Grasmilben - Bekämpfung und Behandlung bei Herbstgrasmilben


GrasHobbygärtner und andere Frischluft-Fans kennen das Problem. Nach einem schönen Sommertag im Garten beginnt die Haut, an den verschiedensten Stellen so höllisch zu jucken an, dass es sich streng genommen nicht um Mückenstiche handeln kann, zumal die Qualen oft erst nach 14 Tagen nachlassen. Verantwortlich für diese Tortur sind immer häufiger die Larven der Grasmilben. Während der Sommermonate haben die Parasiten Hochsaison und lauern im Gras auf vorüberziehende Wirte, von deren Zellflüssigkeit sie sich ernähren. Bekämpfung und Behandlung der Herbstgrasmilben beschränken sich bislang auf vorbeugende Maßnahmen und Linderung der Symptome.

Kurzer Steckbrief
  • Familie der Laufmilben (Trombiculidae).
  • Wissenschaftlicher Name: Neotrombicula autumnalis.
  • Größe der ausgewachsenen Tiere beträgt ca. 2 mm.
  • Größe der beißenden Larven liegt bei 0,2 bis 0,3 mm.
  • Entwicklung einer Generation pro Jahr.
  • Bevorzugte Wirte: kleine Säugetiere, Hunde und Katzen.
  • Schadwirkung beim Menschen: Entstehung der Erntekrätze.
  • Inselartiges Auftreten in europäischen Hausgärten.
  • Größter Befallsdruck herrscht von Juni bis Oktober.
  • Weitere Bezeichnungen: Grasmilben, Herbstmilben, Herbstgrasmilben, Graslaus.
Hinsichtlich der Namensgebung durch den Volksmund besteht eine Verwechslungsgefahr, weil die Herbstgrasmilben häufig kurz als Grasmilben bezeichnet werden. Dabei handelt es sich aus wissenschaftlicher Sicht um zwei völlig verschiedene Gattungen. Die echte Grasmilbe (Bryobia gramineum) saugt ausschließlich an Pflanzen und bedient sich keiner menschlichen oder tierischen Wirte, um sie zu beißen. Da diese Milbenart folglich weder Mensch noch Tier Schaden zufügt, lohnt sich der Aufwand einer Bekämpfung kaum. Da es an dieser Stelle nicht um wissenschaftliche Spitzfindigkeiten, sondern um praxisorientierte Tipps und Ratschläge geht, sind im Folgenden stets die böswilligen Exemplare mit dem wissenschaftlichen Namen Neotrombicula autumnalis gemeint. Über die Ursachen für das verstärkte Aufkommen der Grasmilben in Europa wird noch gerätselt. Wissenschaftler vermuten einen Zusammenhang mit der Klimaerwärmung, da die Herbstgrasmilben bei warmem Sommerwetter besonders aktiv sind.

Lebensweise

Grasmilben halten sich vorzugsweise auf Grünflächen auf. Dort legen im Frühjahr die Weibchen mehrere Hundert Eier im Boden ab, aus denen die winzigen Larven schlüpfen, die für so viel Ungemach sorgen. Um an einen geeigneten Wirt zu gelangen, klettern sie an Grashalmen oder anderen Pflanzenteilen hoch und warten. Ziehen ein Hund, eine Katze, eine Maus oder ein anderes kleines Säugetier vorbei und streifen dabei die Pflanze, gehen die Grasläuse auf den Wirt über. Auf diese Weise kann es auch einen Menschen treffen. Stundenlang krabbeln die Parasiten nun auf ihrem Wirt herum, bis sie eine Stelle finden, an der sie die Haut anritzen, um an die Zellflüssigkeit (nicht das Blut) zu gelangen. Ist die Mahlzeit beendet, lassen sich die Larven der Herbstgrasmilben zu Boden fallen, um sich dort zunächst in Nymphen und in der Folge in erwachsene Insekten zu verwandeln. Der schlimme Juckreiz setzt erst 4 bis 36 Stunden später ein, sodass die Übeltäter zu diesem Zeitpunkt auf der Haut nicht mehr zu entdecken sind. Auf Tieren halten sich die Parasiten hingegen bis zu 6 Tage auf, sodass sie in diesem Fall noch aufzustöbern sind, zumal sie sich auf diesen Wirten vorzugsweise in Nähe der Ohren oder Nase sammeln. Der Mensch gilt übrigens als Fehlwirt


