Weidenbohrer - Schadbild und Mittel zum Bekämpfen


WeidenbohrerAngst und Schrecken verbreiten die roten Raupen des Weidenbohrers vor allem bei Besitzern von Apfel- und Birnbäumen, die neben der Weide und Hänge-Birke zu den bevorzugten Gehölzen des Cossus cossus gehören. Die Larven verbringen bis zu vier Jahre im Stamm des Gehölzes, bevor sie sich zu ausgewachsenen und geschlechtsreifen Faltern verpuppen: Zeit genug, um den ganzen Baum zum Absterben zu bringen.

Kurzer Steckbrief
  • gehören zu den Nachtfaltern
  • Familie: Holzbohrer
  • wissenschaftlicher Name: Cossus cossus
  • Männchen bis acht, Weibchen bis zehn Zentimeter Flügelspannweite
  • graubraun gefleckte Flügel, behaarter Körper
  • dämmerungs- und nachtaktiv
  • Larven (Raupen): kräftig rot mit schwarzem Nackenschild, bis zehn Zentimeter Länge
  • Wirtspflanzen: Weide (wie Salweide), Schwarzerle, Hänge-Birke, Birne und Apfel
  • befällt nur Laubbäume

Vorkommen

Der Weidenbohrer ist weit verbreitet, tritt aber meist nur lokal auf. Schädigend wirken nicht die Falter selbst, sondern deren Raupen. Sie entwickeln sich innerhalb von zwei bis vier Jahren in der Rinde von Laubgehölzen, vorwiegend in Weiden. Sie sind überall dort zu finden, wo alte Weiden stehen, befallen aber auch andere Gehölzarten, darunter einige Obstarten wie Birne und Apfel. In der Regel werden kranke und schwache Bäume in Gegenden mit fließenden Gewässern, feuchten Wiesen oder Parkanlagen, selten auch Mischwälder befallen. Weidenbohrer sind in Europa, Nordafrika und den gemäßigten Zonen Asiens verbreitet, im Gebirge kommen sie bis zu einer Höhe von 1500 Metern vor.

Entwicklung

Im Juni und Juli legen die gut getarnten Falter in die Ritzen des Stammes nahezu aller gängigen Laub- und Obstgehölze ihre Eier ab. Dies können bis zu 700 Stück in Haufen von etwa 20 Eiern sein. Die Eier werden meist in Bodennähe bis maximal in Brusthöhe des Stammes abgelegt und durch ein klebriges Sekret geschützt. Zwar suchen sich die Weidenbohrerweibchen hierfür bevorzugt krankes oder totes Holz aus, da unsere Wälder und Gärten jedoch immer sehr aufgeräumt sind, weichen sie auch auf andere, gesunde Bäume aus.

Zunächst leben die ausgeschlüpften Raupen zusammen gesellig unter der Rinde und nagen den Bast unter der Baumrinde an. Ab dem zweiten Jahr fressen sie sich tiefer ins Holz und durchbohren dies in alle Richtungen. Dabei hinterlassen sie ovale Fraßgänge, in denen sie auch überwintern. Die Raupen des Weidenbohrers leben dabei in Symbiose mit einem Pilz, der ihnen dabei hilft, das Holz aufzuschließen und leichter verdaulich zu machen. Die befallenen Bäume leiden dann nicht nur unter den Fraßschäden, hinzu kommt eine Pilzinfektion. Erst nach zwei bis vier Jahren verpuppt sich die Raupe im Frühjahr. Ab diesem Zeitpunkt nehmen sie keine Nahrung mehr auf. Dies kann entweder im Baum selbst geschehen, manchmal verlässt die Raupe zur Verpuppung auch das Gehölz und gräbt sich in die Erde ein. Die etwa fünf Zentimeter langen, gelbrot gefärbten Puppen sind nur schwer erkennbar. Sie verstopfen entweder die Ausgänge der Bohrlöcher mit Bohrspänen oder umhüllen sich im unmittelbaren Fußbereich des Baumes mit Spänen oder Streu und sind deshalb sehr gut getarnt. Frühestens im dritten Jahr schlüpfen dann die fertigen Falter ab Ende Mai, um sich ihrerseits wieder fortzupflanzen.

