Kirschbaum schneiden - ✓ Anleitung zum Kirschbaumschnitt

Blüte des KirschbaumsWenn ein Kirschbaum unkontrolliertem Wachstum überlassen wird, wird sich auch ein kleinwüchsiges Exemplar sehr schnell zu einem meterhohen Baum entwickeln und eine dichte Krone bilden. Das Sonnenlicht kommt nur noch selten in die innen liegenden Äste, sodass die Kirsche von innen her verkahlt. Meist reicht es nicht aus, oben ein wenig Schönheitspflege an den Kronenästen zu betreiben. Ein recht radikaler Rückschnitt wird notwendig. Wie dieser einfach und auch für den ungeübten Gärtner effektiv durchzuführen ist, erfahren Sie hier in wenigen Schritten.


Kurzer Steckbrief
  • Kirschbäume (Prunus) gehören zur Familie der Rosengewächse
  • Zu ihnen zählen Sauerkirsche (Prunus cerasus) und Süßkirschen (Prunus avium)
  • Verwendungszweck: Obstgehölz
  • kultivierte Formen haben meist größer Blätter und Früchte als die Wildformen
  • Wuchshöhe: Sauerkirsche bis 10 Meter, Süßkirschen bis 30 Meter
  • Blüte: doldig angeordnete, weiße bis hellrosa Blütenstände im April bis Mai
  • Früchte: Kirschen, Reife gegen Juni/Juli (Süßkirschen früher als Sauerkirschen)
  • sehr starkes Wachstum
  • sehr winterhart (bis -30 Grad)

Warum muss ein Kirschbaum geschnitten werden?

Kirschbäume wachsen in der Natur sehr schnell und bilden üppige Kronendächer aus. Während bei Sauerkirschen eine Wuchshöhe von über zehn Metern erreicht werden kann, wächst die Süßkirsche bis zu stattlichen 30 Metern heran. Obstgehölze für den Garten sind meist veredelte Bäume, bei denen fruchtbildende Triebe auf einen Stamm aufgepfropft wurden. Auch wenn diese Arten im Handel als niedrig wachsend deklariert werden, so erreichen sie bei unkontrolliertem Wachstum nicht selten in nur wenigen Jahren Höhen wie die Wildarten.
  • Kirschbäume tragen ihre Früchte nur an den zwei- bis dreijährigen Trieben. Veraltete Triebe bilden nur noch an der Spitze Blüten.
  • Zu starkes Wachstum!
  • Holz bildende Triebe, nach innen wachsende Äste und Wasserschosse sind sehr kräftezehrend für den Baum.

Grundlagen zum Wachstum

Wer sich damit auseinandersetzt, welches Wachstumsverhalten ein Kirschbaum zeigt, der tut sich leichter zu erkennen, welche Äste und Triebe dem Baum für eine reichhaltige Ernte eher schaden und welche nützlich sind. Kirschbäume bilden zwei verschiedene Arten von Trieben, die jeweils unterschiedlichen Zwecken dienen:
  • Wachstum
  • Fortpflanzung
KirschbaumblüteAlle Triebe, die der Fortpflanzung dienen, bilden am zwei- bis dreijährigen Holz im Frühjahr Blüten aus. Die Blütenknospen werden dabei schon im Herbst in Gruppen von 2-10 Blüten angelegt und sind als solche leicht zu erkennen: Direkt aus den Trieben wachsen wenige Millimeter lange Erhöhungen mit 2-10 dunkelbraunen Erhebungen. Zu dieser Zeit sind die Blüten noch in den Knospenschuppen verborgen, die dem Ansatz ein besonderes Aussehen verleihen.  Die Blütentriebe wachsen vorwiegend horizontal und nur sehr langsam.

Die zweite Art von Trieben dient dem Wachstum (Holzbildung) des Baumes. Diese Äste wachsen senkrecht nach oben und bilden manchmal schon im Laufe einer Wachstumsperiode meterhohes Neuholz aus. An diesen Trieben bilden sich vorwiegend - bis auf die äußersten Spitzen - nur Blätter aus. Diese Triebe sind bei Kulturpflanzen unerwünscht, da sie der Pflanze die Kraft und den Blütentrieben das Licht nehmen.

