Spinnmilben sanft bekämpfen - die besten Hausmittel

SpinnmilbenIn warmen, trockenen Sommern treten sie im Garten in riesigen Horden auf und machen sich über die liebevoll gepflegten Pflanzen her. Wird im Winter die Heizung in Gang gesetzt, lassen die Spinnmilben ebenfalls nicht lange auf sich warten. Verschiedene Arten dieser Plagegeister haben sich zwar spezialisiert, beispielsweise auf Orchideen oder Kakteen; im Prinzip sind sie hingegen wenig wählerisch hinsichtlich ihres Beuteschemas. Da umweltbewusste Hobbygärtner nur noch schweren Herzens zu chemischen Präparaten greifen, um sich die Spinnmilben vom Hals zu schaffen, favorisieren sie die sanfte Bekämpfung mithilfe von effektiven Hausmitteln.

Kurzer Steckbrief
  • Insektenfamilie der Spinnmilben
  • Wissenschaftlicher Name (Tetranychidae)
  • Mehr als 1.200 bekannte Arten
  • Besonders gefürchtet: Gemeine Spinnmilbe, Rote Spinne
  • Körperlänge von 0,25 mm bis 0,8 mm
  • Farbspektrum von Grün über Gelb bis Rot und Orange
  • Ovale Körperform mit 8 Beinen im ausgewachsenen Stadium
  • Larven verfügen über 3 Beinpaare
  • Stechende und saugende Mundwerkzeuge am Kopf
Längst nicht alle Spinnmilben bilden die weißen Gespinste, nach denen sie benannt wurden. Um einen Befall durch die Schädlinge frühzeitig zu erkennen, hält der geübte Hobbygärtner Ausschau nach weiteren Hinweisen, die im Folgenden erläutert werden.

Lebensweise

Herrscht ein trockenes, warmes bis heißes Klima, breiten sich die Spinnmilben sowohl im Garten, als auch im Haus, Wintergarten und Treibhaus auf den Pflanzen explosionsartig aus. Aus einem abgelegten Ei entsteht dabei innerhalb nur einer Woche ein erwachsenes Weibchen, das im Verlauf seines bis zu 5 Wochen andauernden Lebenszyklus zwischen 50 und 100 neue Eier produziert. Ob daraus Männchen oder Weibchen entstehen, hängt von der Befruchtung ab. Es sind auf jeden Fall beide Geschlechter sowie deren Larven, die mit ihren stechenden und saugenden Mundwerkzeugen die Pflanzenzellen aussaugen.

Vorzugsweise tummeln sie sich auf den Blattunterseiten in der Nähe der Blattadern. Ein vitales Exemplar ist in der Lage, mehr als 20 Mal pro Minute in die Epidermis der Pflanzenzellen zu stechen. Entsprechend fatal sind die Folgen. Zunächst sind die befallenen Blätter mit Sprenkeln übersät, bis sie sich braun verfärben und verwelken. Die weißen Gespinste deuten lediglich auf einen Bestand der Gemeinen Spinnmilbe hin und sind demgemäß kein typisches Schadbild für die gesamte Schädlingspopulation. Geübte Hobbygärtner untersuchen verdächtige Stellen folglich mit der Lupe oder streifen mit einem weißen Papiertaschentuch über die Unterseite der Blätter.

Bewährte Hausmittel

Da Spinnmilben weltweit den Gärtnern zu schaffen machen, wobei sie gleichzeitig erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten, entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Fülle an umweltschonenden Hausmitteln, um der Plage Herr zu werden.

Pflanzen regelmäßig einsprühen


Da Spinnmilben ein warmes und trockenes Klima bevorzugen, wird mit Feuchtigkeit gegen sie vorgegangen. Mithilfe eines Wasserzerstäubers werden die Pflanzenteile alle 1 bis 2 Tage eingesprüht. Dabei verwendet der kundige Hobbygärtner ausschließlich gesammeltes Regenwasser bei Zimmertemperatur, um unerwünschte Kalkflecken zu vermeiden. Die Ober- und Unterseiten werden mit dem Sprühnebel erfasst.

