Alte Apfelsorten in Deutschland - Übersicht

ApfelbäumeDen meisten Hobbygärtnern sind nur die gängigen Apfelsorten bekannt, die auch im Obsthandel erhältlich sind. Doch es gibt viel mehr, vor allem auch alte Sorten, die leider schon fast wieder in Vergessenheit geraten sind. Bereits seit mehreren Jahrhunderten werden viele von ihnen gezüchtet. Etwa 1600 verschiedene Sorten der beliebten und schmackhaften Früchte wachsen allein in den hiesigen Breitengraden, weltweit sind es noch viel mehr. Für einen kleinen Überblick wird hier eine Liste von beliebten alten Apfelsorten geboten, die alle auch in den heimischen Gärten kultiviert werden können.

Steckbrief
  • über 20.000 verschiedene Sorten weltweit
  • in Deutschland wachsen über 1.600 Sorten
  • pro Kopf werden 30 kg Äpfel im Jahr verzehrt
  • beliebtestes Obst
  • kann je nach Sorte lange gelagert werden
  • etwa 20 Sorten haben noch eine wirtschaftliche Bedeutung
  • lassen sich vielfältig in der Küche einsetzen
  • verschiedene Sorten können gebacken werden
  • Boskoop, Cox Orange oder Goldparmäne noch im Handel
  • Apfelbäume können sehr alt werden

Altländer Pfannkuchenapfel

alte ApfelsortenWie der Name schon sagt, wird diese alte Apfelsorte gerne in Pfannkuchen verwendet. Doch auch roh genossen, entwickelt der Apfel sein fruchtiges und süßsäuerliches Aroma. Das erste Mal wurde die Sorte im Jahr 1840 bei Hamburg im "Alten Land" erwähnt. Auch soll diese Sorte für Allergiker sehr gut geeignet sein. Bei der Pflege sollte das Folgende beachtet werden:
  • sonnig bis halbschattig
  • feuchter, nährstoffreicher und lehmiger Boden
  • raue Lagen bevorzugt
  • Erntezeit zwischen Oktober und November
  • kann bis in den Juni gelagert werden

Boskoop

Wer saure Äpfel mag, für den ist der Boskoop, der erstmals um 1856 in Holland erwähnt wurde, genau richtig. Auch heute kann der schmackhafte Apfel noch an vielen Obsttheken in den Supermärkten und auf dem Wochenmarkt gefunden werden. Seine lange Lagerfähigkeit bis weit in den April macht ihn zudem zu einem sehr beliebten Winterapfel. Wird er richtig kultiviert, bringt er eine reichhaltige Ernte:
  • Standort sonnig bis halbschattig
  • sehr nährstoffreicher Boden
  • einmal im Monat mit Kompost anreichern
  • Boden immer feucht halten
  • hat starken Wuchs, daher regelmäßig schneiden
  • auch als Spalierobst kultivierbar
Tipp: Der Boskoop muss im Oktober geerntet werden, allerdings wird er erst nach etwa zwei Monaten Lagerung im Dezember genussreif. Die Sorte wird auch gerne zu Weihnachten als Bratapfel in der Küche verwendet.

Cox Orange

Der Cox Orange, erstmals erwähnt um 1830 in England, gehört zu den alten Apfelsorten, die heute auch noch im Supermarkt zu finden sind. Es handelt sich hierbei um einen Winterapfel, der zwischen September und Oktober erntereif wird. Damit die Früchte jedoch genussreif werden, müssen sie ein paar Monate gelagert und können dann von Oktober bis März verzehrt werden. Die reife Frucht zeichnet sich durch eine rotgelbe Farbe aus. Der Cox Orange besitzt ein mittelfestes Fruchtfleisch und kann für den direkten Verzehr sowie als Kuchenbelag und Kompott verwendet werden. An die Pflege stellt der Baum die folgenden Ansprüche:
  • lockerer Gartenboden, normal bis nährstoffreich
  • regelmäßig mit Kompost anreichern
  • sonniger bis halbschattiger Standort
  • kann bis zu vier Meter hoch werden
  • - eignet sich auch als Spalierobst
Tipp: Bei der Lagerung von allen Apfelsorten sollte


darauf geachtet werden, dass die Früchte genügend Luft erhalten, daher ist es idealer, die Früchte nebeneinander und nicht direkt übereinander zu legen. Weiterhin sollte eine leichte Luftfeuchtigkeit im Lagerraum herrschen, sowie eine Temperatur zwischen 2° und 5° Celsius.

