Anleitung: Kletterrosen richtig schneiden

RosenViele Hobbygärtner wissen, dass jede Rosenart ihre Eigenheiten besitzt und besonders beim Schneiden von Kletterrosen Fehler passieren können. Leichtfertig sollten Sie also nie zur Rosenschere greifen. Doch ist der richtige Rosenschnitt auch keine Geheimlehre, die nur von Gartenprofis ausgeführt werden kann. Sie müssen nur einige Regeln beim Schneiden der Kletterrosen beachten und zum optimalen Zeitpunkt die Rosenschere ansetzen. Wenn die Augen der Kletterrosen schon etwas ausgetrieben sind, dann wird es höchste Zeit für diese Pflegemaßnahme, damit Ihre Rosen Ihren Garten mit vielen wunderschönen Blüten bereichern.

Grundsätzliches zum Wachstum

Es gibt zwei sogenannte Gesetze des Wachstums, die Sie sich für den Rosenschnitt merken sollten:
  • 1. Für den Austrieb der Rose werden immer die obersten Augen bevorzugt. Das bedeutet zum Beispiel für bogenförmig überhängende Triebe, dass hier die Augen austreiben, die sich auf der Oberseite des Triebes befinden. Von diesen treiben die Augen wieder am stärksten aus, die am höchsten Punkt der Biegung liegen. Bei senkrecht wachsenden Trieben treiben immer die sich am weitesten oben befindenden Augen aus. Wenn Sie diesen Wachstumsprozess beachten, können Sie mit der richtigen Schnitttechnik auch kahle Stellen an Kletterrosen mit einer Neubildung von Trieben anregen.
  • 2. Die beim Rückschnitt am Trieb verbleibenden Augen treiben stärker wieder aus, wenn der Trieb stark zurückgeschnitten wird. Schneiden Sie Rosentriebe nur schwach zurück, treiben die Augen auch nur schwach aus.

Einmal blühende Kletterrosen

Einmal blühende Sorten der Kletterrosen blühen hauptsächlich an einjährigen, langen Trieben. Diese sollten Sie im Frühling nicht wegschneiden, da Sie der Rose sonst das beste Holz für die Blüte nehmen. Ein kleiner Grundschnitt reicht im Frühjahr aus. Der hauptsächliche Schnitt findet bei einmal blühenden Kletterrosen nach der Blüte statt. Dazu schneiden Sie die meisten Haupttriebe zurück, die bereits geblüht haben. Kürzen Sie diese dabei entweder auf einen kräftigen, jüngeren Trieb oder nehmen den Trieb ganz heraus. Entfernen Sie schwache Jungtriebe und binden alle anderen Triebe am Rankgerüst fest, je nachdem welche Form Sie wünschen. Möglich ist zum Beispiel ein flächiges Rosenspalier, in dem die Blüten besonders schön zur Geltung kommen. Dabei sollten Sie die Rosentriebe gleichmäßig und bogenförmig wie einen Fächer anordnen.

  Die Sorten dieser Kletterrosen sind häufig auch in den unteren Pflanzenpartien belaubt, sodass hier keine kahlen Stellen entstehen. Deshalb können Sie die Triebe auch locker verteilt an Obelisken oder Rosenbögen nach oben anbinden.

Beispiele für einmal blühende Kletterrosen

"Alchymist" (Kordes 1956)
  • stark aufrechter Wuchs
  • 250 hoch und 100 cm breit
  • goldgelbe Blütenfarbe; rot überhaucht beim Aufblühen
  • sehr große, dicht gefüllte Blütenbüschel
  • duftend
Rosen"Flammentanz" (Kordes 1955, ADR-Rose 1956)
  • stark aufrechter, sehr ausladender Wuchs
  • 3 bis 5 m hoch und 1,5 bis 2 m breit
  • leuchtend rote bis dunkelrote Blütenfarbe
  • mittelgroße bis große Blüten in Büscheln
"Bobby James" (Sunningdale Nurseries 1961)
  • starker und langtriebiger, bogig überhängender Wuchs
  • 4 bis 5 m hoch und 3 m breit
  • rahmweiße Blütenfarbe
  • ungefüllte Blüten in großen Büscheln
  • sehr

