Nachtkerze, Oenothera - Pflege-Anleitung und Vermehrung


Blüten von NachtkerzenWegränder oder karge, steinige Stelle sind Plätze, an denen die Nachtkerze bevorzugt zu finden ist. Allerdings ist sie keine Entdeckung der Neuzeit. Bereits vor über 500 Jahren schätzten die Indianer die grazile Schönheit als Nahrungsmittel oder wertvolles Heilmittel. Mitte des 17. Jahrhunderts fand sie dann über Handelswege nach Europa und breitete sich rasant aus. Viele Gärtner sehen in der Nachtkerze eine Bereicherung ihres grünen Idylls, etablieren sie auf Beeten oder Rabatten und erfreuen sich an süßem Duft und Farbenpracht. Gleichzeitig gilt die Oenothera als äußerst pflegeleicht und begeistert durch zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten.

Botanischer Steckbrief
  • Gehört zur Familie der Nachtkerzengewächse
  • es existieren 120 bis 200 verschiedene Arten
  • ein- bis zweijährig
  • krautige Pflanze
  • einige Arten bilden Rhizome, andere Pfahlwurzeln
  • besitzt Kapselfrüchte mit Samen
  • kurzlebige, zwittrige Blüten
  • Wuchshöhe bis 1 bis 2 Meter
  • Blütezeit: Juni bis September
  • Blütenfarbe: weiß, gelb bis rosa
  • wächst an steinigen, meist unfruchtbaren Stellen
  • duftet stark

Standort und Boden

Es existieren unzählige Arten von der Nachtkerze. Die bekanntesten sind:
  • Oenothera biennis - Gemeine Nachtkerze
  • Oenothera odorata 'Sulphurea' - Duftende Nachtkerze
  • Oenothera speciosa 'Alba' - Schnee-Nachtkerze
  • Oenothera missouriensis - Polster-Nachtkerze
  • Oenothera tetragona 'Hohes Licht' - Nachtkerze
  • Oenothera tetragona 'Sonnenwende' - Nachtkerze
Damit die liebliche Blume ihre volle Pracht entfalten kann, benötigt sie etwas gärtnerische Aufmerksamkeit. Sie gilt aber als äußerst pflegeleicht und gut zu Händeln und passt sich ihrer Umgebung wunderbar an. Als Standort geeignet sind
  • Kräutergärten,
  • Bauern- oder Kiesgärten sowie
  • naturnahe Anlagen.
Aber auch in bunten Staudenbeeten oder liebevoll angelegten Blumenrabatten kommt sie gut zur Geltung. Einige Exemplare werten große Freiflächen in Hanglage gut auf, andere wiederum verschönern Mauern oder Böschungen. Wer aufmerksam in der freien Natur unterwegs ist, der kann die Nachtkerze an Straßenrändern oder Wegböschungen vorfinden. Die Nachtkerze liebt es, ihre Blütenköpfe der Sonne entgegen zu recken und benötigt deshalb auch einen sonnigen Bereich, der viel Wärme verspricht. Auch einen halbschattigen Standort verträgt sie gut, nur mit Schatten kommt sie nicht zurecht. So vielfältig ihre Arten und die damit verbunden Standortansprüche sind, so unterschiedlich fallen auch die Bodenansprüche aus. Die Oenothera benötigt Böden, die folgende Eigenschaften vorweisen
  • Nachtkerzenhoher Durchlässigkeit
  • sandig, lehmig
  • reicht an Nährstoffen
Auf Staunässe reagiert die Nachtkerze sehr empfindlich. Mit längeren Trockenperioden hingegen kommt sie äußerst gut klar. Kleiner Tipp: Ideale Nachbarn für die Nachtkerze sind Katzenminze, unzählige Fetthennenarten, Heidegünsel oder Hornkraut. Diese Pflanzen besitzen ähnliche Ansprüche an Standort und Boden und ergeben auch ein optisch ein blühendes Gesamtkunstwerk.

Blütezeit

Von Juni bis September sind die verschiedenfarbigen Blüten zu sehen, aber vor allem zu riechen. Mit Beginn der Abenddämmerung öffnen sie sich. Dabei richtet sich der genaue Zeitpunkt der Blütenentfaltung nach dem Sonnenstand und ist weiterhin von der Luftfeuchtigkeit sowie der Tagestemperatur abhängig. Wer genau hinschaut, der kann der Nachtkerze beim Öffnen der Blüte zuschauen, denn dieser Vorgang erfolgt innerhalb weniger Minuten. Zu Beginn ist die Blüte erst völlig geruchlos, erst nach der vollständigen Öffnung beginnt ihr Duft intensiver zu werden. Jetzt kommt die Zeit der Insekten, die sich an dem Nektar laben möchten. Die unterständigen Blütenröhren sind


allerdings nicht für jeden erreichbar und nur langrüsselige Insekten haben einen Heimvorteil. Zu ihnen gehören:
  • Schwärmer (Schmetterling)
  • Mittlerer Weinschwärmer
  • Taubenschwänzchen
  • Nachtkerzenschwärmer
So schnell die Blüte sich geöffnet hat, so schnell ist der ganze Zauber auch wieder vorbei. Bis zum nächsten Mittag ist sie wieder verblüht.

