Heidelbeeren, Blaubeeren - Anbau, Pflanzen und Schneiden

HeidelbeerenHeidelbeeren – gesund und lecker. Am besten schmecken sie frisch gepflückt, aus dem eigenen Garten. Der Anbau ist nicht ganz einfach, aber auch nicht sonderlich kompliziert. Wer mit der Kultur beginnen möchte, sollte erst mit einer oder zwei Pflanzen anfangen. Bis man den Dreh raus hat, kann es Rückschläge geben. Hat man aber erst einmal das entsprechende Fingerspitzengefühl entwickelt, gibt es nur noch selten Probleme. Wie man Heidelbeeren bzw. Blaubeeren kultiviert, wie man sie pflanzt und schneidet, haben wir für Sie zusammengetragen. Lesen Sie weiter!

Steckbrief
  • Unsere einheimischen Heidelbeeren benötigen lichte Gehölzränder oder Heide- bzw. Moorlandschaften und sauren, nährstoffarmen Boden.
  • Sie sind in Gärten nur sehr selten erfolgreich anzubauen.
  • Deshalb nutzt man dort die Kulturheidelbeere.
  • Diese stammt aus Nordamerika.
  • Büsche von 1,5 bis 2 Meter Höhe
  • Besonders günstig sind Northern-Highbush-Sorten, Half-Highbush-und Lowbush-Blueberries. Sie sind sehr frosthart.
  • Flachwurzler
  • Das Fruchtfleisch ist weiß und süßer, als bei der ganz blauen einheimischen Beere
  • Krugförmige Blüten
  • Zahlreiche verschiedene Sorten, die meisten aus USA, aber auch einige aus Australien und Neuseeland

Kulturheidelbeersorten

Es gibt zahlreiche Sorten der Kulturheidelbeeren. Bei der Auswahl sollte man nicht nur nach dem Ertrag und der Fruchtgröße schauen, sondern vor allem auf die Resistenzen gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Wichtig ist allerdings auch die Endgröße, die bei einigen Sorten bis 3 Meter Höhe betragen kann. Entsprechend breit werden die Gehölze. Den Platz muss man haben.
  • ’Spartam’ – große Frucht, sehr guter Geschmack, frühreifend, robust, aber staunässeempfindlich
  • ’Elizabeth’ – sehr guter, aromatischer Geschmack, spätreifend, Erziehungsschnitt notwendig und sehr wichtig
  • ’Bluecrop’ – sehr empfehlenswerte Sorte, hoher Ertrag, sehr guter Geschmack, große Früchte, mittelfrüh- bis spätreifend
  • ’HortbluePoppins’ – sehr leckere Sorte, knackiges Fruchtfleisch
  • ’Duke’ – guter Geschmack, ertragreich, frühreifend, starker Schnitt notwendig
  • ’Patriot’ – guter Geschmack, frühreifend, auch für schwere Böden geeignet

Die Pflege von Heidelbeeren

HeidelbeerstrauchHeidelbeeren benötigen etwas Zuwendung. Sie sind keine Selbstläufer. Ausgesprochen wichtig ist, dass das Pflanzsubstrat immer leicht feucht ist. Außerdem müssen die Nährstoffe sehr ausgeglichen sein. Stimmen Standort und Pflanzsubstrat, hat man schon die halbe Miete rein, wie man so sagt. Ein Tipp gleich vorweg. Zwar sind Heidelbeeren selbstfruchtend, aber wenn man verschiedene Sorten anbaut, ist der Ertrag in der Regel um einiges höher. Außerdem kann man, wenn man es geschickt angeht, die Erntezeit verlängern. Man nutzt einfach Sorten, die nicht alle gleichzeitig reifen. Die ersten können ab Juli, die letzten bis etwa September gepflückt werden.

Tipp - Natürlich möchte man so schnell wie möglich Früchte ernten. Bei Heidelbeeren sollte man sich etwas gedulden. Die Blüten im Pflanzjahr sollten entfernt werden, damit die Pflanze erst einmal anwachsen kann. Es dauert sowieso etwas fünf bis sechs Jahre, bevor die Sträucher volle Leistung erbringen. Außerdem empfiehlt es sich, schon etwas ältere Pflanzen zu erwerben. Sie kommen dann eher an diese Maximalleistung heran. So zahlt sich der höhere Preis schnell aus.