Natürliche Feinde

Der Weidenbohrer ist eine heimische Falterart, die sehr häufig vorkommt. Als natürliche Fressfeinde kommen nur wenige Gegenspieler infrage. Eine


Amsel ist gegen die Raupe nahezu chancenlos. Die roten Raupen sind sehr wehrhaft und können mit ihren kräftigen Kiefern durchaus schmerzhaft zubeißen. Rabenvögel wie Elstern wissen die fette Beute zu schätzen, allerdings müssen sie diese erst einmal zu fassen bekommen. Die Beute beschränkt sich also meist auf Raupen, die im Garten unterwegs sind, um sich einen geeigneten Platz zur Verpuppung zu suchen. Natürliche Feinde des Weidenbohrers sind:
  • Rabenvögel
  • Spechte
  • Schlupfwespen

Schadbild

WeidenbohrerAuffälligstes Merkmal sind die rundovalen Bohrlöcher in der Rinde des Baumes. An den Öffnungen der Fraßhöhlen sind grobes, rötliches Bohrmehl und der Kot der Raupen erkennbar. Diese werden aktiv von der Weidenbohrerraupe aus dem etwa ein Zentimeter großen Bohrloch herausbefördert. Mit der Zeit färben sich die Höhlenwände dunkel. Die Rinde wird brüchig und lässt sich großflächig ablösen. Zudem verströmen befallene Gehölze einen intensiven Geruch nach Essig. Ist ein Gehölz bereits befallen, lockt der arttypische Geruch weitere weibliche Falter an, die ihre Eier dann dort ablegen. Dies führt zu einem starken Befall mit Eiern, Raupen und Puppen jeglicher Altersstufe. Zunächst sind nur einzelne Triebe oder Teile des Baumes betroffen, erkennbar an welkenden Blättern oder verdorrten Zweigen. Im Endstadium führt ein Befall mit Weidenbohrern zum völligen Absterben des Baumes. Nicht selten ist die Statik des Baumes so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass der Baum einfach abknickt und umfällt.

Vorbeugung


Wirkungsvolle Methoden, die einen Baum vor dem Befall mit Weidenbohrern schützen, sind nicht bekannt. In Gebieten, die für den Befall von Weidenbohrern berüchtigt sind, sollten die Stämme der Bäume zweimal im Jahr kontrolliert werden:
  • im Juni und Juli auf die Eier des Weidenbohrers
  • im Juli bis September auf Löcher im unteren Stammbereich (bis Brusthöhe)

Bekämpfung

Eine Bekämpfung der Raupen gestaltet sich sehr schwierig. Meist ist es unmöglich, an alle Raupen heranzukommen, da sie sich tief in den Stamm oder dicke Äste einfressen. Nur im Frühstadium, wenn sich die Eier oder Raupen noch an der Oberfläche der Rinde aufhalten, kann ihrer Verbreitung Einhalt geboten werden. Es sind nur sehr wenige Mittel zur Bekämpfung bekannt. Inwieweit diese aber den Baum retten können, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Da sich die Weidenbohrer meist nicht mit nur einem einzelnen Baum zufriedengeben, besteht die Gefahr, dass auch benachbarte Bäume heimgesucht werden. Um eine Ausbreitung zu verhindern, muss der Baum notfalls so früh wie möglich gefällt werden. Auch der Wurzelstock sollte ausgegraben und entsorgt werden. Da die Raupen

selbst in gefällten Bäumen weiterleben, muss alles Holz des befallenen Baumes aus dem Garten entfernt werden.

Quassia-Seifenbrühe


Ähnlich einer gut sortierten Apotheke hält auch die Natur selbst eine Palette an Mitteln zum Pflanzenschutz bereit. Allerdings müssen die enthaltenen Wirkstoffe zunächst verfügbar gemacht werden. Dies geschieht in der Regel durch das Ansetzen von Jauchen, Brühen oder einer Art Tee. Frische Extrakte werden vor allem zur Kräftigung des Wachstums und zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Eine Brühe aus dem Quassiaholz, einer Bitterholzart, enthält den Wirkstoff Quassin und hilft gegen Ungeziefer jeglicher Art. Quassia-Bitterholz ist als Pflanzenschutzmittel zur Selbstherstellung zugelassen und

