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Warum sterben Meisen im Nistkasten? | 6 Ursachen


Meisensterben im Nistkasten

Ein Nistkasten dient normalerweise einem Ort, an dem neues Leben beginnt. Seit einigen Jahren werden darin allerdings vermehrt tote Meisen entdeckt. Welche Ursachen das Meisensterben im Nistkasten hat und wie Sie dem vorbeugen können, erfahren Sie im Folgenden.

Meisensterben – einzelne Tiere

Junge Kohlmeise im Nest
Junge Kohlmeise im Nest

Finden sich einzelne tote Meisen-Junge im Nistkasten, ist das in der Regel ein natürliches Vorkommen. Nicht jedes Küken überlebt die Geburt oder die ersten Tage. Manche kommen bereits krank zur Welt, andere sind einfach zu schwach zum Überleben.  Experten sprechen hier von einer “Auslese” der Natur, wenn die Überlebenschancen gering sind. In diesem Fall sind sich keine Sorgen zu machen und ein Vorbeugen ist nicht möglich.

Meisensterben – ganzes Gelege

Wenn fast alle oder die gesamte Brut verstirbt, stecken dahinter meist bestimmte Ursachen:

1. Elternteil verstorben

Die meisten Meisenarten werden von beiden Elternteilen gefüttert und großgezogen. Verstirbt ein Elternteil, muss der verbleibende Elternteil die Aufgabe übernehmen. Dem ist dieser oft nicht gewachsen. “Alleinerziehende” kommen mit der Futtersuche und dem Füttern nicht schnell genug nach. Daraus leitet sich auch die häufigste Ursache für das Sterben (fast) aller Jungtiere ab: das Verhungern.

Futterhilfe

Mit dem Aufstellen eines geeigneten Futterangebotes in direkter Umgebung kann dem alleinerziehenden Elternteil zwar viel Zeit und Mühe für die Suche und Wege erspart werden, aber dazu muss die Situation zuerst erkannt werden. Und selbst dann stehen die Chancen schlecht, denn eine elterliche Fütterung von bis zu 300 Mal am Tag hält ein Elternteil auch nicht mit einer Futterhilfe lange durch.

Fütterung übernehmen

Meisenfütterung per Hand

Dann bleibt noch die Möglichkeit, die Jungen selbst per Hand zu füttern. Meiseneltern lassen sich nicht durch Menschengeruch vom Nest fernhalten. Dennoch sollte absolute Sicherheit darüber bestehen, dass nur noch ein Elternteil die Fütterung übernimmt, um nicht in den natürlichen Verlauf einzugreifen. Des Weiteren ist sich darüber im Klaren zu sein, dass die Aufzucht/Fütterung sehr zeitintensiv ist und jede Stunde von früh am Morgen bis zum späten Abend zu erfolgen hat.

Tipp: Die Handfütterung ist eine große Herausforderung und leider oftmals nicht erfolgversprechend. Wer dennoch helfen möchte, kann sich an die nächstgelegene Auffangstation wenden, die über die Website: www.wildvogelhilfe.org zu finden ist.

Geeignete Nahrung

  • Heimchen
  • Mehlwürmer
  • Maden
  • weiche Beoperlen
  • Wasser nicht vergessen

2. Unzureichendes Nahrungsangebot

Vor allem im Frühjahr, wenn die Temperaturen in der Nacht noch niedrig sind und wenig Insekten unterwegs sind, kann schnell ein geringes Nahrungsangebot für Meisen und ihre Brut entstehen. Der Hungertod ist die Folge. Dem ist vorzubeugen, indem man Eltern und Brut (wie bereits unter Punkt 1 “Elternteil verstorben – Geeignete Nahrung” beschrieben) Futter bereitstellt. Für Elterntiere sollte man in Nestnähe Meisenknödel aufhängen oder eine Futterschale aufstellen.

