Erdbeerbaum, Arbutus unedo - Pflege-Anleitung

Erdbeerbaum-FrüchteDer mediterrane Erdbeerbaum fasziniert Hobbygärtner mit einem floralen Spektakel, das den immergrünen Strauch oder Baum zu einer der populärsten Kübelpflanzen qualifiziert. Weiße Glöckchenblüten und anfangs grüne, später rote Erdbeerfrüchte schmücken den Arbutus unedo zeitgleich den Winter hindurch. Die glänzenden, tiefgrünen Blätter bewachsen dicht an dicht die dunkelroten Zweige und kreieren einen aparten Farbkontrast. Damit nicht genug, sind die kleinen Früchte obendrein genießbar, wenn auch nicht zu vergleichen mit einheimischen Erdbeeren. Die folgende Pflege-Anleitung zeigt auf, wie die Kultivierung selbst Anfängern gelingt und verrät den einen oder anderen gärtnerischen Kniff.

Kurzer Steckbrief:
  • Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse (Ericaceae).
  • Gattung der Erdbeerbäume (Arbutus) mit 11 Arten.
  • Bezeichnung der Art: Westlicher Erdbeerbaum (Arbutus unedo).
  • Immergrüner Strauch mediterraner Herkunft.
  • Wuchshöhe in Kübelkultur bis 300 cm.
  • Weiße bis elfenbeinfarbene Blüten von Oktober bis Januar.
  • Lorbeerblattähnliche, tiefgrüne Blätter bis 11 cm lang.
  • Grüne, später gelb-orange und reife rote Früchte das ganze Jahr hindurch.
  • Kurzzeitiger Frost bis -15° Celsius wird vertragen.
In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet, dem gesamten Mittelmeerraum, erreicht ein Erdbeerbaum problemlos Wuchshöhen von 10 Metern und mehr. Angesichts des deutlich raueren Klimas in den hiesigen Regionen, reduziert sich das Höhenwachstum auf 100 cm bis 300 cm, selbst in den milden Weinbaugebieten.

Standort

Erdbeerbaum-FruchtEs ist nicht einzig das exotische Erscheinungsbild, das den Erdbeerbaum so beliebt macht unter Hobbygärtnern; zugleich zeigt sich das Heidekrautgewächs bei weitem nicht so empfindlich, wie von einer mediterranen Pflanze zu erwarten wäre. Folglich ist das Ziergehölz bestens geeignet, viele Monate des Jahres auf dem Balkon oder der Terrasse zu verbringen. Unerwartete Spätfröste im Frühling sind ebenso wenig ein Grund zur Beunruhigung, wie verfrühte Minustemperaturen im Herbst.
  • Sonnige bis halbschattige Lage, warm und windgeschützt.
  • Am schattigen Standort fällt die Blüte spärlicher aus.
Der Arbutus unedo verfügt über eine bemerkenswerte Resistenz gegenüber Abgasen. Dieser Umstand dürfte Kleingärtner erfreuen, deren grünes Reich sich auf einen innerstädtischen Balkon oder Schrebergarten beschränkt.

Substrat und Bodenbeschaffenheit

In jungen Jahren ist es empfehlenswert, den Erdbeerbaum grundsätzlich im Kübel zu kultivieren. Erst später, wenn er ab dem 5. Standjahr ausgereift ist, kommt eine Anpflanzung im Beet in Betracht. Geeignet sind Gartenanlagen, die sich in den milden Weinbaugebieten entlang des Rheins, der Mosel, der Ahr, der Nahe oder der Saale befinden. Hier speichern die steilen Hänge der Weinberge tagsüber die Sonnenwärme, geben sie während der Nachtstunden ab und fördern den Abfluss von Kaltluft. Ein Arbutus unedo fühlt sich in diesem Klima wie daheim und gedeiht im Garten das ganze Jahr hindurch.
  • Im Kübel kalkarmes, leicht saures Substrat verwenden, wie Rhododendronerde.
  • Als Beeterde eignet sich sandig-humoser Boden, durchlässig und leicht sauer bis neutral.
Der Lehmgehalt des Erdreichs sollte möglichst gering sein, denn schwerer Boden ist häufig von Staunässe bedroht. Bei Bedarf ist es ratsam, eine Aufbesserung des Substrats vorzunehmen mittels Rindenhumus oder Torf. Die Verwendung von Sand, Kies oder Splitt zur Optimierung der Durchlässigkeit ist in diesem Fall kontraproduktiv, weil diese Materialien den pH-Wert erhöhen. Da ein Westlicher Erdbeerbaum im kalkhaltigen Erdreich nicht gedeiht, testen umsichtige Hobbygärtner den pH-Wert am vorgesehen Standort. Liegt er deutlich über 7, ist es empfehlenswert, Eichenlaubkompost oder Moorbeeterde in den Boden einzuarbeiten, um den Wert zu senken.

