Pflanzenlexikon

Niembaum, Neem, Azadirachta indica – Pflege & Anwendung gegen Blattläuse


Niembaum

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Der Niembaum ist ein absolut nützliches, aber auch dekoratives Gehölz. Leider gedeiht er nur in tropischen oder subtropischen Gegenden. Fast alle Teile des Baumes können verwertet werden, egal ob Stamm, Wurzel, Rinde, Blätter oder Früchte. Man kennt Niemöl hauptsächlich als biologisches Pflanzenschutzmittel, ein wirksames Insektizid, aber auch als Pilzmittel wird es eingesetzt. Außerdem ist es eine wertvolle Heilpflanze. Selbst in der Küche werden Pflanzenteile genutzt, hauptsächlich die Blüten.

Im mitteleuropäischen Klima kann der Niembaum nicht ausgepflanzt werden, man kann ihn aber als Kübelpflanze kultivieren, so lange er ins Überwinterungsquartier passt. Er wird meist zwischen 3 und 5 m hoch und wächst bei guten Bedingungen ziemlich rasch. Die Pflege ist einfach, wenn Standort und Substrat stimmen.

Steckbrief

  • Familie der Mahagoniegewächse
  • Stammt ursprünglich aus Indien, Pakistan und Burma
  • Schnellwachsender, meist immergrüner Baum
  • 15 bis 20 m hoch
  • Kann bei freiem Stand sehr breit werden
  • Kurzer Stamm, meist nicht höher als 3 m
  • Bis 200 Jahre alt
  • Starke Wurzel, bis zu doppelt so tief, wie Baum hoch
  • Junge Blätter oft rötlich bis purpurn, später grün
  • Gefiederte Blätter, ähnlich der Esche
  • Weiße duftende Blüten an langen Rispen
  • Olivenähnliche Steinfrüchte
  • Über 100 chemische Inhaltsstoffe
  • Sehr bekannt Azadirachtin, wird als Insektizid genutzt
  • Aus Niemöl, welches durch Auspressen der Samen entsteht

Pflege

In unserem mitteleuropäischen Klima ist der Niembaum nur im Gefäß kultivierbar. Auch so ist er eine anspruchslose Pflanze. Das Bäumchen wächst zügig und blüht schon nach 3 bis 4 Jahren. Wichtig ist ein heller und warmer Standort. Die Pflanzen sind empfindlich, was kühle oder gar kalte Temperaturen anbelangt. Schon unter 15°c lassen sie ihre Blätter fallen.

Der ideale Standort ist ein beheizter Wintergarten. Dort bekommen die Gehölze die besten Bedingungen geboten, wachsen schnell und erreichen häufig beachtliche Größe. Beim Pflanzsubstrat ist wichtig, dass es durchlässig ist. Der Niembaum kommt deutlich besser mit Trockenheit klar, als mit Nässe. Beim Pflanzen ist die Größe des Gefäßes zu bedenken. Die Wurzel entwickelt sich parallel zur Krone. Beide haben in etwa die gleiche Größe. Das Gefäß muss passen.

Obwohl der Niembaum Trockenheit verträgt, ist gleichmäßiges Wässern besser für die Entwicklung. In der Wachstumszeit wird wöchentlich gedüngt. Die Überwinterung erfolgt hell und bei Temperaturen um die 15°C. Schneiden kann man, am besten sieht der Baum aber mit seinem natürlichen Wuchs aus. Die Vermehrung erfolgt am besten über Samen, denn Stecklinge und Ableger sind nur schwer zu bekommen.

Standort

Niembaum vor HimmelDer Niembaum braucht ausreichend Licht und Sonne. Er kann im Sommer gern im Garten stehen, aber besser etwas geschützt. Ansonsten freut er sich über einen Platz am Fenster, wo er reichlich Licht bekommt. Besonders gut gedeihen die Gehölze im lichtdurchfluteten Wintergarten.

  • Am besten steht der Baum ganzjährig unter Glas, also in einem Wintergarten
  • Im Sommer darf er aber auch gern ins Freie, benötigt aber einen etwas geschützten Platz (Innenhof, überdachte Terrasse)
  • Sonnig bis halbschattig

Pflanzsubstrat

Beim Pflanzsubstrat ist wichtig, dass es durchlässig ist. Günstig ist nährstoffhaltige Erde. Es lohnt sich, in gute Erde zu investieren. Am besten wird noch etwas Sand untergemischt. Um Durchlässigkeit zu erreichen, grobkörnige Anteile untermischen.

