Engerlinge bekämpfen - sanfte Mittel gegen Käferlarven

EngerlingeEngerlinge sind als Schädlinge verschrieen, dabei sind sie kaum noch zu finden. Am ehesten anzutreffen sind sie in Gärten in Wald- oder Parknähe. Sie lieben freie Flächen, Rasen, festen Boden und Ruhe. Maikäferinvasionen wie in den 50er und 60er Jahren sind Vergangenheit, dem starken Einsatz von DDT sei Dank. Wer heute Larven im Garten findet, sollte nicht gleich zur chemischen Keule greifen, auch wenn das die einfachste Art ist, die Insekten loszuwerden. Es gibt so viele andere Möglichkeiten. Wie man Engerlinge bekämpft und das auf möglichst schonende Weise, lesen Sie im folgenden Text.

Kurzer Steckbrief des Engerlings
  • Man unterscheidet Feld- und Waldmaikäfer
  • Sehr dicke „Maden“ und bis zu 6 cm lang
  • Helle gräuliche, leicht bräunliche oder gelbliche Körper
  • Kopf und Beine dunkler, braun, orange oder schwarz
  • 3 Paar Brustbeine
  • Leben im Boden, graben und ernähren sich anfangs von Humus
  • Später fressen sie zarte Wurzeln von Gräsern und Kräutern
  • Kurz vor der Wandlung zum eigentlichen Käfer fressen sie fast ausschließlich Baumwurzeln
  • Leben bis zu vier Jahre im Larvenstadium
  • Besonders von Juli bis September richten Engerlinge durch ihren Hunger großen Schaden an.
  • Im Vierten Jahr verlassen die fertigen Käfer in der Abenddämmerung ihr Versteck im Erdboden

Engerlingbefall vorbeugen

Vorbeugen ist immer besser als Heilen, vor allem, wenn es doch so einfach ist. Die Käfer werden nachts von Licht angezogen. Sie legen dann ihre Eier in der Nähe der Lichtquellen ab. Vor allem in der Zeit der Eiablage, also von Mai bis Juni sollte der Garten im Dunkeln liegen. Ist das nicht möglich, weil zum Beispiel eine Laterne am Grundstück steht, kann man Insektenschutznetze auslegen. Wichtig sind diese auf blankem, unbepflanztem, offenem Boden und auf Mist- und Komposthäufen.
  • Kein Licht im Garten
  • Insektenschutznetze
  • Tiefgehende Rasenkantensteine – kommen die Engerlinge nicht durch, sie graben nicht so tief
  • Wurzelschutzgitter – sind ebenfalls ein guter Schutz
  • Regelmäßiges Vertikutieren des Rasens, weil der Boden dann gelockert wird und das mögen Engerlinge nicht
  • Sämtliche Bodenarbeiten, harken, hacken und Unkraut ziehen, all dies ist ungünstig für Engerlinge

Engerlinge bekämpfen

Findet man Engerlinge im Garten, sind meist noch deutlich mehr irgendwo in der Nähe verteilt. Bevor sie größeren Schaden anrichten können, sollten sie entfernt werden. Am besten ist, die Käferlarven einfach einzusammeln.

Einsammeln

Umgraben ist am sinnvollsten. Dabei fördert man die Engerlinge ans Licht und kann sie absammeln. Töten ist nicht notwendig. Sie können wieder ausgesetzt werden. Umgraben sollte man so viel wie es geht, ohne Pflanzen oder ihre Wurzeln zu verletzen. Das Graben ist sinnvoll, weil dadurch gleich der Boden gelockert wird, was die Larven nicht mögen und auch Unkraut entfernt und Wurzeln reduziert werden. Das Ziel ist, es den Engerlingen so unkomfortabel wie möglich zu machen.
Nach Regen, vor allem nach starkem Regen, graben sich die Engerlinge an die Oberfläche und können so ganz einfach abgesammelt werden. Mehr als ein aufmerksames Auge braucht es nicht dazu.

Tipp - Sollte es nicht regnen oder einfach zu wenig, kann man selbst nachhelfen, indem

Natürliche Fressfeinde fördern

Engerlinge in der ErdeEngerlinge sind wahre Leckerbissen für Vögel, Mäuse, Igel, Maulwürfe, Marder, Fledermäuse und große Laufkäfer. Vögel haben ja die meisten Gartenbesitzer gern in ihren grünen Gefilden. Igel sind auch noch gern gesehen, aber die anderen Vierbeiner gelten für die meisten Hobbygärtner ebenfalls als Schädlinge und werden vertrieben. Also, müssen Vögel und Igel gefördert werden, am besten mit entsprechenden Quartieren und Futterpflanzen. Auch Tränken und einige wenige Delikatessen sorgen für eine Besiedlung.