für Grasmilben. Saugen sie an menschlicher Zellflüssigkeit, bedeutet dies ihr Todesurteil, denn die Larven sterben innerhalb kurzer Zeit ab. Zudem hat sich mittlerweile herausgestellt, dass sie - im Gegensatz zu anderen saugenden Schädlingen, wie den Zecken - keine krankheitserregenden Viren übertragen.

Symptome erkennen

Da die Larven der Graslaus sich bereits davongemacht haben, wenn der Juckreiz einsetzt, kann lediglich anhand der Symptome diagnostiziert werden, ob sie tatsächlich die Beschwerden hervorgerufen haben.
  • Die ersten Indizien zeigen sich nach einem Aufenthalt im sommerlichen Garten.
  • Es wurde kein Insekt auf frischer Tat ertappt, wie eine Stechmücke.
  • Auf der Haut bilden sich rote Quaddeln, wie bei einer Allergie oder Nesselsucht.
  • In der Folge entstehen daraus die Herbstkrätze (Trombidiose).
  • Unter der Wärme der Bettdecke verstärkt sich der Juckreiz.
Kann sich das Opfer nicht beherrschen und kratzt die infizierten Stellen auf der Haut auf, entstehen Sekundärinfektionen, die tage- und wochenlang anhalten können. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist es ratsam, einen Dermatologen aufzusuchen, um sich behandeln zu lassen. Bei Haustieren, die als Wirt missbraucht werden, befinden sich die Herbstgrasmilben häufig noch auf der Haut, was an einer rötlichen Schorfbildung erkennbar ist, bei der es sich in Wahrheit um eine Milben-Kolonie handelt.

Grasmilben im Garten nachweisen

Charakteristisch für Herbstmilben ist ihr inselartiges Auftreten in den Parks und Gärten Mitteleuropas. Es ist keine Seltenheit, dass auf dem einen Grundstück alljährlich eine Invasion dieser Plagegeister auftritt, während die unmittelbaren Nachbarn zu keiner Zeit behelligt werden. Über die tatsächlichen Hintergründe für dieses Verhalten sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Beobachtungen belegen, dass Areale, auf denen sich potenzielle tierische Wirte tummeln, wie Hunde, Katzen oder Mäuse, scheinbar gezielt von Herbstgrasmilben heimgesucht werden. Da selbst die adulten Exemplare so winzig sind, dass sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind, bedient sich der Gartenfreund einer simplen Methode, um den Beweis ihrer Anwesenheit zu erhalten:
  • RasenAn einem trockenen, warmen Tag ein weißes Stück Papier auf dem Gras auslegen.
  • Die Larven werden davon angelockt und lassen sich darauf nieder.
  • Da sie in diesem Stadium leuchtend orange gefärbt sind, dürften sie nun zu erkennen sein.
Damit ist zwar der Nachweis ihrer Existenz auf dem Grundstück erbracht, die bissigen Parasiten wieder loszuwerden, stellt sich hingegen deutlich schwieriger dar.

Bekämpfung

Die Erforschung effektiver Methoden, die Herbstgrasmilben zu bekämpfen, steckt noch in den Kinderschuhen. Die Erfahrungswerte in Bezug auf die Wirkung chemischer Insektizide oder biologischer Mittel sind bislang gering. Vollkommen wehrlos ist der geplagte Gartenfreund hingegen nicht, denn was

anderen stechenden und saugenden Schädlingen entgegenwirkt, dürfte an den Grasmilben ebenfalls nicht spurlos vorübergehen.

