Epiphyllum, Blattkakteen - Arten und Pflege

disocactus speciosusBlattkakteen sind interessante Gewächse. Sie überzeugen durch Blütenreichtum, meist große Blüten und ihrer Pflegeleichtigkeit. Im Gegensatz zu anderen Kakteen haben sie einen oft hängenden Wuchs, keine oder nur kleine Stacheln und benötigen eine etwas andere Pflege. Fast alle im Handel erhältlichen Epiphyllen sind Kreuzungen, Hybriden. Sie sind robuster und pflegeleichter. Charakteristisch sind die stark eingekerbten, flachen, langen, aber schmalen Triebe. Wegen dieser eignen sich Blattkakteen sehr gut als Hängepflanzen. Alternativ können die Triebe aber auch gestützt oder hochgebunden werden. Die Blüten können Durchmesser bis 20 cm erreichen. Viele duften auch wunderbar. Die Blütenfarben variieren, außer blau sind alle Farben vertreten. Es gibt auch mehrfarbige Blüten. Alles in allem sind Blattkakteen tolle Zimmerpflanzen. Sie können den Sommer aber auch im Freien verbringen.

Inhaltsverzeichnis
Steckbrief der Blattkakteen
  • Reihe von Kakteen verschiedener Gattungen
  • Stammen aus tropisch feuchten Gebieten
  • Regenwälder Süd- und Mittelamerikas
  • Fast alle leben epiphytisch auf anderen Pflanzen
  • Große äußerliche Ähnlichkeit untereinander
  • Im Handel vor allem Hybriden, sie sind meist anspruchsloser als Wildarten
  • Stark abgeflachte Sprosse, die fälschlicherweise für Blätter gehalten werden
  • Einige Arten mit Dornen, meist aber klein
  • Fast alle blühen am Tag
  • Blütezeit Frühjahr bis Sommer
  • Bekannteste Sorten – Weihnachtskaktus und Osterkaktus

Arten und Sorten

Zu den Blattkakteen gehören Pflanzen verschiedenster Gattungen, unter anderem die Epiphyllum. Außerdem gibt es zahlreiche Zuchtformen und Hybriden. Am bekanntesten sind natürlich der Weihnachtskaktus und der Osterkaktus, aber es gibt viel mehr. Wer außer einer tollen Blüte noch Duft mag, findet auch da entsprechende Sorten. Meist sind es die weiß blühenden Blattkakteen, die den stärksten Duft hervorbringen.
  • ackermannii – besonders blühfreudig, hell- bis mittelrote Blüten, Durchmesser etwa 12 cm, blüht fast rund um die Uhr, zu allen Jahreszeiten
  • hooperi – Blüten im Inneren


    reinweiß, äußere Blütenblätter gelb und braun, öffnen sich nachts, duften stark nach Lilien
  • Deutsche Kaiserin – üppig blühend, leuchtend rosa Blüten, nicht so große Blüten, aber dafür eine Menge, vom Sommer bis zum Herbst
  • Siegfried – Blüten in zartem, blassen karmin-rosa, äußere Petalen blassgelb, angenehmer Duft
  • Knebels Dickchen – karminrote Blüte, äußere Petalen orange-rot, blüht außerhalb der Blattkakteen-Saison, 9 cm Durchmesser
  • Himmelsauge – leuchtend karminfarbene Petalen mit weißem Rand, Sepalen in kräftigem Purpur, Durchmesser 17 cm
  • Queen Ann – reinweiße Blüte, gedrehte Petalen mit gelben Rändern und Streifen, Durchmesser bis über 20 cm
  • Frühlingspracht – rosa-purpur Petalen, Sepalen dunkler mit einem Hauch orange, schmale Blütenblätter, angenehmer Duft

Die Pflege von Blattkakteen

OsterkaktusBlattkakteen sind recht pflegeleicht. Sie benötigen viel Licht und ein durchlässiges Substrat. Außerdem müssen sie etwas feucht gehalten werden, im Gegensatz zu anderen Kakteenarten. Die meisten Blattkakteen stellen ähnliche Anforderungen an die Pflege, es gibt aber auch einige Sonderwünsche. Am besten ist also, wenn man die genaue Bezeichnung kennt und ganz gezielt nach den Wünschen forschen kann. Einige Blattkakteen wie Schlumbergia, brauchen z.B. für die Knospenbildung täglich mehrere Stunden Dunkelheit und fühlen sich daher auf der Fensterbank in einem Raum wohl, der im Herbst und Winter abends nur wenig beleuchtet ist. Für alle wichtig ist eine Ruhephase nach der Blüte. Außerdem sollten die Pflanzen, sobald sie Blüten angesetzt haben, nicht mehr umgestellt werden. Wenn sich der Lichteinfall ändert, kann es sein, dass die Blütenknospen abgeworfen werden.

