Hanfpalme, Trachycarpus - Pflege und Hilfe bei Frostschäden

PalmeHanfpalmen sind die meistverkauften Palmen in Mitteleuropa. Sie sind sehr pflegeleicht und können sogar im Freien überwintert werden, zwar unter Vorbehalt und mit speziellen Schutzmaßnahmen, aber immerhin. Keine andere Palme verfügt über diese doch recht hohe Winterhärte. Dazu sieht die Palme auch noch richtig gut aus. Sie ist so beliebt, das es bisweilen Engpässe im Verkauf gibt, weil die „Hersteller“ gar nicht so schnell liefern können. Wie man diese wunderschönen Grünpflanzen pflegt und überwintert und wie man ihnen nach Frostschäden helfen kann, haben wie für Sie zusammengetragen. Lesen Sie weiter!

Kurzer Steckbrief
  • Stammt aus dem asiatischen Hochgebirge
  • Kann ausgepflanzt etwa 10 m hoch werden
  • Eine der oder schlicht die frostverträglichste Palme, die es gibt
  • Im Kübel oder in unserem Klima eher 2,50 m hoch
  • Stamm ist im oberen Teil von Fasern bedeckt, unten nackt
  • Kann einen Meter Durchmesser erreichen
  • Stabile, kräftige Blätter, bis an die Basis angeschnitten (fächerartige Wedel)
  • Im Alter senken sich die Blätter etwas nach außen
  • Ab einer Stammhöhe von etwa einem Meter können Blüten erscheinen

Pflege, Standort, Pflanzsubstrat

Die Pflege der Hanfpalme ist nicht kompliziert. Wichtig ist die Überwinterung, egal ob als Kübelpflanze oder aus ausgepflanztes Exemplar. Ansonsten darf man sie nicht zu nass halten, denn stehende Nässe wird nicht vertragen.

Hanfpalmen bevorzugen einen hellen, sonnigen und geschützten Standort. Knallige Mittagssonne mögen sie oft nicht, das ist aber auch sortenabhängig. Einige mögen eher gar keine Sonne oder nur etwas Morgen- und Abendsonne. Der geschützte Platz ist wichtig, damit es die zarten Wedel nicht zerfledert oder abknickt.
  • Heller Standort mit einigen Stunden direktem Sonnenlicht, mindestens 2 bis 3
  • Bei zu dunklem Stand bilden sich kaum neue Blätter, der Wuchs wird behindert
  • Im Sommer gern im Freien und dann auch in der vollen Sonne (sortenabhängig)
  • Ideale Temperaturen zwischen 15 und 20°C
  • Bei zu hohen Temperaturen wird das Wachstum zeitweilig eingestellt
  • Wer permanent auspflanzt, muss der Palme einen windgeschützten Platz geben.
  • Das verhindert gleichzeitig die häufigen Blattabknickungen, welche die Optik beeinträchtigen.
Beim Pflanzsubstrat ist wichtig, dass dauerhafte Nässe vermieden wird. Das kann man mit einer Drainage im Pflanztopf oder mit entsprechenden Beigaben zur Erde bewirken. Sand, Kies, Tongranulat, Quarzsplitt oder Lavagrus leisten da gute Dienste. Günstig ist, wenn das Substrat leicht sauer ist.
  • Wichtig ist ein leicht saures Substrat, vor allem bei jungen Hanfpalmen
  • Genutzt wird ein Gemisch aus lehmhaltiger Gartenerde, Torf und Kompost.
  • Torf sorgt für ein etwas saures Substrat
  • Kompost enthält die benötigten Nährstoffe

Pflanzen

Das Pflanzen einer Hanfpalme ist nicht kompliziert. Allerdings ist es ein Unterschied, ob in einen Kübel oder ins Freiland gepflanzt wird. Wichtig bei Freilandpflanzung ist, dass die Palme alt genug dazu ist. Je älter eine Hanfpalme ist, um so besser kommt sie mit winterlichen Bedingungen klar.