  • Hochwertige Kübelpflanzenerde
  • Sand untermischen
  • Wichtig sind grobkörnige Anteile wie Lavagrus, Kies und Blähton, welche die Erde locker und luftig halten
  • Auch humose Anteile, die Wasser und Nährstoffe speichern können
  • Sauerstoffversorgung ist wichtig
  • Gern auch nährstoffreich

Pflanzen

Beim Pflanzen ist wichtig, dass das Gefäß der Größe der Wurzel angepasst ist. Diese hat in etwa die Größe der Krone. Das Gefäß sollte also dementsprechend groß sein. Außerdem muss alle zwei bis drei Jahre umgetopft werden, denn dann ist der Topf durchwurzelt.

  • Erst umtopfen, wenn das Gefäß stark durchwurzelt ist, meist erst nach 2 bis 3 Jahren
  • Da die Wurzel etwa so groß ist, wie die Krone, ein den Größenverhältnissen angepasstes Gefäß verwenden
  • Drainage im Topfboden
  • Auf Wasserabzug achten

Gießen und Düngen

Neem Pflanze treibt ausZwar liest man überall, dass der Niembaum mit extremer Trockenheit keine Probleme hat, aber bei der Haltung als Kübelpflanze ist das etwas anderes. Man will ja sicher nicht, dass das Gehölz seine Blätter abwirft, das tut es dann nämlich, als Schutzmaßnahme. Außerdem wächst der Baum ohne regelmäßige Wasserzufuhr bedeutend langsamer.

  • Kurze Trockenheit ist kein Problem
  • Bei langanhaltender Dürre werden die Blätter abgeworfen
  • Im Sommer reichlich gießen
  • Keine stehende Nässe, das ist schädlich
  • Zwischen April und September wöchentlich düngen
  • Günstig ist ein Algen- oder Guanopräparat
  • Hin und wieder ist auch eine Niemgabe empfehlenswert (Niempresskuchen in den Boden einarbeiten)

Schneiden

Der Niembaum muss nicht geschnitten werden, allerdings fördert ein Schnitt die Verzweigung, wenn auch nur mäßig. Ungeschnitten entwickeln sich die Kronen aber am natürlichsten.

  • Wenn schneiden, dann am Ende der Winterruhe
  • Nur die Triebspitzen etwas einkürzen
  • Bildet Seitentriebe und wächst dichter

Überwintern

Azadirachta indicaAuch bei der Überwinterung wird ausreichend Licht benötigt. Wer keinen Wintergarten bieten kann, sollte den Baum in der Nähe eines sonnigen Fensters platzieren. Zur Not kann man auch eine Pflanzenlampe als Lichtersatz nutzen.

  • Hell, bei etwa 12 bis 18°C
  • Kurzzeitiges Temperaturminimum 3°C
  • Nur wenig gießen, nur leicht feucht halten
  • Auf jeden Fall Staunässe vermeiden

Tipp: Je kühler die Temperaturen, umso weniger muss gegossen werden.

Vermehren

Den Niembaum kann man gut durch Aussaat vermehren. Außerdem ist die Vermehrung durch Wurzeltriebe und Stecklinge möglich. Dazu muss man natürlich erst einmal einen Niembaum finden, was ziemlich schwierig ist. Am ehesten Glück hat man da in botanischen Gärten mit großen Gewächshäusern.

Tipp: Die Samen sind nicht lange keimfähig. Sie müssen schnellstmöglich gesät werden. Nur frische Samen keimen.

Anzucht aus Samen

  • Ganzjährig möglich
  • Samenschalen anbrechen oder ganz entfernen
  • Samen über Nacht in Wasser legen
  • In normaler Pflanzenerde oder besser noch in Kakteenerde aussäen
  • 1 cm mit Erde bedecken (doppelte Samenbreite)
  • Durchgängig leicht feucht, keinesfalls nass halten
  • Am besten Regenwasser verwenden, alternativ abgestandenes Leitungswasser
  • Temperaturen zwischen 25 und 35°C
  • Gefäß kann im Sommer auch ins Freie gestellt werden, allerdings nicht in die Sonne, denn da trocknet die Erde zu schnell aus.
  • Keimzeit etwa 3 Wochen
  • Unter guten Voraussetzungen kann das Bäumchen in einem Jahr über 1 m wachsen
  • Kurze Tage im Winter sind ungünstig für die Keimung

Niembaum Ernte

Tipp: Bei der Keimung des Niemsamens entsteht ein intensiver Geruch, man kann es ruhig Gestank nennen. Wer das nicht mag, muss das bei der Standortwahl des Gefäßes bedenken!