in Apotheken erhältlich.
  • 150g Bitterholz mit 2l Wasser übergießen
  • 24 Stunden stehen lassen
  • 30-60 Minuten kräftig kochen
  • Holzspäne absieben und trocknen (bis zu drei Mal wiederverwendbar)
  • Brühe (Konzentrat) vom Frühjahr bis zum Herbst haltbar
  • zur Anwendung auf 10l verdünnen
  • eventuell 250g Schmierseife zufügen (in die heiße Lösung)
Diese Lösung wird nun so frühzeitig wie möglich vom Frühjahr bis zum Herbst in regelmäßigen Abständen auf die befallenen Bäume gesprüht. Nach zwei bis drei Tagen wird der Belag am Baumstamm mit klarem Wasser abgespült. Die Quassia-Brühe sollte sehr sparsam verwendet werden, da sie auch für Nützlinge giftig ist. Quassin tötet die Eier und frisch geschlüpften Larven ab, die sich in der äußeren Rindenschicht befinden.

  Die in Quassia enthaltenen Stoffe tragen zu einem gesunden und kräftigen Wachstum der Pflanze bei.

Extrakt aus der Chrysantheme

Im frühen Stadium (Eier oder frisch geschlüpfte Larven) kann auch das Kontaktgift (Insektizid) Pyrethrum helfen. Es wird aus verschiedenen Chrysanthemenarten gewonnen und ist je nach Ursprungspflanze unter verschiedenen Handelsnahmen erhältlich. Pyrethrum ist ein Gift, das die Nervenzellen der Insekten schädigt. Unterschieden wird hierbei nicht zwischen Schädlingen und nützlichen Insekten.

Abtöten der Raupen


Sind die Larven erst geschlüpft und die Raupen haben sich weiter ins Holz eingefressen, wird ihre Bekämpfung schwieriger. Eine Möglichkeit, die Raupen zu entfernen, besteht darin, mit einem langen Draht in die sichtbaren Bohrlöcher zu stechen und dabei die relativ großen Raupen zu töten. Diese Methode ist recht radikal und nichts für empfindliche Gemüter. Das Aufspießen per Hand ist sehr zeitintensiv. Zudem ist es nahezu unmöglich, wirklich alle Raupen zu erwischen.

Großflächiges Herausschneiden befallener Triebe


WeidenbohrerSind Verzweigungen oder Äste befallen, so sollten diese Triebe vor dem Schlüpfen der Falter im Mai großzügig entfernt werden. Geschnitten wird bis ins gesunde Holz. Befallene Rinde oder Äste müssen unbedingt verbrannt werden, da die Schädlinge sonst im Totholz weiterleben. Die Schnittwunden sollten zum Schutz vor Infektionen mit üblichen Wundverschlussmitteln bestrichen oder behandelt werden. Bei starkem Befall ist es jedoch immer sinnvoller, lieber den ganzen Baum zu fällen und auch den Wurzelstock auszugraben und diesen zu entsorgen.

Entsorgung befallener Bäume


Da sich die Raupen des Weidenbohrers auch in Totholz problemlos weiterentwickeln können, ist das Fällen/Absägen befallener Gehölze immer auch mit der fachgerechten Entsorgung verbunden. Wird das Holz im Garten liegen gelassen oder auf den Kompost geworfen, ist dies für den Restbestand des Gartens nicht von Vorteil. Eine Entsorgung kann auf mehrere Arten geschehen:
  • feines Schreddern des Holzes (bedingt)
  • Entsorgung über den Hausmüll
  • verbrennen des befallenen Holzes
Da in vielen Gemeinden keine offenen Feuer im Garten erlaubt sind und auch die Restmülltonne nur ein begrenztes Füllvolumen hat, sollte vorher im Rathaus nachgefragt werden, wie in dem speziellen Fall vorzugehen ist. Viele Gemeinden erklären sich kostenlos bereit, die Abfälle abzuholen und fachgerecht zu entsorgen. Eine weitere Möglichkeit ist auch der Recyclinghof. Hier wird das Holz gehäckselt. Diese Zerkleinerung erwischt mit Sicherheit auch jede große Raupe, frische Eier oder Larven hingegen sind meist nicht betroffen.

