Pflanzenlexikon

Stieleiche, Quercus robur – Steckbrief und Pflege-Anleitung


Stieleiche

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Erhaben, dekorativ und als praktischer Schattenspender – so präsentiert sich die Stieleiche, die zu den wichtigsten Eichensorten in heimischen Gärten gehört. Der majestätische Baum, der zur Familie der Buchengewächse gehört, ist in nahezu ganz Europa beheimatet und sowohl frei innerhalb von Mischwäldern als auch in kultivierter Form im Garten zu finden. Hier erfreut sich das Gewächs nicht nur als praktischer Schattenspender großer Beliebtheit, sondern auch als Lieferant von dekorativen Eicheln, aus denen sich im Herbst kleine Gestecke und Figuren basteln lassen. Dabei gelingt die Pflege der Quercus robur sehr leicht und ist auch von einem Anfänger zu bewerkstelligen.

Steckbrief Stieleiche

  • die Stieleiche wird bis zu 40m groß
  • die Lebenserwartung liegt zwischen 50 und 100 Jahren
  • das Gewächs präsentiert eine glatte, graue Rinde
  • im Laufe der Zeit verfärbt sich die Rinde schwarz-braun und wird rissig
  • im Mai bilden sich männliche Kätzchenblüten und weibliche, runde Blüten aus
  • die braunen Eicheln bilden sich ab September aus und hängen dann an langen Stielen
  • der Baum präsentiert rundlich gelappte Eichenblätter

Standort und Boden

Die Stieleiche wächst am besten an einem sonnigen Standort; je heller das Gewächs steht, umso zügiger schreitet das Jugendwachstum voran. Insbesondere während der ersten 50 bis 100 Lebensjahre kann die Quercus robur alternativ auch im lichten Schatten kultiviert werden, aber mit zunehmendem Alter wird ein Standort mit hoher Lichtintensität und optimaler Sonneneinstrahlung immer wichtiger. Starke Winde machen dem Gewächs nichts aus, so dass der Standort in dieser Hinsicht frei gewählt werden kann.

Weil sich die Stieleiche stehendem Wasser gegenüber als sehr tolerant präsentiert, eignet sich das Gewächs hervorragend zur dekorativen Uferbefestigung oder für Böschungen entlang des eines Baches oder als Teichumrandung.

Wird die Stieleiche in der Nähe von Gewässern angesiedelt, ist besonders auf eine Grundwasserabsenkung zu achten; diese wird von dem Gewächs nicht vertragen. Schnell kann sich Wipfeldürre ausbilden.
Bei der Bepflanzung sollte man außerdem an die richtigen Pflanzennachbarn denken; die Rotbuche zeigt sich beispielsweise gegenüber der Quercus robur als besonders konkurrenzstark weshalb die beiden Bäume nicht vergesellschaftet werden sollten.

Damit sich die Stieleiche an ihrem Standort wohlfühlt und kräftig wächst, ist die Verwendung eines geeigneten Substrats sinnvoll. Der optimale Boden weist folgende Eigenschaften auf:

  • reich an Nährstoffen
  • gute Wasserdurchlässigkeit
  • humos
  • frisch, aber nicht zu feucht
  • tiefgründig
  • schwach sauer bis schwach alkalisch

Gießen

Stieleichen-PflänzchenInsbesondere in jungen Jahren wächst die Stieleiche sehr schnell, weshalb der Wasserbedarf des Gewächses während dieser Zeit besonders hoch ist. Zwar entwickelt die Quercus robur eine tiefreichende Pfahlwurzel, trotzdem ist vor allem während der Sommermonate eine zusätzliche Bewässerung notwendig.

Dann wird der Baum bei Trockenheit durchdringend gegossen, wobei der Wasserschlauch mindestens eine halbe Stunde zum Einsatz kommt. Als Faustregel gilt: Je jünger der Baum ist, umso mehr Flüssigkeit benötigt er und desto häufiger erfolgt die Bewässerung.

