Edelpflaume - Pflege und Schneiden von Renekloden

Edelpflaumen-AstRenekloden sind zwar Edelpflaumen, aber wesentlich weniger bekannt wie ihre großen, runden (häufig fast geschmacklosen) Schwestern aus dem Handel. Zu Unrecht, Renekloden gibt es noch in vielen alten Sorten, die mehr Aroma als die bekannten Handelssorten der "Edel-Pflaumen im engeren Sinne" haben, und auch ein anderes, interessantes Aroma. Wenn Sie Ihnen etwas Wärme bieten können (falls nicht im Beet, dann eben im Kübel), sind die Renekloden recht leicht zu pflegen, schneiden muss man sie zwar, aber das lässt sich lernen, eigentlich schon nach folgender Anleitung.

Kurzer Steckbrief: Renekloden
  • Die Renekloden gehört zur Familie der Rosengewächse
  • Wie der gesamte Tribus (Rangstufe zwischen Unterfamilie und Gattung) unserer Steinobstgewächse
  • Bei denen gibt es eine einzige Gattung, die Prunus
  • Zu denen gehören Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Mandeln und Pfirsiche...
  • Die Pflaume ist eine Art in der Gattung Prunus namens "Prunus domestica"
  • Von der ist die Edel-Pflaume eine Unterart
  • Deren wissenschaftlicher Name ist "Prunus domestica subsp. italica"
  • Sie teilt sich in die Varianten "Echte Edelpflaume" und "Reneklode" teilt

Standort

Renekloden kommen wohl ursprünglich aus Vorderasien, brauchen also viel Wärme, so werden sie heute vor allem in Mittel- und Südeuropa und in Nordafrika als Obstbaum angebaut.

Sie sollen nur mit etwas mehr Wärme als die "gewöhnliche Pflaume" sehr gut zurechtkommen, im Weinbaugebiet und in schön geschützt liegenden Regionen Süddeutschlands ist der Anbau problemlos möglich. In kälteren Regionen müssten Sie sich in der Baumschule sehr genau erkundigen, ob eine Renekloden-Sorte Ihrem Heimatklima gewachsen ist. Kaufen Sie nur bei einer Baumschule in Ihrer Nähe, und nur Renekloden, die auch dort in dieser Baumschule wachsen.

  Wenn sich herausstellt, dass das Klima bei Ihnen die durchschnittliche Reneklode eher verzweifeln lassen wird, könnten Sie Ihre Reneklode im Kübel kultivieren. Natürlich eine schwachwüchsige und auch nicht sehr hoch werdende Reneklode, natürlich in einem Kübel, in dem die Wurzeln genug Platz haben. Der Kübel sollte ein Volumen von mindestens 70 Liter haben, und Sie müssen sich darüber klar sein, dass die Zufuhr von Wasser und Nährstoffen im Kübel sehr viel sorgfältiger erfolgen muss als bei einer Pflanze im Freiland – in diesem winzigen Erdreich können sich Mängel nicht durch das weitere Umfeld ausgleichen.

Boden, Wasser, Dünger, Pflege

Renekloden wachsen in ganz normaler humusreicher Erde mit einem ganz normalen pH-Wert um 6.5. Gerne recht feucht Böden, gerne ein wenig kalkhaltig bis zu einem pH-Wert von etwa 7.

Die Reneklode sollte immer in einem leicht durchfeuchteten Boden stehen, der nicht völlig austrocknen darf, im Zweifel wird sie also zusätzlich bewässert.

Gedüngt wird die Reneklode einmal im Jahr zu Beginn der Wachstumssaison, in einem normal nährstoffversorgten Boden mit etwa 10 g/qm Stickstoff, 3-4 g Phosphat und 8-10 g Kali pro Quadratmeter, Kompost kann später gerne zusätzlich aufgebracht werden.

