Welche Erde für Erdbeeren im Garten/Kübel wählen - unsere Empfehlungen

ErdbeerenÜberraschung: Echte Erdbeeren wachsen sehr gut in echter Erde. Der Sie sehr einfach alle Nährstoffe (in organischer, nicht geschmacksbeeinträchtigender Form) beimischen können, die zur Entwicklung intensiver Erdbeerenaromen gebraucht werden. Die Kultur im üblichen käuflichen Substrat kann nur empfohlen werden, wenn Sie die Zeit haben, nach dem richtigen, schadstofffreiem Substrat für Erdbeeren zu suchen - wobei Sie diese Zeit vielleicht besser dafür verwenden, sich über moderne erdlose Pflanzenkultur zu informieren, die mit Erdbeeren in allen Varianten gut funktionieren soll.


Das Problem mit dem Substrat

Das im Massenhandel für Freizeitgärtner erhältliche Substrat heißt Substrat, weil es mit Erde nicht viel zu tun hat. Substrat besteht vor allem aus:

1. Torf

Ein Stoff, dessen Verwendung als Substrat heute die meisten Gärtner ablehnen, www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/garten-freizeit/blumenerde#textpart-3 01.2016 gibt
einen recht neuen Überblick zum Thema mit vielen weiteren Nachweisen.

2. Abfallstoffe aus der Industrieproduktion

Außer Torf (oder anstatt Torf) werden Abfallstoffe aus der Industrieproduktion zu Substrat, was eine höchst sinnvolle Zweitverwertung wäre, wenn in der produzierenden Industrie nur gesundheitsunkritische Stoffe eingesetzt würden (oder zumindest die Zweitverwertung im Hobbygärtner-Bereich auf solche Stoffe beschränkt bliebe). Das ist aber leider nicht der Fall, weil das in unserer Wirtschaftsordnung propagierte "ständige Wachstum" (das wissenschaftlich bereits 1972 als utopisch entlarvt wurde, de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums) irgendwann nur noch zu erreichen ist, indem ein eigentlich optimales Produkt von weniger Menschen, mit billigeren Rohstoffen usw. produziert wird. Das verführt nicht nur große Autokonzerne zu Handlungen im kriminellen Bereich, weshalb bei Tests von Verbraucherorganisationen immer wieder Schadstoffe in den Substraten gefunden werden, die dort nicht hineingehören.

3. Dünger

ErdbeerenDa die Trägerstoffe kaum oder keine Nährstoffe enthalten, müssen die Nährstoffe künstlich zugeführt werden, das ist der nächste Problemkreis. Die Substrat produzierende Industrie verwendet u.a. um Kosten zu sparen synthetischen Dünger, der von vielen Menschen allein wegen seiner Entstehung aus fossilen Rohstoffen (Übersicht vom Industrieverband der Hersteller: bit.ly/2qAp86H) abgelehnt wird. Weiter sind nicht alle Menschen mit den Substanzen einverstanden, die zu Dünger verarbeitet werden dürfen (Stichwort: geschredderte Küken, die komplette Liste finden Sie in den Anlagen der Düngemittelverordnung und diese unter www.gesetze-im-internet.de/d_mv_2012/index.html). Oder sie werden das unbehagliche Gefühl nicht los, dass zu Dünger verarbeiteter Klärschlamm Medikamentenrückstände und damit den Geschmack bitterer Pillen in den Erdbeeren hinterlassen könnte (prägnanter Überblick zum Problem mit weiteren Nachweisen: www.abfallmanager-medizin.de/themen/medikamente-im-abwasser).