Öfter blühende Kletterrosen

Die öfter blühenden Kletterrosen bilden im Gegensatz zu den einmal blühenden Rosen an zwei- und mehrjährigen Trieben ihre Blütenknospen aus. Häufig besitzen diese Triebe viele Seitentriebe. Bei diesen Sorten können Sie ruhig etwas burschikoser vorgehen und dürfen ein bis zwei ältere Triebe vollständig aus der Rose herausschneiden. Mit den schwachen Trieben verfahren Sie ebenso und kürzen die verbliebenen Triebe auf zwei bis drei Augen. Nach dem Schnitt binden Sie die starkwüchsigen Sorten der öfter blühenden Kletterrosen fächerförmig gebogen an die Rankhilfe an. Diese Rosen belauben sich sehr schlecht in den unteren Pflanzenbereichen. Durch das Aufbinden als Fächer fällt das aber nicht mehr so auf. Im Sommer sollten Sie verblühte Rosenblüten immer abschneiden, um eine erneute Blütenbildung anzuregen. Auch schwache und überflüssige Triebe sollten Sie im Sommer herausnehmen. Damit sorgen Sie dafür, dass diese unnützen Triebe den öfter blühenden Kletterrosen keine unnötigen Kräfte rauben. Somit haben die Pflanzen mehr Kraft für die eigentliche Aufgabe - herrliche Blüten auszubilden.

  Schwachwüchsige öfter blühende Kletterrosensorten können Sie auch an senkrechten Stützen hochziehen.

Beispiele für öfter blühende Kletterrosen

"Compassion" (Harkness 1974, ADR-Rose 1976)
  • straff aufrechter und mäßig starker Wuchs
  • 2 bis 3 m hoch und 1 bis 1,5 m breit
  • lachsrosafarbene Blüten mit orangefarbenen Schattierungen
  • große, dicht gefüllte Blütenbüschel
  • duftend
"Rosarium Uetersen" (Kordes 1977)
  • starker, aufrechter und teils überhängender Wuchs
  • 2 bis 3 m hoch und 1 m breit
  • tief rosafarbene (bis silbrig-rosafarbene) Blüten
  • stark gefüllte und sehr große Blüten
  • duftend
"New Dawn" (Sommerset Rose, Nursery 1930)
  • aufrechter, kräftiger und überhängender Wuchs
  • 2,5 bis 4 m hoch und 2,5 bis 3 m breit
  • hellrosa Blüten, im Aufblühen leicht verblassend
  • mittelgroße und gefüllte Blüten in Büscheln
  • dauerblühend bis zum Frost
  • duftend

Ramblerrosen

RosenRamblerrosen sind sehr wuchs- und blühfreudig und fallen unter die Kategorie Kletterrosen. Von ihnen gibt es ebenso einmal blühende und öfter blühende Sorten. Beim Schneiden richten Sie sich am besten nach der Anleitung für die jeweiligen Kletterrosen. Eine sehr bekannte Sorte der einmal blühenden Rambler ist zum Beispiel die Sorte "Paul's Himalayan Musk" mit weißen bis violett-rosafarbenen, gefüllten und stark duftenden Blüten. Diese kann bis zu 5 m hoch werden.

Grundschnitt im Frühjahr

Der grundlegende Rückschnitt der Kletterrosen erfolgt am besten im Frühjahr. Damit scheinen sich alle Rosenexperten einig zu sein. Denn, auch wenn Sie die Rosen während ihrer gesamten Ruhezeit zurückschneiden können, spricht jedoch vieles dafür, damit bis zum spätest möglichen Zeitpunkt im Frühjahr
  • Werden Rosen schon im Herbst stark zurückgeschnitten, können sie zu wenige Reservestoffe einlagern, da dabei zu viel Laub verloren geht.
  • Die im Herbst zurückgeschnittenen Rosen neigen dazu, im Frühjahr zu zeitig auszutreiben und verlieren häufig einen Teil der Triebe für die erste Blütenbildung.
  • Zurück geschnittene Rosen können bei strengen Frösten schneller Frostschäden erleiden oder sogar ganz erfrieren.
  • Im Frühjahr kann an den Rosen abgelesen werden, wie gut sie durch den Winter gekommen sind und dementsprechend kann der Schnitt vorgenommen werden.
  • Darüber hinaus sind im Frühling die Augen viel besser zu erkennen, sodass exakter geschnitten werden kann.
Für den ersten Rosenschnitt im Jahr   Rosenexperten empfehlen den Frühlingsschnitt für Rosen dann auszuführen, sobald die Knospen auf halber Höhe der stärksten Triebe anschwellen.

Sommerschnitt

  • Verwelkte Blüten von öfter blühenden Kletterrosen regelmäßig ausputzen.
  • Das Ausputzen dient sowohl der Neubildung neuer Blüten als auch der Optik.
  • Ebenso hilft diese Maßnahme vorbeugend gegen Grauschimmelbefall.
  • Im Spätsommer werden keine verwelkten Blüten mehr ausgeputzt, da neue Triebe bis zum Winter nicht mehr richtig ausreifen können.
  • Die letzten Blütenstände können Sie getrost stehen lassen - die ausreifenden Hagebutten sind sogleich eine hübsche Dekoration im winterlichen Garten.

