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Können Kakerlaken fliegen? | Infos zu Küchenschaben


Kakerlake
Kakerlaken sind ein Ärgernis, aber können die Insekten auch fliegen? Wir klären auf

Kakerlaken tauchen nur dort auf, wo es dreckig ist. Das zumindest ist die gängige Meinung. Wer sich jetzt in Sicherheit glaubt, kann mit den krabbelnden Tierchen eine “ekelhafte” Überraschung erleben. Nicht nur irgendwo in einem Hotelzimmer, sondern gelegentlich auch daheim. Denn in Wirklichkeit betreten sie auch saubere Räume gern – sofern sich ihnen eine Gelegenheit dazu bietet. Doch wie gelangt die Küchenschabe in unsere vier Wände? Können Kakerlaken etwa durch ein offenes Fenster hineinfliegen? Viel Wissenswertes – nicht nur über ihre Bewegungskünste – gibt es über die Küchenschaben zu berichten.

Merkmale der Kakerlaken

Gemeine Küchenschabe - Kakerlake - Blatta orientalisSchaben, wissenschaftlich Blattoidae, sind überall auf der Welt heimisch und mit mehr als 4000 Arten eine große Familie. Arten, die in menschlichen Behausungen leben, werden als Kakerlaken oder Küchenschaben bezeichnet. Infos zu Körpermerkmalen:

  • Körper ist mehrere Zentimeter lang
  • flach und oval
  • hell- bis dunkelbraun gefärbt
  • Insekt besitzt sechs Beine
  • zwei schmale, lange Fühler am Kopfende
  • es gibt artspezifische Unterschiede
  • treten meist in Kolonien auf

Diese Insekten vermehren sich über die Eiablage. Bereits nach wenigen Tagen schlüpfen die Jungen und nach weiteren vier Wochen sind sie ausgewachsen. Es warten dann noch etwa 1,5 Jahre Lebenszeit auf sie.

Infos zu ihren Flugkünsten

Je nach Schabenart haben meist nur die Weibchen ausgeprägte Flügel. Männchen dagegen besitzen eher verkümmerte Exemplare und Larven noch keine. Die Körperproportionen der Küchenschabe machen vorrangig einen Gleitflug möglich. Das schaut dann so aus, als wenn das Insekt torkelt. Das schwerfällige Fliegen mündet in eine “unsaubere” Landung. Muttertiere können bei Gefahr wegfliegen und so die Population retten. Ansonsten werden die Flügel eher für folgende Aktionen genutzt:

  • um Stürze abzubremsen
  • Überbrückung kurzer Distanzen
  • für hohe Sprünge

Wann immer möglich legen Küchenschaben ihre Wege rennend zurück, statt zu fliegen. Sie springen dabei häufig. Da sie währenddessen mit ihren Flügeln flattern, wird das fälschlich als Fliegen interpretiert.

Hinweis: In warmen Regionen der Erde können Küchenschaben eher fliegen. Das liegt daran, dass Wärme die Entwicklung der Flügel begünstigt.

Welche Arten können fliegen

Amerikanische Großschabe - Periplanata americanaDie Flugtauglichkeit einer Küchenschabe wird ihr in die Gene gelegt. Da gibt es Vielflieger und solche, die die Bodennähe nicht verlassen.

  • Amerikanische und Australische Schabe heben an warmen Tagen ab
  • Deutsche Küchenschabe ist eher ein Läufer
  • Orientalische Schabe kann nicht fliegen
  • hierzulande kann die Bernsteinschabe fliegen
  • sie lebt jedoch im Wald und bleibt unseren Küchen fern

Hinweis: Je wärmer die aktuelle Temperatur ist, umso wahrscheinlicher kommen die Flügel zum Einsatz.

Schnelligkeit

Diese Insekten sind nicht nur schnell. Sie sind rasend schnell. Innerhalb einer Sekunde können sie 1,5 m zurücklegen. Das reicht, um unerreichbar unter Küchenschränken zu verschwinden. Umgerechnet ist das eine Geschwindigkeit von ca. 5,5 km pro Stunde. Zum Vergleich: Der Mensch schafft beim Spazierengehen ca. 3 km pro Stunde. Selbst bei einem zügigen Tempo kommt er mit Mühe an die Schabe dran.

Atmung

KakerlakeEine Kakerlake kann auch ohne Kopf leben. Zumindest für einige Tage. Was wie eine Szene aus einem Horrorfilm anmutet, kann tatsächlich zu Realität werden. Dafür gibt es eine naturwissenschaftliche Erklärung, die mit ihrer Art der Atmung zusammenhängt. Anders als bei uns Menschen liegt ihr Atmungsorgan nicht am Kopf. Davon getrennte Körperöffnungen steuern die Luftaufnahme. Wenn der Kopf aus irgendeinem Grund abgetrennt wird, atmet das Tier weiter:

  • es erstickt nicht
  • ohne Kopf kann es jedoch nicht fressen
  • ohne Nahrung kann es nur etwa 3-4 Wochen überleben
  • es stirbt schließlich “kopflos” an Nahrungsmangel

Schwimmfähigkeit

Zu den weiteren Fakten der ungewöhnlichen Atmung gehört die Tatsache, dass diese Insekten bis zu 40 Minuten die Luft anhalten können. Das wird in Verbindung mit ihrer Schwimmfähigkeit erst richtig interessant. Denn so ist es ihnen möglich, auch dort lange Strecken zu schwimmen, wo sie eine Zeit lang nicht nach Luft schnappen können. Zum Beispiel in der Kanalisation. Deswegen zählt die Toilette zu den Wegen, auf denen sie unser Heim betreten können.