Danziger Kantapfel

Auch wenn er diesen Namen trägt, so wurde dieser Apfel das erste Mal im Jahr 1703 auf der Insel Rügen erwähnt. Die sehr alte Apfelsorte mit dem süßsaurem Geschmack und dem Aroma nach Rosenapfel sind bei der Ernte im Oktober sofort verzehrbar, können aber auch bis in den Januar gelagert werden. Die Frucht zeichnet sich vor allem durch die roten, mit einer glänzenden Fettschicht versehenen Schale aus, die auf der einen Seite eine scharfe Naht besitzt. Die Sorte ist im Allgemeinen sehr anspruchslos, es sollte jedoch Folgendes beachtet werden:
  • Boden darf nicht austrocknen
  • Standort sonnig bist halbschattig
  • Boden regelmäßig mit Kompost anreichern
  • auch für Höhenlagen oder als Spalierobst geeignet

Goldparmäne

Bereits seit dem Mittelalter gibt es diese Apfelsorte in unseren Breitengraden. Im September zur Erntezeit verströmen die Früchte bereits am Baum einen kräftigen Geruch. Die Farbe changiert von grün über gelb bis rötlich, die Frucht selbst ist saftig und schmeckt säuerlich-süß. An die Pflege stellt der Apfelbaum keine großen Ansprüche:
  • Winterapfel
  • kann bist Januar gelagert werden
  • auch für Höhenlagen geeignet
  • halbschattiger oder sonniger Standort
  • einfacher Gartenboden
  • regelmäßig mit Kompost düngen
Tipp: Viele Apfelsorten schmecken nicht sofort vom Baum und erhalten erst durch eine gewisse Zeit der Lagerung von etwa vier Wochen ihre Genussfähigkeit, da sie erst hierdurch ihr ganzes Aroma entwickeln können. Es gibt allerdings durchaus auch Sorten, die direkt nach der Ernte verzehrt werden, diese besitzen meist jedoch keine oder nur eine kurze Lagerfähigkeit.

Goldrenette von Blenheim

weitere ApfelsortenDie Goldrenette mit der goldgelben Schale fand ihre Erwähnung das erste Mal in England um 1800. Später wurde sie dann auch in Deutschland kultiviert, da die Frucht durch ihr sehr saftiges, nussiges und süßsaueres Aroma zu einem beliebten Tafelapfel wurde. Erst spät, Ende Oktober kann geerntet werden, gelagert werden kann die Frucht bis in den März hinein. An die Pflege stellt der Apfelbaum die folgenden Ansprüche:
  • ideal ist ein sehr nährstoffreicher Boden
  • hierzu regelmäßig mit Kompost düngen
  • sonniger bist halbschattiger Standort
Tipp: Viele der rund 1.600 Sorten kultivierten Apfelsorten kamen im 18. und 19. Jahrhundert aus dem europäischen Umland nach Deutschland und werden seitdem auch hier angebaut.

Gravensteiner

Seit dem 18. Jahrhundert ist dieser Tafelapfel mit seinen gelbgrünen bis roten Früchten, die wie

geflammt aussehen, bekannt. Dieser Apfel muss nicht gelagert nachreifen, sondern kann direkt vom Baum ab September genossen werden. Zudem wird ihm nachgesagt, dass er für Allergiker gut verträglich ist. Durch seine direkte Genussreife ist er jedoch nur bedingt lagerfähig und sollte nach der Ernte schnell verwertet werden. Zur Pflege ist folgendes bekannt:
  • Halbschatten bis volle Sonne
  • Erde muss immer feucht sein
  • auch an die Luftfeuchtigkeit stellt der Baum hohe Ansprüche
  • Boden durchlässig und normal
  • regelmäßig kompostieren
Tipp: Alle vorgestellten Apfelsorten benötigen einen sonnigen bis halbschattigen Standort, denn die Früchte werden erst so richtig lecker, wenn sie in der Sonne reifen konnten. Daher die Apfelbäume nie ohne Sonnenlicht kultivieren, da sie ansonsten keinen Ertrag bringen und die wenigen Früchte ohne Geschmack bleiben werden.