Abschreckung durch Pflanzen

Engerlinge mögen keinen Knoblauch. Wenn man ihn also überall zwischen pflanzt, hilft das häufig, dass sich die Käfer zur Ablage einen anderen Platz suchen. Knoblauch ist weitestgehend unauffällig, stört meist nicht, wenn man ihn zwischen andere Gewächse setzt.
Noch besser sind Rittersporn und Geranie. Deren Wurzeln sind pures Gift für die Engerlinge, was diese nicht zu wissen scheinen, denn sie fressen sie so gerne, wie andere auch. Pflanzt man diese beiden Gewächse also in die Blumenbeete und Rabatten, kann man Glück haben, dass die Engerlinge sich von allein ausrotten.

Nematoden

Nematoden sind kleinste Fadenwürmer, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Sie können in Bau- und Gartenmärkten oder im Internet bestellt werden und sind vergleichsweise billig. Diese Art der Engerlingbekämpfung ist etwas für Gartenbesitzer, die sich die Mühe des Umgrabens und Absammelns sparen möchten und keine Probleme damit haben, dass die Engerlinge dabei zugrunden gehen.

Die Nematoden, die in einem Tongranulat geliefert werden, gibt man einfach dem Gießwasser bei und wässert das entsprechende Gebiet. Die Fadenwürmer suchen sich die Engerlinge, dringen in sie ein und töten sie ab. Das alles geschieht unbemerkt, unter der Erdoberfläche.

Nema-Green Maikäfer (Nematoden-Mix gegen Maikäfer-Engerlinge) für 100 m² etwa 30 Euro

Ich habe allerdings mehrfach gelesen, dass Nematoden gegen Maikäferengerlinge nicht zuverlässig helfen, aber gegen andere Käferlarven dafür gut. Man kann es nur ausprobieren.

Fallen

Engerlinge lassen sich anlocken und einfangen. Das ist gar nicht kompliziert. Wenn mit einem Befall zu rechnen ist, weil halt eine Menge Käfer gesehen wurden, kann man auf diese Art versuchen, das Problem anzugehen. Die beste Zeit dafür ist das Frühjahr, so zwischen April und Mai.  Was man benötigt ist Pferdemist,
  • Am besten wird ein ganz normaler Wassereimer verwendet, der mit Pferdemist gefüllt wird, bis etwa eine handbreit unter dem Rand.
  • Der oder die Eimer müssen eingegraben werden, in 40 bis 60 cm Tiefe, was einen ziemlichen Aufwand bedeutet.
  • Mit Erde auffüllen und Stelle markieren
  • Der Eimer kann da bis zum nächsten Jahr bleiben. Allerdings empfiehlt es sich in milden Jahren, sie schon im Herbst zu bergen und zu entleeren.
  • Die Engerlinge werden vom Pferdemist magisch angezogen und klettern in den Eimer. Sie fühlen sich so
  • Wenn man das jedes Jahr tut, zieht man damit die ganzen nachwachsenden Generationen aus dem Verkehr.
  • Umgraben entfällt auch, allerdings ist es auch ziemlicher Aufwand, mehrere Eimer einzugraben, je nach Gartengröße halt.
Tipp - Pferdemist bekommt man sicher auf einem Reiterhof oder einer Zuchtstation in der Umgebung. Einfach mal nachfragen. Die meisten Besitzer sind froh, wenn sie etwas von dem Stroh-Kotgemisch loswerden.

Insektizide

EngerlingInsektizide sollten immer der letzte Ausweg sein. Egal ob chemische oder natürliche Gifte, sie schaden nicht nur den Schädlingen. Viele schwören auf natürliche Mittel, aber erstens bringt die Natur schließlich die gefährlichsten Gifte hervor und zweitens ist es erwiesen, dass dabei immer auch Nützlinge dran glauben müssen.
  • „Gegen Engerlinge im Rasen“ – Bayer-Garten – zum gießen
  • Neem Azal – aus Kernen des tropischen Neem-Baumes. Wird von den Pflanzen aufgenommen und beim Fressen an die Larven abgegeben. Sie können sich nicht weiter entwickeln.
  • Kwizda Agritox EngerlingFrei – Wirkstoff Chlorpyrifos, gesundheitsschädlich, aber selbst für den Gemüseanbau zugelassen

