Ziest, Knollenziest, Stachys sieboldii - Pflege

ZiestSchmackhaft, gesund und sehr robust - der Knollenziest (Stachys sieboldii), der auch als Japanische Kartoffel oder Chinesische Artischocke bezeichnet wird, gehört zu den in unseren Breiten noch recht unbekannten Gemüsen; dies hängt vermutlich  auch mit der etwas mühsamen Ernte zusammen, die in der Regeln per Hand durchgeführt werden muss. Das Gewächs aus der Familie der Lippenblütler stammt ursprünglich aus China und wird auch heute noch in Indien, Japan, aber auch in Frankreich angebaut. Die Kultivierung der robusten Pflanze gelingt recht einfach; weil der Knollenziest sich darüber hinaus durch seine Frosthärte auszeichnet, ist die Ernte den ganzen Winter über direkt aus dem Garten möglich. - Das optimale Gemüse für die kalte Jahreszeit!

Kurzer Steckbrief zum Knollenziest:
  • Staude mit einer Gesamthöhe zwischen 25 und 40cm (manchmal auch bis zu einem Meter)
  • präsentiert knollenartige Verdickungen, die sich im Oktober im Wurzelbereich ausbilden
  • Knollen erreichen eine Länge von 3-6cm und fallen durch ungleichmäßige Einschnürungen auf
  • Pflanze trägt nach mehreren Jahren rote oder weiße Blüten
  • nesselartige Laubblätter, die sich rau anfühlen
  • essbar sind die unterirdisch wachsenden Knollen der Pflanze

Standort und Boden

Wer Knollenziest kultivieren möchte, sollte auf einen optimalen Standort und ein gutes Substrat achten. Grundsätzlich können für die Kultivierung sowohl sonnige als auch halbschattige Bereiche im Garten gewählt werden. Zwischen Mai und August findet die Hauptentwicklung der oberirdischen Teile des Gewächses statt; während dieser Zeit sollten durchschnittlich um die 23 °C herrschen. Allerdings ist die Stachys sieboldii vor starker Mittagssonne zu schützen, die im Allgemeinen schlecht vertragen wird.

Als idealer Boden zur Kultivierung des Ziests eignet sich ein Substrat, das reich an Nährstoffen ist. Gleichzeitig sollte der Boden im Idealfall locker und leicht sein. Ein nahrhafter, feuchter Lehmboden kann ebenso zum Einsatz kommen wie ein sandiges Substrat; Letzterer erleichtert anschließend auch die Ernte.

Gießen und Düngen

Die Stachys sieboldii benötigt insgesamt viel Wasser; eine Entwicklung von festen und gesunden Knollen kann nur stattfinden, wenn dem Gewächs ausreichend Flüssigkeit zur Verfügung steht. Deshalb gilt: regelmäßig wässern! Bereits kurzzeitige Trockenheit wird von der Pflanze schlecht vertragen. Der Boden sollte stets gleichmäßig feucht und kühl sein.

Auch eine gezielte Versorgung mit Nährstoffen gehört zur Kultivierung des Knollenziests dazu. Die Düngung erfolgt zu Beginn der Kultur oder aber bei sehr leichten Böden, die sich schnell auswaschen, auch in mehreren Gaben während der Kultur. Auf diese Weise entstehen besonders große und kräftige Knollen.

Die Versorgung mit Nährstoffen erfolgt dann drei Wochen nach der Pflanzung. Nach Empfehlungen aus dem französischen Gartenbau werden pro kg/ha folgende Mengen an Nährstoffen benötigt:
  • N: 250
  • P2O5: 100
  • K2O: 280
  • MgO: 80
Es hat sich außerdem bewährt, im Frühjahr eine mittlere Portion Kompost auszugeben; pro Quadratmeter sind 2 Liter ausreichend.

Pflege

KnollenziestZur Pflege der Stachys sieboldii gehört vor allem das regelmäßige Entfernen des Unkrauts während der Wachstumsphase des Gewächses. Gelegentlich sollte das Beet sorgfältig durchgehackt und gegebenenfalls gemulcht werden.

Ein spezieller Rückschnitt der Pflanze ist grundsätzlich nicht notwendig. Allerdings kann es sich lohnen, die Triebspitzen einzukürzen; durch diese Maßnahme wird das Wachstum insbesondere der Knollen gefördert.

