Chili-Anbau - Sorten, Anzucht- und Pflege-Anleitung

Chili-PflanzeDie Chili (botanisch: Capsicum) gehört zur Pflanzenfamilie der Nachtschattengewächse (botanisch: Solanaceae) und stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Sie wird gern in Kübeln und Töpfen auf dem Balkon und der Terrasse aber auch im Garten und Gewächshaus angebaut. Die Früchte der Chilis sind vor allem wegen ihres exotischen Aromas und der feurigen Farben beliebt. Mit ihren weißen Blüten wirken sie zudem sehr dekorativ. Ihre Pflege ist nicht ganz so aufwendig, sodass sie auch von Einsteigern gehalten werden kann. Im Winter müssen Chili-Pflanzen ins Haus geholt werden, da sie in unseren Breiten nicht winterhart sind.

Kurzer Steckbrief:
  • Gehört zur Familie der Nachtschattengewächse.
  • Alle Chili-Sorten sind mehrjährig und legen keine Vegetationspause ein.
  • Stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika.
  • Wächst je nach Sorte bis zu 150 cm hoch.
  • Die Früchte können bis zu 30 cm lang werden, je nach Sorte.
  • Es gibt unzählige Sorten mit unterschiedlich scharfem Geschmack der Früchte.
  • Die Blüten sind meist weiß, grünlich oder vollständig violett gefärbt.
  • Blütenkelch ist glockenförmig.
  • Je nach Sorte können bis zu 10 Blüten an einer Blattachsel auftreten.
  • Die Blüten öffnen sich morgens.
  • Bestäubung erfolgt vorwiegend durch Insekten oder Wind.
  • Für die Zucht in Töpfe und Kübel perfekt geeignet.

Standort

Alle Chili-Sorten können in Kübeln oder Töpfen kultiviert werden. Im Gartenbeet wachsen sie jedoch besser und fruchten schneller. Im Topf trocknet das Pflanzsubstrat häufig schneller aus und die Wurzeln der Pflanzen fühlen sich eingeschränkt in ihrem Wachstum. Auch werfen die Pflanzen im Topf öfter Blüten ab und scheinen schneller an Vitalität einzubüßen. Dagegen sind die Chili-Pflanzen im Gartenboden in ihrem Wurzelwachstum nicht eingeschränkt. Die Umgebung ist insgesamt etwas feuchter, sodass sie in einem besseren Mikroklima wachsen.  

  Verwenden Sie am besten eine Mulchfolie bei Pflanzung der Chili im Gartenbeet. Damit wird der Boden gut erwärmt und zudem das Unkraut ferngehalten.

Kultivierung in Töpfen und Kübeln

Chili-Pflanzen können ebenso optimal im Topf gehalten werden, wenn die Töpfe groß genug sind und regelmäßiges Gießen eingehalten wird. Die Töpfe und Kübel sollten im Sommer auf der Terrasse oder im Garten am besten an einem halbsonnigen, aber windgeschützten Standort stehen - zum Beispiel vor einer Südwand, die Wärme speichert und diese nach und nach an die Pflanzen abgeben kann. Im Gewächshaus fühlen sich Chili-Pflanzen jedoch ebenso wohl und sind vor Regen- und Hagelschauern geschützt.

  Kübel und Töpfe sollten bei längerem Regenwetter vorübergehend ins Haus geholt werden.

Substrat und Boden

  • Feuchte, nährstoffreiche Gartenerde ist als Substrat wunderbar geeignet.
  • Der Boden im Garten sollte neutral sein, leicht sauer wird auch vertragen.
  • Beim frischen Anpflanzen sollten Hornspäne und Kompost zugesetzt werden.
  • Bei Pflanzung im Kübel ist auf eine gute Drainage zu achten.
  • Töpfe und Kübel sollten große Abzugslöcher besitzen.
  • Abzugslöcher mit unterschiedlich großen Steinen bedecken, damit ein Ausspülen der Erde verhindert wird.
  • Eine gute Substratmischung für Töpfe und Kübel ist zum Beispiel: ein Teil Sand, ein Teil Perlite, drei Teile fertige Blumenerde, drei
  • Ebenso gut für Chili-Pflanzen geeignet: ein Teil Sand, ein Teil Torfmoos und ein Teil lehmige Gartenerde.

Gießen

Chili-FruchtDie Chilis im Kübel und auch im Garten sollten täglich, am besten mit Regenwasser gegossen werden. Achten Sie aber darauf, dass es keine Staunässe gibt. Halten Sie die Chili-Pflanzen im Topf oder Kübel und verwenden Sie dazu zugehörige Untersetzer, so sollten Sie das überschüssige Wasser immer ausschütten, damit die Wurzeln nicht faulen können. An heißen Sommertagen sowie im Spätsommer muss reichlich gegossen werden. Die Abendstunden eignen sich dazu ideal.

Die Chili-Pflanzen nicht in der prallen Sonne gießen, da die Blätter sonst verbrennen!