Gießen und Düngen

Erdbeerbaum-ZweigEin solch prachtvolles Gewächs, scheinbar dem Garten Eden entsprungen, möchte nicht dürsten und darben. Darauf stellt sich der erfahrene Hobbygärtner ein und sorgt für einen artgerechten Wasser- und Nährstoffhaushalt.
  • Das Ziergehölz konstant feucht halten und nicht austrocknen lassen.
  • Fühlt sich das Substrat trocken an, wird mit kalkarmem Wasser gegossen.
  • Von März bis September alle 14 Tage Flüssigdünger in halber Dosierung verabreichen.
  • Im Beet eignen sich Kompost und Hornspäne im März und Juli für die Nährstoffzufuhr.
  • Mulchen mit Grasschnitt und Laub hält den Boden warm und länger feucht.
Hartes Leitungswasser ist ungeeignet zum Gießen dieser südländischen Pflanze. Idealerweise steht eine ausreichende Menge an gesammeltem Regenwasser zur Verfügung oder es kann dem Gartenteich entnommen werden. Alternativ ist es zu empfehlen, Wasser aus der Leitung zumindest 1 Woche stehen zu lassen, bevor es zur Anwendung kommt.
{infobox type=check|content=Im Verlauf heißer Sommerperioden nimmt der Erdbeerbaum eine sanfte Dusche mit weichem Wasser aus der Sprühflasche dankbar an.}

Schneiden

Einen exotischen Baum, wie den Arbutus unedo richtig zu schneiden, erfordert ein geübtes Augenmaß. Trägt das Gehölz nicht gerade seine Blütentracht, sind die Knospen freilich bereits angelegt. Sofern die Blüte kurzzeitig durch einen Schnitt nicht beeinträchtigt werden kann, baumeln gleichwohl grüne, gelbe oder rote Früchte an den Zweigen. Ganz zu verzichten auf einen Rückschnitt, führt hingegen früher oder später zur Vergreisung, wie auch bei einheimischen Obstgehölzen gang und gäbe.
  • Geeigneter Zeitpunkt für größere Schnittmaßnahmen aller Art ist der März.
  • Totholz, verkümmerte und kranke Triebe gründlich auslichten.
  • Nicht fruchtende Zweige knapp über einem Auge stutzen.
  • Junge Bäumchen wiederholt entspitzen, um die Verzweigung zu fördern.
  • Aus der Form wachsende Äste werden den Sommer hindurch gekürzt.
Je älter ein Erdbeerbaum wird, desto weniger kommt er mit einem umfassenden Rückschnitt zurecht. Daher ist es wichtig, dem Gehölz in jungen Jahren die gewünschte Silhouette zu verleihen, die später im Rahmen eines zurückhaltenden Formschnitts beibehalten wird.