Ein Herz für Engerlinge

Maikäfer sind sehr selten geworden. Das liegt zum Teil an der Bekämpfung in der Landwirtschaft (viel DDT) und an der verbesserten Bodenbearbeitung mit tiefgreifenden Schleppergeräten. Engerlinge werden also in Mengen vernichtet. Heute kennen viele Kinder den Maikäfer gar nicht mehr, haben noch nie einen gesehen oder nur in Schokoladenform und auch Erwachsene erinnern sich nicht, wann sie zuletzt einen gesichtet haben. Maikäfer und ihre Engerlinge sollte man also nicht töten. Das ist auch gar nicht notwendig. Man sammelt sie ein und setzt sie um. Wirklich nur bei massenhaftem Auftreten dürfen Ausnahmen gemacht werden.
Wer ein Herz für die Natur und ihre Kreaturen hat, bietet dem Maikäfer ein Quartier im Garten an. Eine kleine Ecke des Gartens, die man verwildern lässt, ist nicht nur ideal für Engerlinge, darüber freuen sich auch andere Insekten und auch Vögel, Igel und Co. Am besten geeignet ist ein Platz in der Nähe des Kompostes. Zwar sind die Larven im Kompost nur extrem selten vom Maikäfer, aber irgendwie findet man sie in der Umgebung häufiger als anderswo. Ein Licht zum Anlocken ist hilfreich, muss aber nicht unbedingt sein. Allerdings ist dieses nur sinnvoll, wenn der Rest des Gartens dunkel ist.

Um das Ausbreiten des Engerlings einzuschränken, müssen engmaschige Gitter, tiefe Rasensteine oder ähnliches das Areal sichern. Wie oben beschrieben sichert ein eingegrabener Eimer mit Pferdemist, dass die Engerlinge bleiben, wo sie sind. Allerdings sollte der dann nicht geleert werden. Gräserwurzeln sind ideal für die nächste Generation, also etwas Wiese stehen lassen. Danach mögen sie Löwenzahnwurzeln. Hier muss man nur die vertrockneten Blütenstände entfernen, damit sich das Unkraut nicht ausbreitet. Baumwurzeln sind etwas schwieriger. Aber auch dafür findet sich sicher eine Alternative.

Land- und forstwirtschaftliche Bekämpfung

In Gegenden, in denen es viele Maikäfer gibt, wird auch heute noch bekämpft, allerdings nicht mehr mit Gift. Hier wird meist ein für den Engerling giftiger Pilz (Beauveria brongniartii) genutzt, das derzeit einzige Mittel auf biologischer Basis. Sowohl Käfer, als auch Engerling, lassen sich so bekämpfen. Getreide wird infiziert, die Pilzgerste per Sämaschine ausgebracht. Die Pilzsporen breiten sich im Boden aus und befallen die Engerlinge. Diese Methode eignet sich für Felder und freie Flächen. Wird der Pilz versprüht, beispielsweise über Wäldern, werden die Weibchen des Käfers infiziert. Bei der Eiablage in den Waldboden werden die Sporen ins Erdreich gebracht, denn das Weibchen gräbt die Eier ein.

Um Insektizide einsetzen zu können, müssen heute Genehmigungen erteilt werden.

Häufige Fragen

Warum bezeichnete man früher jedes vierte Jahr als Maikäferjahr?

Weil alle vier Jahre eine Massenpopulation auftrat. Zahlreiche Käfer in einem Jahr legen massenhaft Eier. Die benötigen vier Jahre, um einen fertigen Käfer hervorzubringen. Alle vier Jahre kam also wieder ein neuer Schwung und das wiederholte sich, bis DDT zum Einsatz kam. Das letzte Maikäferjahr war übrigens 2012, es gibt nämlich auch heute noch Gegenden, auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo so genannte Maikäferjahre auftreten. Zwar sind es nicht mehr ganz so viele wie vor 50 Jahren, aber noch genug, um große Schäden anzurichten, auf Feldern, in Wäldern und in Privatgärten.

Wie können Maikäferlarven von anderen Larven, vor allem von Nützlingen unterschieden werden?

Es werden hauptsächlich drei Larven unterschieden, vom nützlichen Rosenkäfer und den Engerlingen von Mai- und Junikäfer. Rosenkäferlarven sind häufig im Kompost zu finden, wo sie guten Humus und Kompost produzieren. Die drei Arten sind sich sehr ähnlich.

Ein einfacher Test gibt Aufschluss. Dazu muss die gefundene, lebende Larve auf eine ebene Unterlage gelegt werden.
  • Der Maikäfer-Engerling bleibt gekrümmt auf der Seite liegen und versucht dann seitwärts wegzukommen.
  • Der Junikäfer-Engerling streckt sich und kriecht in Bauchlage davon.
  • Der Rosenkäfer-Engerling streckt sich ebenfalls und kriecht auf dem Rücken davon, seine Beinchen in die Luft streckend.
  • So sind die Engerlinge einfach und sicher zu unterscheiden.