Passionsblume, Passiflora - Pflanzen, Pflege und Überwintern

Blüte der PassionsblumeIn sehr christlichen Regionen dieser Erde wird die Passionsblume verehrt, denn sie dokumentiert das Leiden Christi auf anschauliche Weise. Beim genauen Betrachten der Blüten lassen sich drei Narben, Nägel, eine Dornenkrone und Wundmale erkennen, welche die Passion Christi wiedergeben. Doch die Passionsblume besitzt auch sehr wertvolle Inhaltsstoffe, die eine beruhigende Wirkung auf Körper, Geist und Seele haben und deshalb in so mancher Arznei Anwendung finden. Auch die Früchte der farbenprächtigen Pflanze gelten als exquisite Delikatesse unter Gourmets. Die Rank- und Kletterpflanze umfasst mehr als 500 Arten, von denen die meisten als Zierpflanze zum Einsatz kommen.

Kurzer Steckbrief zur Passionsblume
  • Gehört zu den Passionsblumengewächsen (Passifloraceae)
  • Krautige oder verholzende Pflanze
  • Rank- und Kletterstrauch
  • Radiärsymmetrische Blüten mit bis zu 18 Zentimeter Durchmesser
  • Blütenfarbe in der Mitte weiß und blau, zum Kranz hin purpurfarben
  • Blüht von Juli bis September
  • Früchte sind teilweise essbar
  • Kann 6 Meter und größer werden
  • Einsatz als Arzneipflanze
  • Gilt als äußerst frostunempfindlich

Pflege im Kübel

In Blumengeschäften werden Passionenblumen meist als Zimmerpflanze verkauft. Wer sich aber mit den Wesensmerkmalen der blühwilligen Pflanze auseinandersetzt, der wird schnell feststellen, dass ihr eine Kultur im Freien als Kübel- oder gar Balkonpflanze wesentlich besser bekommt. Verantwortlich dafür sind die Lichtverhältnisse. Im Zimmer mangelt es oft an ausreichend Beleuchtung, wo hingegen auf der Terrasse oder im Garten die Sonne in jede Ecke kommt. Ein weiterer Vorteil der Freikultur liegt darin, dass weniger Schädlinge die Pflanze heimsuchen. Beginnt die Pflanze in die Höhe zu wachsen, dann kann ein Rankgerüst den filigranen Trieben für sicheren Halt sorgen.

Standort

Passionsblumen sind in wärmeren Regionen beheimatet, deshalb lieben sie Sonne und Wärme. Wählt man einen zu kühlen oder dunklen Standort für die Sonnenanbeter aus, bilden sich nur ganz wenige oder schlimmstenfalls gar keine Blüten aus.
  • Sonnig
  • Warm
  • Geschützt 

Das ideale Pflanzgefäß und Befüllung

Bei der Auswahl der Kübel sollte auf Materialien wie Ton zurückgegriffen werden, da diese die Wurzeln kühler halten und ein Austrocknen verhindern. Der Kübel kann auch direkt in den Erdboden eingegraben werden.
  • Pflanzgefäß nicht größer als 20 bis 40 Zentimeter wählen
  • Tonscherben als Drainage auf den Kübelgrund legen
  • Kübel zur Entfaltung der Wurzeln direkt auf den Boden stellen
  • Wasserdurchlässige Erde wie Kübelpflanzen- oder Blumenerde verwenden
  • Erde bei Bedarf mit Sand auflockern

Einpflanzen und Umtopfen

Passionsblumen fühlen sich zwar auch in kleinen Pflanzgefäßen wohl, aber dennoch ist es zur besseren Entfaltung vorteilhaft, über eine Veränderung nachzudenken und die Blumen im Frühjahr in etwas größere Gefäße umzutopfen. Ideal sind Pflanztöpfe mit einem Durchmesser von ca. 20 Zentimetern.
  • Erst Umtopfen, wenn Boden komplett durchwurzelt ist
  • Pflanzgefäß nicht zu groß wählen
  • Wurzelbereich nicht beschädigen
Beim Umtopfen löst man die Pflanze vorsichtig aus ihrem Pflanztopf. Sollte dies auf Grund der Verwurzelung Mühe bereiten, kann der Topf auf die Seite gelegt und mit einem Holz gegen den Topf geschlagen werden. Anschließend unbedingt die Wurzeln auf Fäulnis oder Vertrocknung kontrollieren und eventuell abschneiden. Danach wird der neue Topf mit einer Drainage präpariert, Erde als Unterlage hineingefügt, die Pflanze eingesetzt

Bewässerung und Nährstoffe

Blaue Blüte der PassionsblumePassionsblumen lieben nicht nur die Sonne, sondern auch das Wasser und davon können sie nicht genug bekommen. Auch wenn das Substrat immer feucht sein sollte, Staunässe muss unbedingt vermieden werden, da sonst die Wurzeln immensen Schaden nehmen können.
  • Mit Fingerprobe Feuchtigkeit des Substrates testen
  • Kübel verwenden, die gut entwässern
  • Während der Wachstumsperiode mehr Feuchtigkeit zuführen
  • Im Winter weniger gießen
  • Stehendes Wasser auf Untersetzer unbedingt entfernen
Immer wieder bewährt haben sich sogenannte Bewässerungssysteme, die je nach Bedarf die Pflanze mit Feuchtigkeit versorgen. Vor allem während der Urlaubszeit muss man sich dann um die Gewächse im Garten oder auf der Terrasse keine Gedanken machen und beruhigt die Auszeit genießen.