Niem-Öl

  • 0,1 l Niemöl mit 5 l Wasser mischen.
  • Rasen, Sträucher und Pflanzen wiederholt besprühen.
  • Eine Spritzflasche benutzen und keine Gießkanne.
  • Die Grasfläche vorher so tief wie möglich mähren.
Hochprozentiger Alkohol
  • Einen Wattebausch in 70 %igen Alkohol tauchen.
  • Die befallenen Stellen damit abtupfen.
Neudorff Grasmilben-Konzentrat
  • Geeignet für die gezielte Anwendung einer Befalls-Insel.
  • Für eine großflächige Anwendung ist das Präparat zu teuer.
  • Eine vollkommene Ausrottung bewirkt das Mittel nicht.
Kalk-Stickstoff-Düngung
  • Eine im Vorjahr befallene Rasenfläche düngen.
  • Den Rasen zuvor mähen.
  • Den Dünger an einem trockenen Tag ausbringen.
Weitere Mittel der unmittelbaren Bekämpfung von Herbstgrasmilben

haben sich bislang nicht herauskristallisiert. Dagegen kann der Gartenfreund eine ganze Reihe von Maßnahmen ergreifen, damit die Quälgeister erst gar nicht zum Zuge kommen.

Vorbeugung

Da über die Lebensweise der Grasmilben zahlreiche Fakten zusammengetragen wurden, steht dem Gartenfreund ein ganzes Arsenal an prophylaktischen Methoden zur Verfügung:
  • Die Gartenarbeit auf die frühen Morgenstunden legen, wenn die Grasmilben noch nicht aktiv sind.
  • Den Rasen jede Woche mähen und bei Trockenheit regelmäßig wässern.
  • Mindestens ein Mal im Jahr vertikutieren, denn Grasmilben lieben Moos.
  • Befallene Flächen nicht barfuß betreten, sondern geschlossene Schuhe und Socken tragen.
  • Nach der Gartenarbeit oder dem Sonnenbad auf dem Rasen sogleich gründlich duschen.
  • Kleidung und nicht bedeckte Hautflächen mit einem Repellent behandeln.
  • Die Beine der Garten- und Liegestühle ebenfalls mit einem Repellent bestreichen.
  • Den Hund, die Katze oder das Kaninchen täglich sorgfältig auf die Schädlinge untersuchen.
Die Verwendung von Insektenabwehrmitteln stellt keine Dauerlösung des Problems dar, denn die Inhaltsstoffe sind nicht ganz unbedenklich. Insbesondere Allergikern sei geraten, vorher mit ihrem Arzt darüber zu sprechen. Gleiches gilt für die Annahme, dass eine gezielte Einnahme von Vitamin B den Duft des Körpers dergestalt beeinflusst, dass Herbstmilben sich fernhalten. Es hat sich herausgestellt, dass die lästigen Larven am Menschen gerne Stellen aufsuchen, an denen Kleidung fest am Körper liegt. Folglich ist es empfehlenswert, im Garten luftige Garderobe zu tragen, was an warmen Sommertagen ohnehin angenehmer ist.

  Den Rasenschnitt stets sogleich entsorgen, denn er bietet den Herbstgrasmilben perfekte Lebensbedingungen.

Behandlung beim Menschen

Trotz aller vorbeugenden Bemühungen, gibt es keinen vollkommen sicheren Schutz vor Grasmilben. Haben die Plagegeister zugeschlagen, setzt spätestens am darauf folgenden Tag der Juckreiz ein. Halten sich die Symptome in Grenzen, empfehlen Experten die folgenden Behandlungen in Eigenregie:
  • Die juckenden Stellen mit einem alkoholgetränkten Wattebausch betupfen.
  • Eine Juckreiz-stillende Salbe (Antihistaminika) aus der Apotheke sorgt für Linderung.
  • Wer homöopathische Mittel bevorzugt, kauft Globuli D 6 als rezeptfreie Alternative.
  • Extrakte, gewonnen aus der Eiche, wirken entzündungshemmend und mildern das Kribbeln.
Erzielt die Eigenbehandlung keinen Erfolg, verschreibt der Arzt eine cortisonhaltige Salbe. Droht eine gesundheitsgefährdende Sekundärinfektion, wird unter Umständen auch Antibiotika verordnet.Katze im Garten