  Den Wurzeln der Renekloden tut es gut, wenn Sie eine Baumscheibe in Kronendurchmesser offenhalten, die vor allem bei frisch gepflanzten Renekloden regelmäßig gemulcht wird, so können sie sämtliches Wasser und sämtliche Nährstoffe

Schneiden

Edelpflaumen-BaumRenekloden werden in der Baumschule in vielen verschiedenen Formen verkauft, immer auf einer unterschiedlich wüchsigen Veredelung gezogen. Die werden nach der Länge des Stammes unterschieden, in Hochstamm (mehr als 160 cm), Halbstamm (120 bis 160 cm), Niederstamm (80 bis 100 cm), Buschbaum (um 60 cm, mehrere Leittriebe) und Spindelbüsche und Spalierformen von Obstbäumen (bis zu 50 cm klein).

Die allgemeine Erscheinung einer Reneklode, die durch den Schnitt erreicht werden soll, folgt bis auf diese Höhenunterschiede dem gleichen Grundmuster:
  • Ganz unten sitzt die Wurzel, und zwar nicht die Wurzel der Reneklode, sondern die der Unterlage
  • Dann folgt die Veredelungsstelle, wo sozusagen Ihre Reneklode anfängt (sie kann an verschiedenen Stellen am Stamm sitzen)
  • Die Reneklode hat einen Stamm, der in oben beschriebene Höhen wachsen wird
  • Vom Stamm sollen vier bis fünf Leitäste abgehen
  • Die Stammverlängerung in der Mitte soll senkrecht hochwachsen
  • Die Leitastverlängerungen sollten gut verteilt über den Baum wachsen
  • Von den Stammverlängerung und den Leitastverlängerungen gehen die Fruchtäste ab, die eher kurzen Triebe

Das Ziel des Schnitts bestimmt das Vorgehen

Eine Reneklode soll eine harmonisch gewachsene, luftige Krone und kräftige, gut verteilte Leitäste ausbilden. Die Fruchtäste, die sich an den Stamm- und den Leitastverlängerungen bilden, sollten beim Beschnitt so konzipiert werden, dass sie waagrecht bis ein wenig flach abwärts geneigt wachsen werden. So müssen Sie schneiden, um sich dem Idealbild anzunähern:
  • Wenn sich Ihre Reneklode ein Jahr gut eingewurzelt hat, bekommt sie den ersten Erziehungsschnitt.
  • Dieser Erziehungsschnitt wird manchmal auch Pflanzschnitt  genannt, hat aber nichts mit dem Pflanzschnitt zu tun, den wurzelnackte Bäume beim Einpflanzen bekommen.
  • Sie kürzen jetzt den Gipfeltrieb, der einmal zum Stamm bzw. der Stammverlängerung wird.
  • Wenn er von alleine gerade aufrecht wächst, um etwa die Hälfte, wenn nicht, bis dorthin, wo die falsche Richtung eingeschlagen wird.
  • Dann kommen die Leitäste dran - schauen Sie noch einmal, ob in der Baumschule 4 - 5 geeignete ausgewählt wurden, die sich schön regelmäßig um den Stamm verteilen.
  • Edelpflaumen-FrüchtDie konkurrierenden Äste werden entfernt, in der Regel eher nachwachsende Triebe, weil die Baumschule gut vorausgewählt hat.
  • Falls Sie selbst Leitäste auswählen müssen: Sie sollten rundum in unterschiedlichen Höhen sitzen und in einem Winkel von rund 45 Grad zum Gipfeltrieb.
  • Wenn die passenden Äste nicht den richtigen Winkel haben, können Sie das richtige Wachstum jetzt noch ein wenig beeinflussen.
  • Wenn Ihr künftiger Leitast zu steil steht, wird
  • Wenn er zu flach wächst, wird er am nächst höheren Ast hochgebunden, bis er den richtigen Winkel zeigt.
  • Diese Konkurrenztriebe werden soweit bis auf den Stamm heruntergeschnitten, dass der Astring (Knubbel am Stamm) erhalten bleibt.
  • Die Leittriebe werden ebenfalls auf etwa die Hälfte gekürzt, der Gipfeltrieb sollte zum Schluss etwa 10 cm über sie hinausragen.
  • Sie schneiden Leittrieb und andere nur zu kürzende Triebe immer rund 3 mm oberhalb einer Triebspitzenknospe
  • Entfernt werden nun noch alle nach innen wachsende Triebe, alle zu eng wachsenden Triebe und alle schwächlich oder verquer
  • Im Ergebnis sollten die Leitäste auf einer Höhe liegen, etwas unter dem Gipfeltrieb, aber insgesamt höher als alle anderen Äste.
  • So ähnlich fahren Sie die nächsten Jahre fort, bis eine harmonisch verteilte, luftige Krone entstanden ist.
  • Wie stark genau Sie Leitastverlängerung und Gipfeltrieb jeweils einkürzen, hängt von der Wuchskraft des Baumes ab.
  • Bei schwach wachsenden Bäumen kürzen Sie eher stark ein, bei starkem Wachstum sehr viel vorsichtiger.
Es dauert sechs bis zehn Jahre, bis mit diesem Erziehungsschnitt die Kronenbildung abgeschlossen ist und Sie zum Überwachungs- oder Pflegeschnitt übergehen können.