Flexible Körperhöhe

Da ihre sechs Beine seitlich am Körper angelegt sind, kann sich jede Schabe klein, genauer gesagt flach machen. Sie erreicht dann eine max. Höhe von nur 3 mm. Dadurch ist sie in der Lage, sich durch jede Ritze zu zwängen. Die Fähigkeit sich ganz flach zu machen ist ihr auch nützlich, wenn sie mit einem nicht zu harten Gegenstand geschlagen wird. Aus diesem Grund sind Küchenschaben schwer zu zerquetschen. Nicht weil ihr Körper besonders robust ist.

Nahrung

Kakerlaken als NahrungKüchenschaben sind Allesfresser. In der Küche ist nichts vor ihnen sicher. Sollte die Speisekammer leer sein, so weichen sie auf “nicht essbare” Dinge wie Kunststoffverpackungen, Papier, Tapeten, Stoffe u. Ä. Aus. In großen Populationen wird sogar Kannibalismus beobachtet. Vermutlich aus Nahrungsknappheit.

Hinweis: Wussten Sie, dass Kakerlaken unseren eigenen Speiseplan bereichern könnten? Sie sind eine fettarme Proteinquelle. Es muss sich dabei jedoch um gezüchtete Tiere handeln, von denen keinerlei Gesundheitsgefahr ausgeht.

Bissige Kakerlaken

Meist rasen die Tiere eiligst davon, sobald sich ihnen ein Mensch nährt. Nachts aber können sie sich unbemerkt anschleichen und zubeißen. Mit Verteidigung hat das natürlich nichts zu tun. Sie tun das bei Nahrungs- und Wassermangel. Über die menschliche Haut wollen sie beides stillen.

  • Bissstelle schwillt an
  • es bildet sich eine Kruste darauf
  • mit Verzögerung kommt es zu starken Schmerzen

Tipp: Da Kakerlaken schwere Krankheiten übertragen können, sollte die Bissstelle gereinigt und beobachtet werden. Bei Infektionen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Gefahren für die Gesundheit

Um zu einer ernsten Gesundheitsgefahr zu werden, muss eine Kakerlake nicht erst zubeißen. Sie kann allerhand schädliche Keime wie Salmonellen oder Kolibakterien an unseren Nahrungsmitteln hinterlassen. Ihre Ausscheidungen verschlimmern zudem zahlreiche Allergien.

Lieblingsverstecke

WKakerlake an Hauswandeil sich die Kakerlake flach machen kann, findet sie überall ein geeignetes Versteck. In Schubladen, unter Schränken, in Küchengeräten, um einige zu nennen. Sie sind in dieser Hinsicht nicht besonders wählerisch. Im Übrigen bleiben die Tiere tagsüber in ihren Verstecken und werden erst in der Dunkelheit aktiv. Deswegen bleiben sie oft lange unentdeckt.

Vorliebe für Wärme

Küchenschaben ziehen warme Plätze vor. Deswegen gefällt es ihnen in unseren vier Wänden so gut. Bei Temperaturen zwischen 20 und 35 °C werden sie zu Dauergästen und vermehren sich fleißig.

Noch zwei überraschende Fakten

Fossile Überreste belegen, dass Kakerlaken schon mehr als 300 Millionen Jahre diesen Planeten bewohnen. Eine weitere überraschende Fähigkeit der Schaben kann ihnen das Leben retten. Diverse Versuche haben gezeigt, dass höhere radioaktive Strahlung vertragen können als wir Menschen.

Hinweis: Wussten Sie, dass Kakerlaken Bier mögen? Doch es ist nicht der Alkohol, der es ihnen angetan hat. Zucker und Hopfen machen dieses Lieblingsgetränk der Deutschen für die Küchenschabe so anziehend.

Häufig gestellte Fragen

Welche Arten können hierzulande in menschliche Behausungen angetroffen werden?

Die Deutsche, die Orientalische und der Amerikanischen Schabe sind die häufigsten Besucher. Andere hierzulande lebende Schabenarten bevorzugen den Freilandaufenthalt. Gelegentlich können sich einzelne Exemplare in Wohnräume verirren.

Muss bei einem Kakerlakenbefall immer das Gesundheitsamt informiert werden?

Nur wenn in den Räumen ein Gastgewerbe betrieben wird, muss das Gesundheitsamt sofort über den Befall informiert werden. Ansonsten nur, wenn der Befall nicht unter Kontrolle zu bekommen ist bzw. der Hausbesitzer nichts dagegen unternimmt. Ausnahme: Berlin und Wien. Dort gibt es explizite Meldevorschriften.

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