Bonsai - Pflege und Schneiden für Anfänger


BonsaiElegant, gleichzeitig schlicht und vor allem ein wenig extravagant - und dabei doch immer wieder anderes: Der Bonsai entfaltet als perfekt zugeschnittener Zierbaum nicht nur dekorative Aspekte - das Gewächs steht darüber hinaus auch für die japanische Lebensphilosophie und transportiert fernöstliche Mystik in den heimischen Garten. Allerdings vertreten zahlreiche Hobbygärtner die Auffassung, dass der Zierbaum nur schwer von einem Laien kultiviert werden kann; dabei ist das Gewächs bei Beachtung bestimmter Grundaspekte durchaus auch für Anfänger geeignet.

Steckbrief zum Bonsai
  • Miniaturbaum, der in der Regel in einer flachen Schale kultiviert wird
  • wird durch Schnittmaßnahmen und Drahtung bewusst klein gehalten
  • umfasst sowohl Pflanzen für den Außen- als auch für den Innenbereich
  • Outdoor-Bonsai: verschiedene Ahorn- und Wacholderarten, Ginkgo, Birke, Zierapfel, Kiefer
  • Indoor-Varianten: Ficus, Jadebaum, Fukientee, Strahlenaralie
  • können bei guter Pflege mehrere Hundert Jahre alte werden
  • Bonsai bezeichnet nicht so sehr die Pflanze, sondern viel eine spezielle, japanische Gestaltungskunst unterschiedlicher Gewächse

Standort und Boden

Der Standort, der bei der Kultivierung des Bonsai zum Einsatz kommt, hängt vor allem von der Art des Baumes ab; handelt es sich um eine Indoor-Variante, sollte diese ständig einer optimalen Beleuchtung ausgesetzt sein, zum Beispiel auf einer Fensterbank - am besten 12 Stunden täglich. Besonders wichtig ist auch die Luftfeuchtigkeit, die für eine ideale Kultivierung mindestens 70% betragen sollte. Am wohlsten fühlt sich das Gewächs zudem, wenn Temperaturen zwischen 15 und 30°C vorherrschen. Allerdings sollte das Gewächs insbesondere während der Sommermonate vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, zum Beispiel mit einer Markise; andernfalls können Blattschäden die Folge sein. Im Winter hingegen kann die Belichtung zu schwach ausfallen, weshalb zusätzlich ein Pflanzenlicht zum Einsatz kommen kann. Um die Pflanze in der kalten Jahreszeit vor der trockenen Heizungsluft zu schützen, sollte man mit einer wassergefüllten Schale vorsorgen. Handelt es sich hingegen um einen Freiland-Bonsai, eignet sich ein Platz auf dem offenen Balkon, der Dachterrasse oder im Garten. Allerdings sollte immer auch ein schattiger Bereich in der Nähe sein, da während der Sommermonate die Sonneneinstrahlung zwischendurch durchaus auch einmal zu stark ausfallen kann, zum Beispiel wenn das Gewächs auf einer Südterrasse steht.

Die Art des Substrates, die bei der Kultivierung des Bonsais zum Einsatz kommen sollte, hängt vor allem vom Alter des Gewächses ab:
  • junger Bonsai (Nadelgehölz): Mischung aus Humus, Sand und Torfersatz
  • junger Bonsai (Laubgehölz): Humus, Sand, höherer Torfanteil, Kiryuerde
  • alter Bonsai (Nadelgehölz): Mischung aus Kiryuerde und Akadama
  • alter Bonsai (Laubgehölz): Beimischung von Akadama
Handelt es sich bei dem Bonsai um einen Rhododendron oder eine Akazie, sollte zusätzlich Moorbeeterde zugefügt werden. 

  Anfänger sollten auf ein Experimentieren mit speziellen Substratmischungen verzichten und auf handelsübliche Bonsaierde zurückgreifen. Nach und nach kann sich der Hobbygärtner dann auch an die genannten Mischungen heranwagen.

