SpeckkaeferAlle Arten des Speckkäfers sind flugfähig. So können sie problemlos auch in Wohnungen und Häuser gelangen, um dort Schaden anzurichten. Besonders gerne leben die Larven des Käfers im Müll, wo sie ein reichhaltiges Nahrungsangebot vorfinden. So wundert es nicht, dass häufig verwahrloste und verschmutzte Wohnungen von Speckkäfern befallen sind. Die völlige Eliminierung gestaltet sich in der Praxis jedoch meist überaus schwierig.


Inhaltsverzeichnis
Kurzer Steckbrief:
  • gehören zur Familie der Käfer
  • zoologischer Name: Dermestidae
  • bis zehn Millimeter Länge
  • je nach Gattung stark unterschiedliche Färbung
  • meist schwarze oder braune Grundfarbe
  • den meisten Schaden richten die Larven an
  • Speckkäferlarven: längliche Form, mit dichten, borstigen Haarbüscheln

Arten und Vorkommen

Speckkäfer gehören in die Familie der Käfer. Sie kommen weltweit in etwa 1000 Arten vor, die in 45 Gattungen unterteilt sind. In Europa sind 169 Arten und deren Unterarten heimisch, von denen 68 auch bei uns vorkommen.

Dermestidae haben sich an eine Vielzahl von Lebensräumen angepasst. Einige leben mit ihren Nachkommen in der Bodenstreu, andere fressen Aas oder haben ihren Lebensraum auf Blüten beschränkt. Speckkäfer gehören zu den sogenannten "Kulturfolgern des Menschen". Sie wurden in Präparaten, Vorräten und anderen Materialien weltweit verschleppt und kommen nun in allen Bereichen menschlicher Siedlungen vor. Dies sind nicht nur Wohnungen und Häuser, sondern auch Taubenschläge (Nester von Vögeln), Bienenstöcke und Vorratssilos. Bei uns kommen vorwiegend folgende Arten vor:
  • Gemeiner Speckkäfer (Dermestes lardarius)
  • Gestreifter Speckkäfer (Dermestes bicolor)
  • Dornspeckkäfer (Dermestes maculatus)
  • Peruanischer Speckkäfer (Dermestes peruvianus)
  • Dornloser Speckkäfer (Dermestes frischi)
  • Weißbauchiger Speckkäfer (Dermestes carnivorus)
  • Aas-Dornspeckkäfer (Dermestes alter)
  • Zweifarbig behaarter Speckkäfer (Dermestes haemorrhoidalis)

Schadwirkung

Meist werden nicht die Käfer, sondern deren behaarte Larven erkannt, wenn sie sich durch Nahrungsmittel wie Käse, Wurst oder Trockenei fressen. Die Lebensmittel werden durch die Fraßtätigkeit und den Kot der Speckkäferlarven (zentimeterlange Fäden) untauglich für den menschlichen Genuss. An Leder und Fellen ist der Befall durch Loch- und Schabefraß zu erkennen. Die Larven nagen aber auch Tabakwaren, schlupffähige Küken, Garnrollen, Kork und weiches Holz an. Die Materialien werden nicht nur durch die Fraßlöcher geschädigt, sondern zudem durch den Kot, die Puppenhüllen und Larvenhüllen kontaminiert. Durch den Stoffwechsel der Speckkäferlarven kann sich Kondenswasser bilden, sodass es gelegentlich zusätzlich zu einem Schimmelbefall kommt.

Lebensweise

Speckkäfer gehören zu den gefürchteten Vorratsschädlingen und Materialschädlingen. In der Natur spielen sie eine sehr wichtige Rolle, da sie daran beteiligt sind, Kadaver von Tieren restlos abzubauen. Die Larven vieler Speckkäfer ernähren sich fast ausschließlich von dem Eiweiß Keratin, das in Federn, Fell und Horn von Tieren vorkommt. Diese Materialien können nur sehr wenige Organismen abbauen.

