Biologische Unkrautvernichter und Unkrautvernichtungsmittel

Unkraut im GemuesegartenFür die einen Gartenfreunde ist jegliches Unkraut ein Dorn im Auge, das sogleich und bedingungslos zu entfernen ist. Andere Hobbygärtner sehen selbst im hartnäckigsten Beikraut die Schönheit der Natur. Wer sich in der Freizeit der Pflege des Zier- und Nutzgartens widmet, sollte selbst entscheiden können, was hier gedeiht und was nicht. Chemische Herbizide zählen nun einmal zu den Methoden, mit denen wir Menschen uns selbst den Boden unter den Füßen wegziehen. Der Einsatz biologischer Unkrautvernichter und Unkrautvernichtungsmittel stellt hingegen einen essenziellen Schritt auf dem Weg zum vollendeten ökologischen Gleichgewicht dar.

Kurzer Steckbrief:
  • Bestimmte Pflanzen werden per Definition zu Unkraut.
  • Hauptkriterium ist, dass diese Pflanze nicht erwünscht ist.
  • Unkraut richtet wirtschaftlichen oder ästhetischen Schaden an.
  • Unterschieden wird nach ein- und mehrjährigem Unkraut.
  • Differenzierung ebenfalls nach Samen- und Wurzelunkraut.
  • Chemische Bekämpfung erfolgt durch Herbizide.
  • Im Hausgarten sind nur noch wenige Herbizide erlaubt.
  • Biologische Unkrautvernichter setzen körperlichen Einsatz voraus.
  • Biologische Unkrautvernichtungsmittel sind gesetzlich streng reglementiert.
Parallel zum ökologisch orientierten Umweltbewusstsein, ging die Anzahl der für den Hausgarten erlaubten chemischen Präparate zurück. Es entwickelten sich die unterschiedlichsten biologischen Unkrautvernichter und Unkrautvernichtungsmittel, die in den Wettbewerb der unerwünschten Pflanzen mit den Kulturpflanzen eingreifen, ohne der Umwelt zu schaden.

Mit Muskelschmalz gegen Unkraut

Unkraut ziehenWer es wirklich ernst meint mit der biologischen Unkrautbekämpfung, muss im gleichen Zug bereit sein, mit körperlicher Kraft zu Werke zu gehen. Da dieser Faktor sowieso untrennbar mit der Hobbygärtnerei verbunden ist, und gleichzeitig einen Beitrag zur Fitness leistet, entscheiden sich immer mehr Menschen, in der Unkrautbekämpfung für diesen Weg.

Unkraut jäten

Dies ist die klassische Unkrautbekämpfung und gleichzeitig die zweifellos körperlich strapaziöseste Version, die rund ums Haus und im Garten zur Anwendung kommt.
  • Idealerweise hat es kurz vor dem Jäten geregnet, weil Nässe den Boden aufweicht.
  • Samenunkräuter werden restlos ausgerupft, wie Löwenzahn oder Brennnessel.
  • Ein Stück Untergrund sollte noch am Unkraut hängen, um sicherzugehen.

  Werden Samenunkräuter vor der Blüte bzw. spätestens vor dem Aussamen entfernt, wird ihnen die Möglichkeit der Vermehrung genommen.

Um gegen Wurzelunkräuter vorzugehen, reicht die reine manuelle Vorgehensweise, ohne jegliche Unterstützung durch Werkzeuge oder andere Hilfsmittel zumeist nicht aus. Verbleibt beispielsweise von Giersch oder Disteln nur das kleinste Wurzelstück im Boden, treibt das Unkraut daraus wieder aus. Folglich wurden verschiedene Gerätschaften entwickelt, die dem Gartenfreund bei der biologischen Unkrautbekämpfung das Leben ein wenig erleichtern.