  Nur mit richtigen Werkzeug gelingt der richtige Schnitt. Sie brauchen unbedingt gutes Werkzeug für den Baumschnitt, denn nur glatte und saubere Schnitte garantieren, dass der Baum die ihm zugefügten Wunden rasch heilen kann. Wenn Sie regelmäßig schneiden, brauchen Sie auch keine teuren Großmaschinen, eine gute Baumschere (Rosenschere reicht) und ein kräftiges Messer reichen vollkommen, wenn beide vor dem Schnitt frisch geschärft werden.

Arten und Sorten

Edelpflaumen-ErnteRenekloden gehören zu den Edel-Pflaumen "Prunus domestica subsp. italica", bei denen wiederum zwei mitteleuropäische Sortengruppen unterschieden werden:

1. Die Echte Edelpflaume, Edel-Rund-Pflaume, Prunus domestica subsp. italica var. subrotunda (P. d. var. subrotunda).

2. Die Reneklode, Prunus domestica subsp. italica var. claudiana (P. d. var. claudiana): Sie haben kugelrunde Früchte, die je nach Sorte unterschiedliche Größen zwischen 3 und 4,5 cm erreichen. Das Fruchtfleisch ist hell und ziemlich süß, die Früchte sind gelbgrün, bei manchen Sorten mit rötlichem Schimmer. Renekloden werden häufig mit Mirabellen verwechselt, die aber etwas bis deutlich kleiner und deutlich gelblich-rötlicher gefärbt sind. Von den Renekloden gibt es viele Zuchtsorten, hier eine Auswahl:
  • 'Bavays Reneclode', seltene belgische Sorte, soll unglaublich große Früchte tragen.
  • 'Boddarts Reneclode', belgische Zucht von 1845, soll größer und von schönerer Farbe sein als die 'Grüne', braucht aber geschützte Standorte.
  • 'Graf Althanns Reneklode', eine alte, robuste gut frostharte Sorte, die meist ohne Pflanzenschutz auskommt. Die Gartensorte aus Böhmen wächst mittelstark und trägt viele große grüngelbe, rötlich überlaufene Früchte mit goldgelbem Fruchtfleisch und weinartigem Aroma.
  • 'Große Grüne Reneklode', eine alte und beliebte Einmachsorte wohl aus Südeuropa, kräftiger Wuchs, große grüngelbe Früchte mit gelblichem Fruchtfleisch und guter Würze.
  • 'Meroldts Reneclode', im 19. Jahrhundert in Böhmen gezogen, gelbweiß geäderte feste und süße Früchte, nicht immer stark im Aroma.
  • 'Moissac-Reneclode': Alte Sorte aus Südwest-Frankreich, auch in Kalifornien im Anbau, produktiver und früher als die 'Grüne', wird in Moissac (Dordone) auch gebrannt.
  • 'Oullins Reneklode' entstand vermutlich in Frankreich, starker Wuchs, große gelbe bis grüngelbe Früchte mit gelbem Fruchtfleisch, zartsüß mit schwacher Würze.
  • 'Uhinks Reneklode', alte Sorten von einem Pflaumenzüchter auf dem 19. Jahrhundert, nur über Raritätengärtnereien zu bekommen.
Wenn Sie zu den "Jägern der alten Sorten" gehören, können Sie sich noch für viele andere Renekloden-Sorten interessieren. Aus England könnten Sie z. B. übers Internet eine goldrote Früchte tragende 'Bryanston' oder eine 'Cambridge Gage' mit deutlichem und honigsüßem Renekloden-Aroma in den Früchten beziehen; der türkische Gemüsehändler aus ihrer Heimatstadt könnte Ihnen eine Elternsorte der Renekloden namens 'Canerik' vom nächsten Heimaturlaub aus der Türkei mitbringen; in den USA lässt sich nicht nur gut schoppen, sondern auch die hervorragenden Dessert-Renekloden 'Denniston's Superb' aufspüren ... die seltenen alten Sorten sind inzwischen in erheblich größerem Umfang erreichbar als die im nächsten Gartencenter verfügbaren Sorten vermuten lassen – machen Sie sich auf, diese zu entdecken, und gesellen Sie sich zu den weltweiten Bewahrern "alten, natürlichen Saatguts" (bei Renekloden dürfte es keine Problem geben, aber bei sehr seltenen Pflanzen immer Nachweis der Verkaufsberechtigung verlangen bzw. im Zweifel mal beim Zoll anrufen).

