Kohlrabi-Anbau im Garten - Pflanzen, Pflege und Ernte


Kohlrabi im BeetKohlrabi gilt als sehr unempfindliches Gemüse. Einige Sorten können bei milder Witterung noch bis in den späten Herbst nachreifen. Eigentlich ist der Kohlrabi eine zweijährige Pflanze, die im ersten Jahr die Knolle anlegt und im zweiten Jahr Blüten bildet. Als Gemüsepflanze wird sie jedoch nahezu immer schon nach wenigen Wochen geerntet. Die meisten Sorten sind bereits erntereif, wenn sie Tennisballgröße erreichen. Stehen sie zu lange im Beet, werden sie oft holzig.

Kurzer Steckbrief
  • Gemüsepflanze
  • auch Oberkohlrabi, Oberrübe, Rübkohl oder Stängelrübe genannt
  • botanischer Name: Brassica oleracea
  • zweijährige Pflanze
  • bildet im ersten Jahr die Knolle
  • im zweiten Jahr erscheinen die Blüten
  • weißschalige und blauschalige Sorten erhältlich
  • bildet eine Pfahlwurzel
Herkunft

Woher der Kohlrabi ursprünglich stammt, ist unklar. Sichere Nachweise gibt es jedoch schon seit dem 16. Jahrhundert, als die Pflanze in Kräuterbüchern auftaucht. Nachdem die Pflanze sich im 19. Jahrhundert speziell im deutschsprachigen Raum verbreitet hat, gilt sie als typisch deutsche Pflanze, deren Name auch in viele andere Sprachen (wie ins Englische, Russische und Japanische) übernommen wurde.

Sorten

Kohlrabisorten unterscheiden sich nach der Farbe und der Anbauzeit. In Deutschland sind etwa 30-40 weiße und 14 blaue Kohlrabi-Arten erhältlich. Viele dieser Sorten sind schon seit über einhundert Jahren bekannt und beliebt. Neuzüchtungen werden vor allem deswegen vorgenommen, damit sich folgende Eigenschaften gut ausprägen:
  • hoher Ertrag
  • geringe Verholzungsneigung
  • Schnellwüchsigkeit
  • geringe Neigung zu Schossen
In der Regel haben weiße Kohlrabi kürzere Kulturzeiten als blauschalige Sorten. Frühe Kohlrabiarten reifen normalerweise schneller als späte Sorten, da ihre Knollen häufig größer werden. Das Bundessortenamt (BSA) hat zurzeit 18 verschiedene Kohlrabisorten gelistet, hinzu kommt eine Reihe altbewährter Sorten aus dem letzten Jahrhundert.

Weiße Sorten

  • Delikateß: weiße Sorte, geeignet für Sommer- und Herbstanbau, neigt zum Verholzen, wenn sie zu lange im Beet bleibt
  • Lanro (BSA seit 1957): weiße Schale, Frühsorte und sehr später Anbau, je schneller das Wachstum, umso zarter das Fleisch
  • Kossak: robuste weiße Sorte, große Knolle, relativ späte Ernte
  • Korist: moderne Sorte, sehr anspruchslos, verholzt nicht so schnell, Vorkultur im Topf oder Frühbeet ab April, direkt ins Freiland ab Mai
  • Knaufs Frühweiß (BSA seit 1956): weiße Sorte, sehr früher Anbau möglich
Blaue Sorten
  • Azur Star: blauschalige Sorte, früher Anbau im Frühbeet oder unter Folie, auch Sommer- und Herbstanbau im Freiland
  • Blaro (BSA seit 1957): blauschaliger Freilandkohlrabi, früher Anbau ab März, kältetolerant
Größte Arten
  • Gigant: weiße Kohlrabisorte, früh säen, da lange Vegetationszeit, riesige Knolle bis 10 kg Gewicht, sehr zartes Fleisch
  • Superschmelz (BSA seit 1979): sehr langsam wachsende, weiße Sorte, Sommerkultur, riesige (bis mehrere Kilo schwere) Knolle, gut lagerfähig
Alte Sorten
  • Kleiner früher (Wiener) Kohlrabi
  • Großer Glaskohlrabi
  • Gemeiner grüner Kohlrabi
  • Früher blauer Glaskohlrabi
  • Später blauer Kohlrabi
Bekannteste Arten
  • Wiesmoor weißer Trieb: weiße Schale, mittelgroße Knolle, Aussaat Mai bis Juni
  • Wiener blauer Glas: rotblaue Schale, mittelgroße Knolle, Aussaat März/April
  • Blauer Speck (1925): rotblaue Schale, große Knolle, Aussaat Ende März/Anfang April in Vorkultur (verträgt keine Fröste), Ernte Juli bis Oktober, mehrere Monate lagerfähig