  Nicht jede Garten- oder Zimmerpflanze verträgt es, wenn die Pflanzenteile befeuchtet werden. Daher werden im Vorfeld der Sprühaktion die entsprechenden gärtnerischen Informationen gesammelt.


Luftbefeuchter aufstellen


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Diese Maßnahme macht Sinn in den Zimmern eines Hauses, im Wintergarten sowie im Gewächshaus. Je höher die relative Luftfeuchtigkeit, desto weniger fühlen sich die Spinnmilben willkommen. Im Zimmer genügen bereits mit Wasser gefüllte Schalen, die auf die Heizkörper gestellt werden. Für größere Areale hält der Fachhandel spezielle Geräte bereit.

Untersetzer verwenden


Da die wenigsten Gewächse mit Staunässe zurechtkommen, verzichten Pflanzenfreunde zumeist auf die Verwendung von Untersetzern, weil sich darin das überschüssige Gießwasser sammelt. Werden die Untersetzer hingegen mit dekorativen Kieselsteinen und Wasser gefüllt, verdunstet das Wasser und erhöht die Luftfeuchtigkeit, ohne dass sich im Wurzelbereich Staunässe bildet.

Befallene Zimmerpflanzen abduschen


Erkennt ein aufmerksamer Pflanzenfreund den Befall durch Spinnmilben in einem frühen Stadium, kann eine Dusche für Abhilfe sorgen. Der Wurzelballen wird mit einer Plastikfolie umhüllt, bevor das Gewächs in die Badewanne gestellt wird. Mit einem möglichst harten Wasserstrahl werden die Spinnmilben von oben und von unten sorgfältig abgeduscht. Bei Bedarf wird dieser Vorgang über mehrere Tage verteilt wiederholt.

Den Schädlingen die Luft abschnüren


Klarsichtfolien und Tüten spielen in der Hobbygärtnerei immer wieder eine Rolle, wie beispielsweise im Rahmen der Aussaat. Sie kommen gleichermaßen zum Einsatz, wenn es gilt, den Spinnmilben Einhalt zu gebieten:
  • Pflege des ZimmerbambusDie Krone der Pflanze bis zum Wurzelhals mit einer Plastiktüte umhüllen.
  • Die Haube so zusammenbinden, dass kein Luftaustausch mehr stattfindet.
  • In diesem Zustand die Pflanze für etwa 8 bis 10 Tage stehen lassen.
  • Gegossen und gedüngt wird im Verlauf dieser Aktion im normalen Rhythmus.
Unter der luftdichten Haube entsteht ein feucht-warmes Mikroklima mit einer derart hohen Luftfeuchtigkeit, dass die Spinnmilben nicht weiter existieren können. Da die in dieser Zeit noch abgelegten Eier nicht vernichtet werden, sollte mit kurzen Pausen die Prozedur so lange wiederholt werden, bis keine Spinnmilben mehr erscheinen.

Pflanzerde feucht halten


In trockenen, heißen Sommern verschonen die Spinnmilben auch die Pflanzen im Beet nicht. Diejenigen Gewächse, die es vertragen, werden regelmäßig von oben und unten abgeduscht, wobei der Wasserschlauch mit einem entsprechenden Sprühaufsatz versehen wird. Bei Pflanzen, die keine Überkopf-Wässerung verkraften, ist es ratsam, zumindest die Gartenerde um sie herum konstant feucht zu halten. Eine dicke Schicht aus organischem oder anorganischem Mulch, wie Rindenmulch oder Kies leistet hier wertvolle Dienste.

Kaliseifen-Lösung

Sofern sich die Spinnmilben noch nicht zu stark ausgebreitet haben, verwenden Hobbygärtner vorzugsweise ein preisgünstiges, selbst hergestelltes Spritzmittel. Dieses besteht

aus folgenden Ingredienzien:
  • 1 Liter Wasser
  • 15 ml flüssige Kaliseife (kein Spülmittel)
  • 15 ml Spiritus
In den seltensten Fällen beseitigt die Kaliseifen-Lösung sämtliche Spinnmilben nach nur einer Anwendung. Sie wird vielmehr im Abstand von 4 bis 5 Tagen wiederholt auf die Ober- und Unterseiten der Blätter und Pflanzenteile aufgesprüht, bis sich keine Schädlinge mehr blicken lassen.

