Hyazinthen, Hyacinthus - Pflanzen, Pflege im Glas und Überwintern

Hyazinthen im GartenHyazinthen gehören zu den fröhlichen Frühlingsblühern, die wahlweise in vornehmem Blassblau oder Violett (Natursorten) oder in vielen Zuchtsorten erfreuen. Die Hyazinthen werden seit in Mitteleuropa dem Beginn der Neuzeit kultiviert, inzwischen sind über 100 Sorten bekannt, die alle Töne von Weiß, Gelb, Rosa über Knallorange, Pink bis hin zu leuchtendem Rot und tiefem Blau zeigen. Hyazinthen pflanzen, die Pflege und das Überwintern im Garten sind unkompliziert, die alte Tradition der Treiberei im Glas bringt Ihnen ein spannendes Schauspiel und Farbe ins Haus - Hyazinthen gehören in einem Gärtner-Haushalt einfach dazu.

Kurzer Steckbrief
  • Die Hyazinthen (Hyacinthus) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Spargelgewächse
  • Sie sind gerade wegen genauerem Blick auf die Genetik der Unterfamilie der Scilloideae zugeschlagen worden
  • Diese ersetzt die ehemalige Familie der Hyazinthengewächse, weil sie Gewächse enthält, die sich von Hyazinthen deutlich unterscheiden
  • Gemeinsam ist den Scilloideae, dass fast alle Zwiebeln bilden und sich hauptsächlich in der Alten Welt verbreitet haben
  • Die Gattung Hyacinthus umfasst drei Arten von Zwiebelpflanzen, die alle im Frühjahr blühen
  • Ihre Heimat liegt südlich von uns, vom Nahen Osten bis zum nordöstlichen Iran
  • Die bei uns übliche Hyazinthe ist die Garten-Hyazinthe 

Zimmerkultur

Hyazinthe im GlasDie Hyazinthe lässt sich gut im Zimmer kultivieren, allerdings nur, wenn Sie Ihnen einen einigermaßen kühlen Standort bieten können (wie kühl, siehe gleich bei Tipps).

Sie können im Handel zwischen November bis März gut entwickelte, getopfte Hyazinthen erwerben (zum Vortreiben kommen wir weiter unten), die an einem möglichst hellen Ort mit einigen Stunden Sonne am Tag platziert werden sollten. Wen

Die Hyazinthen werden in der Wachstumszeit und noch sorgfältiger während der Blüte gleichmäßig feucht gehalten, insgesamt eher mäßig als pitschnass. Der Topf braucht einen (funktionierenden) Ablauf, die Hyazinthe möchte auf keinen Fall im Wasser stehen.

Wenn die Blüte vorbei ist, beginnt eine lange Zeit, in der die Hyazinthen auf die nächste Blüte vorbereitet werden. So wird sie nun behandelt:
  • Sie kann nun in einen Raum mit ihrer Lieblingstemperatur um 15 Grad umgestellt werden, ihre attraktive Erscheinung ist erst einmal Geschichte.
  • Wenn die Blüten verblüht sind, können die Blütenstängel abgeschnitten werden, das sieht etwas "ordentlicher" aus
  • Die Blätter sollten auf jeden Fall an der Pflanze bleiben, die Hyazinthe zieht jetzt Nährstoffe aus ihnen
  • Die Hyazinthen wird nun solange weiter gegossen, bis die Blätter gelb werden, dann langsam immer weniger
  • Wenn alle Blätter vertrocknet sind, wird die Wassergaben eingestellt, die Blätter können nun abgeschnitten werden
  • Die Wurzeln sind jetzt bereits auch abgestorben, die Zwiebel geht in ihre Ruhezeit
  • Bis zum Herbst bleibt der Topf nun einfach unbeachtet stehen, er kann auch in eine dunkle Ecke umziehen
  • Wenn die Temperaturen im Herbst sinken und die Tage kürzer werden, muss die Hyazinthe zum Stratifizieren in den Kühlschrank
  • Bei 0 bis 6 Grad, für etwa 8 Wochen, so wird für die Hyazinthenzwiebel der Winter simuliert
  • Nach der Kältebehandlung bekommt die Hyazinthe neue
  • Handelsübliche Blumenerde sollte mit etwas grobem Sand o.ä. auflockert werden, oder Sie nehmen Kakteenerde
  • Die Töpfe kommen an einen kühlen Platz mit Temperaturen um 10 Grad, bis die ersten Blütenknospen zu sehen sind
Wenn Sie einen Balkon oder ein geeignetes Fenstersims haben, können Sie sich die Stratifizierung im Kühlschrank sparen und die Hyazinthen nach dem Eintopfen ins Kalte stellen, wenn sie einige Fröste erlebt haben, können sie zurück ins Haus, um auszutreiben.