Kübelpflanze

  • Hanfpalmen sind Tiefwurzler. Sie benötigen ein tiefes Gefäß.
  • Sobald Wurzeln unten aus dem Topf herauswachsen, muss umgetopft werden.
  • Das ist aller 3 bis 5 Jahre der Fall.
  • Die Palme wird vorsichtig aus dem alten Gefäß gehoben. Lockere Erde abschütteln.
  • In ein neues, vorbereitetes Gefäß setzen und mit neuer Erde auffüllen.
Freilandpflanze
  • Auspflanzen immer nur im


    Frühjahr, nicht im Herbst!
  • Keine Jungpflanzen auspflanzen. Sie müssen etwa 5 Jahre oder älter sein.
  • Wichtig ist ein entsprechender Standort und gutes Pflanzsubstrat.
  • Es ist schwierig, Hanfpalmen umzupflanzen. Deshalb gleich den richtigen Platz aussuchen!
  • Pflanzloch etwa dreimal so groß, wie der Wurzelballen. Wichtig ist die Tiefe.
  • Der Erde etwas Kompost beimischen.
  • Palme in das vorbereitete Pflanzloch setzen und Erde auffüllen.
  • Am Anfang ist Gießen sehr wichtig, damit die Palme einwurzeln kann.

Gießen und Düngen

Beim Gießen muss man schauen, das vor allem im Sommer ausreichend gegossen wird. Bei einem sonnigen Stand im Freien benötigt die Palme auch reichlich Wasser, vor allem im Pflanzgefäß, wo keines gespeichert werden kann. Allerdings ist stehendes Wasser unbedingt zu vermeiden.
  • Nicht zu viel gießen, kein kalkhaltiges Wasser
  • Im Sommer ausgiebig wässern
  • Wurzelballen etwas feucht halten
  • Am besten gießt man erst, wenn die oberste Erdschicht gut abgetrocknet ist.
  • Wassermenge richtet sich nach dem Standort und der vorhandenen Blattmasse, die Wasser verdunstet.
  • Im Winter wird deutlich weniger gegossen.
  • Düngen 14tägig in Wachstumssaison mit Zimmerpflanzendünger, von April bis September
  • Keine Ruhephase im Winter, nur minimal weniger gießen.

Schneiden

Nahansicht PalmenblattSchneiden muss man die Hanfpalme nicht. Es werden lediglich vertrocknete Blätter entfernt. Dabei bleiben einige Zentimeter des Blattszieles stehen. Man wartet, bis das Blatt vertrocknet ist und schneidet es dann ab. Bei frischen Blättern, die abgeschnitten werden müssen, schneidet man auch erst einmal den Stiel nicht ab. Man lässt ihn eintrocknen. Erst wenn er trocken ist, wird er abgeschnitten.

Überwintern

Die Überwinterung ist die entscheidende Phase für die Hanfpalme. Wer sie im Kübel kultiviert, sollte sie so lange es geht im Freien lassen. Die Palme verträgt Nachttemperaturen bis maximal –10°C. Wenn diese Grenze überschritten wird oder auch am Tag dauerhafte Temperaturen unter 0°C angesagt werden, ist es Zeit, die Hanfpalme einzuräumen.

Im Kübel

  • Heller Raum – mindestens 700 Lux
  • Kühl, um die 10°C
  • Bei Temperaturen um die 5°C darf der Raum auch dunkler sein
  • Sobald die Temperaturen für einige Zeit über 0°C liegen, kann die Palme immer wieder ins Freie.
  • Trockener Frost ist besser, als ein schlechtes Winterquartier im Haus.
  • Der Zwischenaufenthalt in der beheizten Wohnung ist unbedingt zu vermeiden!
  • Ungünstig ist auch, ständiges, kurzfristiges ein- und ausräumen.

  Ausgepflanzten Exemplaren wird nur langer Dauerfrost mit tiefem Bodenfrost gefährlich. Dabei wird das Palmenherz geschädigt. In Winterhärtezonen 7b und 8a sind Auspflanzungen geglückt.


