Eichenprozessionsspinner, Thaumetopoea processionea - Symptome und Bekämpfung

EichenprozessionsspinnerWenngleich der Nachtfalter kaum ins Auge fällt, steigt sein Bekanntheitsgrad von Jahr zu Jahr. Der Eichenprozessionsspinner hat überwiegend europäische Eichen als Wirtspflanze im Visier, an denen die Raupen durch ihre Fraßtätigkeit im Laufe der Zeit erheblichen Schaden verursachen. Dem nicht genug, rücken die Gesundheitsgefahren für Mensch und Tier zunehmend in den Fokus, die von den Brennhaaren der Brut ausgehen. Von schlimmen allergischen Hautreaktionen bis hin zu Asthma erstreckt sich das Gefährdungspotenzial. Anhand welcher Symptome sich ein Befall durch den Thaumetopoea processionea äußert und wie die Bekämpfung gelingt, erfahren Sie hier.

Steckbrief
  • Insektenordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Name der Art: Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea)
  • Beheimatet in Südeuropa und dem Süden Russlands
  • Graue bis grau-braune Körperfärbung
  • Flügelspannweite 30 bis 36 Millimeter
  • Raupen anfangs orange-braun, später dunkelbraun
  • Dunkle bis grau-blaue Streifen seitlich und auf dem Rücken
  • Länge bis 5 Zentimeter
  • Dicht besetzt mit Brennhaaren, ab dem 3. Larvenstadium giftig
  • Verstärktes Auftreten in Deutschland seit 2002
Ihren Namen verdanken die Schmetterlinge den nächtlichen Wanderungen der Raupen in bis zu 10 Meter langen Prozessionen entlang der Baumstämme, um zu ihren Nahrungsquellen zu gelangen.

Hintergrundinformationen kompakt

Kenntnisse über den Entwicklungsverlauf des Eichenprozessionsspinners vom Ei bis zum Falter ebnen den Weg zur raschen Deutung der Symptome bei einem Befall. Die wichtigsten Fakten - kurz und kompakt:

EicheVon Ende Juli bis Anfang September sind die adulten Falter des nachts unterwegs. Unmittelbar nach dem Hochzeitsflug, der im August stattfindet, legen die Weibchen durchschnittlich 150 Eier ab. Diese ordnen sie im oberen Kronenbereich der Eichen an, vorzugsweise auf dünnen Zweigen in sonnigen Lagen. Im Laufe der Herbstmonate entwickeln sich zwar die Embryos, jedoch ohne die Eier zu verlassen. So überdauern sie den Winter. Ab Anfang April schlüpfen die Raupen, um in der Folge sechs Larvenstadien zu durchlaufen von jeweils 10 Tagen Dauer. In dieser Zeit wachsen sie deutlich von wenigen Millimetern auf 5 Zentimeter Körperlänge. Den hohen Energiebedarf für dieses Wachstum decken sie mit den Eichenblättern. Während der gesamten Entwicklung bleiben die Raupen des Thaumetopoea processionea im geselligen Verbund zusammen und begeben sich auch gemeinsam auf Nahrungssuche in nächtlichen Prozessionen. Mit Beginn des 3. Larvenstadiums steigt die gesundheitliche Bedrohung für Mensch und Tier, denn nun bilden sich die toxischen Brennhaare. Da diese sehr brüchig sind, schweben sie auch durch die Luft, was ihr Gefährdungspotenzial erhöht. Ende Juni treten die Raupen dann ein in die Verpuppung, um Ende Juli/Anfang August als fertige Falter zu schlüpfen.

