Kakteen züchten - Vermehrung durch Samen, Stecklinge & Ableger

Kakteen vermehrenKakteen gelten als genügsame Gewächse, die auch von Menschen ohne Erfahrung in der Pflanzenpflege und grünen Daumen bestens kultiviert werden können. Wichtig sind lediglich einige Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Viel Aufheben um die ständige Pflege muss hingegen nicht betrieben werden. Das gilt auch für die Vermehrung der Kakteen, die gleich auf drei verschiedenen Wegen erfolgen kann und zwar etwas Zeit in Anspruch nimmt - allerdings sehr einfach durchzuführen ist. Die folgende Anleitung verrät, was dabei jeweils beachtet werden muss, um Kakteen selbst zu züchten.

Kurzer Steckbrief der Kakteen
  • Gehören zur Klasse der Bedecktsamer und zur Familie der Nelkenartigen
  • Kommen hauptsächlich aber nicht ausschließlich in Wüsten vor
  • Stark unterschiedliche Blütenausprägung
  • Befruchtung durch fliegende Insekten
  • Ausdauernde Gewächse
  • Einfach zu kultivieren

Grundregeln

Ob über Samen, durch Stecklinge oder Ableger - bei der Vermehrung von Kakteen gelten in jedem Fall einige Grundregeln. Diese sind recht einfach einzuhalten, haben aber einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg und die Gesundheit der jungen Sukkulenten. In erster Linie muss auf Keimfreiheit in jeder Hinsicht geachtet werden. Dazu müssen nicht nur eventuell eingesetzte Schnittwerkzeuge desinfiziert werden, auch das notwendige Substrat ist zu behandeln. Anderenfalls entsteht schnell Schimmel, der gerade jungen Keimen und neuen Wurzeln zu schaffen macht und die Pflänzchen in fast jedem Fall zum Eingehen bringt.

Ob die Anzuchterde oder das spezielle Substrat für Kakteen selbst angemischt oder gekauft werden, eine Hitzebehandlung im Backofen oder der Mikrowelle sollte vor dem Einsatz stehen. Selbstverständlich sind zudem nur scharfe Messer und saubere Töpfe zu verwenden. Dazu gibt es die Besonderheit der Feuchtigkeitsunverträglichkeit. Kakteen stammen hauptsächlich aus sehr kargen und trockenen Gebieten, Dürrezeiten zu überstehen ist daher oftmals problemlos für sie möglich. Zur Vermehrung ist allerdings Feuchtigkeit von Nöten, was selbst bei behandeltem Substrat zu Fäulnis und Schimmel führen kann. Es ist daher ratsam, Samen mit einem speziellen Fungizid zu präparieren und die feuchten Schnittstellen der Stecklinge für wenigstens einige Stunden abtrocknen zu lassen, bevor sie in die Erde gebracht werden. Der ideale Zeitpunkt für die Vermehrung der Kakteen ist das späte Frühjahr, etwa der Monat Mai. Mit Pflanzenleuchten und einem Zimmer-Gewächshaus kann die Züchtung aber auch ganzjährig erfolgen.

Samengewinnung

Wenn Kakteen blühen, kann das je nach Art sehr unterschiedlich aussehen. Die Blüten können winzig klein oder riesig groß sein. Sie können ausschließlich nachts und nur für kurze Zeit geöffnet sein oder auch tagelang ihre Schönheit zur Schau stellen. Einige Arten bilden zwar immer wieder Knospen aus, öffnen diese allerdings ausgesprochen selten. Hinzukommt, dass Kakteen in Zimmerkultur zwar oftmals gedeihen oder zumindest nicht eingehen, jedoch für die Blütenbildung keine geeigneten Bedingungen vorfinden. Und selbst bei geöffneten Blüten muss es zur Fruchtbildung und dazu zur Befruchtung durch fliegende Insekten kommen. All diese Faktoren erschweren die Samengewinnung von eigenen Gewächsen erheblich. Der Einfachheit halber ist es daher im Normalfall empfehlenswerter, zu Samen aus dem Handel zu greifen. Anderenfalls werden die Fruchtkörper solange an der Pflanze belassen, bis sie vertrocknen oder von allein abfallen. Im Anschluss werden sie geöffnet, die Samen mit einem Messer herausgekratzt und gesäubert. Vor der Aussaat sollten diese mit


einem speziellen Fungizid behandelt und getrocknet werden.

Kakteen vermehrenVorbehandlung

Kommen die Samen aus dem Handel, sind sie in der Regel zum Schutz vor Schimmel und Fäulnis bereits mit einem Fungizid behandelt wurden. Wer die Samen selbst aus den Fruchtkörpern gewinnt, sollte diese Maßnahme ebenfalls durchführen. Zudem sind die Samen wie obig erwähnt zu reinigen und zu trocknen.  

