicht umtopfen und nicht schneiden.
  • Regelmäßig auf Krankheiten und Schädlinge untersuchen.

  Bietet das Winterquartier dem Mandarinenbaum nicht die

erforderliche Lichtmenge von 6 Stunden und mehr, ist es ratsam, in eine Tageslichtlampe zu investieren. Diese Speziallampe imitiert das Tageslicht, das in Kelvin gemessen wird und die Photosynthese aufrechterhält. Eine herkömmliche Leselampe ist dazu nicht in der Lage.

Schneiden

Gegen einen Schnitt hat der Mandarinenbaum nichts einzuwenden. Das ist auch gut so, denn ansonsten wäre es schwierig, sein Streben gen Himmel im Zaum zu halten. In freier Natur ist es keine Seltenheit, dass der strauchartige Baum Höhen von 5 Metern und mehr erreicht. Vorwitzige Äste und Triebe können ganzjährig geschnitten werden. MandarinenbaumFür

einen umfassenden Formschnitt wählt der sachkundige Gartenfreund das Frühjahr, in der Zeit vor dem neuen Austrieb. Alternativ kann der Schnitt auch unmittelbar nach der Blüte vorgenommen werden, allerdings nicht zu spät, weil zu dieser Zeit bereits die Knospen für die kommende Saison angelegt werden.
  • Vertrocknete, verkümmerte Triebe an der Basis entfernen.
  • Nach innen wachsende Zweige abschneiden.
  • Von sich kreuzenden Ästen einen kappen.
  • Einen runden, buschigen Habitus anstreben.
  • Den Schnitt stets knapp über einem nach außen gerichteten Auge ansetzen.
  • Leicht abgeschrägt schneiden, damit Wasser besser abläuft.
  • Grundsätzlich scharfes, desinfiziertes Schneidwerkzeug benutzen.
  • Äste, Zweige und Triebe dürfen keinesfalls gequetscht werden.
  • Früchte tragende Äste werden nicht angerührt.
Entstehen im Verlauf der Schnittmaßnahme größere Wunden am Baum, werden diese mit Baumharz versiegelt, um Viren, Bakterien und Pilzsporen keine Angriffspunkte zu liefern.

  Ein Mandarinenbaum benötigt nicht zwingend einen Schnitt. Nur bei Bedarf greift der Hobbygärtner zur Schere oder dem Messer. Die Vorteile liegen in der Formerhaltung, der Kontrolle der Wuchshöhe und der besseren Verzweigung des Zitrusgewächses.

Umtopfen

Nach der Winterruhe nimmt der Gartenfreund seinen Mandarinenbaum genau in Augenschein. Ist der Kübel vollständig durchwurzelt oder wachsen die Wurzeln bereits aus den Ablauflöchern heraus, ist es Zeit für einen Umzug in ein neues Pflanzgefäß.
  • Der neue Kübel ist nur wenige Zentimeter größer.
  • Er verfügt über eine Öffnung im Boden für den Ablauf von Gießwasser.
  • Über diesem Ablaufloch wird eine Drainage aus Kies, Blähton oder Perlit angelegt.
  • Ein luft- und wasserdurchlässiges Vlies verhindert die Verstopfung der Drainage.
  • Eine erste Schicht des Substrats wird eingefüllt.
  • Wird dem Substrat etwas Gartenerde beigefügt, erhöht dies die Standfestigkeit.
  • Ein paar Handvoll Styroporkugeln untergemischt, verbessern die Durchlässigkeit.
  • Nach dem Austopfen wird der Wurzelballen genau untersucht.
  • Vertrocknete, verfaulte Wurzelstücke werden abgeschnitten.
  • Anschließend kommt der Mandarinenbaum mittig in den neuen Kübel.
  • Zwischendurch das Substrat mit der Faust andrücken, damit keine Hohlräume entstehen.
  • Nicht versäumen, einen Gießrand von ca. 5 cm freizulassen.
Im letzten Arbeitsschritt erhält der Mandarinenbaum eine gut bemessene Dosis Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser, damit er zügig anwächst. Das Wasser darf nicht länger als 20 Minuten im Untersetzer stehen bleiben.