Standort und Boden

KohlrabipflanzeKohlrabi gedeiht in nahezu allen Regionen mit gemäßigten klimatischen Bedingungen. Vor allem in


Mittel- und Westeuropa wächst er gut in sonnigen Lagen. Während die Pflanze im Jugendstadium genügend Wärme benötigt, reichen ihr im Herbst auch niedrige Temperaturen, um zu reifen. Bei der Bodenqualität ist der Kohlrabi recht anspruchslos. Er wächst auf nahezu allen neutralen, humosen Böden. Größere Schwankungen bezüglich der Bodenfeuchte führen jedoch zum Aufplatzen der Knolle.

Pflege, Düngen und Gießen

Kohlrabi-Pflanzen sind recht nährstoff- und wasserhungrig, stellen aber ansonsten keine hohen Ansprüche. Sie sollten daher regelmäßig gegossen werden, denn bei Trockenheit bildet sich die fleischige Knolle nur ungenügend aus. Ist der Boden nicht gleichmäßig feucht, neigen die Knollen zum Aufreißen oder Platzen. Kleine Düngergaben während der Wachstumsperiode bekommen der Kohlrabi-Pflanze besser als eine einmalige Gabe größerer Nährstoffmengen. Am besten wird der Boden schon im vorherigen Herbst mit einer guten Menge Kompost versorgt, dann reicht die Nährstoffmenge in der Regel bis zum Ausreifen und es muss nicht zusätzlich gedüngt werden.

  Je gleichmäßiger der Boden feucht gehalten wird, umso zarter wird das Fleisch des Kohlrabis.

Fruchtfolge

Damit eine Gemüsepflanze wie der Kohlrabi ausreichend Nährstoffe enthält und zudem nicht von Krankheiten befallen wird, die sich auf Kulturflächen ausbreiten können, wenn jahrelang dieselben Pflanzen angebaut werden, darf Kohlrabi frühestens alle vier Jahre im gleichen Beet angebaut werden. Das Gleiche gilt für andere Kohlarten und die Mitglieder aus der Familie der Kreuzblütler. Hierzu gehören:
Mischkultur

Bei der Auswahl der Nachbarn ist darauf zu achten, dass Kohlrabi nicht mit anderen Gewächsen aus der Kohlfamilie (Lauch, Zwiebeln) zusammen im Beet kultiviert wird. Gute Kulturnachbarn sind hingegen:

  Im Frühjahr werden häufig Kohlrabis mit Salatpflanzen angeboten. Sie ergänzen sich als Mischkultur zwar nicht optimal, beeinträchtigen sich aber auch nicht gegenseitig. Deshalb können sie problemlos in ein Beet zusammengepflanzt werden.

Pflanzen

Im Frühjahr werden überall vorgezogene Kohlrabipflanzen angeboten, die direkt ins Freiland ausgepflanzt werden können. Kohlrabi hat eine kurze Reifezeit von etwa 8-10 Wochen, deshalb haben sich in Mitteleuropa bei der Kultivierung von Kohlrabi-Pflanzen im Freiland drei Anbauzeiträume herauskristallisiert. Es gibt die Frühproduktion sowie eine Sommer- und Herbstproduktion, sodass zwischen Mai und November geerntet werden kann.
  • Roter KohlrabiAnfang März: Vorkultur im kühleren Zimmer
  • Mitte bis Ende März: Aussaat im Gewächshaus