Gießen und Düngen

Der Bonsai wird typischerweise in flachen Schalen kultiviert, die dem eingesetzten Substrat nur wenig Raum bieten. Aus diesem Grund ist die zugeführte Flüssigkeit zügig aufgebraucht. Es hat sich deshalb bewährt, einmal täglich den Feuchtigkeitsstand zu überprüfen; Anfänger beurteilen zu diesem Zweck am besten das  
BonsaipflegeZur Düngung des Zimmerbonsais wird in erster Linie ein mineralischer oder organischer Flüssigdünger empfohlen, der einen möglichst niedrigen Stickstoffanteil aufweist. Wenn sich das Gewächs im Sommer in der Hauptwachstumszeit befindet, ist die gezielte Versorgung mit Nährstoffen im Abstand von 2-3 Wochen notwendig, während im Frühjahr und Herbst nur einmal monatlich gedüngt werden muss. Tropische Varianten erhalten auch während der Ruhezeit im Winter maximal einmal im Monat einen Dünger, während subtropische Ausführungen nicht mit zusätzlichen Nährstoffen versorgt werden. Der Freilandbonsai benötigt in der Zeit zwischen dem ersten Austrieb im Frühjahr bis zu Beginn des Laubabwurfes im Herbst einen zusätzlichen Dünger. Je nach Art der verwendeten Erde werden folgende Varianten eingesetzt:
  • Standard-Bonsaierde: mineralischer Flüssigdünger 0,2% (alle 2-3 Wochen)
  • Bonsai in mineralischer Erde: organische Düngerbrocken
  • für Stabilität im Winter: Kali-Magnesia (ein Esslöffel auf eine 30x30cm-Schale)

Schneiden

Anfänger sollten sich auf die grundlegenden Schneidemaßnahmen beschränken, die für die Formgebung der Pflanze wichtig sind. Kunstvolle Schnitte können im Laufe der Zeit nach und nach erlernt und ausprobiert werden. Die Schneidemaßnahmen richten sich nach der Art des Gewächses; bei Nadelbäumen besteht die Formerziehung vor allem in dem Zurücksetzen von längeren Zweigen auf kürzere Nebenzweige; auf diese Weise werden wolkenförmige und dichte Nadelposter erreicht. Gleichzeitig müssen zu dicht gewachsene Astpolster immer wieder ausgedünnt werden, um eine Unterteilung in viele kleine Wölkchen zu erreichen. Von unten betrachtet ergibt die Silhouette des Astes im Idealfall einen Halbkreis. Zusätzlich werden alle Triebe, die auf der Unterseite der Äste nach unten wachsen, aus dem Gewächs entfernt.

  Der Schnitt wird mit speziellen Scheren und Zangen ausgeführt.

Bei Laubbäumen überarbeitet man zu Beginn der Wachstumsperiode Äste und Zweige in ihrer Form; dabei werden störende und alle trockenen Triebe entfernt. Sind diverse Triebe zu lang geworden, können diese entsprechend eingekürzt werden. Durch einen optimalen Schnitt kann zusätzlich auch das Muster der Verzweigungen beeinflusst werden; ist beispielsweise eine Verlängerung nach links erwünscht, wird der Ast kurz vor
Auch der Wurzelschnitt gehört zu den wichtigen Schneidemaßnahmen beim Bonsai. Da sich die Gewächse in sehr kleinen Schalen befinden, ist das Kürzen der Wurzeln unerlässlich. Dabei entfernt man mit der Erdkralle die alte Erde vorsichtig aus dem Wurzelballen und kürzt die freigelegten Wurzeln anschließend etwa um ein Drittel ein.  Die Schnittstellen sollten nach unten zeigen, und zwischen oberirdischer Pflanze und Wurzelwerk muss ein ausgewogenes Verhältnis bestehen. Von einem zu starken Rückschnitt ist deshalb unbedingt abzuraten. Ein sorgfältiges und regelmäßiges Umtopfen komplettiert die Pflegemaßnahmen, die beim Bonsai durchgeführt werden sollten.

Überwinterung

Bonsai im GartenDie Gummibaum oder Pfeffer) können bei im Winter bei gleich bleibender Temperatur kultiviert werden. Das Winterquartier für den Freiland-Bonsai sollte folgende Eigenschaften aufweisen:
  • gute Belüftung
  • Temperaturen nicht für längere Zeit über 10°C
  • immergrüne Varianten bevorzugen helle Standorte
  • laubwerfende Varianten können auch etwas dunkler stehen
  • regelmäßige Feuchtigkeitskontrolle
Unbeheizte Zimmer oder ein Treppenhaus mit hellem Fenster stellen mögliche Standorte für den Winter dar. Soll das Gewächs im Freiland überwintern, muss ein Schutz vor starker Sonneneinstrahlung, starken Frösten und trockenen Winden erfolgen.