Raubmilben

In der umweltbewussten Schädlingsbekämpfung hat sich der Einsatz von Nützlingen zusehends durchgesetzt. Primäres Ziel ist dabei nicht die vollkommene Vernichtung einer bestimmten Gattung, sondern vielmehr die Wiederherstellung des natürlichen Gleichgewichtes. Nehmen die Spinnmilben überhand, greift daher der informierte Gartenfreund auf die Mithilfe der natürlichen Freßfeinde zurück,

zu denen bestimmte Raubmilben-Arten zählen.
  • Bei sehr starkem Befall zunächst die Kaliseifen-Lösung auftragen
  • Idealerweise beträgt die Temperatur um die 24° Celsius, bei 70 % Luftfeuchtigkeit
  • Den Behälter mit den Raubmilben erst in unmittelbarer Nähe der Pflanze öffnen
  • Die Nützlinge genau nach Anweisung auf den befallenen Gewächsen verteilen
Die Raubmilbensorte Phytoseiulus persimilis stürzt sich sogleich auf alle vorhandenen Spinnmilben, Jungtiere und Eier, um sie auszusaugen. Anschließend sterben diese Raubmilben ab, weil sie nicht lange ohne Futter überleben. Daher kommt anschließend eine weitere Sorte der Nützlinge zum Einsatz, die Amblyseius californicus. Sie machen sich auf die Jagd nach versteckten Eiern der Spinnmilben und kommen eine etwas längere Zeit ohne Nahrung aus. Letztendlich gehen hingegen beide Raubmilbensorten ein, sodass hier nicht der 'Teufel mit Beelzebub' ausgetrieben wird, wie ungeübte Hobbygärtner vermuten könnten.

  Ein gleichzeitiger oder zeitnaher Einsatz von Nützlingen und chemischen Insektiziden ist unbedingt zu vermeiden, weil die Raubmilben dabei ungewollt vernichtet werden, bevor sie ihre Aufgabe erfüllt haben.

Schwarze Kugelmarienkäfer (Stethorus punctillum)

Der winzig kleine, rundum schwarze Marienkäfer ist in Europa weit verbreitet und ernährt sich ausschließlich von Spinnmilben. Sein Lebensbereich erstreckt sich auf Sträucher und Laubbäume. Am liebsten hält er sich auf den Blattunterseiten von Linden auf. Wer seinen Garten folglich einladend gestaltet für den Schwarzen Kugelmarienkäfer, erhält einen fleißigen Helfer im Kampf gegen die Spinnmilben. Das Insekt ist - ebenso, wie die Raubmilben - im Fachhandel erhältlich, wenn es unter Glas eingesetzt werden soll. Übrigens kommen die beiden Nützlinge bestens miteinander aus, sodass sie gleichzeitig zum Einsatz gebracht werden können.

Florfliegen

FlorfliegeBei den Florfliegen, auch Goldaugen genannt, handelt es sich um zauberhafte, filigrane Netzflügler. Gärten, in denen sich diese Nützlinge heimisch fühlen, sind in der Regel frei von Spinnmilben, weil diese Schädlinge ganz oben auf der Speisekarte der erwachsenen Insekten und deren Larven stehen.

Natürliches Insektizid auf Rapsöl-Basis

Rapsöl hat sich in der verantwortungsvollen Bekämpfung von Spinnmilben in Haus und Garten bestens bewährt. Da es selbst zu den Nahrungsmitteln zählt, kommt es an Zierpflanzen ebenso zur Anwendung, wie im Gemüsegarten oder an Obstgehölzen. Entsprechende Präparate sind im Handel erhältlich. Es ist ebenso möglich, das Mittel selbst herzustellen.
  • 700 ml Wasser werden mit 300 ml Rapsöl gemischt.
  • Die Lösung solange umrühren, bis kein dicker Ölfilm mehr auf der Oberfläche schwimmt.
An Jungpflanzen mit zarten Blättern und Blüten verzichtet der Hobbygärtner auf die Verwendung dieses Insektizides, weil die Wirkung zu intensiv ist und mehr schadet, als nützt.