Überwinterung als Kübelpflanze

In der Pflanzenwelt gilt der Winter als Ruhezeit und auch die Passionsblume benötigt diese Regenerationsphase. Obwohl die meisten Arten der Passiflora als äußerst frostresistent gelten und durchaus Temperaturen bis - 15 Grad Celsius aushalten, ist es vorteilhaft die Gewächse ins Haus zu holen.
  • benötigt einen kühlen Standort
  • Temperaturen um die 10 Grad Celsius sind ideal
  • wenig gießen
  • nicht düngen 
Lässt man die Pflanze den Winter über im Freien stehen, frieren die Teile der Pflanze, die sich oberirdisch befinden zwar ab, doch die in der Erde liegenden Rhizome überleben die Kälte und im Frühjahr beginnt die Passionsblume wieder auszutreiben.

Überwinterung als Zimmerpflanze

Wir die Passionsblume als reine Zimmerpflanze gehalten, darf sie den Sommer über gern auf Balkon oder Terrasse genießen. Bei ersten Nachfrösten ist es dann im Hausinneren sicherer und geschützter. Anders als die freiheitsliebenden Kübelpflanzen benötigen Zimmerpflanzen zum Überwintern ein lichtdurchflutetes Südfenster. Dieser Standort führt dazu, dass das Gewächs selbst im Winter Blüten bildet. Ist der Zimmerplatz zu dunkel droht ein vergeilen der Pflanzen, Stängel und Zweige wachsen dünn nach und verlieren an Kraft.

Schneiden

In ihrer ersten Wachstumsphase müssen Passionsblumen nicht geschnitten werden, denn sie sollen ja erst einmal an Umfang zulegen.
  • ältere Pflanzen können nach Bedarf gestutzt werden
  • Schneiden immer zu Saisonbeginn
  • bei zu groß gewachsenen Pflanzen kann ein Rückschnitt bis 20 Zentimeter über der Erde erfolgen
  • die Passionsblume baut sich nach einem Radikalschnitt immer wieder neu auf
  • bevor der Einzug ins Winterlager erfolgt, Seitentriebe rundherum bis auf 5 Zentimeter einkürzen
  • auch Haupttrieb kann eingekürzt werden
Wie oft man das zarte Blütengewächs einstutzt hängt von der Vorstellung jedes Gärtners ab. Im Gartenbereich hat die Pflanze ausreichend Platz

Düngen

Exotische Blüte der PassionsblumeWurde die Passionsblume frisch umgetopft, dann befinden sich für die nächsten 3 Wochen noch genügend Nährstoffe im Boden, welche die Pflanze ausreichend versorgen. Erst danach ist ein Nachdüngen von Vorteil.
  • Düngung nach Bedarf einmal pro Woche oder aller 14 Tage
  • Universal- oder Blühpflanzendünger verwenden
  • Dünger nach Herstellervorschrift ansetzen
  • im Winter nicht düngen
Wer den Pflanzen etwas besonders Guten tun und das Wachstum sinnvoll unterstützen möchte, der sollte

Vermehren

Bei der Vermehrung der Passionsblume sind mehrere Arten möglich. So kann sie über Samen, die aus den Früchten gewonnen werden, vermehrt werden, aber auch über Stecklinge. Die Aussaat ist relativ langwierig und die Keimfähigkeit stark eingeschränkt, so dass eine Vermehrung über Stecklinge die größten Erfolge aufweist.
Stecklinge
  • 10 bis 15 Zentimeter lange Kopfstecklinge direkt unterhalb des Blattknotens abschneiden
  • Blätter entfernen
  • Schnittstelle mit einem Bewurzelungshormon versiegeln, dadurch erhöht sich die Bewurzelungsrate
  • Steckling in ein Gemisch setzen, welches zu gleichen Teilen aus Sand und Torf besteht
  • das Pflanzgefäß mit einer Plastiktüte verschließen oder in einen Aufzuchtskasten stellen
  • hellen Standort wählen, aber kein direktes Sonnenlicht
  • beste Bewurzelungstemperatur 20 Grad Celsius
  • nur minimal gießen, so dass Anzuchterde sich leicht feucht anfühlt
  • erste Bewurzelungsergebnisse sind nach 3 bis 4 Wochen sichtbar
  • nach erster Triebbildung Pflanze wieder aufdecken und heller stellen
  • ein flüssiger Volldünger in ganz schwacher Konzentration kann zum Einsatz kommen
Hat der Steckling eine beachtliche Größe erreicht, darf er im Frühjahr in einen 10 Zentimeter großen Topf mit einem lockeren Erdgemisch umgetopft werden.

