Camellia japonica - Pflege und Überwintern

Camellia japnicaDie Camellia japonica gilt als wunderschön, aber schwierig – weil sie wirklich wunderschön ist, soll nun gezeigt werden, dass die Kamelie dieses "schlechte Image" eigentlich gar nicht verdient hat. Wenn die wenigen Bedürfnisse der ostasiatischen Einwanderin auch nur einigermaßen sorgfältig erfüllt werden, haben sogar Anfänger mit der Kultur der hochwüchsigen Blütenpflanze gewöhnlich kaum Probleme. Nachfolgend erfahren Sie mehr zur Pflege und Überwinterung der Camellia japonica.

Steckbrief der Kamelie
  • Eine unserer schönsten Blütenpflanzen fürs Zimmer
  • Meist kultivierte Kamelienart
  • Wird in Europa seit mindestens Ende 17. Jahrhundert gezüchtet
  • Heute soll es über 20.000 Sorten Camellia japonica weltweit geben
  • Deren Pflege im Großen und Ganzen den gleichen Standards genügen muss
  • Der größte Teil der Zuchtsorten überwintert im Haus
  • An einem kühlem Standort, der v. a. für die Blüteninduktion notwendig ist
  • Inzwischen soll auch die Zucht besser winterharter Sorten gelungen sein
  • Die zumindest in freundlichen Regionen Deutschlands im Garten überwintern können

Standort, Kübel, Substrat

Die schönen Kamelien haben es gerne hell. Ihre Heimat Ostasien viel näher am Äquator als Deutschland, bei uns brauchen sie sozusagen "alles Licht, was da ist". Mit Licht ist nicht unbedingt Sonne gemeint, eher lichter Halbschatten mit ein bisschen Morgen- und Abendsonne. An pralle Mittagssonne sollten Kamelien vorsichtig gewöhnt werden, sie kann v. a. Jungpflanzen die Blätter verbrennen. Sobald die Kamelie Knospen trägt, möchte sie weder gedreht noch umgestellt werden.

Ob Sie Ihre japanische Kamelie in ein Pflanzgefäß oder in einen Kübel aus Ton setzen, ist nicht nur Geschmacksfrage – beide Pflanzgefäße haben ihre Vor- und Nachteile:
  • Plastiktöpfe sind sauber, pflegeleicht und preiswert
  • Wiegen aber sehr wenig, was beim Sommeraufenthalt im Freien zu umgewehten Töpfen durch Windstöße führen kann
  • Plastiktöpfe sind häufig schwarz und können sich in der Sonne bis zur Wurzelschädigung erhitzen
  • Tontöpfe haben mehr Gewicht und deshalb eine gute Standfestigkeit
  • Unglasierte Tontöpfe wirken mit ihren diffusionsoffenen Wänden feuchtigkeitsausgleichend
  • Das offene Material belüftet auch die Wurzeln gut
  • Glasierte Tontöpfe sind ungemein dekorativ, haben aber diese Vorteile nicht
  • Beide Tontöpfe sind so schwer, dass das Umräumen ins Winterquartier mit steigender Topfgröße zum Problem wird
  • Es sei denn, Sie haben die Kamelie auf einem Rollwagen stehen
  • Eine Alternative ist die Kombination beider Töpfe: Innen Plastik, außen dekorativer Übertopf
  • Der Pflanztopf sollte Wasserabzugslöcher aufweisen, durch die überflüssiges Gießwasser ablaufen kann
Tipp - Ob eine Pflanze im Pflanzgefäß aus Plastik oder im Tontopf wächst, wird sich im Wuchsverhalten und im Wasserbedarf bemerkbar machen.  Wenn Sie mehrere japanische Kamelien kultivieren, sollten Sie sich deshalb für eine der beiden Varianten entscheiden, damit Sie Ihr Gießverhalten anpassen können.

