Blaue Orchideen färben - Anleitung und Pflege-Tipps

Blaue OrchideeÜber blaue Orchideen wird in manchem Freundeskreis gerade heftig diskutiert: "Zu blau, um wahr zu sein", sagen die Einen, "Genetik macht's möglich" die Anderen, und die Dritten lachen und behaupten, dass diese Orchideen schlichtweg gefärbt seien. Wie immer sagt jeder die Wahrheit, der lang genug zu Wort kommt, alles drei stimmt nämlich: Knall-azurblaue Orchideen gibt es nur, wenn der Handel sie so färbt, zartblaue schon, und genetisch "erbläute" inzwischen auch schon. Erfahren Sie nachfolgend, warum das Kunst-Blau nicht lange Freude macht und ob Sie selbst "blau machen" können, mit Pflege-Tipps.

Kurzer Steckbrief
  • Knallblaue Orchideen sind künstlich gefärbt
  • Die Farbe hält nur an der jeweiligen Blüte, die nächste wird weiß
  • Einfärben kann versucht werden, ist aber ein Risiko für eine lebende Pflanze
  • Eine aufgrund genetischer Manipulation blau blühende Orchidee gibt es auch schon
  • Außerdem gibt es mehrere Arten und Zuchtsorten von Orchideen, die "ziemlich blau" blühen

Blaufärbung von Orchideen-Züchtern

Wenn Sie Orchideen-Pflanzen mit blauen Blüten im Handel sehen, haben die Orchideen-Züchter im wahrsten Sinne des Wortes "Blau gemacht", indem sie nicht etwa in mühevoller Selektionsarbeit blau blühende Orchideen gezüchtet haben, sondern einfach die Blüte der Orchideen-Pflanze blau einfärben. Sie erkennen diese Orchideen-Pflanzen an ihrer ziemlich besonderen Farbe, wenn es sich um so ein richtiges strahlendes Blau handelt, irgendwo zwischen Hellblau, Azur und Türkis, sind die Blüten dieser Pflanzen auf jeden Fall eines nicht: Echt Blau.

Sie kaufen dann vielmehr vielleicht eine Erfindung - der holländische Züchter, der zum ersten Mal einer weißen Phalaenopsis blaue Farbe in die Leitungsbahnen injizierte, hat dieses Verfahren nämlich zum Patent angemeldet. Keine falsche Idee, die Phalaenopsis ist eine der häufigsten Orchideen-Hybriden im Handel, die schon mal für ein paar Euro beim Discounter angeboten wird, mit ein wenig blauer Farbe in den Adern lässt sich diese Orchidee dann zu Preisen zwischen 30,- und 50,- Euro verkaufen - eine interessante Gewinnmaximierung.

  Ob Sie krass bunt gefärbte Blumen nun schön oder einfach nur schön kitschig finden, sei dahingestellt - für die Aufsehen erregende Dekoration einer Party, bei der Sie die Gäste durch neueste Trends beeindrucken möchten, sind sie allemal gut. Sie können noch einige nach dem patentierten Verfahren blau gefärbte Pflanzen erwerben, z. B. Anthurium andreanum, Calluna vulgaris, Euphorba pulcherrima, die blaublütigen Topfpflanzen sind "der letzte Schrei" in der Verkaufsförderung und sollen sich bereits als gute Umsatzbeschleuniger erwiesen haben. Die Firma Rijnplant hat inzwischen die "Anthurien Picasso" vorgestellt, die neben blauen auch kanariengelbe, lilapurpurne, orangegelbe, pinkrosane und grünliche Blüten zeigen (zum Ansehen: www.rijnplant.nl/en/newspopup.php?page_id=108). Genug Farben für jede Partydeko, allerdings mit rund 30,- € pro Pflanze auch schon eine Investition - weiter unten erfahren Sie, wie Sie weitaus preiswerter an schreiend bunte Blümchen kommen.

Blau bleibt nicht Blau
Wenn Sie in die blau (oder bunt) gefärbten Blüten investieren, sollten Sie darauf vorbereitet sein, dass die Schönheit nur hält, bis die gefärbte Blüte abgeblüht ist. Die nächste Blüte wird die normale weiße Farbe zeigen, die die
Seriöse Blumenhändler kennzeichnen die künstlich gefärbten Pflanzen als solche, aber nicht alle Blumenhändler finden es notwendig, ihre Kunden genauer über die verkauften Produkte aufzuklären. Sie können den Schummel jedoch meist erkennen, wenn Sie gute Augen haben: Die "Chamäleon-Blüten" entstehen, indem die blaue Farbe per Nadel wie bei einer Infusion in den Blütenstiel geleitet wird. Die Einstichstelle liegt irgendwo unten an der Basis des Stängels, und sie ist deutlich zu sehen, da die Nadel eine ganze Weile hängen bleibt. Ein Foto der dunkel verfärbten Einstichstelle ist auf http://perfect-seo.de/kostenloses-lizenzfreies-foto-einer-blauen-orchidee.php zu besichtigen. Manchmal laufen auch die Luftwurzeln und einige Blätter bläulich an, ebenfalls ein eindeutiger Hinweis darauf, dass hier eine künstliche Nachbehandlung mit Farbe erfolgte.