  Präparate auf Rapsöl-Basis werden stets abends angewendet. Weil sie die natürliche Schutzschicht der Blätter und Blüten gegen Verdunstung angreifen, würde unter praller Sonneneinstrahlung sogleich die Verwelkung einsetzen. Über Nacht baut sich die schützende Wachsschicht wieder auf, sodass die Pflanzen am nächsten Tag den Sonnenstrahlen wieder standhalten.

Pflanzliche Jauchen, Brühen und Tees

In der biologischen Schädlingsbekämpfung machen zunehmend Kräutermischungen von sich reden, die selbst hergestellt werden und bei wiederholter Anwendung zumindest den Befall durch Spinnmilben im erträglichen Rahmen halten. Idealerweise werden die Präparate in Holzfässern, Kunststoff-, Ton-, Keramik- oder Metallgefäßen hergestellt unter Verwendung von Regen-, Teich- oder Flusswasser.
  • Brühe aus Blättern der Brennnesseln (Urtica dioica), gesammelt vor der Blüte ohne Wurzeln.
  • Sud aus Wurmfarn (Dryopteris filix-mas), als sehr effektives Mittel aus den getrockneten Blättern.
  • Getrocknete Blätter des Adlerfarns (Pteridium aquilinum) zu Pulver zerrieben und aufgelöst.
  • LavendelDie ätherischen Öle des Lavendel (Lavandula officinalis) wirken abweisend auf Spinnmilben.
  • Rainfarn- und Schachtelhalmsud als Mischung - das Wundermittel gegen Schadinsekten im Garten.
  • Sud aus Wermut (Artemisia absinthum) vertreibt Spinnmilben und andere Schädlinge.
Als Faustregel für die Herstellung von Jauche, Sud oder Tee gilt, dass auf 10 Liter Wasser 1 kg frische bzw. 200 Gramm getrocknete Pflanzen verwendet werden. Jauche wird grundsätzlich mit kaltem Wasser angesetzt und muss einige Tage gären, während sie luftdicht abgedeckt ist. Brühe, Sud und Tee werden stets mit kochendem Wasser zubereitet und müssen bis zu 30 Minuten ziehen, bevor sie abgeseiht werden. In der Bekämpfung der Spinnmilben hat sich die Verdünnung von 1: 10 bis 1 : 20 bewährt.

  Da die Kräutermischungen teils einen sehr unangenehmen Geruch verbreiten, sollte für die Herstellung ein Platz in möglichst großer Entfernung zum Nachbarn gewählt werden.

Häufig gestellte Fragen

Als großer Orchideen-Liebhaber wüsste ich gerne, welche Sorten von Spinnmilben am häufigsten heimgesucht werden.
Von Spinnmilben befallen werden vorzugsweise die Orchideen-Gattungen Cattleya, Laelia, Dendrobium, Oncidium, Phalaenopsis, Cymbidium und Rhynchostylis einschließlich sämtlicher Arten und Sorten.

Mit der Spritzung von Brennnesseljauche habe ich bei der Bekämpfung von Spinnmilben gute Erfahrungen gemacht. Allerdings beschwert sich der Nachbar immer wieder über den unangenehmen Geruch, obwohl ich das Fass für die Herstellung am äußersten Ende des Grundstücks platziert habe. Gibt es noch eine weitere Möglichkeit, den Gestank zu minimieren?
Wenn Sie der Mischung von Beginn an Steinmehl beigeben, lässt sich der Geruch entweder komplett oder doch zum größten Teil unterbinden. Bei Steinmehl handelt es sich um gebrochene Mineralstoffe, wie sie im Steinbruch anfallen. Es wird auch unter den Bezeichnungen Mehlkorn oder Füller im Baumarkt angeboten.