Camellia japonicaAn das Substrat stellt die Camellia japonica folgende Ansprüche:
  • Sie wächst in normaler Blumenerde und/oder Gartenerde mit folgenden Merkmalen:
  • Mittlerer Nährstoffgehalt und pH-Wert (eher in Richtung sauer als zu kalkhaltig)
  • Magererde mit reifem Kompost, nährstoffreichem Mulch, organischem Dünger  verbessern
  • Nährstoffreich vorgedüngte Blumenerde, überdüngte Gartenerde unbedingt mit Sand magerer einstellen
  • Die empfindlichen Kamelien können sogar mit Fehlbildungen auf zu viele Nährstoffe reagieren
  • Das Substrat muss gut wasserdurchlässig sein
  • Selbst angemischte Erde im Zweifel lockern, indem Sie groben Sand (+ ein wenig Kies,


    Perlite) untermischen
  • Gekaufte Blumenerde verdichtet sich häufig im Laufe der Zeit
  • Das sollte kontrolliert und ggf. durch Umtopfen in neue Erde korrigiert werden

Bewässerung

Kamelien brauchen relativ viel Wasser, gleichmäßig und regelmäßig. Erst durch ein wenig Beobachtung herausfinden, wie viel Wasser die Kamelie am gegebenen Standort braucht. Der Wasserbedarf schwankt nämlich je nach Zuchtsorte: Zarte Camellia japonica an gerade ausreichend hellen Standorten sind mit "Tröpfchen" zufrieden, starkwüchsige Sorten an lichten Plätzen können richtig "schlucken".

Gießen Sie immer erst, wenn die oberste Erdschicht im Kübel bereits 1, 2 cm angetrocknet ist. Dann wird so gründlich gegossen, bis das erste Wasser im Untersetzer auftaucht (denken Sie daran, es zu entfernen). Das kann in der Wachstumsphase durchaus etwas dauern, weil die  Kamelie nun guten Durst hat.

Wenn es im Sommer richtig heiß wird, sollten Sie die Kamelie im Auge behalten, gerade jetzt darf sie wirklich nicht austrocknen. Auf Staunässe bzw. deren Vermeidung sollten Sie rund ums Jahr achten, die mag die Kamelie überhaupt nicht.

Tipp - Die Kontrolle verbleibenden Wassers im Untersetzer sollte realistisch eingeschätzt werden. "Feste Gießroutine" mit Kontrolle der Untersetzer in angemessenem Zeitabstand klappt. Irgendwann zwischendurch gießen geht erfahrungsgemäß irgendwann schief; ein einmaliges Versäumnis kann reichen, um den nässeempfindlichen Kamelienwurzeln den entscheidenden Schlag zu verpassen. Machen Sie sich lieber beim Eintopfen die Arbeit, den Untersetzer (mit Holzklötzchen etc.) derart umzugestalten, dass die Pflanze erhöht steht. Auf einem Podest über dem "maximal zu erwartenden Wasserspiegel" werden auch gleich die Wurzeln der Kamelie gelüftet, was ihr gut tut.

Düngen

Auch wenn es bei der Blütenfülle unwahrscheinlich erscheint: Kamelien haben keinen hohen Nährstoffbedarf. Sie werden nur in der kurzen Zeit des Ausschlags (heftiges Triebwachstum) gedüngt, sehr zurückhaltend in höchstens halber Konzentration (Überdüngung quittieren Kamelien mit langen dünnen Stängeln, übergroßen Blättern, Verlust der kompakten Gestalt, Krankheitsanfälligkeit etc.).

Sie können jeden stickstoff- und kalibetonten Dünger mit NPK-Zusammensetzung um 8-5-8 verwenden, z. B. Rhododendrondünger und organische Dünger mit Guano. Lösen Sie Flüssigdünger bitte vorher im Gießwasser auf und geben Sie ihn auf einen bereits feuchten Boden. Wenn die Knospenbildung abgeschlossen ist, gibt es den letzten Dünger, ab jetzt muss sich die Kamelie auf den Winter vorbereiten, u. a. durch Verarbeitung der aufgenommenen Nährstoffe.

