Essbare Wildpflanzen und Pflanzen der Natur

GgaensebluemchenNicht jedes unbekannte Kraut im Garten muss sofort dezimiert und radikal entfernt werden. Denn viele wild wachsende Pflanzen aus der Natur besitzen schmackhafte Eigenschaften und runden durch ihre Inhaltsstoffe oder Aromen kulinarisch Speisen ab. Wussten Sie beispielsweise, dass zerkochte Brennnesselblätter einen adäquaten und vitaminreichen Spinatersatz abgeben? Mit etwa über der Hälfte des vorhandenen "Unkrauts" aus dem eigenen Garten können Sie Ihre Küche bereichern oder heilkräftige Tees und Getränke daraus fertigen. Auch bei einem Streifzug durch die Natur können Sie die eigene Speisekammer mit essbaren Wildpflanzen füllen.

Essbare Wild- und Gartenpflanzen

Was für die einen lästiges und unliebsames Unkraut im eigenen Garten darstellt, ist für andere Menschen eine willkommene und vitaminreiche Abwechslung für die Küche. Jahrhundertelang wurden Pflanzen wie beispielsweise Giersch, Brennnesseln und Löwenzahn zur kulinarischen Bereicherung von Speisen eingesetzt. Zugleich wurden viele der Gewächse als wirksames Heilmittel gegen Krankheiten und Beschwerden verwendet. Was früher jedoch noch zum Alltagswissen gehörte, ist allerdings längst in Vergessenheit geraten. Langsam werden die Kenntnisse unserer Urgroßeltern jedoch wieder ans Licht gebracht: Neben themenbezogener Literatur sind auch zahlreiche Angebote von Kräuterexkursionen und -Lehrgänge vielerorts verfügbar. Von einem spontanen und unvorbereiteten Streifzug nach essbaren Pflanzen durch den Wald oder Garten wird abgeraten. Einige Gewächse besitzen Doppelgänger, deren Verzehr schnell in der Notaufnahme enden könnte.

Auch das Wissen über Standort und Zeitpunkt für die Ernte spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Das Sammeln von Pflanzen sollte nicht an viel befahrenen Straßen, Ackerrändern oder häufig genutzten Wegen erfolgen. Wann genau welches Gewächs beerntet werden kann, ist abhängig von der jeweiligen Pflanzenart. Sofern Sie nach dem Mond gärtnern, sollten Sie auch die jeweiligen Mondtage für die Ernte berücksichtigen. Werden Blätter und andere Pflanzenteile noch in den frühen Morgenstunden geschnitten, so enthalten sie noch ihr volles Aroma. Ernten Sie jedoch nur die Menge, welche Sie selbst auch verbrauchen können. Auf diese Weise schützen Sie die natürlichen Ressourcen und tragen dazu bei, dass die Pflanze auch im Folgejahr am gleichen Standort wächst.

Beliebte und essbare Pflanzenarten, welche auch in der freien Natur anzutreffen sind:

