Gartenarbeiten

Baum gezielt absterben lassen: unauffällig zum Eingehen bringen


baum im wald abgestorben

Nur wenig Zeit? Dann lies unsere Tipps für Schnellleser.

Sie wollen Ihren Garten umgestalten, nur steht eine alte Birke im Weg? Sie haben Probleme mit Ihrem Nachbarn, der sich jedes Jahr aufs Neue über einen Ihrer Bäume im Garten aufregt, der einen großen Schatten auf das Nachbargrundstück wirft? Es gibt nicht viele Mittel, schnell einen Baum ohne Genehmigung loszuwerden. Die Schutzauflagen für die Gewächse sind sehr strikt und es können hohe Strafen von bis zu 50.000 Euro bei Nichtbeachtung anfallen. Dennoch gibt es Mittel, wie Sie einen Baum biologisch oder chemisch loswerden: Läuten Sie einfach dessen Absterben ein.

Wann sind Bäume geschützt?

Wenn Sie einen Baum fällen wollen, sollten Sie zuvor die Baumschutzsatzung Ihrer Gemeinde oder Region überprüfen. In dieser ist geregelt, unter welchen Umständen ein Baum gefällt oder entfernt werden darf. Da jede Region hierbei andere Regelungen aufgestellt hat, können nur einige Punkte aufgestellt werden, die sich im Großen und Ganzen überschneiden. Diese sollten Sie unbedingt beachten:

  • apfelbaum malus Obstbäume sind in den meisten Fällen nicht geschützt
  • Ausnahmen sind Edelkastanien (bot. Castanea sativa) und die Echte Walnuss (bot. Juglans regia)
  • in manchen Ländern fallen Pappeln (bot. Populus), Birken (bot. Betula) und Weiden (bot. Salix) aus der Regelung
  • bei geschützten Baumarten, beispielsweise Eichen (bot. Quercus) sind Stammdurchmesser auf Höhe entscheidend
  • typischer Durchmesser beläuft sich ab 50 bis 80 Zentimeter abhängig von der Stammhöhe ab einem Meter

Das heißt, je jünger der Baum ist, desto einfacher ist es, eine Genehmigung zum Fällen oder Entfernen zu erhalten. Kontaktieren Sie vorsichtshalber das entsprechende Amt, wenn ein geschützter Baum eine Gefahr in Ihrem Garten darstellt oder solche, die direkt an Ihr Grundstück angrenzen.

In diesem Fall wird ein Gutachter kommen und die Situation einschätzen. Wenn Sie nicht darauf warten wollen, können Sie eine der weiter unten folgenden Methoden anwenden und den Baum eingehen lassen. Dabei haben Sie die Wahl zwischen einer biologischen Variante und einem chemischen Mittel.

Biologisch loswerden: Anleitung

Geringelte RobinieEine äußerst zeitaufwendige, aber für den umliegenden Boden nicht schädliche Methode den Baum eingehen zu lassen, ist das Ringeln. Diese Vorgehensweise unterbricht den Saftstrom des Baums, der daraufhin über einen Zeitraum von zwölf bis 36 Monate eingeht, was abhängig von Art, Größe, Alter und gesundheitlichem Zustand ist.

Ringeln stammt aus der Forstwirtschaft und wird schon seit Jahrhunderten vom Menschen angewandt, um störende Bäume zu entfernen oder Obstbäume und Weinstöcke ertragreicher zu machen. Die Vorteile liegen ganz klar auf der Hand:

  • Stockausschlag wird verhindert
  • Tier- und Pflanzenwelt wird nicht gestört
  • Prozess läuft auf natürliche Weise ab
  • Gartenpflanzen können sich an die Veränderung anpassen

Eines der größten Probleme dieser Methode ist die Gefahr auf herunterfallende Äste, da der Baum langsam abstirbt. Zudem kann es zur Ansiedlung von Borkenkäfern (Scolytinae) kommen, wenn Sie einen Nadelbaum über die Ringelung biologisch loswerden wollen. Jedoch ist diese Methode besonders effektiv, wenn Sie unbemerkt einen Baum entfernen wollen. Die folgenden Werkzeuge benötigen Sie hierfür:

  • Drahtbürste
  • robuste Schutzhandschuhe
  • Veredelungsmesser oder Reißhaken
  • Zugmesser

ZugmesserDie Bearbeitung über eine Kettensäge wäre ebenfalls möglich, jedoch schneiden Sie mit dieser entweder zu tief ins Kambium oder Sie beschädigen den Baum, sodass dieser gefällt werden muss. Daher sollten Sie sich ein Zugmesser und die anderen Werkzeuge beschaffen, da diese ideal für diese Aufgabe geeignet sind.