Symptome

Durch den Eichenprozessionsspinner gefährdet sind ausschließlich die Bäume der Gattung Eiche (Quercus), wie Roteichen (Quercus rubra), Traubeneichen (Quercus petraea) oder Stieleichen (Quercus robur). Einzig bei sehr hohem Befallsdruck weichen die Schädlinge auf andere Laubbäume aus, wie Kiefern oder Hainbuchen. An diesen Symptomen erkennen Sie den Befall:
  • Längliche Eiplatten auf glatten Rinden im oberen Kronenbereich während des Winters
  • Bis auf die Rippen zerfressene Eichenblätter des frischen Austriebs im Frühjahr
  • Im jungen Entwicklungsstadium ist der obere Baumbereich betroffen
  • im älteren Entwicklungsstadium fressen die Raupen die Blätter im unteren Bereich
  • Zunächst kleine, später fußballgroße Nester in Astgabeln und an dicken Zweigen
Neben dem Laubfraß, sind es insbesondere die Gespinst-artigen Nester,


die auf den Eichenprozessionsspinner hindeuten. Während in den frühen Larvenstadien diese Nester noch klein und unscheinbar in den oberen Regionen einer Eiche angelegt werden, sind sie im weiteren Verlauf besser zu erkennen. Je größer die Raupen werden, desto mächtigere Nester legen sie an, die sich dann gut sichtbar mehr in Bodennähe befinden.

Tipp: Bei hohen Temperaturen im Sommer siedeln sich die Raupen mitunter im kühleren Boden an. Das Bodennest ist an einem Gespinst zu erkennen, das sich zur Hälfte am Stamm befindet.

Gesundheitsgefährdung

Die Dringlichkeit einer effektiven Bekämpfung geht nicht in erster Linie von den Schäden am Baum aus. Von einem einmaligen Raupenfraß - mag er auch noch so intensiv stattfinden - erholt sich eine vitale Eiche wieder. Erst wenn sich bei einem wiederholten Befall durch den Eichenprozessionsspinner sekundäre Schädlinge auf dem geschwächten Baum einfinden, gerät eine Eiche in ernsthafte Bedrängnis. Sehr viel ernster zu nehmen ist die gesundheitliche Gefährdung für Mensch und Tier, die von den Brennhaaren der Raupen ausgeht. Beginnend mit dem dritten Larvenstadium, enthalten die hohlen Brennhaare ein Eiweißgift. Dieses Gift löst allergische Reaktionen aus, wie Hautausschlag, Augenreizung, Schwindel oder Fieber, bis hin zum allergischen Schock. Da die brüchigen Haare zusätzlich durch den Wind verbreitet werden, gelangen sie in die Atemwege, wo sie Asthma oder Bronchitis verursachen. Verstärkend kommt hinzu, dass die Haare ihre Toxizität über Jahre hinweg behalten. Somit kumuliert die Infektionsgefahr mit jedem Jahr, wenn der Thaumetopoea processionea nicht bekämpft wird.

Bekämpfung

EichennblattFür die Bekämpfung steht eine Auswahl an mechanischen, biologischen und chemischen Maßnahmen zur Verfügung, die auch im privaten Bereich zum Erfolg führen können. Organisatorische Methoden, wie sie bei einem massenhaften Befall in großen Waldgebieten ergriffen werden, kommen im Hausgarten nicht in Betracht. Nachdem in früheren Jahren ein massives Auftreten des Eichenprozessionsspinners auf überregionaler Ebene panikartig mit Insektiziden vom Flugzeug aus bekämpft wurde, gehen die Verantwortlichen heute dazu über, das betroffene Waldgebiet für den Publikumsverkehr zu sperren. Erfahrungsgemäß reguliert sich dort die Population der Thaumetopoea processionea auf natürliche Weise nach einiger Zeit. Im Garten und Park sind hingegen andere Bekämpfungsmethoden gefragt.

Mechanische Methoden

Die folgenden mechanischen Verfahren haben sich in der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ausgezeichnet bewährt, da sie insbesondere eine sichere Vernichtung der gefährlichen Brennhaare mit sich bringen.
Fixieren und Entfernen
  • Jedes einzelne Gespinst mit Haarspray, Wachs oder der Silikatlösung Natronwasserglas fixieren
  • Das Nest mit einem möglichst langen Werkzeug abnehmen
  • In

    einen bereitstehenden Eimer stecken, mit Wasser übergießen und verschließen
  • Alternativ in einem feuerfesten Behälter verbrennen
Diese Bekämpfungsmethode wird idealerweise an einem regnerischen Tag durchgeführt, da die Brennhaare dann nicht so sehr umherfliegen. Wichtig zu beachten ist, eine hochwertige Schutzkleidung einschließlich einer Atemmaske zu tragen und diese Arbeit auf keinen Fall alleine zu erledigen.