Pflege-Tipps

Blaue OrchideeDer Patentinhaber soll eine blaue Lebensmittelfarbe für seine pflanzliche Farbgestaltung einsetzen, es soll sich um einen speziell entwickelten Farbstoff handeln (sonst wäre wohl auch kein Patent dafür zu erlangen), das Färben soll den Orchideen nicht schaden. Sicher wird diese Farbe für die Pflanzen nicht giftig sein, sicher wird getestet worden sein, ob eine blau gefärbte Orchidee genauso lange lebt wie eine nicht injizierte Orchidee, ebenso so sicher wäre aber im Handel kaum zu erfahren, wenn es Hinweise auf eine kürzere Lebensdauer gäbe ...

Lebensmittelfarbe ist eigentlich nie giftig, zumindest nicht in kleineren Mengen für menschliche Organismen. Wie sie aber auf einen pflanzlichen Organismus wirkt, ist wohl immer eine Sache des Ausprobierens. Im Internet ist zu lesen, dass die Blaufärbung erhalten werden kann, wenn dem Gießwasser Lebensmittelfarbe zugegeben wird. Dadurch soll die Pflanze nicht negativ beeinflusst werden, während man von Tinte im Gießwasser absehen solle, da diese für die Pflanze schädlich sei. Um eigene Erfahrung an einer konkreten Pflanze handelt es sich jedoch offensichtlich nicht, Berichte über die wirklich erfolgreiche Einfärbung von Orchideenblüten mit Lebensmittelfarbe oder Tinte sind nicht zu finden, geschweige denn Fotos einer selbst gefärbten, komplett blau blühendenden Pflanze. Deshalb werden diese Tipps hier zwar weitergegeben, aber wir überlassen es ganz Ihnen, ob Sie das ausprobieren ...

Ansonsten wird eine blaue Orchidee genauso gepflegt wie jede andere Phalaenopsis, Anfänger finden im Internet genaue Anleitungen zur Pflege dieser recht einfach zu haltenden Orchidee.

  Haben Sie einen kleinen Chemiker in der Familie?

Selber blau färben

Die "Patent-Orchideen" werden blau, indem ein Behälter mit blauer Farbe durch Einstich in den Blütenstiel mit der Pflanze verbunden wird, sodass die blaue Farbe
Im Internet ist zu lesen, dass das Einspritzen von Lebensmittelfarbe nur von erfahrenen Gärtnereien durchgeführt werden sollte. Ein Rat, der nicht überzeugen kann - wenn das Überleben der Pflanze und das Patent an der besonderen Farbe hängen, hat eine erfahrene Gärtnerei auch keine Chance, wenn es nur darum geht, eine Spritze derart in die Pflanze zu stechen, dass die Farbinfusion aufgesaugt werden kann, müsste dieser Rat sich eher auf erfahrene Krankenschwestern beziehen.

Sie könnten das Zuführen blauer Farbe aber auch ohne Krankenschwesterausbildung versuchen, im Zweifel schaden Sie ja lediglich einer Orchidee. So könnte es funktionieren, ohne Garantie, dass Ihre Orchidee blaue Lebensmittelfarbe in ihren Leitungsbahnen mag:
  • Kaufen Sie sich blaue Lebensmittelfarbe
  • Es gibt fettlösliche und wasserlösliche Lebensmittelfarbe
  • Sie brauchen natürlich wasserlösliche Lebensmittelfarbe
  • Solche Farbe bekommen Sie z. B. unter http://www.pati-versand.de/Zutaten/Lebensmittelfarbe/Fluessig:::5_34_52.html
  • Weiter brauchen Sie ein Infusionsbesteck und einen Infusionsbehälter
  • Beides gibt es im Internet oder in der nächsten Apotheke
  • Der Infusionsbehälter wird mit blauer Lebensmittelfarbe befüllt
  • Wie weit die Farbe verdünnt werden muss, damit die Pflanze sie aufsaugt, müsste ausprobiert werden
  • Der Infusionsbehälter wird neben die Orchidee gehängt, wahrscheinlich wegen des Drucks ein wenig erhöht
  • Die Spritze wird schräg nach unten ausgerichtet in den Stiel des Blütentriebs gestochen und fixiert
  • Die Infusion muss zu Beginn der Knospenbildung installiert werden
  • Eigentlich müssten Sie wohl jegliche Feuchtigkeitsversorgung der Orchidee außer Gießen zurückfahren
  • Ob Sie auf Wasserschalen und Sprühen wirklich verzichten, damit es schneller geht, soll aber Ihre Entscheidung bleiben ...
  • Die sich "am Tropf" entwickelnde Blüte müsste sich nun eigentlich blau färben

  Wenn im Internet zu lesen ist, dass Tinte den Orchideen schadet, ist das relativ, denn es gibt viele verschiedene Tinten. Eine der häufigsten ist die Druckertinte, sie enthält geheime, nicht unbedingt auf besondere Unschädlichkeit ausgelegte Farbstoffe und weitere Chemikalien, die dafür sorgen, dass diese Tinte die technischen Anforderungen erfüllen kann (kein Eintrocknen im Druckkopf, schnelles Trocknen auf dem Papier und mehr). Ob Ihre Orchidee diese Chemikalien verträgt, ist sicher zweifelhaft. Wenn Sie ein paar Tropfen aus einer Tintenpatrone von Pelikan oder Lamy ins Wasser geben, sollte das weniger Schaden verursachen: Diese auch für Schulfüllfederhalter (ja, die gibt es mitunter noch) verwendeten Tinten sind weitgehend ungiftig, nur in den wenigen enthaltenen Konservierungsstoffen sind einige leicht reizende Stoffe.