Überwintern

Erdbeerbaum aus der NäheIn den ersten 5 Jahren ist das Holz eines Erdbeerbaumes noch nicht ausgereift genug, um unter freiem Himmel zu überwintern - selbst in den mildesten Regionen nicht. Nähern sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt, ist es an der Zeit, die Kübelpflanze in ein geeignetes Winterquartier zu tragen. Ideal sind ein ungeheizter Wintergarten, eine helle Garage oder ein lichtdurchflutetes Treppenhaus. Ein längerer Aufenthalt im warmen, lichtarmen Wohnzimmer würde unweigerlich das Ende der Pflanze bedeuten.
  • Junge Arbutus unedo überwintern im frostfreien Raum bei maximal 5° Celsius.
  • Nur so viel gießen, dass der Wurzelballen nicht austrocknet, nach der Daumenprobe.
  • Im Verlauf der Winterruhe keinen Dünger verabreichen.
  • Am wintermilden Standort im Beet rundum mit atmungsaktivem Vlies einhüllen.
  • Den Wurzelbereich mit einer Schicht aus Laub, Stroh und Reisig schützen.
An windexponierten Plätzen schützen zusätzlich Bambusmatten das Ziergehölz vor kalten Winterwinden. Da durch diesen Schutz hindurch kaum Feuchtigkeit an den Erdbeerbaum gelangt, wird er an frostfreien Tagen ein wenig gegossen.
{infobox type=check|content=Da die Blüte eines Arbutus unedo in die Winterzeit fällt, fehlt es an emsigen Bienen, die für die Bestäubung zuständig sind. Mithilfe eines Pinsels übernimmt der Hobbygärtner diese Aufgabe kurzerhand selbst.}

Anzucht und Vermehren

Ein vorgezogener Erdbeerbaum aus der Baumschule bewegt sich in der Anschaffung auf einem Preisniveau, das die Überlegung wert ist, eine Anzucht eigenhändig durchzuführen. Das hat zudem den Vorteil, dass sich der Baum von Beginn an unter den hiesigen klimatischen Bedingungen befindet und nicht erst schrittweise abgehärtet werden muss, wie es bei Importware der Fall ist.

Aussaat

Den Früchten entnommene Samen werden sogleich ausgesät. Gekaufte bzw. getrocknete Samen kommen zunächst für einen halben Tag in zimmerwarmes Wasser, damit sie vorquellen. Anschließend nimmt der kundige Hobbygärtner die Stratifizierung in Angriff, weil es sich um Kaltkeimer handelt. Derartige Samen sind einem Kältereiz auszusetzen, damit die Keimung ausgelöst wird.
  • Die vorbereiteten Samen auf feuchtem Sand verstreuen und andrücken.
  • Für etwa 4 Wochen am hellen, warmen Fensterplatz bei Zimmertemperatur aufbewahren.
  • Daran anschließend Samen und Sand in eine Plastiktüte füllen und diese verschließen.
  • Im Gemüsefach des Kühlschranks bei ca. 0° Celsius für 6 bis 8 Wochen stratifizieren.
Im Verlauf der Kälteperiode ist unbedingt darauf zu achten, dass der Sand nicht austrocknet. Samen, die Anzeichen der Keimung aufweisen, werden aussortiert und in feuchter Aussaaterde schrittweise an höhere Temperaturen gewöhnt, bis sie bei konstant 20° bis 25° Celsius angekommen sind. Als Lichtkeimer dürfen sie zu keiner Zeit komplett mit Substrat bedeckt werden. Bis sich zusätzlich zu den Keimblättern die ersten echten Laubblätter zeigen, dauert es 2 bis 3 Monate. Dann ist es an der Zeit, sie in Einzeltöpfe zu pikieren und zu kräftigen Jungpflanzen zu kultivieren.
{infobox type=check|content=Um ganz sicher zu gehen, dass der Sand keimfrei ist, kommt er zuvor für 20 Minuten bei 100° Ober-/Unterhitze in den Backofen oder für 5 Minuten bei 800 Watt in die Mikrowelle.}