Samen

Reife Frucht der PassionsblumeDie Samen können aus den jeweiligen Früchten selbst gewonnen oder einfach im Fachhandel erworben werden.
  • Samen 24 Stunden in zimmerwarmen Wasser einweichen
  • danach in Anzuchtsubstrat oder handelsübliche lockere Erde einbringen
  • Samen einen halben Zentimeter mit Erde bedecken
  • Substrat gleichmäßig feucht halten, Staunässe vermeiden
  • Keimtemperatur tagsüber 23 bis 16 Grad Celsius, nachts 18 bis 20 Grad Celsius
  • zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit kann eine Plastiktüte über den Anzuchttopf gegeben werden
  • nach vier Wochen sind erste Keime sichtbar
  • sind die Keimlinge groß genug, dürfen sie ausgepflanzt werden.
Einige Pflanzen, die durch Aussaat gezogen wurden, blühen meist noch im selben Jahr. Andere benötigen einen längeren Zeitraum und zeigen erst im Folgejahr ihre Blütenpracht.
Hilfreiche Unterstützung durch Rankhilfe
Die Passionsblume ist ein typisches Rank- und Klettergewächs, welches bereits in jungen Jahren hilfreiche Unterstützung für die Wuchsrichtung benötigt.
  • Rankhilfe kann ein Spalier, ein Ring oder auch ein Bambusstab sein
  • junge Triebe werden vorsichtig um die Kletterhilfe gelegt oder am Spalier festgebunden
  • Rankhilfe gibt die Wuchsrichtung vor
Wichtig bei der Auswahl der Kletterhilfe ist, dass möglichst viele Triebe an ihr Halt finden, ohne sich gegenseitig das Sonnenlicht zu nehmen.

Schädlinge und Krankheiten

Auch wenn der Passionsblume so schnell nichts anhaben kann, ist es durchaus möglich, dass sich Schädlinge auf ihr breit machen und diverse Krankheiten zum Ausbruch kommen.
  • Befall von Spinnmilben möglich, Anzeichen sind gesprenkelte Blätter
  • halten sich bevorzugt auf der Blattunterseite auf
  • der Ausbreitung kann durch eine Erhöhung der Lufttemperatur Einhalt geboten werden
  • mehrmaliges Abbrausen der Pflanze ist äußerst hilfreich
  • Symptome für Schild-, Schmier- oder Wollläuse sind watteähnliche Gebilde
  • regelmäßiges Besprühen der Pflanze schafft Abhilfe

  Völlig neue Pflanzen sollten erst einmal separiert und nicht in die Nähe von anderen Gewächsen gestellt werden. So kann sich die Pflanze optimal an die Umgebungsverhältnisse gewöhnen und regelmäßige Kontrollen sorgen dafür, dass sich keine Schädlinge ausbreiten können.


Häufig gestellte Fragen

Die Passionsblume verliert Blätter, was ist die Ursache?
Zunächst sollte nachgesehen werden, ob sich irgendwelche Schädlinge auf der Pflanze niedergelassen haben. Ist dies nicht der Fall, dann bekommt die Passionsblume entweder zu wenig Sonne ab oder die Nährstoffe im Boden fehlen. Hier sollte man über einen Standortwechsel nachdenken, so wie der Pflanze etwas Dünger zukommen lassen. Auch ein Kappen der Spitze gibt der Pflanze neue Kraft und sorgt für neuen Triebausschlag.

Wann ist bei Jungpflanzen mit den ersten Blüten zu rechnen?
Werden die Jungpflanzen im Handel erworben, ist damit zu rechnen, dass zahlreiche Blüten bereits im ersten Jahr erwartet werden können. Je nach Saison sind bereits blühende Pflanzen im Handel erhältlich. Wird die Passionsblume im heimischen Garten artgerecht und mit ausreichend Nährstoffen versorgt, ist ein schnelles Wachstum sowie eine Blütenpracht garantiert.

Wogegen helfen die Inhaltsstoffe der Passionsblume?
Als Arznei dienen bis auf die Wurzel fast alle Pflanzenbestandteile. Inhaltsstoffe wie Flavonoide, ätherische Öle oder Zuckerstoffe werden im Labor herausgefiltert und finden in Arzneimitteln Verwendung. Den Extrakten der Passionsblume werden beruhigende sowie angstlösende Eigenschaften nachgesagt. So kommen sie in Kombination mit Hopfen oder Baldrian bei Schlafstörungen, innere Unruhe sowie erhöhter Reizbarkeit zum Einsatz. Die Passionsblume hat allerdings nicht nur durch Arzneieinnahme einen positiven Einfluss auf Körper und Geist. Wer ein Gewächs in seinem Zimmer stehen hat, der kann von einem angenehmen Raumklima profitieren. Auf Grund ihres hohen Wasserverbrauches sorgt sie für genügend Feuchtigkeit in den Räumen und sagt trockener Heizungsluft den Kampf an.