Einfache Blaufärbung

Die Geschichte mit dem Blumen färben ist längst nicht so neu, wie der Blumenhandel gerne tut - fragen Sie einmal Menschen im fortgeschrittenen Alter, von denen waren viele schon in den 1950er Jahre "ganz trendy", indem sie bunt gefärbte Blumen verschenkt haben. Damals hat man die Blumen auf der Fensterbank Blumen sein lassen und einfach (schräg angeschnittene) Schnittblumen in gefärbtes Wasser gestellt, so wurden Tulpen, Nelken, Margeriten oder Dahlien über Nacht blau, rot, gelb, lila oder was Tintenpatrone oder Tuschekasten sonst so hergeben ... bei gespaltenen Blütenstielen in Reagenzgläsern sogar in zwei Farben.

Fast echte blaue Orchideen

Phalaenopsis-Orchideen entwickeln alle möglichen Blütenfarben, weiß, rot und gelb, tragen aber kein Gen, mit dem sie blaue Pigmente in ihren Blütenblättern entwickeln könnten. Aber Gentechnik macht es möglich, bereits im März 2012 ging die Nachricht durch die Presse (siehe z. B. http://ajw.asahi.com/article/behind_news/social_affairs/AJ201203220005), dass es Wissenschaftlern an der japanischen Chiba University gelungen sei, eine "natürlich blau blühende" Phalaenopsis zu züchten.

Die Forscher haben das entsprechende Gen der blau blühenden Asiatischen Tagblume "Commelina communis" extrahiert und in eine Zelle der Phalaenopsis eingesetzt, mit dem Resultat einer von selbst blau blühenden Phalaenopsis. Das blau blühende Wunder wurde auf der weltgrößten Orchideen-Messe APOC in Japan bereits präsentiert, bis die blaue Phalaenopsis bei uns im Handel verfügbar ist, wird es voraussichtlich jedoch noch zwei bis drei Jahre dauern. Dann können Sie aber eine Orchidee kaufen, die immer wieder herrlich blaue Blüten hervorbringen wird.

Echte blaue Orchideen

Blaue OrchideeWenn Sie natürliche Pflanzen bevorzugen und allenfalls mit natürlichen blauen Blüten leben können, müssen Sie auch nicht auf blau blühende Orchideen verzichten. Zumindest "ziemlich blau blühende" Orchideen gibt es nämlich auch unter den natürlich wachsenden Orchideen, wenn auch mitunter Züchter schon ein wenig selektiert haben. Zwischen "sphärischem Himmelblau" und verschiedenen Varianten von lila Blautönen bewegen sich z. B. folgende Arten bzw. Zuchtsorten:
  • Cattleya loddigesii var. coerulea 'Blue Sky'
  • Cattleya gaskelliana var. coerulea
  • Laelia rubescens
  • Cattleya maxima 'Crownfox Delicado'
  • Cattleya Portia coerulea
  • Cattleya 'Sea Breeze'
  • Dendrobium ceraula
  • Laeliocattleya Featherrae 'Misty Blue'
  • Phalaenopsis 'Linda Krause'
  • Vanda coerulea
  • Vandachostylis Thailand 'Crownfox Sky'

Häufig gestellte Fragen

Ich möchte eigentlich einen Färbeversuch starten, aber blaue Lebensmittelfarbe ist doch nicht lichtecht, und Orchideen brauchen Licht - verblassen die Farbe nicht sofort?
Es gibt bei uns drei verschiedene blaue Lebensmittelfarben, "E 131" namens Patentblau V und "E 132" namens Indigokarmin reagieren empfindlich auf Licht, "E 133" namens Brillantblau FCF ist wasserlöslich und lichtstabil. Sie müssten also eine Lebensmittelfarbe kaufen, die diese Lebensmittelzusatzstoff-Kennzeichnung trägt.

Blaue Orchideen hatte ich schon, gibt es noch andere "heiße Blumen-Farbtrends"?
Zu künstlich gefärbten Blumen in allen möglichen Farben können Sie im Artikel eine Menge lesen, wenn Sie "reine Natur" mögen, könnten Sie sich den schwarzen Orchideen zuwenden. Davon gibt es nämlich eine ganze Menge, und die sehen eigentlich viel geheimnisvoller und ungewöhnlicher aus, gerade weil sie nicht auf Anhieb wie künstlich gefärbt aussehen ...