Solange ein Substrat mit synthetischem Dünger vorgedüngt ist, wäre es für Erdbeeren ohnehin nur zu empfehlen, wenn Sie den Nährstoffbedarf der Erdbeeren im Voraus genau ermitteln könnten und ein Substrat mit genau diesem Nährstoffbedarf erwerben könnten. Der Grund liegt darin, dass der mit synthetischem Dünger zugeführte Stickstoff für den Pflanzenstoffwechsel direkt verfügbar ist (andersherum ausgedrückt: von der Pflanze zwangsweise aufgenommen werden muss), während die im organischen Dünger vorliegende Form Stickstoff im Pflanzengewebe gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden kann. Da eine solche Berechnung faktisch kaum möglich ist, bekommt die Erdbeere praktisch entweder zu wenig


Nährstoffe (mickrige Früchte ohne Aroma) oder zu viel Nährstoffe, die sie sofort verwerten muss (viel grüne Blätter, kaum Blüten und Früchte).

Was gerade geschildert wurde, sind die negativen Auswüchse. Es gibt organisch gedüngte Substrate zu kaufen, die auch die Ansprüche kritischer Menschen rundum erfüllen. Es kostet nur eine schöne Menge an Zeit, sich darüber zu informieren, wie solche Substrate zu erkennen und wo sie zu beziehen sind.

  Tipp: Gerade bei Erdbeeren sollten Sie auf jeden Fall ein wenig Zeit für die Sortenauswahl reservieren. Da tut sich gerade eine Menge, viele alte Sorten sind von Hobbyzüchtern erhalten worden und werden in steigendem Maße von Verbrauchern nachgefragt, die keine harten, wässrigen Supermarkt-Erdbeeren mehr essen möchten.


'Hand made' – die beste Erde für Erdbeeren

ErdbeerenGerade für die sensiblen Erdbeeren wird empfohlen, die Pflanzerde selbst zu mischen, ohne Torf und aus echter Erde mit ausreichendem Humusanteil, mit entsprechenden lockernden und weitere Nährstoffe einbringenden Zusätzen. Das Rezept ist mehr als einfach:
  • Wenn Sie Zugang zu guter, nicht mit Pflanzenschutzmitteln belasteter Gartenerde haben, können Sie diese verwenden
  • Ansonsten gibt es beim nächsten Baustoffhändler garantiert unbelasteten Mutterboden
  • Mit einem definierten Humusgehalt zwischen 10 und 30 % (30 % ist fast übertrieben viel Humus, wird aber gerne gekauft)
  • Wenn Sie mit einer Mörtelwanne im Kofferraum vorfahren, wird man Ihnen auch kleinere Mengen verkaufen
  • Je nach Humusgehalt nehmen Sie 40 bis 60 % von diesem Ausgangssubstrat
  • Dazu kommen 20 bis 30 % Grünkompost, vom eigenen Gartenkompost oder aus der regionalen Kompostanlage
  • Wenn die Erde eher sandig und nährstoffarm ist, nehmen Sie weniger
  • Und geben 20 bis 30 % feinen Rindhumus dazu (gibt es im Garten-Fachhandel)
  • Auch die Zugabe von etwas Tonmehl ist hier sinnvoll, weil das die Wasserspeicherfähigkeit der Erde erhöht und den Humus fixiert
  • Nährstoffreiche, aber auch kompakte und dichte Erde wird mit grobem Sand aufgelockert
  • Nun noch Hornspäne als nachhaltigen Stickstoffspender und Spurenelemente in Form von Urgesteinsmehl untermischen
  • Kalkreiche Erde bekommt siliziumreiches Gesteinsmehl, saure Erde kalkhaltiges
  • Am liebsten mögen Erdbeeren eine leicht saure Erde mit pH-Werten zwischen 5,5 und 6,5
  • Fertig ist die perfekte Erde, die Ihren Erdbeeren "gut schmecken wird"
  • Die Sie sehr einfach besonderen Bedürfnisse exklusiver Feinschmecker-Erdbeersorten anpassen können
Wenn Sie organisch düngen, liegt der Stickstoff gebunden vor und ernährt zunächst die Bodenlebewesen, die den Dünger erst pflanzenverfügbar machen. Im Garten wird das Beet deshalb bereits im Herbst vorbereitet, damit es im Frühjahr die Erdbeeren ernähren kann; vor Saisonende brauchen

lediglich einige Exotensorten Nährstoffnachschub.