Ausgepflanzt
  • Ausgepflanzte Hanfpalmen vertragen bis zu –17°C. Allerdings erfrieren die Blätter. Das Herz der Palme nimmt bei richtigem Winterschutz aber keinen

    Schaden.
  • Junge Palmen sind wesentlich frostempfindlicher als alte, weshalb es auch immer besser ist, einen Hanfpalme die ersten Jahre im Kübel zu kultivieren.
  • Ab Temperaturen um die –10°C ist ein Winterschutz notwendig
  • Jetzt bewährt sich ein windgeschützter Standort vor einer Südwand, denn da muss nicht so viel geschützt werden wie bei freiem Stand.
  • Schon vor dem Frost das Erdreich um die Wurzel 30 cm hoch mit einer dicken Schicht Laub, Stroh oder besser mit Rindenmulch oder Kompost abdecken.
  • Blätter der Palme locker zusammenbinden, damit man sie besser umwickeln kann.
  • Stroh in den entstandenen Trichter geben
  • Die „Krone“ mit einer dicken Bubbelfolie umwickeln.


class="fa fa-thumbs-up fa-lg">  Folie ist für solche Zwecke eigentlich ungeeignet, das sich daran Kondenswasser bildet. Dieses führt zu Fäulnis. Hier ist die Folie aber gut, denn sie ist schön dick. Allerdings müssen Löcher hineingeschnitten werden, wodurch das Kondenswasser abfließen kann. Man muss einfach schauen, wo es sich sammeln könnte und da macht man ein Loch hinein.


  • Auch der Stamm muss geschützt werden.
  • Auch er wird mit Folie oder besser mit Vlies umwickelt. Zwischen die Schichten kann man immer wieder Stroh oder Blätter mit einwickeln.
  • Wichtig ist, dass man immer schaut, dass Feuchtigkeit entweichen kann. Nässe ist Todesursache Nummer 1 bei Palmen.

Vermehren

Die Hanfpalme wird durch Aussaat vermehrt. Das dauert lange und ist nicht ganz unkompliziert. Kleine Hanfpalmen sind meist sehr preiswert zu bekommen, da lohnt die Mühe in der Regel nicht.
  • Samen von Fruchtfleisch befreien.
  • 1 bis 2 cm tief in Erde legen.
  • Als Pflanzsubstrat eignet sich ein grobkörniges Lehm-Erde-Gemisch.
  • Keimtemperatur etwa 18 bis 23°C
  • Gefäß hell stellen, aber nicht sonnig
  • Günstig ist, eine durchsichtige Tüte über das Gefäß zu stülpen, um die Luftfeuchte zu erhöhen.
  • Auch hier muss Kondenswasser abfließen können, also einige Löcher hineinstechen.
  • Erde ständig leicht feucht halten. Auf Schimmelbildung achten.
  • Sobald sich erstes Grün zeigt, Folie entfernen.

Krankheiten und Schädlinge

Eigentlich ist die Hanfpalme recht robust und nicht sehr anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Trotzdem können diese immer mal auftreten. Meist geschieht das bei der Überwinterung von Palmen im Kübel, vor allem, wenn die Bedingungen nicht ideal sind. Das nutzen Krankheitserreger und Schädlinge sofort aus.

Woll- und Schildläuse
  • Wollläuse sind an den weißen Gespinsten zu erkennen, Schildläuse an braunen ovalen Flecken auf Stiel und Blättern
  • Am Boden findet man oft klebrige Flecken, die stammen vom Honigtau, den Ausscheidungen der Schädlinge.
  • Am wirkungsvollsten sind systemisch wirkende Mittel, die von der Pflanze aufgenommen werden. Beim Aussaugen nehmen die Läuse das Gift auf und sterben. Der Vorgang muss wiederholt werden, damit man auch die inzwischen ausgeschlüpfte Brut abtötet.
  • Leider gibt es schon Resistenzen der Schädlinge gegen einige Mittel. Hier hilft nur ausprobieren.
Rote Spinne
  • Zu erkennen an feinsten Gespinsten an der Blattunterseite und an gelblichen bis weißen Verfärbungen der Blätter
  • Gut zu erkennen sind die Gespinste, wenn sie mit einer Sprühflasche mit Wasser bespritzt werden.
  • Spinnmilben mögen trockene Luft.
  • Hier hilft, die Luftfeuchte zu erhöhen.
  • Bringt das nichts, muss mit Insektiziden behandelt werden.
  • Auch hier gibt es das Problem mit Resistenzen.
Rußtau
  • Pilzbefall
  • Schwarzer, leicht klebriger Belag auf den Blättern
  • Besonders häufig auf den Ausscheidungen von Läusen
  • Wichtig ist die Bekämpfung der Läuse
  • Rußtau kann abgewischt oder abgespült werden.
Rostpilz
  • Orangfarbene und rötliche Flecken auf den Blättern
  • Wird durch langanhaltende Feuchtigkeit gefördert
  • Pilzsporen säen sich immer weiter aus
  • Beseitigung der Blätter
  • Einsatz eines Fungizides