  Wenn Sie lesen, dass die Hyazinthen in der Wachstumsperiode maximale Temperaturen von 15 Grad ertragen, brauchen Sie jetzt nicht ins Eskimo-Trainingscamp starten. Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber in Zeiten von Wohnräumen ohne ausgedehnte, kaum beheizbare "Nebengelasse" eben nur in Ausnahmefällen zu realisieren, Sie können von diesem Grundsatz durchaus abweichen. Nach dem Treiben halten die Zucht-Hyazinthen nämlich vieles aus, einen kühlen und halbschattigen Standort ebenso wie einen hellen und sonnigen Standort im beheizten Wohnzimmer, sie verblühen im Warmen nur schneller.

Gartenkultur

Standort

Hyzinthe in einer SchaleHyazinthen können an sonnige und an halbschattige Standorte gepflanzt werden. Das halbschattige Plätzchen müsste jedoch täglich ein bisschen Sonnenschein bieten, etwa drei Stunden sollten es schon sein für eine schöne Blüte.

Der Standort sollte außerdem in Sichtweite vom Haus liegen, zur frühen Blütezeit der Hyazinthen fängt die Gartensaison ja gerade erst an. Auch die Wuchshöhe der jeweiligen Sorte spielt bei der Standortwahl natürlich eine Rolle, sie liegt zwischen etwa 15 bis rund 40 Zentimetern.

  Hyazinthen können an ihrem Standort Zusatznutzen bringen: Blütezeit und Lichtbedarf machen sie zu einer idealen Unterpflanzung laubabwerfender Gehölze. Hyazinthen rund um den Sitzplatz zu pflanzen und Wespen-Leckerbissen (nektarreiche Blütenpflanzen wie Dahlien) in etwas weiterer Entfernung sind auch empfehlenswert - Wespen können mit Hyazinthen wenig anfangen und werden Sie an Ihrem Sitzplatz in Ruhe lassen.

Boden

Die Hyazinthen in der meist kultivierten Unterart Hyacinthus orientalis subsp. orientalis kommen ursprünglich aus Vorasien, wo sie in einer Höhe von 400 bis 1.600 Metern unter Sträuchern und auf felsigen Hängen aus Kalkstein wuchsen.

Demgemäß stellen sie keine größeren Ansprüche an den Boden, magere Steingartenböden sind ihnen z. B. sehr recht. Ganz normaler Gartenboden geht auch, nur zu schwer, lehmige oder durchwurzelte, feuchte Böden sollten durch Untermischen von etwas grobem Sand oder feinem Kies aufgelockert werden.

Im Herbst stecken oder Vorziehen

Hyazinthen blühen sehr früh, ab
Zu diesem Zweck können Sie natürlich im Frühjahr fertig vorgezogenen Hyazinthen in der Gärtnerei kaufen. Ansonsten klappt es nur, wenn Sie entweder bereits im Herbst Zwiebeln stecken - was auch bei Hyazinthen grundsätzlich möglich ist, aber immer noch nicht so richtig "in Mode" ist. Oder Zwiebeln vorziehen, was bei Hyazinthen eher üblich ist, das ist nämlich eine sehr alte Tradition
Aber das Vorziehen muss nicht unbedingt in der Form der Treiberei (hinter Glas) geschehen, Sie können Hyazinthenzwiebeln auch ganz normal in Töpfen mit Anzuchterde anziehen, der Ablauf ist der gleiche wie im Abschnitt "Treiberei unter Glas" beschrieben.

Pflanzen, Stecken

Hyazinthen können ab Mitte April in den Garten gesetzt werden. Gekaufte Hyazinthen sollten möglichst schnell nach dem Kauf gepflanzt werden und bis dahin kühl und luftig transportiert werden (sollten also z. B. nicht auf der Hutablage in der Sonne schmoren).

Hyazinthen sollten 10 bis 15 cm tief gesetzt werden und in Gruppen in etwa zwei Handbreiten Abstand. Die Abstände werden mit der Zeit von Tochterzwiebeln ausgefüllt.

Das alles gibt natürlich genauso, wenn Sie Hyazinthen im Herbst setzen möchten.

  Sie können im Frühjahr auch nicht vorgezogene Zwiebeln setzen, wenn Sie diese haben oder geschenkt bekommen. Sie müssen dann nur damit rechnen, dass die Hyazinthe im ersten Jahr ziemlich mickrig bleiben und - wenn überhaupt - nur sehr zurückhaltend blühen.

Gießen, Düngen, Schneiden

Blaue HyazintheZur Bewässerung gibt es nicht viel zu sagen, Hyazinthen möchten mäßig, aber gleichmäßig bis mäßig feucht gehalten werden.