Stecklinge

Hobbygärtner, die bereits stolze Besitzer eines Arbutus unedo sind, ziehen weitere Exemplare mittels Stecklingen heran. Diese Methode der Vermehrung geht unkomplizierter vonstatten, als die Aussaat.
  • Im September 15 cm lange, nur halb verholzte Stecklinge abschneiden.
  • Jeder Steckling verfügt über mindestens 4 bis 6 Blattpaaren.
  • Bis auf die oberen 2 Blätter wird der Trieb entlaubt.
  • Einzeln eingepflanzt in nährstoffarme Anzuchterde, entwickelt sich ein Wurzelsystem.
  • Eine dünne Schicht Kompost auf dem Topfboden forciert den Vorgang.
Um den Vorgang der Bewurzelung zu forcieren, stülpen erfahrene Hobbygärtner jedem Töpfchen eine Klarsichttüte über. Am hellen, nicht vollsonnigen Fensterplatz bei durchschnittlich 18° Celsius signalisiert ein frischer Austrieb, dass sich erste zarte Wurzeln bilden. Wachsen diese aus der Bodenöffnung heraus, wechseln die Jungpflanzen in einen größeren Topf.
{infobox type=check|content=Die Aussichten auf eine blühfreudige Jungpflanze erhöhen sich, wenn die Stecklinge einem Trieb entnommen werden, der zuvor üppig blühte.}

Umtopfen

Der Erdbeerbaum zählt zu den behäbig wachsenden Ziergehölzen. Somit ist nur alle paar Jahre das Umtopfen in einen größeren Kübel erforderlich. Das ist auch gut so, denn ältere Exemplare mögen einen Umzug überhaupt nicht leiden.
  • Arbutus unedo wird bei Bedarf im zeitigen Frühjahr umgetopft.
  • Der neue Kübel verfügt über eine Öffnung im Boden für überschüssiges Gießwasser.
  • Darüber kommt eine Drainage aus Tonscherben, Kies oder Perlite.
  • Nachdem der Baum umgepflanzt ist, darf das Angießen nicht versäumt werden.
Sofern das Heidekrautgewächs nicht in einen neuen Kübel, sondern in die Beeterde umgesetzt wird, sollte es sich im Pflanzgefäß bereits einige Zeit in der Nähe des Standortes aufgehalten haben zwecks Akklimatisierung. Diese Maßnahme verhindert, dass es zu einer Stressreaktion kommt, in deren Verlauf der Baum ernsthaften Schaden nehmen kann.

Häufig gestellte Fragen

Mein Erdbeerbaum trägt maximal 2 bis 3 Früchte im Jahr. Wie kann ich den Fruchtbehang steigern?
Da die Blüte zu einer Jahreszeit erscheint, zu der kaum Insekten unterwegs sind, stellt die Bestäubung ein Problem dar. In diesem Fall ist Ihr Eingreifen erforderlich, indem Sie mithilfe eines speziellen Pinsels die Pollen von einer Blüte auf die nächste übertragen. Darüber hinaus ist es von Vorteil, mehrere Exemplare zu kultivieren, was ebenfalls den Ertrag an Früchten erhöht.

Ist der Arbutus unedo anfällig für Krankheiten und Schädlinge?
Hin und wieder kommt es vor, dass sich der Erdbeerbaum die Blattfleckenkrankheit zuzieht, die sich durch braune Flecken äußert. Vorbeugend darf das Gehölz nicht zu nass und schattig stehen. Darüber hinaus sollte der Standort so luftig gewählt sein, dass nasse Blätter rasch abtrocknen. Im Frühjahr machen sich nicht selten Blattläuse über die Pflanze her. Sollten die Früchte für den Verzehr gedacht sein, werden Sie die Anwendung eines chemischen Bekämpfungsmittels sicher vermeiden. Hilfreich ist ein Mix aus 15 ml Kernseife, 15 ml Spiritus und 1 Liter Wasser. Wiederholt mit der Sprühflasche aufgetragen, sind die lästigen Schädlinge bald Geschichte.

Ab welchem Alter trägt der Erdbeerbaum Früchte?
Bei guter Pflege fruchtet ein Arbutus unedo ab dem 5. Lebensjahr. Es kann hingegen auch vorkommen, dass Sie sich bis zu 10 Jahre gedulden müssen.