Behandlung beim Tier

Im Gegensatz zum Menschen, verbleiben die Grasmilben auf einem tierischen Wirt häufig so lange, bis sie ausgewachsen sind. Folglich bedarf es in diesem Fall einer zweigleisigen Bekämpfungsmethode, die zunächst die Biester abtötet und anschließend den Juckreiz stoppt.
  • Das befallene Haustier mit einem antiparasitären Spezialshampoo waschen.
  • Anschließend mit Ethylalkohol oder Isopropanol behandeln.
  • Im Fachhandel sind zudem gezielt wirkende Lotionen und Tinkturen erhältlich.
  • Deutet sich eine Entzündung an, sollte vorsichtshalber der Tierarzt konsultiert werden.
Damit es nicht zu einem weiteren Befall durch Herbstgrasmilben kommt, ist es ratsam, alle Decken zu waschen und die Liegeplätze zu desinfizieren.

  Bei starkem Befall hält die Apotheke 'Crotamitex' oder 'Jacutin' rezeptfrei bereit. Diese Mittel sollten allerdings nur dann angewendet werden, wenn das Tier sie nicht abschlecken kann.

Häufig gestellte Fragen

Halten sich Herbstgrasmilben ausschließlich auf Rasenflächen auf oder besiedeln sie auch die Beete im Zier- oder Nutzgarten?
Grasflächen sind zwar das bevorzugte Revier der Herbstmilben; sie sind hingegen auch auf den Pflanzen der Beete vorhanden. Abhängig von den dort herrschenden Bedingungen, wurden in Nutzgärten sogar höhere Milbenkonzentrationen nachgewiesen, als auf Rasen, insbesondere dann, wenn sich potenzielle Wirte dort aufhalten, wie Mäuse. Es ist daher ratsam, den gesamten Garten auf einen Befall hin zu untersuchen, um bei Bedarf auch dort vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.

An meinem Haus reicht die Rasenfläche bis an die Wand. Besteht die Gefahr, dass Grasmilben in die Wohnräume vordringen? Was kann ich dagegen unternehmen?
Herbstgrasmilben springen nicht im Garten umher. Ihre einzige Aktivität besteht darin, dass sie bis ca. 20 cm an Grashalmen oder Pflanzen hochklettern, um dort von einem potenziellen Wirt abgestreift zu werden. Die Schädlinge werden demgemäß nicht gezielt vom Rasen in Ihr Heim eindringen. Es besteht hingegen die Gefahr, dass sie sich an Ihren Schuhen oder der Kleidung befinden und auf diese Weise ins Haus gelangen. Wenn irgend möglich, sollten Sie die Wohnräume nicht mit Ihrer Gartenbekleidung betreten.

Stimmt es, dass Kieselgur hilft, die Herbstgrasmilben wieder loszuwerden?
Kieselgur, auch als Diatomeenerde bezeichnet, gilt unter anderem als natürliches Biozid, findet zudem in der Industrie vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Bis 1994 wurde das Sedimentgestein auch in Deutschland im Tagebau gefördert. Dabei handelt es sich um einen sehr feinen Staub, der die Tracheen der Milben verstopft, sodass sie ersticken. Leider gilt das für sämtliche anderen Insekten in der näheren Umgebung ebenfalls, wie Spinnen, Laufkäfer und andere Nützlinge. Ökologisch verantwortungsvolle Gartenfreunde sehen daher von der Verwendung ab.