  Ein Kirschbaum kann seine Energie nur entweder in sein Wachstum oder in die Fortpflanzung stecken. Deshalb fällt die Blütenbildung und


Ernte bei stark wachsenden Bäumen nur spärlich aus.

Das Geheimnis einer reichhaltigen Ernte

Es sind nur wenige Regeln zu beachten, damit sich genügend Blüten bilden:
  • flache Aststellung
  • junge Triebe
  • kegelförmiger Aufbau der Krone

Der beste Zeitpunkt für einen Schnitt

Die Expertenmeinungen gehen beim Schnitt des Kirschbaumes stark auseinander. Während die einen auf einen Schnitt nach der Ernte schwören, lichten die anderen ausschließlich im Sommer aus. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Für den Laien sind beide Schnitte nur sehr schwierig bei bereits großen Bäumen durchzuführen, da der Kirschbaum zu diesen Zeiten voll belaubt ist. Deshalb ist in der Regel nur sehr schwer erkennbar, welche Wuchsform der Baum insgesamt hat und welche Äste zu welchem Zweck dienen.
  • Als ungünstigster Zeitpunkt gilt allgemein der Herbst: Die feuchtkalten Wetterlagen fördern Krankheiten und Pilzbefall.
  • Früchte des KirschbaumsFrühsommer nach der Ernte: leichte Auslichtung als Wachstumsbremse. Obstbauern machen bei der Ernte ihren jährlichen Kirschbaumschnitt, da dies ihre Ernte erleichtert.
  • Winter bis zeitiges Frühjahr (vor dem Austrieb): ohne Laub ist der Wuchs für den Laien wie Experten (Baumschulen) deutlicher zu erkennen und verhindert Fehlschnitte.
  • Schnitte, die jederzeit getätigt werden sollten: Wassertriebe und krankes Holz müssen so früh wie möglich entfernt werden!
  • Schnitt vor der Blüte: Wassertriebe kosten die Pflanze Kraft und reduzieren Blüte und Fruchtbildung.

  Für einen Schnitt sollte immer ein trockener, niederschlagsfreier Tag gewählt werden. An sehr heißen Tagen oder bei feuchtem Wetter ist das Schneiden zu vermeiden, da der Baum geschwächt wird oder durch die Schnittstellen vermehrt Krankheiten und Keime eindringen können.

Wie wird geschnitten?

Eine dichte Krone nimmt den unteren und innen liegenden Ästen das Licht, sodass diese nicht nur im Wachstum, sondern auch in der Blütenbildung stark eingeschränkt werden. Ein leichtes Ausdünnen und Verkürzen der kronennahen Äste führt nur zu verstärktem Wachstum. Deshalb ist es sinnvoller, einen wachstumshemmenden Schnitt von ganzen Ästen oder Astteilen vorzunehmen. Lieber wenige starke Schnitte als viele kleine.
  • Baumkrone deutlich verkleinern. Optimal ist eine Kegelform des Kirschbaumes
  • Spitz zulaufende Wuchsform, nach unten hin ausladend.
  • Werkzeuge: Astschere, Säge
  • Nach innen wachsende Triebe entfernen.
  • Alte und herabhängende Äste stark einkürzen.
  • Immer oberhalb eines waagerechten Seitentriebes schneiden.
  • Steil nach oben wachsende Triebe und Äste entfernen.
  • Durch fachgerechten Schnitt splitterndes Holz oder Zerfaserung vermeiden.
  • Zerfaserte Schnittstellen nachschneiden.

  Keine Buketttriebe (kurze Fruchttriebe) schneiden. Diese häufig auch nach oben wachsenden Triebe sind an ihrer geringen Länge (im Unterschied zu Wassertrieben) und der dichten Knospenstellung erkennbar. Die Triebe sind in

der Regel maximal 15 Zentimeter lang und weisen alle zwei Zentimeter Blütenknospen auf.

Pflanzschnitt

Verschnitt von BäumenDer erste Schnitt eines Obstgehölzes ist nicht erst nach Jahren fällig, sondern schon beim Pflanzen. Zwar sind die Bäume noch klein und selten schon sehr buschig, trotzdem sollte unbedingt kontrolliert werden, ob auch wirklich alle Äste frei stehen und genügend Sonnenlicht bekommen.
Zudem benötigt der Baum einige Zeit, um neue Wurzeln auszubilden und genügend Wasser in die Triebe zu befördern. Gerade in der ersten Zeit leiden Neupflanzungen daher häufig unter trockenen Spitzen. Um die Verdunstung einzuschränken, wird ein Teil des Blattwerkes entfernt, damit die Verdunstung über die Blätter reduziert wird.
  • Alle verletzten, kranken und abgestorbenen Triebe entfernen.
  • Alle nach innen wachsenden oder sich kreuzenden Äste herausnehmen.
  • Triebe generell um etwa ein Drittel einkürzen.
  • Dabei Leittrieb (Stammverlängerung) stehen lassen.