Rigolen

Mithilfe eines Spatens können Grundstücke, die besonders dicht mit Unkraut bewachsen sind, durch Rigolen in Beete verwandelt werden. Rigolen ist die Hardcore-Version des Unkrautjätens, die schweißtreibend, jedoch effektiv wirkt.
  • Das Terrain möglichst tief abmähen, evtl. mit einer Sense.
  • Quer zur Bearbeitungsfläche wird ein Graben ausgehoben.
  • Diese Furche ist ca. 2 Spatenblätter tief.
  • Den ersten Aushub durch ein Sieb werfen und seitlich anhäufen.
  • In der Folge vorwärts einen weiteren Graben anlegen.
  • Diese Erde wird gleichfalls durch das Sieb gereinigt.
  • Die von Unkraut befreite Erde wird in die erste Rinne verfüllt.
Der letzte Arbeitsschritt besteht darin, dass die gesiebte Pflanzerde der ersten Furche in den letzten Graben gefüllt wird. Sollten dicke Rhizome ausgesiebt


werden, landen sie nicht auf dem Kompost, sondern im Hausmüll.

Unkrautstecher

Diese Geräte verfügen über einen Stiel, einen bequemen Griff, ein Pedal und Edelstahlklingen. Ohne sich bücken zu müssen, stechen die Klingen tief in die Erde, greifen die Pflanze samt Wurzeln, um anschließend herausgehoben zu werden.

Grubber
Mit drei stabilen Zinken am Ende eines Stiels, dient der Grubber nicht nur der Lockerung der Beeterde, sondern zieht auch Unkraut jeglicher Art hervor. Es wird anschließend nur noch eingesammelt und entsorgt. Dabei ist hingegen nicht sicher, dass die Pflanze restlos beseitigt wurde.

  Beete, die mit Unkräutern dicht bewachsen sind, nicht fräsen. Die Bodenfräse zerstückelt lediglich die Pflanzen, von denen jedes Einzelteil fähig ist, sich zu regenerieren und als eigenständiges Gewächs auszutreiben.

Fugenbürste
Die meisten Probleme bereitet Unkraut, das aus den Fugen gepflasterter Wege und Fläche hervorschaut. Eine effektive manuelle Hilfe bietet die Fugenbürste, auch Fugenkratzer genannt. Am Ende eines langen Stiels befinden sich Stahlborsten, die Moos, Unkraut und Gras liquidieren.

Abflammgerät
AbflammgerätDieser biologische Unkrautvernichter rückt unerwünschten Pflanzen mit Hitze zu Leibe. Das Abflammgerät besteht aus einem Stiel, der an einem Ende eine runde Öffnung und am anderen Ende einen Schlauch mit einem Gasbehälter besitzt. Am Auslass entstehen Temperaturen bis 95° Celsius, was die Beikräuter absterben lässt.

Infrarotstrahlung
Der Kraftaufwand des Hobbygärtners ist minimal, dafür wirkt die Infrarotstrahlung umso effektiver gegen Unkraut. Ohne eine offene Flamme, entstehen an den Keramikteilen Temperaturen bis 1000° Celsius. Die Zellen der Unkrautgewächse zerbersten, wobei gleichzeitig sämtliche Flugsamen vernichtet werden, ohne dass die Mikrolebewesen im Boden Schaden nehmen. Interessant ist, dass Infrarotstrahlung nicht nur auf versiegelten Flächen oder Mauern angewendet wird, sondern selbst unter Bäumen und Sträuchern dem Unkraut den Garaus bereitet.

Hochdruckreiniger
Der kräftige Wasserstrahl eines Hochdruckreinigers spült jegliches Unkraut aus den Fugen der gepflasterten Wege und Flächen. Der Nachteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass eine Menge Fugensand herausgesprüht wird, der aufgekehrt und neu verfüllt werden muss. Zudem wird eine derart große Menge an Wasser verbraucht, dass sich der Einsatz eines Hochdruckreinigers als biologischen Unkrautvernichter ausschließlich für Gartenfreunde lohnt, die über einen eigenen Brunnen verfügen.

Biologische Unkrautvernichtungsmittel

Wer sich nicht mit dem mühseligen Unkraut jäten oder der Verwendung von Gerätschaften zu diesem Zweck anfreunden kann, greift auf Präparate und Hausmittel zurück, die Umwelt und Gesundheit schonen.