Düngen

Wenn Sie Chilis im Topf oder im Kübel pflegen, benötigen diese etwas mehr Dünger, als die Pflanzen, die im Gartenbeet stehen. Vor allem in der frühen Wachstumsphase ist es ratsam, die Chili-Pflänzchen wöchentlich mit einem ausgewogenen Flüssigdünger zu versorgen. Verdünnen Sie für sehr junge Pflanzen aber den Dünger noch etwas mehr, als auf der Verpackung angegeben ist.

  Sobald Sie bemerken, dass die Chili-Pflanzen zu schnell wachsen oder häufig Blüten abwerfen, dann stellen Sie umgehend das Düngen ein. Wirft die Pflanze aber weiterhin Blüten ab, dann hat sie zu viel Stickstoff erhalten und Sie sollten das Substrat gründlich mit Wasser durchspülen.

Schneiden

Chili-Pflanzen mit einem sehr spindelartigen Hochwuchs in den Sommermonaten können durchaus zurückgeschnitten werden. Auch wenn Chilis keine richtige Vegetationsruhe benötigen und durchweg das gesamte Jahr Blüten und Früchte zur selben Zeit ausbilden, so können sie geschnitten werden, um die Ernte noch ertragreicher zu gestalten. Dazu werden die Spitzen, oberhalb der Blattverzweigungen gekappt. Aber erst in einem Stadium, in dem die Pflanzen ca. 40 cm hoch sind. Ein rigoroser Rückschnitt ist auch möglich, aber muss nicht unbedingt sein! Das Entfernen von Seitentrieben (Ausgeizen) ist bei Chili-Pflanzen nicht notwendig.

  Bei Capsicum chinense kommt es häufig vor, dass die Pflanzen nicht ordentlich verzweigen. Dann stehen sie womöglich zu schattig. Gönnen Sie den Pflanzen etwas mehr Sonne, nachdem Sie diese etwas zurückgeschnitten haben.

Vermehren

Chilis lassen sich am besten durch Aussaat vermehren:
  • Die Aussaat erfolgt im zeitigen Frühjahr.
  • Als Aussaatgefäße eignen sich zum Beispiel flache Schalen, Töpfe, Joghurtbecher oder Minigewächshäuser.
  • Gefäße werden mit lockerer, sterilisierter Aussaaterde befüllt.
  • Um Pilzkrankheiten vorzubeugen werden die Samen eine Nacht in Salzwasser gelegt.
  • Die Samen werden in kleine Löcher von ca.
  • Anschließend wird die Aussaaterde leicht angegossen oder fein mit Wasser besprüht.
  • Geben Sie Folie darüber, damit die Erde nicht austrocknet.
  • Lüften der Folie nicht vergessen - sonst Schimmelgefahr!
  • An einem warmen Ort mit einer Umgebungstemperatur von ca. 23 bis 26°C keimen die Samen innerhalb einer Woche, bei 15 bis 18°C benötigen sie einige Tage länger.
  • Sobald die Keimlinge ca. 3 bis 4 cm groß sind und sich das erste Blattpaar zeigt, können sie einzeln in Töpfchen pikiert werden.
  • Die Töpfe bleiben weiterhin auf der Fensterbank oder an einem hellen, aber nicht zu sonnigen Ort.
  • Wer ein Gewächshaus besitzt, kann die
  • Vergessen Sie das regelmäßige Gießen nicht!
  • Erst nach den Eisheiligen werden die Chili-Pflänzchen ausgepflanzt.

Überwintern

Da Chilis grundsätzlich mehrjährig sind, kann man durchaus mehrere Jahre Freude an ihnen haben. Vor der Einräumung ins Winterquartier können Sie die Pflanzen etwas zurückschneiden, wenn Sie möchten. Unbedingt notwendig ist es aber nicht. Der Überwinterungsstandort sollte hell und kühl sein. Ein leicht geheizter Wintergarten ist dafür bestens geeignet. Ein Treppenhaus bietet sich für die Überwinterung von Chili-Pflanzen ebenso gut an. Während der Winterzeit werden die Chilis nur wenig gegossen und nicht gedüngt. Erst ab Mitte Februar wird wieder regelmäßig gegossen. Im Frühling wird mit frischer Erde umgetopft und etwas Langzeitdünger hinzugegeben. Manche Pflanzen verlieren während der Überwinterung alle Blätter. Das ist nicht weiter tragisch, denn sie treiben wieder neu aus.