Standort

Blattkakteen benötigen einen hellen und warmen Standort. Im Sommer dürfen sie auch gern ins Freie. Bei direkter Sonneneinstrahlung kommt es allerdings häufig zu Verbrennungen. Morgen- und Abendsonne sind kein Problem, knallige Mittagssonne dagegen schon.
  • Hell, aber ohne zu starke Sonneneinstrahlung
  • Am besten ist ein halbschattiger Platz
  • Im Sommer gern im Freien, allerdings ohne Mittagssonne und nach Möglichkeit regengeschützt
  • Morgen- und Abendsonne sind kein Problem
  • Mögen warme Temperaturen
  • Wichtig ist eine hohe Luftfeuchtigkeit

Pflanzsubstrat

Kakteenerde ist für Blattkakteen ungeeignet. Entweder nutzt man fertige Blattkakteenerde oder man mischt selbst. Wichtig ist ein lockerer, luftdurchlässiger und humoser Boden. Ideal ist spezielle Blattkakteenerde, wie sie im Kakteenhandel zu finden ist.
  • Keine Kakteenerde, diese ist sogar schädlich
  • Im Handel gibt es spezielle Erden für Blattkakteen
  • Mischung aus einem Teil Quarzsand und drei Teilen Komposterde
  • Herkömmliche Blumenerde mit 1/3 Quarzsand mischen, evtl. etwas Torf zugeben
  • Man kann statt Sand auch Bimskies oder Rindenmulch nutzen
  • Hauptsache durchlässig

Pflanzen

Blattkakteen eignen sich gut für Blumenampeln. Viele hängen

gern nach unten. Sie können aber auch gestützt oder hochgebunden werden. Beim Pflanzen selbst ist nicht viel zu beachten. Günstig ist, eine Drainage im Gefäß einzubauen, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.
  • Gern in einer Blumenampel
  • Alternativ in einem hohen Pflanzgefäß, sodass die Blätter nach unten hängen können
  • Im Frühjahr umtopfen, in ein nur leicht größeres Gefäß
  • Junge Pflanzen sind starkwüchsig und sollten jährlich umgetopft werden
  • Ältere Pflanzen können einige Jahre im gleichen Gefäß verbleiben
  • Alle drei Jahre sollte allerdings das Substrat gewechselt werden
  • Drainage im Gefäß ist günstig
  • Blattkakteen, die höher als 20 cm werden, sollten gestützt werden, wenn sie nicht als Ampelpflanze wachsen
Tipp - Ich habe einen Blattkaktus in einem Pflanzgefäß mit Bewässerungssystem. Seit er darin steht, wächst er super und blüht jedes Jahr, wenn auch nicht massig. Ich denke, es ist ideal für diese Gewächse, wenn sie sich mit Wasser bedienen können, wann sie wollen, aber doch in recht trockener Erde stehen. Im Winter kann man das Wasser einfach ausschütten und nur sporadisch von oben gießen. Ich kann diese Gefäße nur empfehlen. Habe auch mit anderen Pflanzen gute Erfahrungen gemacht. Ich brauche keinen Urlaubsgießer mehr und fast alle Gewächse gedeihen hervorragend.

Gießen und Düngen

OsterkaktusObwohl zu den Kakteen gehörend, mag der Blattkaktus keine Trockenheit wie der normale Kaktus. Ganz im Gegenteil, die Pflanzen lieben es feucht und kommen mit Trockenheit nicht gut zurecht. Nässe ist aber ebenfalls nicht gut. Austrocknen vertragen Blattkakteen nicht. Das Substrat sollte, zumindest in der Vegetationszeit gleichmäßig leicht feucht gehalten werden.

Tipp - Blattkakteen vertragen kalkhaltiges Wasser nur schlecht. Am besten wird Regenwasser verwendet. Alternativ kann Leitungswasser auch entkalkt werden. Auch zum Besprühen Regenwasser nutzen und vor allem nicht auf die Blüten sprühen, diese werden fleckig.
  • In der Vegetationszeit, also von Frühjahr bis Herbst, reichlich gießen
  • Im Frühjahr langsam beginnen und dann die Wassergaben steigern
  • Erst reichlicher gießen, wenn die Knospen etwa 2 cm groß sind
  • Die Erde sollte vollständig durchfeuchtet sein
  • - Erde danach oberflächlich wieder gut abtrocknen lassen
  • Nach der Blüte folgt eine kurze Ruhephase
  • 4 bis 6 Wochen sehr sparsam gießen, nur so viel, dass der Erdballen nicht komplett austrocknet
  • Am besten täglich, außer im Winter, mit warmem Wasser besprühen (Luftfeuchte)
  • Im Sommer 14tägig düngen, mit Zimmerpflanzendünger, allerdings in halber Dosierung
  • Zeigen sich früher Blütenknospen, dann schon mit dem Düngen beginnen
  • Eher stickstoffarmen Dünger nutzen
  • Auf keinem Fall Kakteendünger!
  • Keine Voll- und Blaukorndünger
  • Ab Ende September Düngung einstellen

Schneiden

Blattkakteen müssen nicht geschnitten werden, können es aber, z.B. wenn sie einfach zu groß werden. Was man tun sollte ist, die verwelkten Blüten zu entfernen, damit sich keine Samenkapseln bilden. Das würde der Pflanze unnötig Kraft kosten. Außerdem blühen dann einige Sorten noch einmal. Geschnitten wird direkt unter dem Blütenkopf.
  • Schnittverträglich
  • Verwelkte Blüten abschneiden
  • Tote, kranke und abgebrochene Stängel abschneiden
  • Schere desinfizieren, damit sich keine Krankheiten verbreiten
  • Auch können Blätter entfernt werden, die den Wuchs unsymmetrisch aussehen lassen