Berberitze
  • Berberitzen-BluetenIm Gebirge und in lichten Wäldern anzutreffen.
  • Beerenfrüchte sind u.a. schleimlösend und antibakteriell.
  • Inhaltsstoffe der Rinde regen die Verdauung an.
  • Findet als heilkräftiger Tee Verwendung.
  • Beeren werden zu Marmelade, Gelee oder Sirup verarbeitet.
Gänseblümchen
  • Ein Tee aus Gänseblümchen fördert die Verdauung und wirkt harntreibend.
  • Die Blütenköpfe finden im Salat und als Garnierung Verwendung.
Brennnesseln
  • Vielseitige Nutz- und Heilpflanze.
  • Der Sud wirkt gegen Schädlinge und Pilzerreger.
  • Gekocht ähnelt der Geschmack der Blätter Spinat.
  • Ein Tee aus Brennnesseln wirkt belebend und abführend.
Kapuzinerkresse
  • Schattenverträgliche Pflanze mit leuchtenden Blüten.
  • Blätter und Blüten besitzen ein scharfes Aroma.
  • Mit den Pflanzenteilen können Salate, Soßen und Suppen gewürzt werden.
  • Kapuzinerkresse wirkt blutreinigend und schleimlösend.
Sauerampfer
  • Die säuerlich schmeckenden Blätter können als Salatgewürz verwendet werden.
  • Als vitaminreicher Tee fördert Sauerampfer die Verdauung.
  • Ideale Beilage für Suppen, Soßen und Eintöpfe.
  • Roh nur in geringen Maßen verzehren.
  • Hohe Verwechslungsgefahr mit anderen Ampfer-Sorten.
Wiesenknöterich
  • KnoeterichDie zarten Blätter besitzen ein leicht säuerliches Aroma.
  • Püriert ergibt der Wiesenknöterich eine cremige und vitaminreiche Suppe.
Wilde Rauke
  • Auch unter den Begriff Rucola bekannt.
  • Die ausdauernde Pflanze wird häufig als Salat verwendet.
  • Genießbar sind vor alledem die jungen Blätter, Samen und Blütenknospen.
  • In getrockneter Form ergibt die Rauke ein aromatisches Gewürz.
  • Gefährliche Verwechslung mit Kreuzkraut möglich.
Schafgarbe
  • Beliebte Heilpflanze gegen Frauen- und Magen-Darm-Beschwerden.
  • Wirkt entzündungshemmend.
  • Junge Blätter ergeben einen schmackhaften Salat.
  • Das ältere Laub findet als Gewürz Verwendung.
Guter Heinrich
  • Im Volksmund auch als wilder Spinat bezeichnet.
  • Die jungen Blätter werden als Salat oder zu Spinat verarbeitet.
  • Ab dem zweiten Anbaujahr sind auch die Stängel genießbar.
  • Ältere Blätter bilden Oxalsäure aus und sollten nur in Maßen verzehrt werden.
Topinambur
  • Auch als Erdbirne und -Apfel bekannt.
  • Besitzt einen süßlich-nussigen Geschmack.
  • Beliebte Beilage in Rohkostsalaten.
  • Eignet sich auch zum Kochen und Frittieren.
Wiesenkerbel
  • Blätter und Stängel der Pflanze sind essbar.
  • Der Geschmack ähnelt dem von Petersilie.
  • Ideale Ergänzung zu Geflügel- und Fischgerichten.
Löwenzahn
  • Loewenzahn-BluetenDie Pflanze besitzt ein leicht herbes, bitteres Aroma.
  • Junge Blätter ergeben einen schmackhaften Salat.
  • Löwenzahn kann wie Spinat zubereitet werden.
  • Die Blüten eignen sich zur Herstellung von Brotaufstrich.
Pfefferminze
  • Blätter wirken belebend als Tee.
  • Die Inhaltsstoffe der Pflanze wirken sich positiv bei Kopfschmerzen und Atemwegserkrankungen aus.
  • Als Salatbeigabe geeignet.
Breitwegerich
  • Breitwegerich wird innerlich und äußerlich fast nur bei Beschwerden eingesetzt.
  • Als Tee wirkt die Pflanze gegen Halsschmerzen und Husten.
  • Besitzt eine kühlende und wundheilende Wirkung.
Vogelmiere
  • Das Nelkengewächs ist reich an Vitaminen.
  • Wirkungsvoll bei zahlreichen Hautproblemen.
  • Die Blätter können zu Suppen, Salaten und Brotaufstrich verarbeitet werden.
Birke
  • Das Laub der Birke ist als Salat geeignet.
Holunder
  • Holunder-StrauchDie Blüten können zu Sirup aufgekocht werden.
  • Holunderbeeren ergeben eine schmackhafte Marmelade.
  • Dem Saft der Holunderbeere werden fiebersenkende Eigenschaften nachgesagt.
Rohrkolben
  • Gekocht kann der obere Pflanzenteil wie ein Maiskolben verzehrt werden.
  • Ältere Pflanzen sind ungenießbar.
  • Junge Teile des Rohrkolbens schmecken leicht nach Gurke.
  • Die Wurzeln lassen sich zu Mehl verarbeiten.
Bärenklau
  • Blätter eignen sich für Soßen, Suppen und Eierspeisen.
  • Blütenknospen sind aromatisch und werden als Brotbelag und Salat verwendet.
  • Nicht alle Arten von Bärenklau sind genießbar.
Bärlauch
  • Besitzt einen knoblauchartigen Geruch und Geschmack.
  • Eignet sich roh als Salat und Brotaufstrich.
  • Gekocht ergeben die schmackhaften Blätter Pesto, Soßen und Suppen.
Flieder
  • Die Blüten können zu Gelee und Sirup verarbeitet werden.
  • Den Verzehr von grünen Pflanzenteilen unbedingt vermeiden.
Giersch
  • Giersch-PflanzeWuchsfreudige und vielseitige Pflanze.
  • Besitzt ein leicht möhrenartiges Aroma.
  • Die Blätter ergänzen Salate ebenso wie Suppen und Soßen.
  • Blüten schmecken süßlich-herb und werten Süßspeisen auf.
Schlehe
  • Aus den Beeren lässt sich ein leckerer Schnaps und Likör anfertigen.
  • Die Schlehenfrüchte lassen sich zu Gelee und Marmelade verkochen.

Tödliche Verwechslung vermeiden

Unter den zahlreichen essbaren Pflanzenvertretern in Wald und Flur gibt es ebensolche, von deren Verzehr dringend abgeraten wird. Darüber hinaus ist die Verwechslungsgefahr bei einigen Sorten hoch. So ähneln sich beispielsweise die Blätter von Bärlauch und Maiglöckchen auf dem ersten Blick sehr. Wenn Sie sich unsicher sind, so sollten Sie auf Nummer sicher gehen und unbekannte Pflanzen meiden. Denn während der Genuss von Oleanderblättern häufig nur leichte Vergiftungserscheinungen zur Folge hat, kann der Verzehr von Herbstzeitlosen schon zu einem Aufenthalt im Krankenhaus führen.