    oder im Freiland unter Vlies
  • April: Aussaat oder Auspflanzen im Frühbeet/Gewächshaus
  • Mitte Mai: Aussaat direkt ins Freiland ohne Schutz
  • Ende Juni: letzter Termin für die Freilandaussaat
  • unter Vlies ist eine Aussaat bis Ende Juli möglich
  • Lagersorten (wie Superschmelz) eignen sich hervorragend als Nachkultur für Frühkartoffeln (Aussaat bis Ende Juni)
  • Pflanzabstand: großzügig, etwa 30 x 30 Zentimeter
  • bei Superschmelz mindestens 40 bis 50 Zentimeter Abstand notwendig
  • 16 Pflanzen je Quadratmeter im Frühanbau, 8-10 im Spätanbau
  • im März gesäte Pflanzen können schon bis zu den Eisheiligen geerntet werden
  • als Vorkultur für wärmebedürftige Pflanzen geeignet (Tomaten, Gurken oder Bohnen)
Beim Einpflanzen von vorgezogenen Kohlrabipflänzchen ist unbedingt auf die richtige Pflanztiefe zu

achten. Während die meisten Pflanzen eben mit dem Gartenboden eingesetzt werden (Oberkante Topferde ist gleich Oberkante Gartenerde), wird der Kohlrabi tiefer gesetzt. Er muss so tief in die Erde, dass die Oberkante bis an die erste Blattverzweigung reicht. Der etwa zwei bis drei Zentimeter lange Stängel unterhalb dieser Blätter kann dann noch Wurzeln ausbilden. Außerdem gibt das tiefe Einpflanzen der Gemüsepflanze mehr Stabilität. Werden Kohlrabi direkt ins Freiland gesät, sollten die Jungpflanzen, wenn sie vier bis sechs Blätter aufweisen, tiefer gesetzt werden.

  Ist der Pflanzabstand zu gering, bildet der Kohlrabi wegen des Lichtmangels keine runden, sondern zylindrische Knollen aus. Je weiter also die Pflanzen auseinander stehen, umso besser gedeihen sie.

Anzucht aus Samen

Prinzipiell gehören Kohlrabis nicht zu den Pflanzen, die bei uns vorgezogen werden müssen. Durch ihre kurze Vegetationsdauer reifen sie selbst bei später Aussaat noch im Freiland aus. Wer jedoch schon zeitig im Frühjahr ernten möchte oder eine intensive Bewirtschaftung seines Gemüsebeetes plant, kann jedoch recht einfach die Pflanzen aus Samen im Haus vorzuziehen. Direkt ins Freiland kann ab den Eisheiligen im Mai gesät werden, unter Folie oder ins Frühbeet schon ab Ende März/Anfang April. Am besten wird schon im Vorjahr (Herbst) Kompost oder anderer organischen Dünger (wie Kuhmist) unter den Boden gemengt und über den Winter brachliegen lassen. So haben die jungen Kohlrabipflanzen gleich ausreichend Nährstoffe für ein gesundes Wachstum.
  • Zeitpunkt für die Aussaat im Zimmer: Anfang bis Mitte März
  • Frühsorten wie Lanro, Azur Star
  • Substrat: Anzuchterde, Kakteenerde oder Kokosfaser
  • Pflanztiefe: 1 Zentimeter
  • Pflanzgefäße: kleine Töpfchen (4-5 Zentimeter Durchmesser)
  • bei größeren Pflanzungen Topfplatten oder Torfquelltöpfen
  • bei Freilandaussaat: mit der Harke eine 1 Zentimeter tiefe Rille in die Erde ziehen
  • Keimtemperatur: 15-18 Grad
  • bilden sich die ersten richtigen Blätter (nach den Keimblättern): kühler stellen
Temperaturen deutlich über 15 Grad führen bei Jungpflanzen zum Schießen (vergeilen). Es bildet sich dann zwar noch üppiges Blattwerk, die Knolle entwickelt sich dafür aber nur sehr unzureichend. Ein guter Platz für die gekeimten Pflänzchen ist ein geschützter, sonniger Balkon. Nur bei wirklich strengen Nachtfrösten müssen dann die Jungpflanzen nach drinnen. Meist wird bei der Aussaat direkt ins Freiland eine zu großzügige Menge an Samen verwendet. Keimen alle Samen, sollten alle Jungpflanzen, die inzwischen etwa 5-6 Blätter aufweisen, auf die Abstände hin überprüft werden. Stehen zwei oder mehr Pflanzen näher als etwa 20 Zentimeter beisammen, sollten die schwächer entwickelten herausgezogen werden. Denn: Stehen die Pflanzen zu nah, nehmen sie sich gegenseitig das Licht weg und entwickeln sich nur schwach.