Dünger brauchen sie in einem normalen Boden eigentlich überhaupt nicht, nehmen aber gerne etwas Komposterde rund um die Wurzeln entgegen.

Für das Schneiden gilt das oben bei Zimmerkultur beschriebene.

Vermehren und Überwintern

Hyazinthen bilden Tochterzwiebeln, die Sie ausbuddeln und an anderen Orten weiter kultivieren können.

Abgesehen davon überwintern Hyazinthen problemlos im Beet und stecken im nächsten Jahr ihre Köpfe etwas zahlreicher in die Luft

"Treiberei" unter Glas

Die Treiberei unter Glas hat eine lange Tradition, die speziell mit der Hyazinthe verbunden ist. Die Hyazinthe war nämlich im 18. Jahrhundert DIE Modeblume, viel zu prestigeträchtig, um sie einfach im Herbst in die Erde zu stecken - schon die Hyazinthen-Zwiebel sollte im trauten Heim zur Schau gestellt werden. Die Gläser mit den werdenden Hyazinthen standen bis weit ins 19. Jahrhunderts bei jedem Bürger, der mit den Trends der Zeit gehen wollte, im winterlichen Blumenfenster.

So funktioniert die Treiberei:
  • Wenn Sie es eilig haben, brauchen Sie Zwiebeln, die einer Kältebehandlung unterzogen wurden
  • Zu dieser Stratifizierung siehe oben bei Zimmerkultur, Sie können aber auch fertig präparierte Zwiebeln kaufen
  • Auch die Treiberei nicht vorbehandelter Zwiebeln bringt meist Erfolge, das Ganze geht eben nur noch ein wenig "meditativer" vor sich
  • Zum Antreiben werden die Zwiebeln auf Hyazinthengläser gesetzt, die mit abgekochtem Wasser befüllt werden
  • Diese Hyazinthen-Gläser haben eine sich nach oben erweiternde Öffnung, auf die die Zwiebel gut aufgesetzt werden kann
  • Es gibt spezielle Hyazinthengläser zu kaufen, gut eignen sich jedoch auch die klassischen Weinkaraffen vom Italiener
  • Die flache Seite der Zwiebeln kommt nach unten, und dieser Zwiebelboden sollte das Wasser keinesfalls berühren
  • Dann werden die Hyazinthen an kühlen und dunklen Ort mit Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad gestellt
  • Wenn die Wurzeln kräftig gewachsen sind, werden die Gläser hell und nicht zu warm gestellt
  • Jetzt kommen die Mini-Schultüten zum Einsatz, die die Älteren unter uns noch kennen
  • Diese sogenannten Antrieb-Hütchen schützen die jungen Triebe vor zu viel Licht
  • Sie können entfernt werden, wenn sie vom Austrieb bereits in die Höhe geschoben werden
  • Jetzt könnte es auch notwendig sein, Wasser nachzufüllen
  • Nun werden die Blätter und Knospen jeden Tag größer, man kann fast zusehen beim Wachsen 
  • Rund 2 Monate nach Beginn der Treiberei sollten die Blüten da sein 

Häufige gestellte Fragen

Sind Hyazinthen giftig?
Kommt auf die Mengen und das Lebewesen an: Die Pflanze enthält Calciumoxalat (Salz der Oxalsäure), die kann beim Menschen in größeren Mengen zu Lähmungserscheinungen und Nierenschäden führen, Kinder sollen also keine Hyazinthenblüten "in Reihe futtern", vom Naschen an einem Blütenblatt werden sie allerdings kaum Schäden davontragen. Weiter kann das durchaus scharfkantige Calciumoxalat bei häufigem Umgang mit Hyazinthen zu Hautschädigungen führen, von dieser sogenannten Hyazinthenkrätze berichten Gärtnerei-Mitarbeiter gelegentlich, aber wenigstens überlebt der Mensch im allgemeinen den Kontakt mit einer Hyazinthe relativ unbeschadet. Bei Tieren ist es anders: Hunde und Katzen, Hasen und Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Vögel, sogar Pferde sollen ziemlich empfindlich auf verschiedene Giftstoffe in der Hyazinthe reagieren und sollten von den Pflanzen ferngehalten werden.

Hyazinthe treibt zur falschen Zeit aus - kann ich das noch stoppen?
Schlecht, "zurückstopfen" können Sie den Trieb nämlich nicht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Hyazinthe zu warm und zu hell stand - sie hat halt gedacht, jetzt steht die Vegetationsperiode an, und sich mächtig ins Zeug gelegt. Sie können die Hyazinthe jetzt nur noch an einen ihr möglichst genehmen Standort stellen - schön hell, aber kühl - und abwarten, ob sie es bis zur Blüte bringt. Danach hat sie sich dann eine richtige Ruhezeit verdient, wie im Artikel beschrieben.