Pommerscher Krummstiel

Der Pommersche Krummstiel wurde das erste Mal um 1850 in Mecklenburg und auf der Insel Rügen erwähnt. Die Besonderheit bei dem saftigen, würzigen Apfel ist, dass die Ernte jedes zweite Jahr sehr hoch ausfällt. Geerntet wird dann im Oktober, gelagert werden können die Früchte bis zum Februar. Die jungen Bäume bringen die ersten Jahre jedoch noch keinen Ertrag. Die Pflege ist einfach:
  • Standort halbschattig oder sonnig
  • auch in rauen Lagen kultivierbar
  • lockerer, durchlässiger, normal nährstoffreicher Boden
Tipp: Der Pommersche Krummstiel ist zwar eine Sorte, die erst nach einigen Jahren einen Ertrag bietet und dann auch nur alle zwei Jahre, allerdings wird sie am idealen Standort sehr alt.

Roter Jonathan

Da der Rote Jonathan eher ein schwach wachsender Baum mit zahlreichen kurzen und langen Trieben ist, ist er wie geschaffen, als Spalierobst kultiviert zu werden. Geerntet wird zwischen September und Oktober, die Früchte können jedoch über den Winter bis in den März gelagert und verzehrt werden. Ursprünglich 1820 in Amerika das erste Mal erwähnt, ist er in den hiesigen Breitengraden seit 1880 kultiviert. Die Pflege ist einfach:
  • sonniger bis halbschattiger Standort
  • Gartenboden, normal und locker
  • kann mit Kompost

    gedüngt werden
  • muss regelmäßig geschnitten werden
  • anfällig für Mehltau

Weißer Klarapfel

ApfelernteBei dieser Sorte mit den gelbgrünen bis weißen Früchten handelt es sich um einen Sommerapfel, der im Juli erntereif wird. Er kann sofort verzehrt werden, besitzt auf der anderen Seite aber auch keinerlei Lagerfähigkeit. Wird zu spät geerntet oder länger als zwei Wochen gelagert, wird die Frucht mehlig. Überwiegend ist diese alte Apfelsorte seit 1844 in Rheinland-Pfalz bekannt. An die Kultivierung stellt er die folgenden Ansprüche:
  • auch für raue Lagen geeignet
  • benötigt viele Nährstoffe
  • regelmäßig Kompostieren
  • lockerer Boden
  • halbschattiger bis sonniger Standort
Tipp: Die Apfelsorte Weißer Klarapfel eignet sich vor allem für naturnahe Gärten, denn sie gilt als sehr bienenfreundlich. Zudem handelt es sich hierbei um einen reinen Liebhaberapfel, der nicht Jedermanns Geschmack ist.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich eine alte Apfelsorte auch auf wenig Platz kultivieren?

Wer nur einen kleinen Garten mit einem sonnigen, bis halbschattigen Platz besitzt, kann schon den ein oder anderen Apfelbaum kultivieren. Bei wenig Platz sollte der Baum jedoch relativ klein gehalten und daher im Herbst nach der Ernte kräftig zurückgeschnitten werden. Wer viel Platz im Garten besitzt, kann seinen Apfelbaum auch wachsen lassen und lediglich eine Ausdünnung vornehmen. Dann kann nach ein paar Jahren mit einer reichhaltigen Ernte gerechnet werden.

Ich möchte einen Sichtschutz aus Spalierobst bilden, welche Sorten sind geeignet?

Als Spalierobst sind in der Regel alle alten Apfelsorten geeignet, hierzu müssen nur die neuen Triebe entsprechend an dem Spalier entlanggeleitet werden und ein regelmäßiger Rückschnitt erfolgen. Da beim Spalierobst die einzelnen Bäume nicht zu groß werden dürfen, ist auch die Ernte an den einzelnen Pflanzen geringer, als dies bei einem freistehenden und großgewachsenem Baum der Fall sein wird.

Benötigen die Bäume der alten Apfelsorten eine spezielle Pflege?

In der Regel sind gerade die alten Apfelsorten, da sie nicht überzüchtet wurden, sehr pflegeleicht und robust und stellen keine großen Ansprüche an ihren Standort und den verwendeten Boden. Normale Gartenerde mit ein wenig Kompost gemischt reicht in der Regel aus, um eine reichhaltige Ernte zu erhalten, sofern dem Baum ein sonniger bis halbschattiger Standort geboten wird. Auch ist es nur in sehr trockenen Perioden in den hiesigen Breitengraden gefordert, den Bäumen zuzugießen. Ansonsten reicht der normale Regen, auch im Sommer, aus.