Krankheiten und Schädlinge

Krankheiten sind sehr selten und meist auf Pflegefehler zurückzuführen. In der Regel ist es zu viel Bodenfeuchtigkeit. Zu nasses Substrat lässt die Wurzeln faulen und das Gehölz eingehen. Schädlinge treten kaum auf. Die meisten kommen mit den Inhaltsstoffen des Niembaumes nicht zurecht und meiden ihn.

Anwendung gegen Blattläuse

Niemöl wirkt nicht nur gegen Blattläuse, sondern auch gegen andere Schädlinge. Dabei tötet es die Insekten nicht, sondern unterbindet die Fortpflanzung oder die Häutung, wodurch sie nicht mehr wachsen und sich entwickeln können. Eine Lösung aus Niemöl und Wasser ist ganz einfach herzustellen. Man benötigt Niemöl und einen Emulgator (z.B. Remulgan, auch aus Niemöl hergestellt). 1 ml Niemöl und 1 ml Rimulgan reichen für eine 500 ml Lösung. In schlimmen Fällen kann man die Konzentration auf 2,5 ml erhöhen. Zum Dosieren kann man eine Einmalspritze verwenden. Alle Zutaten werden in einen Zerstäuber gegeben und gut geschüttelt. Der Emulgator sorgt dafür, dass sich die Zutaten mischen. Wer die Wirkung noch erhöhen möchte, kann noch etwa 15 Tropfen ätherisches Öl zugeben, beispielsweise Teebaum- oder Lavendelöl. Die so entstandene Lösung wird dann ein- oder zweimal täglich auf die betroffenen Stellen aufgespritzt, möglichst von allen Seiten.

Niem ist ungefährlich für Mensch und Umwelt. Am besten ist, das Mittel beizeiten einzusetzen, in einem frühen Befallsstadium, dann wirkt es nachhaltig. Aber auch bei starkem Befall erzielt es eine gute Wirkung.

Häufig gestellte Fragen

Die meisten im Handel erhältlichen Samen des Niembaumes keimen nicht. Woran liegt das?
Niembaum BlätterViele der Samen sind einfach zu alt. Sie sind nicht lange keimfähig. Händler wollen ihren Profit machen und kein Geld verlieren, also werden auch zu alte Samen noch verkauft. Frische Samen sind häufig deutlich teurer, da eben der Transport, die richtige Lagerung und die schnelle Auslieferung ihren Preis haben. Nun ist aber ein höherer Preis auch wiederum keine Garantie, dass die Samen keimen werden. Man kann es nur ausprobieren.

Wofür werden die sogenannten Presskuchen genutzt?
Das sind Pressrückstände aus der Ölherstellung, die hauptsächlich in der Landwirtschaft der Niem-Herkunftsländer als Mulchmaterial eingesetzt werden. Die Rückstände reichern den Boden mit Nährstoffen, hauptsächlich Stickstoff an und halten ihn von Fadenwürmern frei. Die Kuchen sind auch bei  uns erhältlich.

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Tipps für Schnellleser

- Nützliches und dekoratives Gehölz
- In Mitteleuropa nur als Kübelpflanze kultivierbar
- Biologisches Pflanzenschutzmittel
- Heilpflanze
- Mehr als 100 chemische Inhaltsstoffe
- Standort – am besten im beheizbaren Wintergarten
- Sonnig, warm, geschützt
- Pflanzsubstrat – durchlässig, gute Kübelpflanzenerde, mit Sand und grobkörnigen Anteilen mischen
- Großes Gefäß mit Drainage
- Im Sommer regelmäßig wässern
- Verträgt Trockenheit, wächst aber besser mit Wasser
- Von April bis September wöchentlich düngen
- Muss nicht, kann aber geschnitten werden
- Natürlicher Wuchs sieht besser aus
- Überwintern hell bei 12 bis 18°C
- Vermehren – Aussaat, Wurzeltriebe und Stecklinge
- Samen nur kurze Zeit keimfähig
- Krankheiten selten, meist auf Pflegefehler zurückzuführen
- Schädlinge meiden den Baum

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