Pfirsichbaum schneiden - Anleitung in 4 Schritten

Pfirsichbaum - Prunus persicaUm den Traum von saftig-süßen Pfirsichen aus dem eigenen Garten zu erfüllen, liegt die gärtnerische Messlatte zweifellos höher, als bei vergleichbaren Obstgehölzen. Im Zusammenspiel von Rahmenbedingungen und Pflege, fordert uns der Pfirsichbaum insbesondere beim fachgerechten Rückschnitt heraus. Es gilt, die besonderen Anforderungen in Punkto Kronenform und Schnittführung zu beherzigen, um dem exotischen Steinobstgewächs seine verführerischen Früchte zu entlocken. Hierzu zählt, dass der Baum stets am einjährigen Holz seine süße Last trägt oder die klassische Pyramidenkrone hier unvorteilhaft ist. Die folgende Anleitung erklärt in 4 Schritten, wie Sie Ihren Pfirsichbaum gekonnt schneiden.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie der Rosengewächse (Rosaceae)
  • Art innerhalb der Gattung Prunus (Prunus persica)
  • Beheimatet in Asien, Persien und den mediterranen Regionen
  • Buschbaum mit Wuchshöhen von 100 bis 500 cm in Kultur
  • Fünfzählige, rosafarbene Blütenbecher im März und April
  • Sommergrünes, lanzettliches Laub bis 15 cm lang
  • Kugelige Steinfrüchte mit Längsfurche
  • Pelzige oder glatte, gelbe Schale, sonnenseits ins Rötliche überlaufend
  • Verwendung für den Frischverzehr und als Obstkonserve

Theoretische Grundlagen

Die sachgemäße Herangehensweise an den Rückschnitt basiert auf der Kenntnis wichtiger Charakteristika von Pfirsichbäumen, die sich mitunter von anderen Klassikern unterscheiden. Daraus folgt, dass die Arten innerhalb der Gattung Prunus nicht nach einem einheitlichen Schema zu schneiden sind. Wer sich bereits mit Pflaumen- oder Kirschbäumen gut auskennt, darf daraus nicht automatisch auf die Schnittführung am Pfirsichbaum schließen. Zur Ihrer Orientierung haben wir die zentralen Kriterien im Folgenden für Sie zusammengefasst:

Kronenform

Pfirsich - Prunus persicaIm Garten von Mutter Natur gedeihen Obstbäume in der Regel mit einer Pyramidenkrone. Für die große Mehrheit an Arten ist dieser dreieckige Habitus mit einem Mitteltrieb als Stamm und einem System aus Leitästen vorteilhaft. Hier dominiert eine klare Gliederung mit schlanker Spitze, die für eine optimale Lichtversorgung der Früchte innerhalb des gesamten Baumes sorgt. Ein Pfirsichbaum fällt in dieser Hinsicht aus dem Rahmen.

Damit die Sonnenstrahlen kontinuierlich an die wärme- und lichtaffinen Früchte gelangen, hat sich in der Kultivierung die Tellerkrone durchgesetzt. Dabei gedeihen die Fruchttriebe tellerartig in die Breite, während der Mitteltrieb zurückgenommen wird. Die Erziehung gelingt ganz unkompliziert, indem Sie im zweiten, dritten oder vierten Standjahr den Mitteltrieb abschneiden bis auf das Niveau des höchsten, flachen Seitenzweiges.

Falsche und wahre Fruchttriebe

Es ist vornehmlich die außergewöhnliche Knospenkonstellation, die eine gelungene Schnittführung so heikel gestaltet. Schauen Sie sich bitte die Zweige Ihres Pfirsichbaumes genauer an, um diese 3 Varianten unterscheiden zu können:
  • Holztriebe: Ausschließlich besetzt mit Blättern und Blattknospen
  • Falsche Fruchttriebe: Weisen rundliche Blütenknospen ohne Blattknospen auf
  • Wahre Fruchttriebe: Die rundlichen Blütenknopsen werden flankiert von spitzen Blattknospen
Es sind natürlich die wahren Fruchttriebe, die uns am Herzen liegen, da sich an ihnen die ersehnten Pfirsiche heranbilden.

{infobox type=check|content=Tipp: Aus den Blüten falscher Fruchttriebe entwickeln sich irritierenderweise kleine Früchte. Da die Blätter für eine ausreichende Versorgung fehlen, wirft der Baum diese Pfirsiche nach kurzer Zeit ab.}

Einjährigen Triebe fruchten

Pfirsich - Prunus persicaDie Dringlichkeit eines umfassenden Rückschnitts in jedem Jahr resultiert aus der Tatsache, dass ein Pfirsichbaum einzig an den Trieben des Vorjahres die Früchte ausbildet. Bereits im dritten Jahr werden keine Blütenknospen mehr angelegt, aus denen eine weitere Ernte hervorgehen könnte. An diesen Zweigen sprießen ab diesem Zeitpunkt lediglich einige wenige Blätter. Wird der Rückschnitt versäumt, trägt der Baum im Laufe der Zeit seine Früchte allenfalls an den äußeren Enden der Zweige, während die Krone von innen her verkahlt.  