Herbstschnitt

Rosen verschneidenIm Herbst brauchen Sie nur sehr lange Triebe etwas kürzen, um eventuellen Bruchschäden durch Wind oder Schnee vorzubeugen.
Schnittregeln
  • a) Verwenden Sie zum Schneiden immer eine scharfe und saubere Gartenschere, am besten eine spezielle Rosenschere.
  • b) Entfernen Sie zuerst immer schwache und kranke Triebe.
  • c) Setzen Sie die Rosenschere immer leicht schräg vom Auge weg an. Damit vermeiden Sie, dass Regenwasser ins Mark eindringen kann. Denn an der schrägen Schnittstelle läuft das Wasser schnell wieder ab.
  • d) Wann immer es möglich ist, sollten Sie die Triebe so schneiden, dass das Auge, auf das Sie schneiden, nach außen zeigt. Ansonsten würden die neuen Triebe zu stark ins Innere der Rose wachsen.
  • e) Schneiden Sie den Trieb nicht zu nah, aber auch nicht zu weit über einem Auge ab. Bei stärkeren Trieben sollte der Schnitt ca. 10 mm und bei schwächeren Trieben ca. 5 mm oberhalb des Auges liegen.
  • f) Schneiden Sie Triebe, die keine Augen besitzen, immer an ihrem Ansatz ab und vermeiden Sie Aststummel. Die Stummel sind sonst leichte Eintrittspforten für Krankheitserreger.
  • g) Beim sogenannten Auslichten, also dem Herausschneiden von überflüssigen, jungen und kranken Trieben treten Sie am besten zwischendurch immer einmal wieder ein paar Schritte zurück. Somit verschaffen Sie sich einen Überblick über die aktuelle Form der Kletterrose und sehen leichter, welche Triebe noch zu schneiden sind.  

Häufig gestellte Fragen

Welche Art von Schere ist denn die beste, um Kletterrosen zu schneiden?
Für junge Triebe: Die meisten Rosenexperten und Rosenliebhaber bevorzugen die sogenannte Bypassschere für frische und junge Triebe. Bei dieser Scherenart gleiten die geschliffenen Klingen scherenartig aneinander vorbei. Das ermöglicht Ihnen, sehr nah am Stamm zu schneiden. Der Vorteil dieser Schere ist auch, dass Sie an sehr unzugänglichen Stellen schneiden können, wo Sie sonst mit einer gewöhnlichen Gartenschere nicht hingelangen. Für alte und dicke Triebe: Für dicke und sehr verholzte Triebe sind Ambossscheren besser geeignet. Diese verfügen über eine scharfe Klinge, die auf eine gerade Fläche trifft. Diese Scherenart kann jedoch die Triebe beim Schnitt quetschen. Also nur sehr dicke und alte Triebe damit schneiden! Achten Sie immer darauf, dass Sie die Schere, die Sie benutzen, leicht zum Reinigen auseinandernehmen können. Ebenso sollte die Schere eine angenehme Größe für Sie haben und sehr gut in Ihrer Hand liegen.

Wie bekomme ich denn meine Rosenschere scharf und vor allem sauber, damit ich die Schnittstellen an den Pflanzen nicht verschmutze?
Durch den ständigen Gebrauch Ihrer Rosenschwere bleiben Pflanzensäfte und Fremdkörper haften. Häufig setzt sich Rost ab und die Schere wird schwergängig und unscharf. Mit etwas feinem Schleifpapier können Sie den Rost entfernen. Gleichwohl beseitigen Sie dabei auch Pflanzenrückstände und andere Stoffe, die für einen sauberen Schnitt hinderlich sind. Nach dem Schleifen geben Sie etwas Öl auf alle beweglichen Scherenteile. Damit verhindern Sie Korrosion. Gleichzeitig wird Ihre Schere wieder beweglicher. Zum Schärfen der Klingen reicht ein normaler Abziehstein, den Sie vor dem Schleifen einige Stunden ins Wasser legen. Auch während des Schleifens sollten Sie den Abziehstein immer wieder etwas anfeuchten. Geschliffen werden aber nur die Klingenseiten, die nicht mit der Gegenklinge in Berührung kommen. Schleifen Sie die Klingen in kleinen kreisenden Bewegungen, damit sie wieder schön scharf werden.