Standort

Der Standort ist wichtig für das Gedeihen der Heidelbeeren. Er muss gut geschützt sein, vor allem vor Wind,
  • Warm und sonnig bis halbschattig
  • Knallige Mittagssonne wird nicht von allen Sorten geschätzt, Morgen- und Abendsonne sind deutlich besser
  • Sehr geschützt, vor allem vor Wind und extremer Witterung
  • Der Windschutz ist vor allem notwendig, dass die Erde, die immer leicht feucht sein sollte, nicht austrocknet.
  • Günstig ist, wenn die Lage auch im Winter etwas geschützt ist, also vor einer warmen Hauswand oder ähnlichem.
  • Blaubeeren mögen keine Wurzelkonkurrenz, also nicht zu nah an andere Gewächse oder gar Gehölze pflanzen!

Pflanzsubstrat

Wichtig ist, dass Sauerstoff an die Wurzeln gelangt und das klappt bei lockerer Erde am besten. Außerdem darf nicht zu viel Kalk im Boden sein, denn ein Zuviel davon sorgt dafür, dass die Wurzeln der Pflanze ihre Fähigkeit verlieren, entsprechende Nährstoffe aufzunehmen. Der gesamte Haushalt kommt ins Ungleichgewicht. Gelbe Blätter sind ein erstes Alarmsignal.

Ideal sind naturbelassene Böden, ohne Dünger und Kalk, am besten humoser, saurer Sandboden, wie er in Heideregionen zu finden ist. Ansonsten sind diese Böden aber eher selten. Deshalb müssen sie im Hausgarten gut vorbereitet werden.
  • Lockere und durchlässige Erde, unbedingt kalkarm
  • Den Boden vor der Pflanzung ausheben und Torf oder Rhododendrenerde großzügig untermischen.
  • Am besten ein gesamtes Beet so anlegen, nur nicht zu wenig austauschen.
  • Substrat darf keinesfalls sehr verdichtet sein oder zur Verschlämmung neigen
  • Günstig ist eine  Mischung aus lockerer Gartenerde, mit etwas Laub, Kompost und Sand.

Pflanzen

HeidelbeerstrauchMit den Pflanzen muss man sehr vorsichtig umgehen. Die beste Pflanzzeit ist das Frühjahr, recht zeitig im Jahr. Frost muss aber ausgeschlossen sein. Heidelbeeren können sowohl ins Freiland, als auch in ein Pflanzgefäß gesetzt werden. Kübelhaltung hat den Vorteil, dass man die Pflanzen entsprechend frostfrei überwintern kann. Besonders für sehr kalte Regionen oder wenn man keinen guten Standort bieten kann, ist das ideal.
  • Pflanzen sehr flach und oberflächlich einsetzen
  • Werden sie zu tief gepflanzt, klappt die Sauerstoffversorgung der Wurzeln nicht mehr und das vertragen die Pflanzen gar nicht. Schnell sterben sie ab.
  • Pflanzloch mit lockerer Erde auffüllen, diese keinesfalls zu fest andrücken oder gar festtreten
  • Pflanzabstand einhalten, etwa einen halben bis einen Meter, so kommen sich die empfindlichen Wurzeln nicht gegenseitig in die Quere. Bei einigen Kulturheidelbeeren sind noch größere Pflanzabstände nötig.
  • Oft zeigen sich nach dem Pflanzen schnell Blüten. Diese sollten aber entfernt
  • Heidelbeeren können bis 30 Jahre Erträge liefern. In dieser Zeit sollten sie nur im Notfall umgepflanzt werden.
  • Bei Kübelhaltung wird ab und zu ein größeres Gefäß notwendig. Dann den gesamten Ballen entnehmen und einfach in ein größeres Pflanzgefäß setzen. Wurzeln dabei nicht verletzen!
Tipp - Nach dem Pflanzen mulchen, so bleibt der Boden sauer und ein oberflächliches Austrocknen wird vermieden.