Anleitung in 4 Schritten

Nach diesem kurzen Ausflug in die Theorie, fällt mit diesem Basiswissen im Rücken die Praxis umso leichter. Im Folgenden geleiten wir Sie Schritt für Schritt durch die ideale Schnittführung.

Im ersten Schritt schneiden Sie alle falschen Fruchttriebe auf Astring ab. Dabei sägen Sie diese überflüssigen Zweige kurz vor der gut erkennbaren, gewölbten Verbindung zwischen Ast und Stamm ab. Sofern die Krone ausreichend Platz bietet, kürzen Sie die falschen Fruchttriebe ein bis auf 2 Augen. Diese Strategie setzt auf die Hoffnung, dass sich aus dem Stummel noch ein wahrer Fruchttrieb entwickeln könnte.

Im zweiten Schritt entfernen Sie mindestens drei Viertel aller Langtriebe, die im Vorjahr Früchte trugen. Die verbliebenen Zweige schneiden Sie soweit ab, dass 2 bis 3 Knospen daran verbleiben. Hieraus wachsen die Jungtriebe für die Pfirsichernte im nächsten Jahr. Auf diese Weise erzeugen Sie eine wohlbemessene Balance zwischen Altholz und Jungholz.

Pfirsich - Prunus persicaIm dritten Schritt nehmen Sie die wahren Fruchttriebe ins Visier, die in diesem Jahr die Ernte liefern. Kräftige Exemplare schneiden Sie zurück bis auf 8 Knospen, wobei der letzte Knospen-Drilling sich auf der unteren Seite des Zweiges befinden sollte. Schwächelt ein wahrer Fruchttrieb hingegen noch vor sich hin, verbleiben daran nicht mehr als 4 Knospen.

Im vierten Schritt kümmern Sie sich bitte um die Holztriebe, die lediglich ein Blätterkleid anlegen. Da hier nur minimale Aussichten auf eine Blüte mit Knospen-Drillingen bestehen, lichten Sie diese Äste gründlich aus. Entfernt werden insbesondere nach innen gerichtete, sich reibende sowie steil aufwärts gerichtete Zweige.

Fällt Ihnen ein Prachtexemplar ins Auge, erhält es die Chance, sich in einen wahren Fruchttrieb zu verwandeln. Sofern die Tellerkrone ansonsten luftig beschaffen ist, schneiden Sie einen Hoffnungsträger zurück bis auf 2 Blattknoten und warten ab, welches Erscheinungsbild sich im nächsten Jahr präsentiert.

{infobox type=check|content=Tipp: Damit die Zweige kräftig und vital gedeihen, leistet eine großzügig bemessene Nährstoffzufuhr einen wichtigen Beitrag. Düngen Sie Ihren Pfirsichbaum Anfang März, indem Sie 4 bis 5 Liter reifen Kompost auf der Baumscheibe einharken und nachgießen.}

Zeitpunkt

Die frühe Blütezeit im März und April gibt den idealen Termin für den Rückschnitt vor. Unmittelbar vor oder kurz nach der Blüte wird ein Pfirsichbaum geschnitten. Zu diesem Zeitpunkt erkennen Sie problemlos eventuelle Beschädigungen durch Spätfröste, um diese mit der Schere zu regulieren. Sofern Sie sich noch schwertun, die Knospen-Drillinge an den wahren Fruchttrieben zu identifizieren, kommt als Alternative der Spätsommer in Betracht.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Pflanzzeit für einen Pfirsichbaum?
Pfirsich - Prunus persicaDer Pfirsichbaum ist kein einheimisches Obstgehölz, sondern wanderte von Asien über den Mittelmeerraum bei uns ein. Entsprechend empfindlich reagiert das exotische Steinobstgewächs auf Kälte und fällt in so mancher Hinsicht aus dem üblichen Kultivierungsrahmen. Hierzu zählt, dass der Herbst als klassische Pflanzzeit für Bäume und Sträucher nicht zu empfehlen ist. Pflanzen Sie einen jungen Prunus persica bitte erst im Frühjahr, wenn keine frostigen Nächte mehr zu befürchten sind.

Welche Pfirsichsorten sind für den Hausgarten zu empfehlen?
Mit Blick auf die Anfälligkeit für Spätfröste, empfehlen wir den Anbau spätblühender Pfirsichsorten. Von Vorteil ist ferner, wenn die Pflanzen über eine gute Resistenz gegenüber der Kräuselkrankheit verfügen. Gut bewährt im Hausgarten haben sich unter anderem 'Benedicte' und 'Revita', deren Ernte Mitte August beginnt. Der Tellerpfirsich 'Saturne' punktet überdies mit einer robusten Winterhärte. Als eine der letzten Sorten beschenkt uns die reich tragende 'South Haven' mit saftig-süßen Früchten im September.