Kochendes Wasser
Es klingt

simpel, gebietet trotzdem jeglichem Unkraut nachhaltig Einhalt, das in den Fugen befestigter Terrains sein Unwesen treibt.
  • Mit Wasserkocher, Verlängerungsschnur und Wasserschlauch 'bewaffnen'.
  • Das kochende Wasser unmittelbar auf die Pflanze gießen.
  • Es werden keine Zusätze im Wasser benötigt.
  • Die abgestorbenen Pflanzen sind lediglich noch einzusammeln.
Auf diese Weise verwandelt sich heißes Wasser in ein biologisches Unkrautvernichtungsmittel, das Samenunkräuter ebenso effektiv beseitigt, wie Wurzelunkräuter.

Biologische Präparate im Handel
Die Anzahl der erlaubten Unkrautvernichtungsmittel ist nach wie vor rückläufig. Im Haus- und Kleingarten sind einzig Präparate erlaubt, die keine schädlichen Auswirkungen auf Menschen, Tiere und die Umwelt ausüben. Die Datenbank des Bundesamtes für

Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlicht aktuell eine Liste mit 238 Produkten, die biologisch abbaubar und daher für den privaten Gebrauch zulässig sind. Einige der bekanntesten Mittel werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Finalsan AF UnkrautFrei Plus
  • wirkt wurzeltief gegen sämtliche Unkräuter und Gräser
  • nach dem Antrocknen nicht mehr schädlich für Hund und Katze
  • bestens geeignet für die Verwendung im Drucksprüher
  • 1 Liter kostet ca. 15 Euro
Bayer Garten 3 Stunden Bio-Unkrautfrei AF
  • wirkt besonders schnell
  • auf Wegen, Plätzen und unter Gehölzen anwendbar
  • Fertigmischung in der Sprühflasche
  • 500 ml kosten ca. 10 Euro
COMPO Bio Unkrautvernichter Herbistop AF
  • bekämpft ein- und zweiblättrige Gartenunkräuter
  • wirkt auch gegen Giersch und Ackerschachtelhalm
  • Langzeitwirkung bis zu 8 Wochen
  • Fertigmischung in der Sprühflasche
  • 1 Liter kostet ca. 15 Euro
Naturen Bio Unkrautfrei (von Celaflor)
  • arbeitet auf der Basis von Essigsäure
  • wirkt ausschließlich gegen grünes, einjähriges Unkraut
  • die besprühten Pflanzen sterben nach 1-2 Tagen ab
  • 1 Liter Fertigmischung kostet ca. 13 Euro

  Präparate, die nicht das Kennwort 'Bio' enthalten, sind häufig nicht biologisch abbaubar sowie gefährlich für Mensch und Tier. Daher dürfen sie nur in kleinen Mengen abgegeben werden bis 100 ml und sind ab 1 Liter genehmigungspflichtig.

Bei der überwiegenden Mehrheit der noch zulässigen Unkrautvernichtungsmittel handelt es sich um Kombinationen aus Dünger und Herbizid für Rasen. Die oben genannten Produkte können heute schon nicht mehr zulässig sein. Daher ist es dringend zu empfehlen, sich bei Bedarf aktuell mithilfe der Datenbank zu informieren.

Essig und Salz sind gesetzlich verboten

Schon unsere Großeltern bekämpften mit Essig und Salz das Unkraut auf Wegen und Flächen. Daher gilt diese Wirkstoff-Kombination bis heute als Hausmittel, das nicht nur Unkraut beseitigt, sondern zudem sehr preisgünstig in der Anschaffung ist. Nach der Neufassung des Pflanzenschutzgesetzes von 2012 ist jedoch auch die Ausbringung von Essig und Salz auf befestigten und versiegelten Flächen als Unkrautvernichtungsmittel verboten und wird mit empfindlichen Geldstrafen geahndet.

Vorbeugende Maßnahmen

Dem vorausschauenden Hobbygärtner stehen verschiedene vorbeugende umweltfreundliche Methoden zur Verfügung, damit er erst gar nicht in die Lage gerät, über biologische Unkrautvernichter und Unkrautvernichtungsmittel nachdenken zu müssen.

Mulchen
Wird unter Pflanzen und Gehölzen, die es vertragen, regelmäßig eine dicke Schicht Mulch aufgetragen, hat Unkraut kaum eine Chance. Geeignete organische und anorganische Materialien sind beispielsweise Holzspäne, Rindenmulch, Kies oder Splitt.