Förderung der Blütenbildung

Camellia japonicaEine tolle Blüte ist der Hauptzweck einer Camellia japonica, die Erleichterung der Blüteninduktion hat deshalb ein wenig Aufmerksamkeit verdient:
  • Je

    länger sie im Freien steht, desto leichter blüht eine Kübel-Kamelie
  • Gleich nach den Spätfrösten auswintern und im Sommer im Freien Energie tanken lassen
  • In der Zeit des vegetativen Triebs (Ende Blüte - Juni) öfter besprühen
  • Jetzt wächst die Camellia japonica am besten, wenn sie eine Luftfeuchtigkeit von gut 70% um sich hat
  • Unter diesen Bedingungen beginnt die Kamelie im Spätsommer mit der Knospenbildung
  • Dazu braucht sie Licht, also so lange wie möglich draußen stehen lassen
  • Ab Knospenansatz sparsamer gießen und nicht mehr düngen
  • Wenn sich zu dieser Zeit dünne Zweittriebe bilden, diese ausknipsen
  • Sie hindern die Knospenentwicklung, können aber selbst nicht mehr ausreifen
  • Wenn die ersten Knospen Gestalt annehmen,

    vorübergehend wieder etwas mehr gießen
  • Bis der erste Frost droht und die Kamelie im Haus in Winterruhe geht
Tipp - Wenn Kamelien die Knospen abwerfen, stehen sie häufig zu warm. Dann können Sie versuchen, die Blüten durch Umstellen in einen kühlen Raum zu retten. Es können aber auch andere Pflegefehler (vor langer Zeit) gewesen sein: Vielleicht ist mal der Wurzelballen kurz ausgetrocknet, vielleicht hat die Kamelie schon im Geschäft einen Knacks wegbekommen. Ärgern Sie sich nicht, müssen Sie nicht unbedingt ergründen, irgendwoher hat die Diva eben ihren Ruf, nächste Saison wird sie bestimmt um so prächtiger blühen.

Umtopfen

Kamelien wachsen je nach Zuchtsorte unterschiedlich schnell, aber insgesamt so langsam, dass sie nur alle drei oder vier Jahre umgetopft werden müssen. Es ist soweit, wenn die Wurzeln im Topf den gesamten Erdraum durchwurzelt haben.

Umgetopft wird gleich nach der Blüte: Nehmen Sie die Kamelie aus dem Topf und schütteln vorsichtig so viel alte Erde wie möglich von der Wurzel. Betrachten Sie die Wurzel genau, alle geschädigten Teile werden weggeschnitten. Danach darf die Kamelie in den neuen etwas größeren Topf und bekommt frische Erde um sich herum.

Schneiden und Vermehren

Schneiden müssen Sie die Camellia japonica eigentlich nicht, können Sie aber. Wenn sie für ihren Standort zu groß wird, einzelne Triebe lang aus der Reihe scheren, ältere große Kamelien können Sie jedem Formschnitt unterziehen. Hier ein Bild einer Kamelienhecke, die regelmäßig in Form geschnitten wird: www.as-garten.de/media/catalog/product/cache/1/image/1000x/9df78eab33525d08d6e5fb8d27136e95/3/5/35150.jpg. Schneiden Sie immer kurz über dem Blattansatz, dann schonen Sie die Knospen, die sich in den Blattachsen entwickeln.

Was weggeschnitten wurde, kann zur Vermehrung genutzt werden, aus Stecklingen lässt sich eine Camellia japonica am besten vermehren. Wählen Sie nach der Blüte einige junge Triebe, die noch nicht verholzt, aber bereits ein wenig härter sind. Die Stecklinge sollten um 15 cm lang sein und zwei Blätter haben. Der Stängel wird in Anzuchterde gesteckt und bewurzelt unter einer Folienhaube bei 25 °C in rund zwei Monaten. Die Vermehrung aus Samen soll sich nicht lohnen, die Hybriden sind nicht oder wenig fruchtbar, brauchen u. U. künstliche Bestäubung, auch die Anzucht soll mühsam sein.

Selbstgezogene Kamelien können ein wenig Schnitt gut gebrauchen. In der industriellen Pflanzenproduktion sorgen meist Wachstumshemmer für eine kompakte, dicht verzweigte Pflanzengestalt, Ihr "Jungspund" wird durch Beschnitt zu guter Verzweigung angeregt.