3. Vergiftung durch Insektizide

Meise füttert Brut im Nistkasten
  • seltener als Hungertod, dennoch steigende Tendenz als Ursache für Meisensterben
  • Giftaufnahme bei Nahrungssuche
  • kaum Überlebenschancen für Brut bei vergifteter Nahrung
  • besonders durch Insektizide
  • eingesetzt gegen Buchsbaumzünsler und Eichenprozessionsspinner
  • Vorbeugung schwer
  • auf Einsatz chemischer Mittel im Garten verzichten

4. Giftfalle Nistkasten

Wer beim Kauf eines Nistkastens oder der Farbe/Imprägnierung bei Selbstbau nicht auf schadstofffreie Stoffe achtet, riskiert ein Meisensterben durch Vergiftung. Vor allem bei Billigprodukten werden immer wieder Schadstoffe entdeckt, welche um ein Vielfaches intensiver auf das kleine Atmungssystem der Vögel wirkt. Auch für die Elterntiere wird dies zur Bedrohung, wenngleich sie sich meist nur kurz darin aufhalten, dafür aber unzählige Male pro Tag.

Hinweis: Manch einer meint es gut und legt Hunde- oder Katzenhaare aus, damit sich Meisen damit ein kuscheliges Nest bauen können. Langhaar kann dabei durch Strangulierung und Fluguntauglichkeit für die Brut und Elterntiere zum tödlichen Verhängnis werden. Wurde das Tierhaar vorher außerdem mit Produkten zur Schädlingsbekämpfung behandelt, besteht auch hier Vergiftungsgefahr.

5. Viren und Krankheiten

Meisen an Futterstelle

Wenn Zugvögel aus dem Süden zurück nach Mitteleuropa fliegen, bringen sie nicht selten ansteckende Krankheiten und Viren mit. Eine Übertragung auf die Meisen erfolgt hauptsächlich über geteilte Wasser- und Futterstellen. Beim Füttern der Brut gelangen die Erreger in den Kükenkörper. Dieser besitzt noch wenig Abwehrkräfte, sodass ein Sterben durch Erkrankungen und Viren möglich ist. Ein gewisses Maß an Hygiene kann hier das Risiko einer eventuellen lebensbedrohlichen Infektion reduzieren. Dazu gehört unter anderem:

  • täglicher Wasserwechsel inklusive Säuberung des Wasserbehälters
  • Futter vom Vortag entfernen und gegen neues ersetzen
  • regelmäßige Reinigung der Futterstelle
  • Meisenknödel nicht länger als zwei Tage hängen lassen
  • ideal: alle zwei Wochen Futter- und Wasserstellen desinfizieren (keine Chemie verwenden)
  • ideal: im Sommer nicht unbedingt füttern
  • zweimal jährlich verlassene Nistkästen gründlich reinigen

Hinweis: Auch ein Parasitenbefall kann zu den Ursachen für das Meisensterben zählen, weil sie vor allem bei den Jungen Krankheitsüberträger sein können und zudem zur Blutarmut führen, was fast immer ein Sterben der gesamten Brut zur Folge hat.

6. Erfrierungstod

Meise im Winter

Nistkästen werden von Meisen nicht nur für den Nachwuchs genutzt, sondern oft auch in der kalten Jahreszeit als Winterquartier beziehungsweise als Schutz in kalten Frühlingsnächten. Viel zu oft werden qualitativ minderwertige Nistkästen verteilt. Dünnes Holz und eine schlechte Verarbeitung lassen eisige Winde durchs Innere ziehen und Meisen sowie ihre Brut oft erfrieren. Gleich, ob ein Nistkasten selbst gebaut oder gekauft wird, eine zugluftfreie Verarbeitung und eine Holzstärke von mindestens 24 Millimeter sind Pflicht.

Häufig gestellte Fragen

Wann sollten man Nistkästen für Meisen reinigen?

Viele Meisenarten beginnen im April bereits mit dem Nestbau beziehungsweise der Einrichtung eines Nistkastens. Die erste Reinigung sollte deshalb schon im März erfolgen. Die zweite Nistkastenreinigung ist am besten im September durchzuführen, weil spätestens dann auch der letzte Nachkömmling ausgeflattert ist. Ist eine Brut darin gestorben, ist die Reinigung direkt im Anschluss sinnvoll.

Sollten tote Meisen aus dem Nistkasten entfernt werden?  

Ja, unbedingt. Handelt es sich nur um ein oder zwei Küken, können diese mittels umgestülpter Plastiktüte vorsichtig aus dem Nest genommen werden. Ist die gesamte Brut gestorben, ist das gesamte Nest samt diesen im Hausmüll zu entsorgen. Gleiches gilt für ältere Meisen, die Nistkästen als Unterschlupf außerhalb der Brutzeit genutzt haben und darin verstorben sind.

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