Gießen, Schneiden, Düngen

Die Nachtkerze verträgt absolut keine Staunässe, deshalb ist eine Überwässerung unbedingt zu vermeiden. Wer das nicht beachtet, der muss mit der Bildung von Wurzelfäule rechnen, die der Pflanze immensen Schaden zufügen kann. Die Häufigkeit der Bewässerung richtet sich weiterhin nach den vorherrschenden Außentemperaturen sowie den Standortverhältnissen. Anhand einer Fingerprobe kann rasch der Zustand des Bodens ermittelt werden. Ein Düngen ist bei der Nachtkerze grundsätzlich möglich, aber in Maßen. Einige Arten lieben eine gezielte Nährstoffzufuhr über eine Kompostzugabe oder organischen Dünger im Frühjahr. Diese Zugaben fördern die Blüte und das Wachstum. Die Oenothera blüht erst im zweiten Lebensjahr, im ersten bildet sich nur die flache Blattrosette aus. Eigentlich ist ein Rückschnitt der Pflanze nicht notwendig. Allerdings wächst die Nachtkerze unter idealen Bedingungen schnell in die Höhe und um eine Ausbreitung einzudämmen, ist ein Rückschnitt oftmals angebracht. Auch sollten ab und an die verblühten Pflanzenteile entfernt werden.

Überwintern


Ob die Nachtkerze einen Winterschutz benötigt, richtet sich nach der jeweiligen Pflanzenart. Die Pflanzen gelten zwar als winterhart und äußerst robust, dennoch kann ein zusätzlicher Winterschutz nicht schaden. Ideal dafür sind isolierende Auflagen wie das Anhäufeln von Reisig oder abgeschnittene Fichten- oder Tannenzweige. Diese garantieren Schutz vor Kälte und Frost und gewährleisten eine optimale Luftdurchlässigkeit. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass die Nadelzweige auf Grund der Trockenheit nach und nach ihre Nadeln verlieren und die Nachtkerze auf diese Weise bis zum Frühjahr mit ausreichend Licht und Luft versorgt wird.

Arten der Vermehrung

Wer von der nächtlichen Schönheit gar nicht genug bekommen kann, dem stehen ganz unterschiedliche Arten der Vermehrung zur Verfügung.
  • Nachtkerzen im BeetSelbstvermehrung durch Samen
  • Aussäen
  • Vermehrung durch Stecklinge
  • Vermehrung durch Teilung
Da die Samenkapseln bei voller Reife von selbst aufspringen, kommt es gehäuft zur Selbstvermehrung und überall im Umfeld entsteht neues Nachtkerzenleben. Immerhin enthält eine einzige Samenkapsel bis zu 200 Samen. Da dies aber meist nicht gewünscht ist, sollte dem wilden Treiben Einhalt geboten werden. Sinnvoll ist es, die Samen aufzufangen und dann gezielt im Garten wieder auszusäen. Allerdings ist beim Auffangen Eile geboten, denn die Samenkapseln gelten als Leckerbissen für Vögel.

Teilung


Die vegetative Art

der Vermehrung lässt sich relativ problemlos durchführen. Ist eine Staude zu groß und üppig geworden, wird sie ausgegraben und danach in mehrere Einzelstücke zerteilt. Jetzt werden diese an der gewünschten Stelle wieder eingegraben. Da die Nachtkerze pfahlartige Wurzeln aufweist, ist es ratsam, diese vorsichtig mit einem Messer zu zerteilen. Sollte es trotz aller Vorsicht dennoch zu Quetschungen oder diversen Bruchstellen im Wurzelbereich kommen, müssen die beschädigten Bereiche vor der Neueinpflanzung glattgeschnitten werden. Kleiner Tipp: Ein Verfaulen der Wurzeln kann durch ein Einpudern der Schnittstellen mit Holzkohlepulver verhindert werden.

Stecklinge

Stauden haben den Vorteil, dass sie sich

auch durch Stecklinge vermehren lassen. Allerdings ist diese Art der Vermehrung etwas aufwendiger und setzt ganz viel gärtnerisches Fingerspitzengefühl voraus.  Für eine erfolgreiche Vermehrung werden von den nicht blühenden Pflanzenteilen die Spitzen abgeschnitten. Voraussetzung ist, dass diese wenigstens drei Blattpaare besitzen müssen. Der Schnitt erfolgt dann unter dem dritten Blattansatz. Jetzt muss das obere Blattpaar entfernt und der kleine Steckling mindestens 3 Zentimeter tief in spezielle Anzuchterde gesteckt und gut gegossen werden. Anzuchtkästen oder -töpfe werden mit einer Plastikhaube abgedeckt, da die kleinen Stecklinge eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen. Achtung: Pflanze und Plastikabdeckung sollten nicht miteinander in Berührung kommen. Nach ungefähr 6 Wochen haben sich die ersten Wurzeln gebildet und die Pflanze kann separiert  bzw. verpflanzt werden. Im Frühjahr bekommen die kleinen Pflänzchen dann ihren Bestimmungsort im Garten zugewiesen.