Keimung


Bei der Vermehrung der Kakteen über Samen ist anfangs nur wenig Platz und Zubehör von Nöten. Notwendig sind:
  • Eine flache Schale mit Abflusslöchern
  • Kakteen- oder sandige Anzuchterde
  • Passender Untersetzer
  • Abdeckung für das Anzuchtgefäß, beispielsweise transparente Folie, eine Glasscheibe oder ein Mini-Gewächshaus
  • Ein heller, warmer Standort
Vorgegangen wird zur Keimung der Samen wie folgt:
  • 1. Die flache Schale wird mit dem gewählten Substrat gefüllt und die Erde leicht fest geklopft.
  • 2. Die Schale wird in den Untersetzer gestellt und dieser mit Wasser gefüllt, sodass sich das Substrat von unten nach oben vollsaugen kann.
  • 3. Die Samen werden auf die Erde gelegt, möglichst in gleichmäßigen Abständen, und sanft in sie gedrückt.
  • 4. Im Anschluss wird das Gefäß abgedeckt und an einen hellen, warmen Ort gestellt. Eine Fensterbank gen Süden und 20 °C bis 25 °C sind ideal.
  • 5. Die Erde wird solange gleichmäßig feucht gehalten, bis sich die ersten Keime zeigen.

  Bei Aussaat und Anzucht sollte auf die eventuellen Besonderheiten der jeweiligen Art geachtet werden. Einige Kakteen mögen es etwas kühler, andere wärmer.

Pikieren und Umsetzen

Kakteen vermehrenDie Abdeckung verbleibt solange auf dem Anzuchtgefäß, bis die jungen Kakteen eine Höhe von etwa drei bis fünf Zentimetern erreicht haben. Danach wird das Pikieren notwendig. Hierbei handelt es sich um nichts anderes, als das vereinzelte Pflanzen, also das Umsetzen, der kleinen Kakteen. Viel länger sollte mit dem Pikieren nicht gewartet werden, damit sich die Wurzeln nicht ineinander verflechten und beim Umtopfen geschädigt werden. Getopft wird in Kakteenerde, die bei Bedarf auf die besonderen Ansprüche des jeweiligen Gewächses angepasst wird. Nach dieser Maßnahme ist weder das Abdecken noch das gleichmäßige Feuchthalten der Pflänzchen notwendig. Sonnig und warm sollten sie aber nach wie vor stehen.

  Tragen die Kakteen bereits Stacheln, sollten sie mit einer beschichteten Zange oder ähnlichen Hilfsmitteln umgesetzt werden. Das schont Haut und Pflanze zugleich.

Stecklinge gewinnen

Während sich bereits das

Gewinnen der Samen zur Vermehrung der Kakteen schwierig gestalten kann, ist die Züchtung über Stecklinge recht einfach. Verwendet werden hierfür Blattstecklinge oder Kopfabschnitte der Gewächse, die beispielsweise auch abgebrochen sein können. Wiederum wird nur wenig für die Vermehrung benötigt. Dazu gehören:
  • Ein Topf mit Kakteen- oder Anzuchterde
  • Untersetzer oder Übertopf
  • Ein scharfes, sauberes Messer
  • Dünne Stäbchen
  • Ein heller, warmer Standort
Als Ausgangsmaterial sind zudem die Stecklinge selbst von Nöten. Diese können als Blattabschnitte von fünf bis zehn Zentimeter Länge vom Kaktus geschnitten werden. Auch wenn Kakteen zu hoch werden, und gleich ein größerer Kopfabschnitt entfernt werden muss, kann dieser zur Vermehrung eingesetzt werden. Sogar bei versehentlich abgebrochenen Stücken kann der Versuch gewagt werden.

Anzucht und Bewurzelung


Nach Schnitt oder Bruch zeigen sich die offenen Stellen des Stecklings feucht und sind daher besonders anfällig für Fäulnis. Zumindest dann, wenn sie mit Substrat in Berührung kommen. Ein sofortiges Einsetzen in die Erde wäre also oftmals fatal. Ratsam ist es daher, die Stecklinge zunächst trocknen und mäßig warm zu legen, bis die Schnittflächen abgetrocknet sind. Je nach Größe kann das Trocknen wenige Stunden oder bis zu zwei Tage in Anspruch nehmen. Sind die Schnittflächen trocken und geschlossen, wird wie folgt verfahren:
Kakteen vermehren
  • 1. Der Topf wird mit Kakteenerde gefüllt und das Substrat befeuchtet. Ratsam ist es, den Topf in einen Übertopf oder auf einen Untersetzer zu stellen und sich so selbst mit Wasser vollziehen zu lassen. Auch in der Folge sollte nicht von oben gegossen, sondern immer nur von unten gewässert werden.
  • 2. Der Steckling wird nur etwa einen Zentimeter tief in die Erde eingedrückt.
  • 3. Da der Steckling durch die geringe Stecktiefe von allein oftmals nicht aufrecht stehen kann, sollte er mit Stäben gestützt und so gerade fixiert werden. Je nach Form reicht es aus, drei bis fünf Stäbe rund um das Blattstück zu setzen. Eine wackelfreie Fixierung ist günstig.
  • 4. Das Pflanzgefäß wird an einen hellen und warmen Standort verbracht. Gedeiht der Kaktus von dem das Blattstück stammt gut, kann der Steckling genau daneben platziert werden.
  • 5. Um die Wurzelbildung voranzutreiben, sollte das Substrat durchgängig leicht feucht gehalten werden.
  • 6. Nach etwa vier Wochen sollte die Wurzelbildung überprüft werden, indem die stabilisierenden Stäbe entfernt werden. Bleibt der Steckling von allein stehen, ist die Vermehrung oder zumindest das Wachstum neuer Wurzeln geglückt.
  • 7. Ab diesem Zeitpunkt darf das Wässern langsam reduziert werden.