Weibliche Speckkäfer legen bis zu 500 Eiern in oder an der bevorzugten Nahrung ab. Die Entwicklung der Eier und Larven dauert bei Raumtemperatur etwa sechs bis acht Wochen. Bei guten Lebensbedingungen bringt ein Speckkäfer bis zu sechs Generationen im Jahr hervor, die sich wiederum weitervermehren.

Gemeiner Speckkäfer

Der Gemeine Speckkäfer kann gut an seiner zweifarbige Flügeldecke erkannt werden (schwarz und braun), wobei auf dem braunen Streifen auf den Flügeln meist je drei dunkle Punkte erkennbar sind. Er überwintert als Puppe und schlüpft gegen Anfang April. Liegen die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit optimal (25 Grad und 65% relative Luftfeuchtigkeit), so dauert die Entwicklung lediglich 48 Tage. Während im Freiland pro Jahr nur eine Population ausgebildet wird, können sich die Käfer in der warmen Wohnung über mehrere Generationen im Jahr fortpflanzen. Zur Verpuppung bohren sich die Speckkäferlarven in weiche Materialien, können aber auch Holz oder sogar Mörtel befallen. Werden hohe Populationen über Jahre hinweg nicht bekämpft, kann es zu massiven Schädigungen an der Einrichtung oder auch der Bausubstanz kommen.

Vorbeugung

Finden Speckkäfer und deren Larven keine oder nur unzureichende Nahrungsquellen, werden sie sich an diesem Ort nicht zur Vermehrung niederlassen. Erfolg versprechend sind zur Vorbeugung alle Methoden, die potenzielle Nahrungsquellen beseitigen und den Lebensraum für die Larven so wenig angenehm wie möglich machen. Deshalb sollten - vor allem nach vorhergegangenem Befall - ein paar einfache Regeln eingehalten werden:
  • Schränke sauber halten: Verschüttetes sofort entfernen
  • Lebensmittel nach dem Kauf immer kontrollieren
  • Lebensmittel in geschlossenen Behältern und trocken lagern
  • bei der Lagerung auf kühle Temperaturen achten (unter 18 Grad)
  • gefährdete Materialien regelmäßig untersuchen
  • Kleidung/Teppiche gegebenenfalls ausbürsten, abklopfen, reinigen, waschen oder bügeln
  • alle Ecken und Ritzen in der Wohnung regelmäßig absaugen oder abwischen
  • Wohnung häufig lüften

Bekämpfung

Speckkaefer aus der NäheDa die Larven des Speckkäfers meist sehr versteckt leben, bereitet ihre Bekämpfung in der Praxis große Probleme. Speckkäferlarven ziehen sich zur Verpuppung in unzugängliche Höhlen zurück und können sich sogar in verschiedene Materialien einbohren. Deshalb führen Kontaktinsektizide meist zu keinem hohen Erfolg. Einer Behandlung sollte immer eine gründliche Reinigung vorausgehen. In vielen Fällen ist dann eine weitere Bekämpfung nicht mehr unbedingt notwendig. Sollte der Befall sehr massiv ausfallen, sollte immer ein geprüfter oder staatlich anerkannter Schädlingsbekämpfer um Rat gebeten und keine Selbstversuche mit chemischen Mitteln gestartet werden.

Allgemeine Regeln:
Um die gesamte Population an Speckkäfern zu vernichten, muss ein Zeitraum von etwa zwei Monaten eingeplant werden. Ein Larvenstadium dauert etwa sechs Wochen. Auch die neue Generation muss unbedingt mit beseitigt werden. In der Zwischenzeit ist es dringend notwendig, in kurzen, regelmäßigen Abständen alle Käfer und Larven einzusammeln und unschädlich zu machen. Befallene Lebensmittel sind ausnahmslos zu vernichten. Am besten werden sie mit der Verpackung (falls sie sich noch in der Originalverpackung befinden) in eine verschließbare Plastiktüte gegeben und im Hausmüll entsorgt. Kleidungsstücke und Textilien müssen in die Reinigung gebracht oder gewaschen werden (bei möglichst hohen Temperaturen). Die lichtscheuen Speckkäferlarven findet man vor allem:
  • hinter Fußleisten
  • in Schubladen
  • im Lattenrost des Bettes
  • unter dem Teppich
  • an allen anderen dunklen und versteckten Orten