Absaugen
  • Erforderlich sind Industriesauger der Filterklasse H (Asbestsauger) und eine Arbeitsbühne
  • Den Boden zusätzlich mit Folie abdecken für Raupen, die herunterfallen
  • Geeignete Schutzkleidung (Kategorie III, Typ 5) und Atemschutz anlegen
  • Strenges Verbot der Alleinarbeit
  • Weiträumige Absperrung des Gebietes
Angesichts der erforderlichen Ausrüstung und der strengen Sicherheitsvorkehrungen, ist diese Form der Bekämpfung von Eichenprozessionsspinnern

einzig ausgebildeten Fachleuten vorbehalten. Vorteilhaft ist der große Abstand zum Nest, der eingehalten werden kann. Darüber hinaus wird ein großer Teil der Brennhaare eingesaugt. Als nachteilig ist zu bewerten, dass nicht sichergestellt ist, dass sich alle Raupen im Nest befinden, sodass eine Wiederholung der Maßnahme erforderlich ist. Darüber hinaus ist die Umgebung bereits vorher durch Brennhaare infiziert und gilt weiterhin als belastet für mindestens 5 Jahre.

Abbrennen

Diese Form der Beseitigung der Nester von Thaumetopoea processionea ist nicht zu empfehlen. Die Brandgefahr ist extrem hoch. Ganz zu schweigen von dem thermischen Effekt, der die feinen Härchen derart aufwirbelt und in der Umgebung verteilt, dass ein noch größerer Schaden angerichtet wird.

Tipp: Pheromonfallen geben frühzeitig einen Hinweis auf den möglichen Befallsdruck im Garten. Die Männchen werden von einem speziellen Lockstoff angezogen und bleiben in der Falle kleben.

Biologische Mittel

Da sich die toxischen Brennhaare an den Raupen erst ab dem dritten Larvenstadium entwickeln, konzentriert sich die biologische Bekämpfung auf die ersten beiden Stadien. In dieser frühen Phase ist eine mechanische Vorgehensweise noch wenig effektiv, da sich die kleinen Räupchen weit verstreut auf den Bäumen aufhalten. Erst mit zunehmendem Alter konzentrieren sie sich in so großen Gespinsten, dass Fixieren und Entfernen oder Absaugen überhaupt eine Chance auf Erfolg haben. Die biologische Methode setzt dagegen auf Organismen, bzw. natürlich vorkommende Stoffe, die auf die zu bekämpfenden Schädlinge vernichtend wirken. Im Fachjargon werden diese Präparate als Biozid bezeichnet.

Neem-Azal

EichelnDas Präparat enthält Wirkstoffe, die aus den Samen des tropischen Niembaumes gewonnen werden. Dieser Baum ist in Indien beheimatet, wo seine Samen sich seit Jahrtausenden in der Schädlingsbekämpfung etabliert haben. Der natürlich vorkommende Wirkstoff Azadirachtin agiert systemisch, was bedeutet, dass er über die Blätter in den Baum eindringt. Die Raupen nehmen durch den Verzehr des Laubs das Biozid auf, was zu einem sofortigen Fraßstopp führt. Im weiteren Verlauf gehen sie dann ein. Die Vorteile von Neem-Azal liegen somit auf der Hand. Das Bekämpfungsmittel kommt in der Natur vor, wirkt selektiv auf Eichenprozessionsspinner und belastet weder die Umwelt, noch die Menschen. Neem-Azal ist für den Einsatz im Haus- und Kleingarten erlaubt bis 2023, wie der Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu entnehmen ist. Zu bedenken ist, dass eine Anwendung ab dem dritten Larvenstadium zusätzlich die physikalische Beseitigung der Nester erfordert.