Überwintern und Auswintern

Strauch der KamelieKamelien müssen hell und kühl überwintert werden, wenn Blüten kommen sollen:
  • Bei niedrigen Temperaturen (minimal 2, maximal 15 °C) in einem hellen Raum
  • So lange wie möglich im Freien stehen lassen
  • Vor Einräumen auf Krankheiten und Schädlinge untersuchen, falls nötig behandeln
  • Wenn draußen die gleichen Temperaturen sind wie im Winterquartier, Kamelie einräumen
  • Während der Überwinterung wenig gießen und nicht düngen
  • Zu hohe Luftfeuchte kann die Verdunstung über die Blätter hindern und sie fleckig machen
  • Im Winter besprühte Kamelien neigen zu Pilzbefall
  • Wieder ins Freie stellen, wenn die Spätfröste im Frühjahr vorüber sind
  • Langsam an die Sonne gewöhnen
Die Gartenkamelie

Die normale Camellia japonica hält Winterhärtezonen 8a aus (durchschnittliche Minimaltemperatur −12,2 °C ). Gibt es in Deutschland ab und zu, aber auch in diesen kuschligen Eckchen ist das Auspflanzen ein Risiko, das tatsächliche Wetter ist nicht immer Durchschnitt. Der größte Teil Deutschlands liegt ohnehin in Winterhärtezone 7 (bis -17,7 °C) oder sogar in der kalten Winterhärtezone 6 (bis -23,3 °C).

Obwohl der Traum von der "deutschen Gartenkamelie" Jahrhunderte alt ist, konnte er bisher nur durch Kamelien verwirklicht werden, die im Winter ein Schutzhäuschen bekamen (wie die Pillnitzer Kamelie, 230 Jahre alt, fast 9 Metern hoch und 11 Meter breit, 35.000 Blüten, Frostschutz fahrbares Gewächshaus).

Aber das ändert sich gerade, in den letzten Jahren gelangen die ersten Zuchterfolge, die im Zuge des Klimawandels wahrscheinlich demnächst die deutschen Gärten bewachsen werden. Die englische Royal Horticultural Society hat eine Reihe von Zuchtsorten mit dem "Award of Garden Merit" ausgezeichnet, die (getestet) -10 bis -15 °C aushalten sollen, sie werden im Artikel "Ist die Kamelie im Topf/Garten winterhart?" vorgestellt.

Diese potenziellen Freiland-Kamelien dürfen allerdings erst als große, kräftige Pflanzen ausgepflanzt werden. Wenn es soweit ist, müssten Sie sich ganz genau über die Abhärtung der Kamelie, den besten Standort und den richtigen Schutz in Kältekrisen informieren.

Häufig gestellte Fragen

Kamelien sollen saure Erde brauchen, was genau ist damit gemeint?

Nicht, dass die Kamelie saure Erde braucht, solche Pflanzen gibt es nicht. Es gibt nur Pflanzen, die Abweichungen vom normalen PH-Wert (ca. 6,5 bis 7,5) besser vertragen, wenn sie in den sauren Bereich gehen. Oder andersherum Abweichungen in den basischen Bereich, in Richtung "kalkhaltig", überhaupt nicht gut vertragen, und zu diesen Pflanzen gehört die Camellia japonica. Mit einer ganz normalen Erde ist sie wie jede Pflanze (außer ein paar Spezialisten für Extrembedingungen) ganz zufrieden.

Muss ich meine Camellia japonica wirklich ausschließlich mit Regenwasser gießen? Ich habe kaum Möglichkeiten zum Auffangen?

Je nach pH-Wert eher nicht: Unbelastetes Regenwasser hat einen pH-Wert von 5,6, erst 2007 ist der Durchschnittswert nach Jahrzehnten sauren Regens mit pH-Werten um 4,3 wieder auf 4,8 gestiegen. Schon unbelastetes Regenwasser versäuert die Erde irgendwann, Ihr Regenwasser könnte saurer sein, theoretisch bräuchte es gelegentlich gut kalkhaltiges Leitungswasser zum Ausgleich ... Praktisch können Sie mit jedem beliebigen Wasser gießen und die Kamelie im Gegenzug einfach ein wenig öfter in frische Erde umtopfen.