  Das befallene Holz sollte auf keinen Fall als Brennholz gelagert werden!

Chemische Schädlingsbekämpfungsmittel

Speziell für einen Befall mit dem Weidenbohrer sind keine chemischen Bekämpfungsmittel zugelassen.

Biologische Bekämpfung


Auch biologische Schädlingsbekämpfungsmittel, wie es sie etwa für blätterfressende Raupen gibt, wirken bei der bohrenden Raupe des Weidenbohrers nicht. Trotzdem kann bei Früherkennung ein etwas ungewöhnlicher Bekämpfungsversuch gestartet werden. Schon seit einiger Zeit wird eine Methode praktiziert, die auf natürliche Weise Lebensmittelmotten ausrottet: der Einsatz von Schlupfwespen. Schlupfwespen suchen für ihre Fortpflanzung die Eier und Raupen von Motten oder Schmetterlingen auf und platzieren in diese ihre Eier. Die Larve der Schlupfwespe ernährt sich dann beispielsweise von dem Ei des Falters. Anders als bei anderen Parasiten werden die Wirtsorganismen aber letztendlich getötet. Innerhalb sehr kurzer Zeit schlüpft dann eine neue Wespe, die wiederum der Schädlingsbekämpfung dient. Das Problem der Verbreitung des Weidenbohrers wird somit gleich an der Wurzel gepackt, sodass es erst gar nicht zur Entwicklung der gefürchteten Raupen kommt. Die Methode ist bisher nur bei Kleider- und Lebensmittelmotten erprobt und wird dort schon seit Jahren effektiv eingesetzt. Die Schlupfwespe ist jedoch nicht auf die beiden Falter spezialisiert und legt ihre Eier in jegliche Nachkommen (Eier) der unterschiedlichsten Falter.
  • Schlupfwespen sind nur 0,4 Millimeter groß
  • Schlupfwespen stechen nicht, fliegen nicht (krabbeln nur) und sind völlig ungefährlich
  • die Wespen verschwinden automatisch, wenn sie keine Wirtstiere mehr finden
  • die Schlupfwespen interessieren sich nicht für andere Tiere oder Pflanzen
Im Handel sind Kärtchen mit Schlupfwespeneiern erhältlich, die über Wochen hinweg eingesetzt werden können, um den Weidenbohrer effektiv zu bekämpfen. Diese Kärtchen sind nicht teuer und keinesfalls schädlich. Es wird hiermit kein neuer Schädling eingeschleppt. Deshalb ist es auf jeden Fall einen Versuch wert!

Häufig gestellte Fragen

Können Weidenbohrer einen großen Baum so stark schädigen, dass er abstirbt?
Ich finde widersprüchliche Angaben. Je größer der Baum und je dicker der Stamm eines Baumes ist, umso stärker muss der Befall sein, damit der Baum abstirbt. Allerdings wird der Stamm wie auch die Äste im unteren Bereich durch die Bohrlöcher mit der Zeit brüchig und kann bei starken Winden oder Schneelast abknicken. Ist ein großer Baum im eigenen Garten mit dem Weidenbohrer befallen, sollte sich der Gärtner nicht in Sicherheit wiegen. Die Weidenbohrer wandern gerne auch auf benachbarte Bäume aus und locken durch ihren arttypischen Geruch weitere Weibchen zur Eiablage an. Um einen Totalbefall des Gartens zu verhindern, sollte also unbedingt etwas getan werden. Im schlimmsten Fall ist das eine sofortige Fällung und Verbrennung des befallenen Baumes.

Welches chemische Pflanzenschutzmittel wirkt gegen die Raupen des Weidenbohrers?
Bei uns sind keinerlei Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung des Weidenbohrers zugelassen. Es gibt weder chemische Mittel, noch wirken die biologischen Präparate, die spezielle Bakterien enthalten, gegen die bohrenden Raupen. Die biologischen Mittel sind leider nur gegen freifressende Raupen wirksam. Und dazu gehören die Weidenbohrer nun einmal nicht. Wird der Befall frühzeitig erkannt, können Präparate mit Quassia oder Pyrethrum die Eier und frisch geschlüpften Raupen abtöten.