Thermische Bekämpfung

Speckkäfer entwickeln sich bei Temperaturen um die 25 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 65% optimal. Werden ihre Lebensbedingungen verändert, so ist ihre Vermehrung gehemmt. Bei sehr starken Abweichungen sterben die Käfer und Larven. Eine Behandlung mit Hitze (mehr als 50 Grad) führt schon nach wenigen Stunden zum Absterben aller Entwicklungsstadien der Käfer. Bei sehr tiefen Temperaturen (unter -20 Grad) kann ein Erfolg erst nach deutlich längerer Zeit vermessen werden. Diese Verfahren sind allerdings nur dort anzuwenden, wo die befallenen Materialien nicht durch die Temperaturen beschädigt werden können (Pelze, Tierpräparate). Das Waschen von Wolle oder empfindlichen Textilien bei niedrigen Temperaturen in der Waschmaschine ist wirkungslos, da dabei die Speckkäferlarven nicht absterben. Alternativ können diese Textilien in die chemische Reinigung gebracht werden. Auch in einer Plastiktüte verpackt hilft abwechselndes Einfrieren (in Winter im Freien, sonst Gefriertruhe) und schnelles Auftauen. Hinsichtlich hohen Temperaturen wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass verschiedene Zeitspannen zum vollständigen Absterben der Population eingehalten werden müssen:
  • bei Temperaturen über 60 Grad: fünf bis zehn Minuten
  • bei Temperaturen um 55 Grad: mindestens eine Stunde

Kontaktinsektizide

Bei den meisten Kontaktinsektiziden handelt es sich um Gifte, die die Nerven des Insektes oder dessen Nachkommen schädigen. Aufgenommen wird das Gift entweder über den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege oder die Körperoberfläche. Viele dieser Mittel enthalten Pyrethrum, einen Wirkstoff, der aus der Chrysantheme stammt. Der natürliche Ursprung darf dabei aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Pyrethrum giftig für alle Insekten (Nützlinge) und auch Fische ist. Allerdings zersetzt sich der Wirkstoff unter Einfluss von Tageslicht rasch und wird somit wirkungslos. Die Mittel werden in die Ecken und Ritzen von Möbeln und Räumen gesprüht/aufgebracht, eine vorherige Reinigung ist dabei unumgänglich.

  Der Griff nach Giften sollte in der Wohnung immer nur als letztes Mittel angewendet werden, da viele Stoffe auch auf Menschen und Haustiere eine toxische oder gesundheitsschädliche Wirkung zeigen. Natürliche Mittel wie Teebaumöl und Neemöl sind bei stärkerem Befall leider meist wirkungslos.

Stäubesilikate

Silikatstäube wirken nicht chemisch gegen die Schädlinge, sondern haben eine biophysikalische Wirkungsweise: Sie wirken stark schmirgelnd und absorbierend. Sie zerstören die Wachsoberfläche von Insekten und Raupen, sodass durch die kleinen Verletzungen ungehindert Körperflüssigkeiten austreten. Schon nach kurzer Zeit sterben die Schädlinge durch Austrocknen ab. Zwar können die feinen Stäube die Schleimhäute von Menschen reizen, sind aber ansonsten völlig ungiftig und ungefährlich. Gegen die Reizung hilft das Tragen einer Staubmaske. Das Stäubepulver kann aus der Flasche direkt auf die entsprechenden Stellen aufgetragen werden und beseitigt in sehr kurzer Zeit alle Stadien des Käferbefalls. Bei wiederkehrendem Befall ist eine Behandlung im Abstand von sechs bis acht Wochen zu wiederholen.

Pheromonfallen

Die Käfer mit Pheromonfallen zu bekämpfen, ist eine bewährte und wirksame Methode. In der Falle werden Botenstoffe (Pheromone) eingesetzt, also arttypische Signalstoffe, die der Kommunikation unter den einzelnen Individuen des Käfers dienen. Nur wenige Moleküle dieser Stoffe reichen aus, um männliche Käfer anzulocken. Diese kleben dann an der Falle fest, womit die Fortpflanzung und Verbreitung der Speckkäfer unterbrochen wird.