Überwintern

Blattkakteen müssen über Winter etwas kühler stehen, zumindest, wenn sie im nächsten Jahr blühen sollen. Außerdem wird die Gießmenge ziemlich reduziert und nicht mehr gedüngt. Wichtig ist ausreichend Licht. Bei kühlen Temperaturen sollten die Pflanzen nicht mehr mit Wasser besprüht werden.
  • Unbedingt vor dem ersten Frost wieder einstellen, besser, wenn die Temperaturen unter 10°C sinken
  • Ein kühler Standort ist einem warmen vorzuziehen
  • Dauerhafte Wärme schwächt die Pflanze meist
  • Temperaturen von etwa 10 bis 15°C sind ideal
  • Viel Licht erforderlich
  • Wenig gießen
  • Nicht düngen

Vermehren

Blattkakteen können durch Aussaat oder Stecklinge vermehrt werden. Die Stecklingsvermehrung ist einfacher, außerdem kommen identische kleine Pflanzen dabei heraus. Die Aussaat ist schwieriger und man weiß häufig nicht, wie die Blüten aussehen werden. Häufig sind sie nicht identisch. Außerdem ist die Keimzeit je nach Sorte recht lang.

Stecklinge
  • von Frühjahr bis Sommer schneiden
  • Einen gesunden Trieb abschneiden, etwa 15 cm lang
  • Da die Schnittstelle trocknen muss, 1 bis 3 Tage liegen lassen
  • Mehrere Stecklinge zusammen etwa 3 bis 4 cm tief in oben beschriebene Erde setzen
  • Substrat für die nächsten Wochen leicht feucht halten, keinesfalls nass
  • Sobald sich erstes Wachstum zeigt, wie erwachsene Blattkakteen behandeln
Aussaat
  • Im Frühjahr
  • Kokosquelltabletten, Kokohun oder ungedüngte Kokoserde verwenden
  • Lichtkeimer – nicht bedecken
  • Ideal ist ein Zimmergewächshaus
  • Substrat leicht feucht, keinesfalls nass halten, am besten nur mit Wasser besprühen

Krankheiten und Schädlinge

Eigentlich sind Blattkakteen robuste, unempfindliche Pflanzen. Krankheiten sind selten und meist auf Pflegefehler zurückzuführen. Zu viel Nässe führt zu Fäulnis, Trockenheit schädigt die Wurzeln und Lichtmangel führt zu dünnen, vergeilten Trieben.
  • Schildläuse – kleine, ovale, braune, etwas erhabene Flecken (Schilder) an Stängeln und Blättern. Sie können mit einem Schaschlikspieß oder einem in Alkohol getränktem Lappen entfernt werden
  • Wollläuse – kleine weiße watteähnliche Gespinste, in denen sich die Läuse verbergen, meist entlang der Blattadern, auf der Unterseite der Blätter und an verdeckten Achseln. Können ebenfalls manuell entfernt werden, was aber schwierig ist, weil selten alle erwischt werden. Man muss am Ball bleiben und immer wieder suchen. Alternativ helfen systemisch wirkende Insektizide.
  • Spinnmilben – bei trockener Luft. Werden häufig spät erkannt, erst dann, wenn sie sich massenhaft vermehrt und Schaden angerichtet haben. Am ehesten zu erkennen, wenn man die Pflanzen mit Wasser einnebelt, dann fallen die Tröpfchen an den Gespinsten auf. Spinnmilben sind nur schwer zu bekämpfen. Meist helfen nur Insektizide, am besten ebenfalls systemisch wirkende.
  • Virusinfektion – weißlich-grünliche Flecken auf den Blattgliedern oder auffällig gekrümmte Blattglieder
  • Pilzbefall – korkähnliche Flecken
Häufige Fragen

Was tun, wenn der Blattkaktus nicht blühen will?

Es kann mehrere Jahre dauern, bis Blattkakteen zu blühen beginnen. Fünf Jahre sind keine Seltenheit. Manchmal dauert es auch länger. Eine Möglichkeit ist die zu warme Überwinterung. Auch zu viel Feuchtigkeit zwischen Oktober und Februar kann Schuld sein.

Wo kauft man am besten Blattkakteen?

Einsteiger können zu Versuchszwecken gern erst einmal preiswerte Discounterangebote nutzen. Wer vom Blattkaktusfieber befallen ist, geht sowieso zum Fachhändler, weil dort die meiste Auswahl vorhanden ist. Wer keinen in seiner Nähe hat, wird sicher im Internet etwas finden. Alle Liebhaber dieser Gewächse, die in Nähe der holländischen Grenze leben, sollten einmal in dortige Pflanzenmärkte zum Stöbern fahren. Die Auswahl ist meist größer als bei uns und die Preise sind deutlich besser.