Aussaat

Eine gezielte Aussaat kann direkt nach Frostende im darauffolgenden Jahr oder aber im Juni/Juli erfolgen. Der Samen wird in Reihen mit Abstand von 20 Zentimetern in die Erde gebracht und mit einer ca. 2 Zentimeter hohen Erdschicht bedeckt. Später können die Pflanzen auf 40 x 40 Zentimeter vereinzelt werden.

Krankheiten und Schädlinge

NachtkerzenblüteObwohl die Nachtkerze als äußerst robust und anpassungsfähig gilt, ist sie dennoch anfällig für einige Krankheiten und Schädlinge. Zu den häufigsten Krankheiten gehören der Befall von Mehltau sowie Pilzerkrankungen. Bei einem Befall durch Pilze weisen die Blätter dunkle Flecken auf. Als Erste-Hilfe-Maßnahme müssen die befallenen Blätter sofort entfernt werden. Zur Bekämpfung eignen sich spezielle Fungizide. Besser ist auf Prävention zu setzen und vorbeugend die Nachtkerze gezielt zu stärken. Das kann durch den Einsatz von Knoblauchbrühen erfolgen. Weisen die Blattunterseiten einen weiß-grauen Überzug sowie brauen oder gelbe Flecken an der Blattoberseite auf, dann hat der Mehltau die Pflanze fest im Griff. Um ein komplettes Absterben der Nachtkerze zu verhindern, müssen auch hier Fungizide zum Einsatz kommen. Auch Schädlinge machen vor der duftenden Blume nicht halt. Vor allem der Erdfloh oder die Nachtkerzenlaus lassen sich mit Vorliebe auf der Pflanze nieder. Die Nachtkerzenlaus hinterlässt einen weißlichen Film auf den Blättern, der sich mit einer Seifenlauge abwaschen lässt. Zusätzlich können zur Eindämmung der Plage Nützlinge wie die Schlupfwespe gefördert werden. Wesentlich auffälliger präsentiert sich das Schadbild, welches durch den Erdfloh entsteht. Der gefräßige Blattkäfer bevorzugt die Keimblätter und hinterlässt winzige Löcher in der Oberfläche. Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollte die Pflanze von Anfang an gut gestärkt werden, in dem der Boden optimal aufbereitet wird. Gezielte Gaben von Mulch oder Kompost sowie Gesteinsmehl  bieten Schutz vor Erdflöhen.

Verwendungsmöglichkeiten

Bereits die Indianer wussten um die enorme Heilkraft der Nachtkerze. Sie zerstampften die Samen und gewannen daraus einen ölhaltigen Brei, der zur Heilung von  Geschwüren oder Hautausschlägen eingesetzt wurde. Auch heute wird der Samen der Oenothera zu medizinischen und pharmazeutischen Zwecken verwendet. Das Öl enthält
  • mehrfach ungesättigte, essentielle  Fettsäuren,
  • Aminosäure,
  • Vitamin E sowie
  • Mineralien,
die einen großen Einfluss auf das Entzündungsgeschehen im menschlichen Körper haben. Nachtkerzenöl wird bei der Anwendung auf der Haut ganz dünn aufgetragen und einmassiert. Doch nicht nur eine straffe, gesunde Haut wird der krautigen Pflanze zugeschrieben, sie hat auch geschmacklich einiges zu bieten. Die rübenartige, bis zu 20 Zentimeter längliche Wurzel ähnelt vom Aussehen sowie vom Geschmack her der Schwarzwurzel. Allerdings sollte man sie im ersten Herbst oder aber im darauffolgenden Frühjahr ausgraben. Zu einem späteren Zeitpunkt ist die Wurzel nicht mehr genießbar.

Häufig gestellte Fragen

Die Nachtkerze bekommt welke Blätter. Woran liegt das?
Schlaffes Laub ist ein erstes Anzeichen für Wassermangel. Gerade in langen Perioden ohne Niederschlag sollte die Pflanze gut gewässert werden. Die Nachtkerze darf nie bei voller Sonne gegossen werden, ideal sind die frühen Morgen- oder die Abendstunden.

Kann die Nachtkerze als Zimmerpflanze gehalten werden?
Nein, die Pflanze benötigt bestimmte Boden- und Sonnenverhältnisse, die bei einer dauerhaften Unterbringung in Innenräumen nicht gewährleistet werden kann. Allerdings sehen die Blüten als Strauß in einer Vase hervorragend aus.

Woran ist erkennbar, ob der Samen der Nachtkerze reif ist?
Wer den Samen gewinnen möchte, der sollte den richtigen Zeitpunkt der Ernte nicht verpassen. Reif sind die Samen, wenn die Kapseln sich braun färben und im oberen Bereich leicht öffnen.