Düngen

Wenn die Stieleiche frei in der Natur wächst, erhält sie die benötigten Nährstoffe in der Regel auch durch spezielle Pilze, die sich um die Wurzeln schlingen und den Baum ein Leben lang gut versorgen – während die Quercus robur im Gegenzug Kohlenhydrate und Zucker liefert. Allerdings sollte man sich auf diese Symbiose nicht verlassen, sondern mit einer gezielten Düngung nachhelfen.

Die Versorgung mit zusätzlichen Nährstoffen beginnt im Frühjahr; in dieser Jahreszeit hat sich als Startdüngung insbesondere ein Langzeitprodukt bewährt. Zwischendurch kann die Baumscheibe regelmäßig mit Kompost, Laub und Gras gemulcht und stark saurer Boden während der Vegetationsperiode gekalkt werden.

Schneiden

Es ist nicht notwendig, die Stieleiche zu schneiden, um das Wachstum des Baumes zu forcieren; vielmehr wird ein spezieller Form- und Erhaltungsschnitt durchgeführt. Dabei werden Gesundheit und Vitalität der Pflanze effektiv gestärkt.
Am besten führt man diese Maßnahme an einem frostfreien, bedeckten Tag während der winterlichen Saftruhe durch. Beim Schnitt sind folgende Aspekte zu beachten:

  • sorgfältiges Auslichten der Krone
  • Beseitigung von zu dichten und dünnen Ästen
  • Herausnehmen beschädigter Triebe
  • steil aufwärts gerichtete und über Kreuz wachsende Zweige an der Basis kappen

Beim Schneiden sollte man auf eine angeschrägte Schnittführung achten und die Äste stets knapp über dem Auge kappen. Unerwünschte Äste werden nicht herausgeschnitten, sondern am besten einfach ausgerissen. Außerdem sollte einen kleinen Abstand zum Astring lassen.

Keinesfalls sollte man parallel zum Stamm schneiden oder Stummel stehenlassen.
Wer diverse Zweige nicht komplett entfernen möchte, sollte diese keinesfalls einfach in der Mitte durchgeschnitten werden; es hat sich als sinnvoller erwiesen, die betreffenden Triebe abzuleiten.

Überwintern

Jungpflanze der StieleicheStieleichen gehören zu den frostresistenten Bäumen und benötigen deshalb keinen zusätzlichen Winterschutz. Allerdings kann es notwendig sein, während der kalten Jahreszeit zusätzliche Bewässerungsmaßnahmen durchzuführen. Insbesondere in schneearmen Regionen droht im Winter die Gefahr der Vertrocknung durch Kahlfrost. Wenn also tagelang Minustemperaturen vorherrschen, ohne dass Schnee fällt, sollte man die Stieleiche am ersten frostfreien Tag ausgiebig wässern.

Pflanzen

Die Pflanzung der Stieleiche erfolgt entweder im Frühjahr oder aber im Herbst. Dem eigentlichen Pflanzenvorgang gehen dabei vorbereitende Bodenmaßnahmen voraus; auf diese Weise können optimale Anwuchsbedingungen ermöglicht und gleichzeitig die Ausfallwahrscheinlichkeit deutlich minimiert werden.

In einem ersten Schritt befreit man dabei die Pflanzenstelle sorgfältig von Unkraut, Steinen und Wurzeln, bevor anschließend eine Auflockerung der Erde erfolgt. Während der Hobbygärtner mit diesen Vorarbeiten beschäftigt ist, sollte sich der Wurzelballen des Baumes bereits in einem wassergefüllten Eimer befinden; hier nehmen die Wurzeln ausreichend Flüssigkeit auf. Bei der Pflanzung selbst sind dann folgende Aspekte zu beachten:

  • Aushub des Pflanzenloches, das eineinhalb Mal so groß sein sollte wie der Wurzelballen
  • Vermischen des Aushubs mit Hornspänen oder Kompost
  • mittiges Einsetzen der Quercus robur
  • Stieleiche mit Erde umgeben und vorsichtig angießen
  • Ausbreiten einer dicken Mulchschicht, um die Austrocknung des Bodens zu verhindern

Es hat sich als sinnvoll erwiesen, das Gewächs in den beiden ersten Standjahren mit einem Stützpfahl zu versehen, damit der Baum seine Resistenz gegen Wind aufbauen kann. Am besten schlägt man den Pfahl in die Pflanzengrube an und bindet ihn zusätzlich am Baumstamm an. Zu diesem Zweck werden breite Gurte eingesetzt, die nicht in die Rinde einwachsen können.

Vermehren

Stieleiche mit EichelnDie Vermehrung der Quercus robur erfolgt mit Hilfe der Eicheln, die im Wald gesucht werden können. Diese legt man in einen wassergefüllten Topf; Eicheln, die sofort an der Oberfläche schwimmen, werden entsorgt. Auch besonders weiche Früchte sind für die Kultivierung ungeeignet.

Die restlichen Eicheln sind für die Keimung ideal; da es sich um Kaltkeimer handelt, erfolgt im nächsten Schritt ein gezielt durchgeführter Kältereiz. Zu diesem Zweck füllt man die Eicheln zusammen mit feuchtem Sand in eine Plastiktüte, die anschließend fest verschlossen in das Gemüsefach des Kühlschranks verbracht wird. Während der kommenden sechs Wochen ist stets darauf zu achten, dass die Eicheln ausreichend Feuchtigkeit erhalten.

Nach etwa 45 Tagen bricht dann eine kleine Wurzel durch die Schale und zeigt an, dass die Kältephase beendet ist. Jetzt können die keimenden Samen in kleine Töpfe gegeben werden, die mit Kokosfasern oder einer Mischung aus Torf und Sand gefüllt sind. Dabei weist die kleine Wurzel nach unten, und der Rest des Sämlings wird dünn mit dem Substrat bedeckt. Als Standort eignet sich jetzt ein sonniger, warmer Platz am Fenster. Es ist weiterhin darauf zu achten, dass der Keimling nicht austrocknet.

Die Auspflanzung ins Freiland könnte bereits erfolgen, wenn das Gewächs den Topf durchwurzelt hat; allerdings ist die junge Quercus robur in diesem Stadium schutzlos den Angriffen durch Mäuse, Rehe oder Eichhörnchen ausgesetzt. Es hat sich deshalb als sinnvoll erweisen, die Kultivierung zunächst unter Glas fortzusetzen. Dabei sind folgende Aspekte wichtig:

  • Umtopfen der Jungpflanze, sobald sie eine Höhe von 10cm erreicht hat
  • als Substrat wird ein Sand-Gartenerde-Gemisch gewählt
  • das Substrat sollte stets feucht gehalten, aber nicht übernässt werden
  • Gabe eines Flüssigdüngers im Abstand von vier Wochen

Der junge Baum kann dann im Herbst ausgepflanzt werden. Alternativ kann der Hobbygärtner jedoch noch einen weiteren Winter abwarten, bevor die Stieleiche ins Freiland übersiedeln darf.

Man kann die Dauer der Aussaat insgesamt verkürzen, wenn man im Frühjahr bereits vorgekeimte Eicheln im Wald sammelt und diese direkt in die Anzuchterde setzt. Den Kältereit haben dann Schnee und Eis übernommen.