Der Knollenziest kann mehrere Jahre auf dem Beet gehalten werden. Allerdings sollte das Gewächs nach spätestens vier Jahren den Standort wechseln, um Erkrankungen vorzubeugen und eine Ertragsschwäche zu verhindern.

Überwintern

Beim Knollenziest handelt es sich um ein winterfestes und frosthartes Gewächs, das während der kalten Jahreszeit im Boden verbleiben kann; die Ernte kann auch im Winter erfolgen. Allerdings kann ein zusätzlicher Frostschutz hilfreich sein und auch die Ernte erleichtern. Zu diesem Zweck wird Stroh oder Laub in einer Höhe von 15cm bis 20cm um den Bereich der Pflanze aufgetragen.
{infobox type=check|content=Alternativ gelingt such die Einlagerung in Mieten zur Überwinterung.}Werden die nicht geernteten Knollen einfach in der Erde belassen, bilden sich im darauffolgenden Jahr von selbst wieder neue Stauden aus. Allerdings hat es sich bewährt, alle Exemplare auszugraben und im Folgejahr frisch einzusetzen.

Pflanzen und Vermehren

Bei der Pflanzung der Saatknollen sollten folgende Bedingungen eingehalten werden:
  • optimaler Zeitpunkt der Pflanzung: März
  • Pflanzentiefe: 8-10cm
  • Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen: 40x40cm
Die Pflanzung kann allerdings bereits im Februar durchgeführt, wenn eine geeignete Abdeckung mit Vlies erfolgt; dann bleibt die Folie etwa vier Wochen lang bestehen. Auch im April ist die Kultivierung noch möglich. Von einer Pflanzung im Sommer wird grundsätzlich abgeraten, weil sich in diesem Fall die Wurzeln in einer trockenen und heißen Zeit entwickeln würden; dann muss viel mehr gegossen werden, um starke Pflanzen hervorzubringen.

Es hat sich bewährt, die Saatknollen in Gruppen auszusetzen, die aus etwa zwei bis drei Exemplare gebildet werden sollten. Wer dichtere Bestände wählt, riskiert die Entwicklung von schwachen Pflanzen, die sich gegenseitig Konkurrenz machen.

Zur leichteren Unkrautbekämpfung und vor allem zur schnelleren Erwärmung des Bodens können die Reihen zu Dämmen angehäufelt werden; durch diese Maßnahme wird gleichzeitig auch die Ernte erleichtert. Dabei sollte der Abstand zwischen den einzelnen Dämmen zwischen 40 und 50cm betragen.
{infobox type=check|content=Eine unter optimalen Bedingungen gepflanzte Knolle bringt ihrerseits wieder 30 neue Exemplare im Jahr hervor.}Die Vermehrung der Stachys sieboldii erfolgt in unseren Breiten hauptsächlich mit Hilfe von Wurzelknollen. Grundsätzlich ist zwar auch eine Vervielfältigung mit Hilfe von Samen möglich, aber in Europa bildet der Knollenziest nur minderwertige Samen aus, mit denen eine Vermehrung nur sehr schwer gelingt.

Es lohnt sich grundsätzlich nicht, das Gewächs länger als drei bis vier Jahre selbst zu vermehren, weil dann die Gefahr von starken Ertragsminderungen steigt; dies ist nicht zuletzt auf das erhöhte Virenrisiko zurückzuführen. Komplett virusfreies Material kann die bis zu dreifache Menge an Ertrag im Gegensatz zu befallenen Gewächsen einbringen.

Ernte

Weisse Ziest-BlütenUm den richtigen Zeitpunkt der Ernte zu bestimmen, sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
  • Ernte ist grundsätzlich ab Oktober möglich
  • Stängel und Blätter sollten bereits abgestorben sein
  • Die Ernte dauert an, bis im nächsten Jahr der Neuaustrieb im Februar beginnt
Die Ertragshöhe schwankt und beträgt pro Kilogramm Saatknolle etwa 50 bis 80 Kilogramm Gemüse.

Die Ernte selbst vollzieht sich häufig etwas mühsam, da sie per Hand durchgeführt werden muss; es kostet zusätzlich Zeit, die Erde aus den Knollen zu bürsten, die sich in den kleinen Einschnürungen angesammelt hat.