Biologische Bekämpfung

Eine weitere Alternative zur Bekämpfung von Schädlingen sind biologische Methoden, bei denen natürliche Feinde gegen den Schädling eingesetzt werden. Eine etwas ungewöhnliche Methode hat sich bereits bei der Lebensmittel- und Kleidermotte durchgesetzt: Schlupfwespen. Schlupfwespen legen ihre Eier in bestimmten Raupen oder Larven von Insekten ab, die sich dann von dem Wirt ernähren und ihn letztendlich - anders als bei anderen Parasiten - dabei töten. Innerhalb kurzer Zeit schlüpft dann eine neue Generation Wespen, die ihrerseits der Schädlingsbekämpfung dient. Die Verbreitung des Speckkäfers wird somit gleich im Keim erstickt. Bisher ist diese Methode zwar erst für Motten erprobt und wird in dem Sektor schon seit Jahren eingesetzt, allerdings ist die Schlupfwespe nicht auf diesen Wirt spezialisiert und legt ihre Eier auch in andere zur Verfügung stehenden Insektenlarven und Eier. Eine Invasion mit Schlupfwespen ist nicht zu befürchten, denn haben die Wespen keine Wirtstiere mehr, sterben auch sie aus.
  • Größe der Schlupfwespe: lediglich 0,4 Millimeter
  • Schlupfwespen können nicht fliegen und stechen nicht
  • sind ausschließlich auf die Nachkommen von Insekten spezialisiert
  • Befallen keine Pflanzen, Vorräte oder andere Materialien
  • verschwinden automatisch, wenn keine Wirtstiere/Eier mehr zu finden sind
Im Handel sind kleine Karten mit Schlupfwespeneiern erhältlich, die in die befallenen Zonen aufgehängt oder gelegt werden können. Einen Versuch ist diese Methode auf jeden Fall wert, denn die Kärtchen sind nicht teuer und die Schlupfwespen weder lästig noch schädlich!

Kammerjäger

Kann dem Befall mit dem Speckkäfer auf herkömmliche Weise kein Einhalt geboten werden, sollte unbedingt ein professioneller Schädlingsbekämpfer zurate gezogen werden. Dem Profi stehen sämtliche Mittel und Wege zur Verfügung, dem Befall Einhalt zu gebieten. Die Dauer der Bekämpfung erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von etwa acht Wochen, damit auch die Nachkommen, die nicht von der Maßnahme betroffen waren, mit einbezogen werden.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich, um welche Art von Speckkäfer es sich handelt?
Alle Speckkäfer sind bis zu zehn Millimeter groß und meist braun oder schwarz gefärbt. Ihre Larven sind länglich geformt und ebenso groß. Meist haben sie eine stachelige bräunliche oder weiße Behaarung auf dem Körper. Am häufigsten kommen folgende Arten vor:
Gemeiner Speckkäfer: schwarzer Panzer, mittig mit braunem Querstreifen (mit dunklen Flecken)
Dornspeckkäfer: braune Flügel, dichte, helle Behaarung auf dem gesamten Körper, sichtbarer Dorn am Körperende
Gestreifter Speckkäfer: schwarzer Körper, im hinteren Teil der Flügeldecken tiefe Längsfurchen
Die Bekämpfung aller Speckkäferarten ist auf die gleiche Weise möglich.

Wie kann ich mich am besten gegen einen Befall mit Speckkäfern schützen?
Speckkäfer - wie auch andere Schädlinge - nisten sich nur dort ein, wo sie gute Lebensbedingungen vorfinden. Das sind beim Speckkäfer warme Temperaturen, eine hohe Luftfeuchtigkeit und genügend Nahrung. Wer auf Ordnung und eine gute Hygiene achtet, keine Nahrungsmittel offen stehen lässt, besonders gründlich in den Ecken und Ritzen saugt sowie in Bad und Küche auf trockene und gut gelüftete Verhältnisse achtet, hat in der Regel die besten Chancen, vor einem Befall mit Speckkäfern (und auch anderen Schädlingen) geschützt zu sein.