Dipel ES

Hauptwirkstoff ist hier das Bakterium Bacillus thuringiensis, das als Spritzlösung auf die befallene Eiche aufgebracht wird. Hier wird es von den Raupen aufgenommen und wirkt über den Darmtrakt tödlich. Spätestens nach 3 bis 4 Tagen setzt der Fraßstopp ein. Wie alle biologischen Bekämpfungsmittel gegen Eichenprozessionsspinner, spielt der Zeitpunkt der Anwendung eine essenzielle Rolle. Um die Schädlinge in einem der ersten beiden Larvenstadium zu erwischen, muss im April mit der Spritzung begonnen werden. Dipel ES ist zugelassen für den Kleingarten bis 2021. Kritisch zu bewerten ist die schädliche Wirkung auf alle Schmetterlingsraupen, also auch denjenigen, die nicht zu den Zielorganismen zählen.
Zwei weitere Insektizide sind zugelassen, jedoch nicht für den Kleingarten. Hierbei handelt es sich um nicht selektiv wirkende Präparate, Dimilin 80 WG und Karate Forst, die insbesondere vom Naturschutzbund sehr kritisch bewertet werden.

Nematoden

Die 0,5 mm kleinen Fadenwürmer haben es zu einiger Prominenz gebracht in der biologischen Bekämpfung von Thaumetopoea processionea. Nematoden leben im Boden und vermehren sich ausschließlich in Insekten. Außerhalb des Erdreichs vertrocknen sie innerhalb weniger Stunden. Es ist eine Grundvoraussetzung, dass sie mindestens drei Stunden überleben, damit sie in die Raupen eindringen können. Daher werden sie mit einem feuchtigkeitsspendenden Zusatz vermischt und auf die betroffene Eiche gesprüht. So erzielen Sie den höchst möglichen Effekt:
  • Nematoden Steinernema feltiae nach Dosierungsanleitung in ein Sprühgerät füllen
  • Prüfen, ob die Fadenwürmer unbeschadet die Düse passieren
  • Anwenden bei windstiller und trockener Witterung
  • In den frühen Abendstunden applizieren, ab 17 Uhr
  • Behandlung nach 10 Tagen wiederholen
Sofern Sie die Nematoden in einem späteren Larvenstadium anwenden, ist die Applikation mithilfe einer Spritzlanze zu empfehlen, um eine möglichst hohe Entfernung zu den Schädlingen zu gewährleisten.

Alte Nester entfernen

Eichen-Prozessionsspinner HinweisschildSind die Raupen geschlüpft und als Falter davongeflogen, geht von den verlassenen Nestern immer noch Gefahr aus. Die abgelegten Larvenhäute befinden sich nach wie vor in den Gespinsten und behalten ihre Giftwirkung noch über Jahre hinweg. Es ist daher empfehlenswert, alte Nester von den Bäumen und dem Boden zu entfernen. Diese Arbeiten müssen unter den gleichen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden, als handele es sich um ein bewohntes Nest.

Häufig gestellte Fragen

Hat der Eichenprozessionsspinner auch natürliche Freßfeinde?

Eine ganze Reihe von Nützlingen hat es auf den Eichenprozessionsspinner abgesehen. Vögel und Fledermäuse beispielsweise vertilgen die adulten Falter, während sie die Raupen verschmähen. Räuberische Käfer dagegen machen Jagd auf die Raupen, wie der Große Puppenräuber (Calosoma sycophanta), Schlupfwespen (Ichneumonidae) oder Brackwespen (Braconidae). In einem naturnah gestalteten Garten haben die Schädlinge daher schlechte Karten, denn sie stehen auf der Speisekarte zahlreicher tierischer Bewohner.

Was ist zu tun, wenn ich mit den Brennhaaren in Berührung kam?

Auf keinen Fall sollten Sie sich kratzen oder über die Stellen auf der Haut reiben. Besser ist, Sie spülen Haut und Augen sorgfältig mit klarem Wasser aus. Wechseln Sie umgehend Ihre gesamte Kleidung und waschen diese bei mindestens 60 Grad in der Waschmaschine. Eine milde Creme mit Aloe Vera schafft jetzt rasch Erleichterung. Sollten Sie stärkere Beschwerden haben, nehmen Sie Kontakt mit einem Arzt auf. Die Allergie-auslösende Gefahr, die von den Brennhaaren ausgeht, ist nicht zu unterschätzen.