  In der Regel wachsen die Äste bei Jungpflanzen nicht direkt waagerecht, sondern leicht nach oben. Für eine reichhaltige Blüte ist die waagerechte Stellung jedoch besser geeignet, da sich die Äste sonst zu Holz bildenden Trieben entwickeln können. Eine einfache Methode, dem entgegenzuwirken, ist das Flachstellen.

Flachstellen von Ästen

Hierzu können die noch biegsamen Seitenäste mit einer Art Klammer (Ast-Fix) von der Stammbasis leicht heruntergebogen werden. Eine andere Alternative ist das Herunterbinden mit einem Seil an den Stamm. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, die Äste im äußeren Drittel mit Gewichten (Hängegewichte) zu beschweren. Die jeweilige Vorrichtung sollte über eine Wachstumsperiode am Baum gelassen und danach unbedingt entfernt werden.

Schnitt von Jungbäumen

Wer einen Kirschbaum in den Garten pflanzt, sollte schon von Anfang an das Wachstum seines Baumes beobachten und regulierend eingreifen. Mit einem jährlichen Schnitt halten sich Zeit und Mühe dann in Grenzen und der Baum wird regelmäßig reichhaltig blühen und Früchte tragen.
  • Zeitnah alle nach innen wachsende Triebe entfernen.
  • Triebe, die sich kreuzen oder aneinander reiben bis zum Ansatz abschneiden.
  • Wassertriebe und Wildtriebe entfernen.
Beim jährlichen Schnitt:
  • Schnitt des BaumsWenn die Krone eine unerwünschte Höhe erreicht (über 2,5 Meter) sollte diese nicht nur leicht beschnitten werden.
  • Kompletten Leittrieb (Stammverlängerung) absägen und das Wachstum auf den obersten waagerecht stehenden Ast ableiten.
  • Alle steil nach oben wachsenden Triebe astnah schneiden.
  • Äste mit leicht nach oben zeigender Wuchsrichtung müssen flach gestellt werden.

Verwachsene Altbäume

Nicht selten ist ein Gärtner überrascht, dass sein niedrig wachsender Kirschbaum schon nach kurzer Zeit stattliche Höhen erreicht hat und kaum noch Früchte trägt. Aber auch ein verwilderter Altbaum, der seit Jahren nicht mehr beschnitten wurde, kann durch einen radikalen Rückschnitt schon in kurzer Zeit wieder reichhaltig blühen und Kirschen tragen. Hierbei sollte allerdings nicht einfach drauflos geschnitten werden. Das schadet dem Baum mehr, als es nützt.