Geerntet werden grundsätzlich nicht alle Knollen; als Gemüse dienen ausschließlich die großen und kräftigen Exemplare. Kleinere Gewächse dienen als Saatknollen für das Folgejahr. Auch diese sollten jedoch restlos aus dem Boden entfernt werden, zu zurückbleibende Knöllchen ähnlich wie Unkraut wirken. Das neue Saatgut wird eingeschlagen und bis zum Gebrauch aufbewahrt.

Verwendung

Die Stachys sieboldii erinnern im Geschmack an eine Mischung aus Artischocke oder Schwarzwurzeln und können - genau wie dieses Gemüse - vielfältig zubereitet werden. Allerdings ist zu beachten, dass die Lagerfähigkeit nach der Ernte nur sehr gering ist; schnell bildet das Gewächs in Verbindung mit Luftsauerstoff braune Stellen. Der Knollenziest ist außerdem nur mit einer dünnen Hülle geschützt und neigt zum Austrocknen. Kurzfristig kann das Gemüse jedoch auch  im Kühlschrank gelagert werden.

Die Zubereitung erfolgt ähnlich wie bei Spargel oder Kohlrabi. Besonders einfach und schnell lassen sich die Knollen in Salzwasser zubereiten; dort werden sie etwa fünf Minuten lang blanchiert und anschließend mit Butter verfeinert.

Krankheiten

Ertragsmindernd können sich vor allem Virusinfektionen und Wurzelfäule auswirken. Viren können vermieden werden, indem der Standort alle vier Jahre gewechselt und stets neues Pflanzenmaterial verwendet wird. Wurzelfäule ist durch umsichtiges Bewässerungsverhalten leicht zu vermeiden.

Schädlinge

Zu den wichtigsten Schädlingen gehört die Wühlmaus. Diese hinterlassen ein klassisches Schadbild, das häufig nicht nur auf die Pflanze selbst beschränkt bleibt:
  • plötzliches Welken der Pflanzen, die sich leicht aus dem Boden ziehen lassen
  • abgenagte Wurzeln
  • Nagespuren zeigen sich als schräg verlaufende Rillen
  • Im Rasen sind Gänge und abgestorbene Graspartien mit abgefressenen Wurzeln zu finden
Wühlmäuse können durch mannigfaltige Methoden bekämpft werden. So sollen unterschiedliche Pflanzen, zum Beispiel Knoblauch, Wolfsmilch oder Kaiserkrone die Schädlinge vertreiben; auch das Ausbringen von petroleumgetränkten Lappen in den Gängen kann hilfreich sein. Katzenbesitzer sollten ihren Tieren genügend Freilauf bieten; dann löst sich das Problem von ganz alleine. Zu speziellen Wühlmausfallen sollte man wirklich erst greifen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Insbesondere in trockenen Jahren können darüber hinaus auch Spinnmilben zum Problem werden. Ist das Gewächs befallen, bilden sich ab dem Frühjahr zahlreiche winzige, helle Pünktchen auf dem Blättern (Saugmale), so dass diese regelrecht gesprenkelt erscheinen. Die Saugstellen selbst wirkend durch die eindringende Luft silbrig und verschmelzen später zu braunen Flecken. Häufig sind die Blätter auch mit einem weißen Gespinst überzogen. Vorbeugend helfen eine ausreichend Bewässerung sowie der Einsatz von Laufkäfern oder Raubmilben, die als natürliche Feine der Spinnmilbe gelten. Befallene Blätter müssen umgehend entfernt werden.

Häufig gestellte Fragen

Aus welchem Grund wachsen die Knollen einmal mehr und einmal weniger gleichförmig?
Je größer während des Knollenwachstums die Temperaturschwankungen sind, umso ungleichförmiger wachsen auch die Knollen.

Gibt es vorbeugende Maßnahmen, die man zum Schutz vor Wühlmäusen treffen kann?
Um den Ziest zu schützen, sollten die einzelnen Pflanzen in Kübeln vergraben werden. Diese müssen jedoch mit Wasserabzugslöchern versehen sein! Mit dieser Vorrichtung wird gleichzeitig eine unkontrollierte Vermehrung des Gewächses erzielt.