  Handelt es sich bei dem neuen Kübel um ein Tongefäß, wird dieses vor der Verwendung für 1 Stunde in einen Eimer mit Wasser gestellt, damit sich das Material vollsaugt. Andernfalls entzieht der Ton das Wasser dem Substrat, was sich hinderlich auf das Anwachsen des Mandarinenbaumes auswirkt.


Zum Hochstamm erziehen

Der dekorative Mandarinenbaum mit seiner von Natur aus buschigen Wuchsform eignet sich ausgezeichnet für die Erziehung zum Hochstamm. Diese Maßnahme ist vorzugsweise dann eine Überlegung wert, wenn ohnehin nicht viel Platz auf dem Balkon oder der Terrasse vorhanden ist. Mandarinenbaum in TopfDer Schnitt wird grundsätzlich im zeitigen Frühjahr durchgeführt.
  • Alle Äste bis auf einen langen, kräftigen Mitteltrieb abschneiden.
  • Dabei keine Zapfen (Kleiderhaken) stehen lassen.
  • Schere auf dem Astring ansetzen und schneiden.
  • Ideal ist eine frisch geschliffene Rosenschere guter Qualität.
  • Mandarinenbaum in der gewünschten Höhe knapp über einer Knospe schräg kürzen.
  • Hochstamm 205 cm, Halbstamm 140 cm, Buschstamm 75 cm.
Aus den verbliebenen Knospen treibt der Mandarinenbaum noch im gleichen Jahr aus und entwickelt eine schöne Krone. Ein weiterer Schnitt ist erfahrungsgemäß frühestens nach 3 bis 4 Jahren wieder erforderlich. Dann wird die neue Krone ausgelichtet und in Form gebracht.

Häufig gestellte Fragen

Worin liegen die Vorteile von Weidenwasser bei der Verwendung während der Vermehrung?
Weidenwasser hat sich bewährt als äußerst effektives Bewurzelungsmittel. Es beschleunigt die Bewurzelung von Stecklingen erheblich. Ursache hierfür sind die darin enthaltenen Auxine, Wachstumshormone der Weide. Weidenwasser wird ganz einfach selbst hergestellt. Frische, junge Triebe zerkleinern und für 24 Stunden in Wasser ansetzen. Schon ist es bereits, um als Gießwasser oder zum Besprühen von Stecklingen benutzt zu werden. Die Haltbarkeit beschränkt sich auf 14 Tage, sofern es nicht unter der heißen Sonne aufbewahrt wird.

Muss ich mehr als einen Mandarinenbaum anschaffen, damit sie blühen und Früchte bilden?
Nein, ein Exemplar genügt. Wie alle Zitrusgewächse betreibt auch der Mandarinenbaum die ungeschlechtliche Vermehrung. Das bedeutet, es sind lediglich Bienen oder ein leichter Windstoß erforderlich, damit sich die Samen im Baum verteilen. Das ist auch das Hauptargument, warum Mandarinenbäume den Sommer im Freien verbringen sollten.

Jetzt pflege ich meinen Mandarinenbaum schon einige Jahre und plötzlich werden die Blätter gelb und fallen ab. Was ist da nur geschehen?
Dieses Schadbild deutet auf ein zu nasses Substrat mit Staunässe hin. In diesem Fall ist ein sofortiges Umtopfen empfehlenswert. Testen Sie auch einmal den pH-Wert, ob er deutlich über 6 liegt. Auf jeden Fall ist es ratsam, den Mandarinenbaum auszulichten, wobei alte, vertrocknete Triebe entfernt werden, damit wieder mehr Licht durchdringt.