  Keinesfalls darf Freiland-Bonsai in einem beheizten Raum überwintern!

Pflanzen

Der Bonsai-Baum wird typischerweise in eine flache Schale gepflanzt. Hierzu legt man über die Abzugslöcher zunächst kleine Kunststoffnetze aus; anschließend werden diese noch mit einem Kupferdraht fixiert. Diese Maßnahme verhindert ein Verrutschen des Gewächses. Zwei der Fixierungsdrähte können jetzt durch die Abzugslöcher gefädelt werden. Beim Eisnetzen der Pflanze sollte man darauf achten, dass der Wurzelhals nur knapp über der Schalenkante zu sehen ist. Die Befestigung erfolgt, indem man die beiden Fixierungsdrähte mit dem Wurzelballen verbindet. Zum Schluss kann das Substrat aufgefüllt werden.

Krankheiten und Schädlinge

Als typische Schädlinge präsentieren sich beispielsweise Blattläuse, die sich insbesondere an den Unterseiten der Blätter sammeln. Diese verfärben sich anschließend gelb, rollen sich ein und fallen schließlich ab. Abhilfe schafft ein Gemisch aus Wasser und Spülmittel, in das man die Pflanze kopfüber hängt. Daneben wird der Bonsai häufig auch von der Blutlaus befallen, die eine Größe von 2mm und eine braunrote Farbe aufweist. Anfänger erkennen den Schädling an dem blutroten Saft, der austritt, wenn man die Blutlaus zerquetscht. Besonders gefährlich präsentiert sich der Schädling, weil er die holzigen Anteile des Gewächses ansaugt und dadurch bösartige Geschwülste erzeugt. Auch die Überwinterung stellt für die Blutlaus kein Problem dar. Um eine nachhaltige Bekämpfung zu erzielen, müssen spezielle Spritzmittel eingesetzt werden, die eine mehrmalige Anwendung erfordern.

Zu den klassischen Schädlingen des Bonsais gehört darüber hinaus auch die Apfelbaumgespinstmotte; dieser Falter legt seine Eier an den Trieben des Gewächses ab. Aus den Eiern entwickeln dich in einem späteren Stadium kleine Raupen, die an den Pflanzenteilen des Bonsais zu fressen beginnen. - Innerhalb kurzer Zeit kann es zu einem kompletten Kahlschaden an dem Gewächs kommen. Man erkennt die Schädlinge besonders gut an den typischen weißgrauen Gespinsten, die sich zwischen den Blättern ausbilden. Die Bekämpfung des Schädlings sollte unbedingt vor dem Zerstörungswerk der Raupen erfolgen: zu diesem Zweck hat es sich als sinnvoll erweisen, die Eier von den Trieben abzukratzen. Haben sich bereits Raupen entwickelt, können diese abgesammelt werden.

Neben diversen Schädlingen treten beim Bonsai auch unterschiedliche Krankheiten auf. Mitunter wird der Bonsai auch vom Feuerbrand befallen; hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, die durch Bakterien verursacht wird und nacheinander braune und schwarze Verfärbungen hervorruft. Ist das Gewächs befallen, hilft nur die Vernichtung. Auch bei Stängelfäule muss der Bonsai entsorgt werden; diese durch Pilze und Bakterien verursachte Erkrankung färbt das Gewächs von innen her. Lediglich die Wurzelfäule kann behandelt werden; man erkennt die Erkrankung an dem modrigen und fauligen Geruch der Erde. Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt, können die Wurzeln gezielt gekappt und anschließend auch das Substrat ausgetauscht werden. Dann besteht die Chance, dass der Bonsai überlebt.

Interessante Fragen

Gibt es spezielle Bonsai-Samen?
Spezielle Bonsai-Samen sind nicht erhältlich. Es handelt sich hierbei nicht, wie häufig angenommen, um spezielle Zwergzüchtungen; den typischen Bonsai-Charakter erhält das Gewächs ausschließlich durch gezielte Kulturmaßnahmen, zum Beispiel Schneiden.

Der Bonsai bildet hellgrüne, besonders lange Triebe aus. Welche Ursache könnte für dieses Phänomen zugrunde liegen?
Meist handelt es sich hierbei um einen Lichtmangel; dann sollte ein Standortwechsel in Erwägung gezogen werden.