Es ist möglich, diese Aufgabe komplett alleine auszuführen, da der Baum nicht gefällt wird. Wenn Sie aber nicht kräftig genug sind, sollten Sie vielleicht eine andere Person um Hilfe bitten, da eine Ringelung sehr hohen Kraftaufwand fordert. Sobald Sie alle notwendigen Werkzeuge zusammen haben, folgen Sie dieser Anleitung, um den Baum biologisch eingehen zu lassen:

  1. Der beste Zeitpunkt für diese Methode ist im Hochsommer von Juli bis Mitte August. Da der Baum zu dieser Zeit erschöpft vom erneuten Austreiben ist, befinden sich nicht ausreichend Nährstoffe in den oberen Pflanzenteilen und die Wurzeln müssen diese langsam wieder in die Pflanze zurückleiten.
  2. Wählen Sie eine Stelle am unteren Teil des Stammes in Hüfthöhe aus. Markieren Sie diese mit einem Band, um den Überblick zu behalten.
  3. Nun beginnen Sie, einen Streifen in der Dicke von fünf bis zehn Zentimetern mit dem Zugmesser abzutragen. Dabei müssen Sie aufpassen: Ausschließlich die Rinde mit dem Messer entfernen, nicht das innen liegende Holz oder Kambium. Würde das Splintholz, geschweige das Kernholz angeschnitten werden, kommt es zu Fäulnis, die ideal für die Ansiedlung von Schädlingen und Pilzen ist.
  4. Falls Sie Rindenstücken begegnen, die nach innen gebogen sind, verwenden Sie entweder den Reißhaken oder Veredelungsmesser. Das erleichtert das Entfernen dieser widerspenstigen Rindenstücke.
  5. Sobald die Rinde abgetragen wurde, nehmen Sie die Drahtbürste zur Hand und entfernen das Kambium bis zum Holz. Nicht das Holz beschädigen. Achten Sie deshalb besonders gut darauf und gehen Sie vorsichtig vor. Sie können sich hiermit ruhig Zeit lassen, denn die Prozedur ist weder laut, noch gefährlich.

Ab jetzt müssen Sie nichts mehr tun. Der Baum sollte nach dieser Anleitung absterben, was durch das kleiner werdende Laub deutlich gemacht wird. Passen Sie nur über die nächsten Jahre auf, dass Ihnen keine Äste auf den Kopf fallen.

Tipp: Das Ringeln ist ebenfalls zu empfehlen, wenn Sie tierische Baumbewohner nicht stören oder deren Lebensraum innerhalb weniger Augenblicke vernichten wollen. Mit der Zeit bemerken die Tiere, dass der Baum eingeht und verlassen diesen auf der Suche nach einem Zuhause.

Häufig gestellte Fragen

efeu an baumstammReicht ein Kupfernagel aus, um einen Baum eingehen zu lassen?
Diese Methode ist ein reines Ammenmärchen und funktioniert nicht. Bäume verfügen über effektive Verteidigungsmechanismen gegen zahlreiche Materialien aus denen Nägel hergestellt werden, zu denen Kupfer, Blei und weitere gehören. Die betroffene Stelle wird vom Rest des Baumes einfach abgeschlossen und langsam an die Situation angepasst.

Gibt es weitere Methoden, einen Baum eingehen zu lassen?
Neben den oben genannten Varianten könnten Sie schnellwüchsige und stark ausbreitende Kletterpflanzen nutzen, wie zum Beispiel Efeu (bot. Hedera helix). Diese überwuchern den Baum, entziehen ihm dadurch Nährstoffe und Licht und sorgen somit für das langsame Absterben des Baums. Der einzige Nachteil: Je nach Zustand des Baums und ausgewählter Kletterpflanze kann dies ebenso lang gehen wie das Ringeln.

Verwandte Themen
Gartenarbeiten

Kompostieren für Anfänger: Anleitung | Mein erster Kompost

Das Kompostieren ist eine umweltfreundliche Methode, um den Gartenboden mit den benötigten…
Weiterlesen
Gartenarbeiten

Nagel in Baum einschlagen: Alunagel oder Eisennagel verwenden?

Auf der Suche nach einer geeigneten Befestigungsmethode für Namensschilder, Vogelhäuser oder…
Weiterlesen
Gartenarbeiten

Gartenhaus ohne Fundament: Gehwegplatten statt Beton | Anleitung

Gartenhäuser sind eine Bereicherung für den Garten und lassen sich für die unterschiedlichsten…
Weiterlesen
Gartenarbeiten

Sollte man direkt ans Haus pflastern? | Abstand zur Hauswand

Wer direkt bis an die Hauswand pflastern möchte, der hat dadurch bestimmte Vorteile. Der Abschluss…
Weiterlesen
Gartenarbeiten

Pflastersteine und Fugen versiegeln | Hilfe gegen Unkraut & Flechten

Wenn Wege angelegt werden, wird dabei gerne zu Pflastersteinen gegriffen. Das Problem hierbei ist…
Weiterlesen

Tipps für Schnellleser

- Bäume sind in Deutschland grundlegend geschützt
- nur wenige Ausnahmen dürfen ohne Genehmigung gefällt werden
- dazu gehören viele Obstbäume
- Sie können biologisch oder chemisch Bäume verenden lassen
- das Ringeln ist seit der Jungsteinzeit bekannt
- ideale Methode, um Bäume absterben zu lassen
- der Prozess entspricht dem natürlichen Versterben der Pflanze
- daher ist keine Genehmigung notwendig
- Ausnahmen sind solche, die als Naturdenkmal gekennzeichnet werden
- beim Ringeln wird ein Stück Holz ringsherum aus dem Stamm bis zum Kambium entfernt
- der Baum geht aufgrund des Nährstoffverlusts innerhalb von 12 bis 36 Monaten ein

Newsletter
Gartenkalender per Mail

Erhalten Sie einmal im Monat unseren aktuellen Gartenkalender mit Aussaat- und Pflanzkalender, Pflanzideen und Wissenswertem für Ihren Gartenalltag.

In Kürze verfügbar