Häufige Fragen

Was tun, wenn die Hanfpalme erfroren ist?
Auf den ersten Blick ist nicht immer gleich zu erkennen, ob die gesamte Palme erfroren ist. Bei dem Anblick, der sich oft bietet, ist die Trauer groß. Es besteht aber noch Aussicht auf Erfolg. Viele der Hanfpalmen können gerettet werden, wenn sie nicht bis ins Herz hinein erfroren sind. Solange die Wurzel lebt, kann die Palme wieder austreiben. Oft ist Geduld gefragt, denn es kann nach einem Schaden dauern, bis ein neuer Blatttrieb erscheint. Weiches Pflanzenmaterial ist erfroren und kann abgeschnitten werden. Wenn die Fäulnis gestoppt wird, gibt es noch eine Chance.

Was tun, wenn die Blätter der Hanfpalme erfroren sind?
Das ist meist nur ein optischer Mangel. Die Blätter sind recht empfindlich. Sie sterben schon bei –10°C ab. Das heißt nicht, dass die gesamte Palme tot ist. Man lässt die Blätter erst einmal dran.  Im Frühjahr kann man dann anfangen mit abschneiden. Ich würde nicht alle gleichzeitig schneiden, sondern immer nur 2 pro Woche, bis man durch ist. Ist das Herz noch am Leben, treibt die Palme neue Wedel aus. Die müssen im nächsten Winter besser verpackt werden. Palmen die einmal stark gelitten haben, sind dann recht empfindlich und vertragen keine weiteren Schäden. Obwohl Hanfpalmen eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit besitzen, sind sie nicht unkaputtbar. Sie benötigen einen guten Standort und Winterschutz. Ohne kommen sie nur in sehr milden Gegenden zurecht.

Was sind die größten Gefahren bei der Überwinterung der Hanfpalme?
Oft ist es gar nicht die Kälte, welche den Hanfpalmen so zu schaffen macht. Es ist das Gesamtpaket an Schäden, die auftreten können.
  • Pilzinfektionen - im Winter treten häufig Pilzinfektionen auf. Diese befallen die Mitte der Palme, also die Stelle, an der die neuen Blätter herauskommen. Oft entstehen sie, wenn die Hanfpalme eingepackt wird, ganz gleich, ob mit Folie, Jute oder dergleichen. Der schwärzliche Belag ist ein deutliches Zeichen. Die Bekämpfung mit Chemie schwächt die Palme ebenso wie Frost. Beides zusammen kann tödlich sein. Manchmal ist es besser, nicht einzupacken oder immer nur bei höheren Minustemperaturen, um Pilzbefall zu vermeiden. Sterben die Blätter durch den Frost ab, treibt die Palme im Frühjahr neue. Absterben durch Pilzbefall ist meist nicht reparabel.
  • Trockenschäden – Palmen und auch andere immergrüne Gewächse werden häufig zu wenig oder gar nicht gegossen. Sie verdunsten aber auch im Winter Wasser und benötigen Nachschub. Gerade bei Frost ist das schwierig. Wenn dann noch die Sonne scheint, wird es gefährlich. Dann ist es sinnvoll, ein Vlies über die Palmenwedel zu wickeln, damit nicht so viel Wasser verdunstet wird. Sobald der Boden aufgetaut ist, sofort für Wassernachschub sorgen!

  In warmen Mittelmeerländern aufgezogene Hanfpalmen sind deutlich weniger winterhart, als in Deutschland gezogene Exemplare. Ich würde also beim Kauf erfragen, wo die Palme her stammt. Wer auspflanzen möchte, für den ist das wichtig. Kein Schutz hilft bei solch einer wärmeverwöhnten Palme. Sie kommen nicht klar mit Frost und Minustemperaturen, egal, was die Verkäufer behaupten. Wenn die Palme aber unter unseren Bedingungen groß geworden ist, dann klappt das schon.