Häufig gestellte Fragen

Bei den Renekloden gibt es Selbstbefruchter und solche, die fremdbefruchtet werden müssen - was soll ich nehmen?
Die meisten Renekloden müssen (wie eigentlich alle normalen Pflanzen) mit fremdem Pollen bestäubt werden. Das müssen Pollen verwandter Arten sein, Renekloden können grundsätzlich durch viele Prunus-Arten, z. B. auch durch Schlehen und Zierpflaumen bestäubt werden. Wenn die Renekloden in Gebiete gepflanzt werden sollen, in denen eine Bestäubung aus der Umgegend nicht sicher erwartet werden kann, wird man Ihnen in der Baumschule eine Befruchtersorte empfehlen, für 'Graf Althanns' sollen z.B. die 'Große Grüne', 'Oullins', die Pflaume 'Königin Victoria', für die 'Große Grüne' z.B. Ersinger Frühzwetsche, Bühler Frühzwetsche gut geeignet sein. Auch wenn eine Sorte als selbstfruchtbar gezüchtet wurde wie die 'Oullins', wird übrigens geraten, auf Befruchter in der Nähe zu achten - Selbstbefruchtung ist anerzogen und nicht natürlich, nicht alle Pflanzen kommen auf Dauer damit gut klar, normale, fremdbefruchtete Renekloden scheinen die bessere Wahl zu sein.

Ich traue mich nicht so richtig an den Schnitt heran - kann ich einfach wachsen lassen und alle paar Jahre jemanden für korrekten Schnitt bezahlen?
Nein, dann müssen wahrscheinlich dicke Äste entfernt werden, und der Baum leidet ziemlich unter dem Schnitt. Auch wenn Sie totaler Anfänger im Baumschnitt sind, sollten Sie den Baumschnitt im ersten Jahr schon nach dem Lesen dieser (und vielleicht ein paar anderer Anleitungen) hinbekommen. Parallel dazu könnten Sie sich erkundigen, welcher Verein o. ä. (für wenig Geld) Schnittkurse durchführt, dort können Sie dann auch fragen, wenn Ihr Baum ein eigenwilliges Wachstum hinlegt, bei dem Grundanleitungen nicht mehr weiterhelfen.