  Die Jungpflanzen müssen hell und kühl stehen, um optimal zu wachsen. Doch Vorsicht: Fallen die Temperaturen unter 10 Grad, bilden sich später keine Knollen aus.

Gewächshaus

Schon seit etwa 100 Jahren wird in Holland, Österreich, der Schweiz und Deutschland auch Kohlrabi in Gewächshäusern angebaut. Bei dieser Art der Kultivierung kann auch im Winter geerntet werden. Diese sogenannten Treib-Kohlrabis haben ein zarteres Fleisch als Freilandkohlrabi, jedoch meist einen etwas weniger kräftigen Geschmack.

Ernte

Kohlrabi Viele frühe Sorten können bereits nach etwa acht Wochen geerntet werden. Es ist immer darauf zu achten, welche Knollengröße die Kohlrabipflanze erreichen soll (Angabe beispielsweise auf dem Saattütchen). Als gute Faustregel für die kleinknolligen Kohlrabiarten gilt: Tennisballgröße. Sobald die Knolle diese Größe erreicht hat, sollte sie auch geerntet werden. Stehen die Pflanzen zu lange im Beet, weil möglicherweise noch darauf gewartet wird, dass die Knolle ein paar Zentimeter größer wird, wird die saftige Knolle sehr schnell holzig. Bei der Ernte wird die Pflanze einfach mit einem scharfen Messer oder einer robusten Gartenschere knapp unterhalb der Knolle abgeschnitten.

Lagerung


Die meisten Kohlrabi-Sorten sind über ein paar Wochen bis zu wenigen Monaten lagerfähig. Ist der Lagerraum kühl und eher feucht, verhindert dies zudem ein Verholzen der Knolle.

Krankheiten und Schädlinge

Gelegentlich kommen beim Kohlrabi das Blumenkohlmosaikvirus und die Kohlhernie vor. Wie auch andere Kohlarten wird der Kohlrabi von Falschem Mehltau heimgesucht. Diese Pilze, Viren und Bakterien befallen die Blätter und Knolle der Pflanzen. Erste Anzeichen sind frühzeitig welkende Blätter, graugrüne Einfärbung des Gewebes und schwarzgraue Flecken. Im Freiland ist zudem der Große Kohltriebrüssler von Bedeutung, der seine Eier auf der Pflanze ablegt, was zum Aufplatzen der Knollen führt.

Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich Kohlrabi selbst vermehren?
Kohlrabi ist eine zweijährige Pflanze, die im ersten Jahr ihre Knolle ausbildet und im zweiten Jahr blüht. Wird der Kohlrabi im ersten Jahr nicht geerntet und geschützt (Abdeckung mit Kompost, Stroh) überwintert, treten nach erfolgreicher Bestäubung der Blüten schotenförmige Samenstände auf. Sind diese ausgereift, können die Samen entnommen und getrocknet werden. Im kommenden Frühjahr werden sie dann ausgesät. Ob diese Samen dann allerdings sortenrein ausfallen, ist fraglich. Die Knolle ist im zweiten Jahr nicht mehr genießbar.

Ich habe zum ersten Mal Kohlrabi aus Samen selbst gezogen. Die jungen Pflänzchen sehen jetzt allerdings nach drei Wochen sehr dünn und hochgeschossen aus. Was habe ich falsch gemacht?
Geschossene Triebe deuten (nicht nur bei Kohlrabipflanzen) immer auf ein falsches Verhältnis von Licht und Temperatur hin. Ist es recht warm (Zimmertemperatur) benötigt die Pflanze einen sehr hellen Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Nach der Keimung sollten Kohlrabipflanzen an einen etwas kühleren Standort (14-18 Grad) mit viel Licht umziehen. Ein helles Treppenhaus, ein kühles Schlafzimmer oder auch ein geschützter Balkon kann ab April der passende Standort sein. Bei kühlen Temperaturen ist nicht ganz so viel Licht notwendig wie bei höheren, schattig oder dunkel darf es aber auf keinen Fall sein. Es ist fraglich, ob aus den vergeilten Pflänzchen noch stattliche Knollen wachsen, einen Versuch ist es dennoch wert. Im Zweifelsfall können im Mai dann noch einmal ein paar Samen direkt ins Freiland gesät werden.