Der Kübel wird kurz vor dem Pflanzen mit Erde bestückt, hier arbeiten außerdem weniger Bodenorganismen, die Erdbeeren brauchen also sofort nach dem Pflanzen und ggf. auch zwischendurch einen schneller wirkenden Dünger. Zum Beispiel eine Kräuterjauche, die schneller aufgeschlossen wird, oder etwas Wurmhumus, der zwar organisch, aber sofort pflanzenverfügbar. Je nach Temperatur, Wasserverdunstung, Langzeitwirkung des Düngers reicht den Erdbeeren eine einmalige Gabe oder Sie geben noch ein wenig Dünger nach, wenn die Blüte gerade anfängt.

  Tipp: Gourmets mit sehr feinem Geschmacksempfinden sollten sogar mit der Dünge-Jauche aufpassen, wenn

der Erdbeeren kurz vor der Blüte noch ein wenig Stärkung zugeführt werden soll. Brennnessel ist ok, die schmeckt frisch und "grün", aber inhaltsreiche Kräuter wie Schachtelhalm könnten schon Geschmacksspuren hinterlassen, und mit den Inhaltsstoffen von Wermut sollte die Pflanze zu dieser Zeit bestimmt nicht mehr in Berührung kommen. Denn von der ersten Blüte bis zur reifen Frucht braucht die Erdbeeren nicht lange, hier die Entwicklung vom 08. Mai bis zum 16. Juni im Zeitraffer: www.youtube.com/watch?v=MtfKOXWtJCE.


Neue Substrate

ErdbeerenWenn Sie in der Stadt wohnen und zu den fortschrittlichen Naturen gehören, die interessiert die (nunmehr auch schon 1,5 Jahrzehnte alte) Entwicklung des "Vertikal Farming" mitverfolgen, juckt es Sie vielleicht in den Fingern, in dieser Richtung selbst tätig zu werden. Wenn Sie hierfür Ihre nächsten Erdbeerpflanzen nutzen möchten, ist das eine gute Idee:
  • Erdbeeren sollen sich hervorragend eignen, um auf hydroponischen Anlagen kultiviert zu werden
  • Aeroponik, Kultur im Nährstoff-Sprühnebel, soll die Erdbeeren ebenfalls bestens gedeihen lassen
  • Unter www.aeroponik.de können Sie fertige Aeroponik-Sets unterschiedlichen Umfangs bestellen
  • Auch in der ressourcenschonenden Aquaponik-Kultur von Fischen und Erdbeeren gibt es erste Erfolge
  • Siehe www.svz.de/lokales/hagenower-kreisblatt/wie-fisch-fuer-leckere-erdbeeren-sorgt-id8749816.html
  • Aquaponik ohne Fische funktioniert auf dem Balkon: gartendom.blogspot.de/2013/01/aeroponisches-system-fur-erdbeeren.html
Aus den ersten Versuchen an einer Balkonwand könnte eine Fassade voller Erdbeeren werden, zu beernten aus jedem Fenster.

Tipps für Schnellleser

  • Erdbeeren reagieren empfindlich auf künstliche Einflüsse
  • Das nährstoffreiche Substrat für die köstlichen Früchte mischen Sie deshalb am besten selbst
  • Mit Erde aus dem Garten oder Muttererde vom Baustoffhändler
  • Und den im Artikel genannten "Feinzutaten"
  • Käufliche Substrate enthalten meist umweltschädlichen Torf und auch sonst nicht jedem willkommene Stoffe
  • Der Gehalt an synthetischen Düngern ist ein zusätzlicher (geschmacksbeeinflussender) Problembereich
  • In den letzten Jahren wurden neue, spannende Möglichkeiten der Pflanzenkultur entwickelt
  • In denen sich Erdbeeren bereits prima bewährt haben
  • Im Artikel erfahren Sie, wie Sie die ersten Versuche in erdloser Erdbeerkultur starten