Um folgende Giftpflanzen sollten Sie einen Bogen machen:
  • Herbstzeitlose
  • Teufelskraut (Tollkirsche)
  • Seidelbast
  • Fingerhut
  • Bilsenkraut
  • Aronstab
  • Alpenveilchen
  • Efeu
  • Eiben
  • Eisenhut
  • Schierling
  • Goldregen
  • Hundspetersilie
  • Maiglöckchen
  • Stechapfel
  • Wurmfarne

Kultivierung von Wildpflanzen

Fast alle essbaren Wild- und Heilpflanzen lassen sich ohne größeren Aufwand im eigenen Garten anpflanzen. Häufig sind diese Pflanzenarten sogar ergiebiger und vitaminreicher als überzüchtete Gemüse- und Kräutersorten aus dem Fachhandel. Greifen Sie zur Vermehrung von wild wachsenden Pflanzen auf die Aussaat von Samen oder auf Stecklinge zurück. Brombeeren, Himbeeren, Schlehen und auch Holunderbeere wurzeln beispielsweise schnell an. Schneiden Sie dafür einen leicht verholzten Trieb von der Mutterpflanze ab und stecken Sie diesen zu 2/3 in mageres Substrat. Samen können kurze Zeit nach der Blüte entnommen werden. Fast alle heimischen Pflanzenarten sind Kaltkeimer, zur erfolgreichen Keimung müssen die Samen zuerst eine Kälteperiode durchlaufen. Legen Sie das Saatgut dafür etwa 6 Wochen vor der Aussaat in den Kühlschrank oder aber säen Sie die Samen im Herbst noch in das vorbereitete Beet aus.
{infobox type=check|content=Graben Sie keine Wildpflanzen aus. Einige Arten stehen unter Naturschutz, eine Entnahme in der freien Natur kann unter Umständen eine strafrechtliche Konsequenz nach sich ziehen.}Bei einigen Pflanzenarten sollten Sie gut überlegen, ob Sie diese wirklich im eigenen Garten kultivieren möchten. Giersch beispielsweise gehört zu der Sorte von Gewächsen, welche einen starken Vermehrungsdrang besitzen und sich nur schwer kontrollieren oder gar entfernen lassen. Legen Sie eine Drainage an und schneiden Sie diese wuchsfreudigen Pflanzen konsequent zurück.

Häufig gestellte Fragen

Können mit dem "Genießbarkeitstest" Giftpflanzen einwandfrei identifiziert werden?
Der "universal edibility test" ist ein Vorgehen für den Notfall, um giftige Gewächse von essbaren zu unterscheiden. Dabei wird zuerst an der Pflanze gerochen und dann ein Stück vom Blatt auf einer empfindlichen Hautstelle zerrieben. Treten keine Hautirritationen auf, wird der erste Geschmackstest vorgenommen. Danach werden geringe Pflanzenteile konsumiert, die Dosis wird nach einer gewissen Wartezeit erhöht. Dieser Vorgang wiederholt sich so oft, bis keine Nebenwirkungen erkennbar und eine größere Menge der Pflanze verzehrt worden sind. Von dieser Methode wird im Alltag jedoch abgeraten. Denn dieser Test ist mit zahlreichen Risiken verbunden. Denn nicht jede stark riechende oder bitter schmeckende Pflanze ist für den Menschen ungenießbar. Während einige giftige Inhaltsstoffe bereits im Mund schwere Zellschäden hervorrufen können, wirken andere erst nach Tagen oder gar Monaten. Verzichten Sie auf einen derartigen Selbstversuch und greifen Sie auf Fachliteratur oder die Hilfe von Pflanzenexperten zurück, um essbare Gewächse einwandfrei zu identifizieren.

Wo kann ich in der Stadt essbare Wildpflanzen sammeln?
Essbare Pflanzen aus der Natur sollten bevorzugt im Wald oder freiem Feld entnommen werden. Pflanzen nehmen Giftstoffe aus der Umgebung auf, besonders in verkehrsreichen Gebieten sind Gewächse am Straßenrand stark mit Umweltgiften belastet. Umgehen Sie auch Orte, welche gezielt von Hundebesitzern angesteuert werden. Nicht immer ist es möglich, gesammelte Wildpflanzen aus dem Wald vor dem Verzehr zu erhitzen. Um die Gefahr einer potenziellen Ansteckung durch Fuchsbandwurm zu dezimieren, meiden Sie die direkte Nähe zu Fuchsbauten. Diese Tiere gelten als einer der Hauptüberträger für die Parasiten.