Vermehrung durch Ableger

Die Vermehrung von Kakteen durch Ableger ist die einfachste Methode der Züchtung. Weder ist hier viel Geduld noch großes Geschick gefragt, und der Erfolg ist bei dem Befolgen einiger weniger Regeln nahezu garantiert. Allerdings muss die adulte Sukkulente dafür erst einmal Ableger bilden. Diese sprießen in der Regel neben der Mutterpflanze aus dem Substrat und können daher am besten beim Umtopfen von ihr abgetrennt und separat eingetopft werden. Sinnvoll ist es, damit zu warten, bis sie eine Größe von etwa fünf Zentimetern erreicht haben. Allerdings ist dies natürlich abhängig von der Endgröße des Gewächses und dem vorhandenen Platz. Bei kleinen Arten oder wenig freier Fläche darf schon vorher abgetrennt werden. Bei viel undurchwachsener Erde und großen Sorten darf mit der Vermehrung durchaus gewartet werden. Diese verläuft dann wie folgt:
  • 1. Der Kaktus wird aus dem Topf gehoben und die Wurzeln vollständig vom Substrat befreit. Für eine schonende Entfernung der alten Erde empfiehlt sich das Abspülen oder Abduschen mit wenig Wasserdruck und bei lauwarmer Temperatur.
  • 2. Die Ableger können im Anschluss mit einem scharfen Messer vorsichtig abgetrennt werden. Die Schnittflächen sollten möglichst glatt sein. Bei bereits größeren Jungpflanzen ist das Schneiden oft gar nicht mehr von Nöten, da diese sich bereits selbst weitestgehend getrennt haben.
  • 3. Um das Risiko für Fäulnis zu minimieren, sollten alle Pflanzenteile mit feuchten Schnitt- oder Bruchstellen zunächst abtrocknen dürfen. Wiederum können hierfür je nach Größe der Wunden einige Stunden oder auch Tage notwendig sein. Solange sollten sie an einem trockenen, warmen Ort liegen.
  • 4. Nach dem Abtrocknen werden Mutter- und Tochterpflanzen separat in frisches Substrat gesetzt. Je weniger Wurzeln die Gewächse haben, desto länger sollte die Erde von unten gleichmäßig mit Wasser versorgt und feucht gehalten werden.
  • 5. Beim Einpflanzen muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Gewächse nicht tiefer als zuvor im Substrat sitzen. Eine Schicht feinen Sandes auf der Erde schützt zusätzlich vor Fäulnis.

  Haben die Ableger noch kaum Wurzeln vorzuzeigen, sollten sie anfangs ähnlich der Stecklinge mit Stäben stabilisiert werden.

Häufige Fragen

Sind bei der Vermehrung von Kakteen Schutzvorkehrungen notwendig?
Die Stacheln von Kakteen sind nicht zu unterschätzen und können sich ausgesprochen schmerzhaft in die Haut bohren. Die Entfernung ist nicht immer einfach. Hinzukommt, dass Handschuhe hierbei kaum einen Schutz darstellen. Stattdessen sollte mit beschichteten Zangen, mehreren Lagen Alufolie oder dicke Styroporplatten gearbeitet werden. Diese bilden wirksamen Schutz und isolieren gegen die Stacheln, ohne die Pflanze selbst zu beschädigen.

Müssen Ableger bei Kakteen überhaupt abgetrennt werden?
Zeigen sich Ableger an den Kakteen in der Erde, kann es auf Dauer eng im Topf werden. Allerdings ist die Optik dennoch reizvoll. Wer die jungen Pflänzchen nicht abtrennen möchte, kann auf die Maßnahme daher getrost verzichten. Um dem Gewächs ausreichend Platz zu geben, sollte jedoch im nächsten Frühjahr in ein größeres Gefäß umgetopft werden.

Ist es nötig, die Kakteen-Samen durchgehend feucht zu halten?
Die meisten Kakteengewächse stammen aus sehr trockenen Regionen. Die Samen zur Keimung stets feucht zu halten erscheint daher wenig sinnvoll und eigentlich gefährlich, da Schimmel und Fäulnis große Risiken darstellen. Tatsächlich keimen diese jedoch auch in ihren Herkunftsländern nur während regenreicher Zeiten, wenn der Boden also gut feucht ist. Zudem begünstigt die hohe Feuchtigkeit eine schnellere Wurzelbildung und ein schnelleres Wachstum. Auch die Erfolgsquote wird erhöht.