  Organischer Mulch entzieht dem Boden unter Umständen Nährstoffe, sodass - je nach Pflanzensorte - bei Bedarf nachgedüngt wird.

Unkrautvlies
Wer bereits bei der Anlage eines Beetes, Rasens, Weges oder einer Terrasse daran denkt, ein Unkrautvlies zu verlegen, hat später keine Probleme mit unerwünschten Gewächsen. Das moderne Material ist wasserdurchlässig und atmungsaktiv, sodass die Blumen und Gehölze, die gedeihen sollen, nicht beeinträchtigt werden. Löwenzahn, Giersch & Co. lassen sich hingegen nicht blicken.

Bodendecker
Beete, die mit polsterbildenden Bodendeckern bepflanzt werden, sind nicht nur schön anzusehen, sondern weisen nur sehr selten Unkraut auf. Der dichte Wuchs von Blaukissen, Storchschnabel, Efeu und ähnlichen Arten unterdrückt wucherndes Unkraut zuverlässig während der gesamten Vegetationsperiode. Da Mutter Natur und eifrige Züchter für nahezu jede Lage, von sonnig bis schattig, von trocken bis dauerfeucht, passende Pflanzen zu bieten haben, steht dem Gartenfreund ein großes Arsenal völlig natürlicher Unkrautvernichter zur Verfügung.

Polymere Fugensand Trockenmischung
Unkraut auf dem GehwegVersäumte der Heimwerker beim Verlegen der neuen Pflastersteine oder Platten, zuvor ein Unkrautvlies auszubreiten, ist damit noch längst nicht aller Tage Abend. Nachträglich ist es möglich, die Fugen mit Polymere Fugensand neu zu verfüllen, um somit das Wachstum von Unkraut zu unterdrücken.
  • Die Fugensand Trockenmischung mit einem Besen einkehren.
  • Idealerweise anschließend mit einer Rüttelplatte die Fläche verdichten.
  • Schließlich sanft mit Wasser einsprühen, damit nichts wieder ausgeschwemmt wird.
  • Nach 1 bis 2 Stunden nochmals mit Wasser benetzen, um ganz sicherzugehen.
Die so behandelte Fläche kann erfahrungsgemäß spätestens nach 72 Stunden wieder betreten werden. Der Fugensand ist in verschiedenen Farbtönen erhältlich und umweltfreundlich. Die Unterdrückung des Unkrauts wird demgemäß erzielt, dass die Trockenmischung so effizient abbindet, dass nichts mehr von unten hindurchstoßen kann; selbst Ameisen nicht.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist die Verwendung von Essig und Salz zur Unkrautvernichtung so streng verboten?
Werden diese sehr aggressiven Substanzen auf versiegelten Flächen ausgebracht, können sie nicht versickern und landen unweigerlich in der Kanalisation. Darüber hinaus vernichtet der Mix sämtliches Leben im und auf dem Boden, weshalb auch niemand auf die Idee kommt, Essig und Salz im Beet oder unter Gehölzen zur Unkrautbekämpfung zu verwenden. Zudem ist eine wiederholte Anwendung erforderlich, da die Wirkung nicht lange anhält, sodass es folglich nur eine Frage der Zeit wäre, wann das ökologische Gleichgewicht aus dem Ruder läuft. Daher wird eine Zuwiderhandlung gegen das Pflanzenschutzgesetz mit einer Geldstrafe bis zu 50.000 Euro geahndet.

Was bedeutet für Unkrautvernichtungsmittel eigentlich 'biologisch abbaubar'?
In der Praxis wird die biologische Abbaubarkeit von Stoffen aus den verschiedensten Blickwinkeln definiert. Bezogen auf die Chemikalien, die sich in Herbiziden befinden, bedeutet 'biologisch abbaubar', dass diese Stoffe durch einen natürlichen Prozess entfernt oder dergestalt umgewandelt werden, dass sie wieder Teil des ökologischen Kreislaufs werden. Unter Hobbygärtnern kommt es im Rahmen dieser Thematik häufig zu Missverständnissen, weil die biologische Abbaubarkeit mit der Kompostierung gleichgesetzt wird.