1. Kronenschnitt

  • Beste Zeit: sehr zeitiges Frühjahr vor dem Austrieb.
  • Die Äste und der Stamm sind jetzt ohne Laub, die Wuchsform kann gut erkannt werden.
  • Zunächst sollte sich der Gärtner in einiger Entfernung vom Baum aufstellen und ihn eingehend betrachten.
  • Meist muss sehr viel aus der Krone herausgeschnitten werden.
  • Auf gewünschter Höhe (etwa 2,5 Meter) knapp über einem gesunden, gut gewachsenen Fruchttrieb (waagerechte Ausrichtung) den kompletten Leittrieb mit einer Säge kappen.
  • Ist der Stamm über dieser Stelle sehr dick oder lang, muss in mehreren Schritten vorgegangen werden.
  • Zunächst einen Großteil der Krone um etwa zwei Drittel absägen. Ist der Stamm sehr dick und schwer, reißt häufig beim Schneiden das restliche Holz ab und verletzt Teile vom Stamm.
  • Dies darf nicht an der endgültigen Schnittstelle passieren.
  • Deshalb mindestens 30-50 Zentimeter oberhalb der endgültigen Stelle absägen.
  • Erst im zweiten bis dritten Anlauf, wenn keine Gefahr des Einreißens mehr besteht, kurz über dem gewünschten Seitenast den Leittrieb absägen.
  • Auf gerade und möglichst glatte Schnittfläche achten.
2. Erziehungs- und Instanthaltungsschnitt
  • Blüte des KirschbaumsNun werden die Seitentriebe genauer untersucht.
  • Alle senkrecht nach oben wachsenden Äste (auch sehr dicke) abschneiden.
  • Dabei die Wuchsrichtung immer auf einen noch jungen, waagerechten Trieb umleiten.
  • Niemals Seitenäste endständig absägen!
  • Alle nach innen wachsenden oder sich kreuzenden Äste abschneiden.
  • Wassertriebe (dünne, meist über 30 Zentimeter lange, senkrecht nach oben wachsende Triebe) schneiden.
  • Sind zu viele Seitenäste vorhanden, werden überschüssige entfernt.
  • Die Seitenäste sollen wechselständig am Stamm stehen und genügend Licht erhalten.
  • Alle entfernten Triebe und Äste müssen ganz unten abgeschnitten werden.
  • Bleiben noch Reste des Astes mit Augen, treibt er dort wieder neu aus.
  • Sind die übrigen Äste zu ausladend oder breit, werden sie leicht an den Spitzen eingekürzt.
Sinn dieses radikalen Rückschnittes ist es, den Baum in eine Spindelform (Pyramide oder Kegel) zu zwingen. Nur wenn die Krone sehr schmal ist, kann in die unteren Äste genügend Licht fallen. Wichtig ist es, den Baum niedriger zu bekommen, da es einfacher ist, alles vom Boden aus zu ernten. In den Folgejahren ist dann ein einfacher jährlicher Rückschnitt möglich, bei dem nur noch die steil nach oben wachsenden Triebe entfernt werden müssen.

  Schlecht wäre es, im oberen Bereich die Äste nur anzuschneiden und nicht komplett zu kappen. Dies fördert das Triebwachstum (Holzbildung) nur zusätzlich.

Werkzeuge

Scheren für den VerschnittFür einen Obstbaumschnitt ist das richtige Werkzeug das A und O. Nur mit scharfen und sauberen Geräten kann die Schnittstelle klein und glatt gehalten werden, sodass sie schnell verheilen kann. Ausgefranste Schnitte müssen unbedingt nachgeglättet werden, da der Baum sonst anfällig für die Infektion mit Krankheiten wird. Zu einer guten Ausrüstung gehören:
  • Gartenschere (Rosenschere): für dünne Äste bis etwa 1,5 Zentimeter
  • Astschere: für etwas dickere Äste
  • Bügel-, Stich- oder Klappsäge: für sehr dicke Äste oder Stamm

  Um das Abreißen von dickeren Seitenästen zu verhindern, wird in mehreren Etappen geschnitten, um das Gewicht zu reduzieren. Außerdem ist es sinnvoll, die Säge nicht von oben anzusetzen, sondern von unten mit dem Schnitt zu beginnen.

Häufig gestellte Fragen

Muss die Schnittstelle mit einem Wundmittel behandelt werden?
Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. Prinzipiell gilt: Ist die Schnittstelle gerade und glatt, dann muss auch bei größeren Schnittstellen kein Wundverschlussmittel aufgebracht werden, da die Stelle gut abtrocknen kann und der Baum sie schnell verschließt. Je schärfer das Werkzeug, umso sauberer wird der Schnitt. Ist der Baum jedoch regelmäßig von Krankheiten befallen oder ist mit einer längeren Regenperiode zu rechnen, sollten die Schnittstellen vorsorglich verschlossen werden.

Was mache ich, wenn die Äste nur noch wenige Früchte produzieren, weil sie zu alt geworden sind?
Da der Kirschbaum nur am zwei- bis dreijährigen Holz Blüten produziert, muss ständig für eine Verjüngung der Äste gesorgt werden. Alte Äste, die nur noch wenige Früchte tragen, werden etwa um ein Drittel eingekürzt. Dabei darf der Ast nicht einfach endständig abgeschnitten werden, sondern muss immer auf einen jungen Trieb umgeleitet werden. Dies sollte vorzugsweise ein Trieb auf der Unterseite des entfernten Aststückes sein, der waagerecht nach außen wächst.