Chili-Sorten

Chili-ErnteDurch gezielte Kreuzungen sind zahlreiche Sorten entstanden, von denen folgende Chili-Sorten sehr beliebt sind:

Capsicum chinense Habanero chocolate
  • 5 cm lange und 4 cm dicke, braune Früchte
  • Schärfe von 200000 bis 385000 Scoville
  • gehört zu den schärfsten Habanero-Sorten und stammt aus der Karibik
  • Reifezeit der Früchte ca. 100 Tage
Capsicum annuum Cayenne gelb
  • im Jungstadium grüne und im gereiften Stadium zitronengelbe 13 cm lange und 2,5 cm dicke Früchte
  • von Jahr zu Jahr ertragreicher
  • kompakter Wuchs
  • für die Pflege im Topf besonders gut geeignet
  • Schärfe von 70000 bis 85000 Scoville
  • Reifezeit der Früchte ca. 85 Tage
Capsicum annuum Jalapeno
  • 7 bis 8 cm lange und ca. 4 cm dicke Früchte
  • sehr dickfleischig
  • Früchte reifen von Grün zu Rot ab (häufig werden sie schon im grünen Zustand geerntet und so verwertet)
  • Schärfe 2000 bis 4000 Scoville
  • stammt aus Mexiko
  • Reifezeit der Früchte ca. 85 Tage
Capsicum annuum Anaheim TMR
  • als "neumexikanisches Chili" bekannt
  • dickfleischige Früchte
  • ca. 18 cm lange und 5 cm dicke Früchte, die von Grün zu sehr dunklem Rot reifen
  • sehr kompakter Wuchs
  • Schärfe 1 bis 1000 Scoville
  • Reifezeit der Früchte ca. 75 Tage
Capsicum baccatum
  • wird gern als "Mutter der Chilis" bezeichnet
  • Früchte reifen von Grün über Orange zu Rot ab
  • Fruchtgröße ca. 1 cm lang und 0,5 cm dick
  • schlanker Wuchs
  • kann bis zu 1 m hoch werden
  • Schärfe 100000 bis 175000 Scoville
  • Reifezeit ca. 120 Tage
Capsicum annuum Ancho mulat ( Poblano)
  • stammt aus Mexiko
  • bis zu 15 cm lange und 7 cm breite, spitze Früchte, die von Grün über Rot nach Dunkelbraun-Schwarz ausreifen (werden gern im grünen Zustand geerntet und verwertet)
  • rauchiger, schokoladiger Geschmack
  • im rot geerntetem und so getrocknetem Zustand werden sie in Mexiko "Ancho" genannt und besitzen eine interessante Schärfe
  • im ausgereiftem Zustand werden sie "Mulato" genannt und sind dann deutlich milder
  • Schärfe 1000 bis 1500 Scoville
  • Reifezeit der Früchte ca. 85 Tage

Krankheiten und Schädlinge

Bei guter Pflege werden Chili-Pflanzen selten von Krankheiten und Schädlingen befallen. Manchmal kann es aber vorkommen, dass sie von der sogenannten Umfallkrankheit heimgesucht werden. Diese Krankheit wird durch einen Pilzerreger verursacht, der Keimlinge während ihrer Keimphase befällt, sodass ihr Wachstum eingeschränkt wird. Diese Krankheit ist häufig bei zu dicht stehenden Keimlingen und bei zu kühlen und feuchten Bedingungen anzutreffen. Eine Anwendung von Steinmehl, Kompost oder Sand verhindert diese Krankheit. Eine Behandlung mit Schachtelhalmbrühe ist sowohl als vorbeugende als auch als akute Maßnahmen geeignet.

Bei den Schädlingen sind es die Blattläuse, die sich gern an Chili-Pflanzen festsaugen. Die Plagegeister können Sie vertreiben, indem Sie zum Beispiel zwischen den Chili-Pflanzen Töpfe oder Gefäße mit Lavendel, Thymian, Salbei, Bohnenkraut oder Borretsch stellen. Blattläuse mögen diese Pflanzen nicht! Ebenso können Sie natürliche Fressfeinde der Blattläuse einsetzen, wie zum Beispiel Marienkäfer.

Häufig gestellte Fragen

Meine Chili-Pflanzen sind mit echtem Mehltau infiziert. Muss ich die Pflanzen jetzt wegschmeißen?
Nein, die Pflanzen müssen Sie nicht wegschmeißen, lediglich die befallenen Blätter und Stängel abschneiden und entsorgen. Anschließend können Sie den Mehltaupilz mit einer Mischung aus 9 Teilen Wasser und 1 Teil Milch bekämpfen und die Pflanzen regelmäßig damit einsprühen. Alternativ hilft auch eine Brühe aus Ackerschachtelhalm.

Merkwürdige mosaikförmige Flecken haben die Blätter auf meiner Chili-Pflanze bekommen. Was ist das und kann ich etwas dagegen tun?
Das ist das Schadbild des sogenannten Tabakmosaikvirus, das vor allem an Tabak, Tomaten, aber auch an Paprika- und Chili-Pflanzen vorkommen kann. Die Viren sind zu klein, als dass Sie diese mit dem bloßen Auge sehen könnten. Doch ihre Auswirkungen sind an den mosaikförmigen, gelben Flecken auf dem grünen Grund der Blätter zu sehen. Da es keine Pflanzenschutzmittel gibt, müssen Sie die befallene Pflanze und die Pflanzerde sofort entsorgen. Achten Sie stets beim Kauf von Chili-Saatgut auf als gesund ausgezeichnete Samen mit Qualitätssiegel und sterilisieren Sie die Anzuchterde vor der Aussaat!