Krankheiten und Schädlinge

Zu den klassischen Krankheiten der Stieleiche gehören Blattflecken, die durch Pilze (zum Beispiel Septoria und Discula quercinabeim) hervorgerufen werden sowie Mehltau. Allerdings richten solche Verfärbungen keinen echten Schaden an und müssen deshalb auch nicht gezielt behandelt werden; ist der Baum an Mehltau erkrankt, erhält der Marienkäfer als klassischer Gegenspieler hierdurch sogar noch mehr Nahrung. Ansonsten kann Mehltau, der sich als weiß-graue Beläge präsentiert, auch mit Fungiziden behandelt werden. Als vorbeugende Maßnahme eignet sich die Ausbringung von Knoblauchbrühe oder anderen Pflanzenstärkungsmitteln, die insbesondere bei Hochdruckwetter oder starken Temperaturschwankungen eingesetzt werden sollten.

Erheblich bedrohlicher präsentieren sich allerdings Fraß-Schäden durch Schädlinge, die den Eichenbaum stark schwächen können. Hierzu gehört vor allem Eichenwickler, dessen Raupen giftige Harre besitzen; diese können beim Menschen allergische Hautreaktionen auslösen. Insbesondere bei starkem Befall können sich an der Stieleiche leicht zusätzlich Pilze ansiedeln, die eine zehrende Wirkung entfalten. Zur Bekämpfung des Schädlings stehen diverse Raupenspritzmittel zur Verfügung, die den Bacillus thuringiensis var.kurstaki enthalten. Als präventive Maßnahme eignet sich die gezielte Förderung von Nützlingen, indem beispielsweise in die Nähe des Baumes Vogelnistkästen angebracht werden.

Verwendung

Herbstblätter der StieleicheDie Stileiche ist nicht nur als Zierpflanze, Schattenspender und Lieferant von Eicheln beliebt; das harte Holz wird beispielsweise zur Herstellung hochwertiger Möbel, Treppen oder Parkett genutzt. Die Eicheln dienen nicht nur der Herstellung dekorativer Basteleien, sondern fungieren auch als gehaltvolle Tiernahrung. Extrakte der Rinde wurden in der Naturheilkunde nicht zuletzt auch als wertvolle Arznei bei unterschiedlichen Beschwerden, zum Beispiel im Magen-Darm-Bereich, verwendet.

Häufig gestellte Fragen

Wie kann man die Stieleiche besonders im Sommer vor Austrocknung schützen?
Um im Sommer die Verdunstung des Regenwassers möglichst gering zu halten und die Stieleiche auf diese Weise vor einer Austrocknung zu schützen, hat es sich bewährt, die Bodenkapillaren zu unterbrechen. Zu diesem Zweck harkt man nach jedem Regenguss das Erdreich der Baumscheibe 3cm tief auf. Das versickerte Wasser steigt anschließend nicht mehr bis zur Oberfläche und kondensiert, sondern macht am Wurzelsystem Halt. Auf diese Weise kann der Baum das Wasser besser nutzen.

Sollte bei der Bepflanzung Dünger, zum Beispiel Mineraldünger zum Einsatz kommen?
Auf eine Initialdüngung mit Mineraldünger sollte unbedingt verzichtet werden, da dieser zu scharf ist und der Pflanze schaden kann.

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Tipps für Schnellleser

- Standort: am besten hell und sonnig, entlang von Gewässern, nicht in Nachbarschaft zu Rotbuchen
- Boden: tiefgründig, humos, reich an Nährstoffen, hohe Durchlässigkeit, schwach alkalischer bis schwach saurer pH
- Gießen: insbesondere während der Sommermonate ist eine zusätzliche Bewässerung nötig
- Düngen: Initialdünger im Frühjahr; zusätzlich mulchen und evtl. kalken
- Schneiden: Erhaltungsschnitt möglich
- Überwintern: kein Winterschutz notwendig; in schneearmen Gebieten an frostfreien Tagen wässern
- Pflanzen: im Frühjahr oder Herbst; Stützpfahl für die ersten beiden Lebensjahre empfehlenswert
- Vermehren: mit Hilfe von Eicheln; Kaltkeimer
- Krankheiten: Mehltau
- Schädlinge: Fraßschäden durch Insekten

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