Gießen und Düngen

Wichtig sind entsprechende Wassergaben und das richtige Gleichgewicht
  • Wichtig sind gleichmäßige Wassergaben, damit der Boden immer ganz leicht feucht bleibt. Er darf nicht austrocknen.
  • Besonders bei Kübelhaltung ist es nicht immer leicht, das einzuhalten.
  • Kein kalkhaltiges Wasser verwenden! Am besten ist Regenwasser.
  • Staunässe wird nicht vertragen, bzw. nur kurz. Häufen sich diese Fälle, kommt es schnell zu Fäulnis. Auch wird die Pflanze anfälliger für Krankheiten.
  • Überschüssiges Wasser muss gut ablaufen können.
  • Zu viel Wasser hat wieder negative Folgen für die Sauerstoffversorgung der Wurzeln.
  • Zum Dünger ist spezieller Heidelbeerdünger am besten geeignet.
  • Kompost, der sonst immer sehr beliebt und gut zum Düngen ist, scheidet aus, denn er ist oft zu kalkhaltig
  • Erstmalig wird im Frühjahr gedüngt. Die Startdüngung erfolgt im April.
  • Ansonsten sollte man die Packungsangaben lesen und einhalten. Dort wird genau angegeben, wie und wann gedüngt und nachgedüngt werden muss.
  • Heidelbeeren sind sehr salzempfindlich
Wichtig ist, dass sich die Nährstoffe gut im Boden verteilen können. Es muss also viel gegossen werden, der Boden richtig eingeschlämmt. Die Wurzeln dürfen nicht zu konzentriert an die Wurzeln gelangen, sonst können diese Schaden nehmen.

Schneiden

Blaubeeren am StrauchDas Schneiden ist zwar nicht kompliziert, aber die Schnitttermine sind wichtig. Heidelbeeren sollten nicht zu oft geschnitten werden. Ein Schnitt alle zwei, besser drei Jahre reicht. Über die beste Zeit ist sich die Fachwelt uneins. Die einen empfehlen das zeitige Frühjahr, die anderen die Zeit, wenn fast alle Blätter abgefallen sind, also den Spätherbst.
  • Alte Triebe dabei bodennah herausschneiden, das schafft Platz für neue.
  • Nur die jungen, glatten Triebe setzen reichlich Blüten an.
  • Man entfernt also Stück für Stück die älteren, die an der kräftigen Rinde gut zu erkennen sind.
  • Zu radikale Schnittmaßnahmen führen häufig zu einem schnellen Absterben der Pflanze.

Überwintern

Heidelbeerpflanzen sind eigentlich winterhart. Einige Sorten sind aber empfindlicher. Für sehr kalte Regionen oder ungünstige Lagen wird es im Winter für die Pflanzen gefährlich. Sie müssen gut geschützt werden. Hat man sie im Kübel kultiviert, kann man die Gewächse in ein entsprechendes Winterquartier bringen. Oft sind die im Kübel kultivierten Blaubeerpflanzen ertragreicher als Freilandexemplare.
  • Im Spätherbst den Kübel einpacken und auf Styropor stellen.
  • Der ideale Standort ist frostfrei, aber die meisten Sorten überleben auch den Winter im Freien.
  • Wichtig ist, dass die Pflanzen auch im Winter Wasser benötigen. Allerdings ist es viel weniger als im restlichen Jahr. Die Gießmenge richtet sich nach dem Quartier. Je kühler dieses ist, um so weniger muss gegossen werden. Der Ballen sollte nie ganz austrocknen, aber auch keinesfalls zu nass sein.
  • Freilandpflanzen schützen, am besten abdecken. Dazu geeignet sind Stroh, Reisig, Rindenmulch oder auch Grasschnitt.
  • Rausragende Teile zusätzlich mit Vlies umwickeln oder mit Matten abdecken.

Vermehren

Heidelbeeren können durch Aussaat oder Stecklinge vermehrt werden.

Stecklingsvermehrung
  • 10 bis 15 cm lange recht junge Triebe abschneiden. Sie dürfen nicht verholzt sein, aber auch nicht mehr ganz weich.
  • Diese direkt in feuchte, kalkarme Erde stecken, am besten in Anzuchterde, denn diese ist keimfrei.
  • Gefäß mit Folie abdecken oder in eine Plastiktüte stecken, um das Klima zu verbessern.
  • An einen warmen und hellen, aber nicht sonnigen Platz stellen.
  • Alles gleichmäßig feucht, aber keinesfalls nass halten.
  • Regelmäßig lüften, damit sich kein Schimmel bildet.
  • Es dauert etwa zwei Monate, bis sich die Wurzeln bilden.
  • Auspflanzen darf man diese Pflänzchen erst, wenn sich einige neue Blätter gebildet haben.
Aussaat
  • Lichtkeimer
  • Aussaat von Spätsommer bis Frühjahr
  • Substrat – ein immer leicht feuchtes Torf-Sand-Gemisch
  • Töpfe geschützt und sonnig im Freien aufstellen
  • Sämlinge dann halbschattig stellen

Krankheiten und Schädlinge

geerntete HeidelbeerenWie bei vielen anderen Pflanzen ist es auch bei der Heidelbeere, Staunässe führt zu Fäulnis und die zum Absterben der Pflanze. Ansonsten sind Heidelbeeren nicht sonderlich empfindlich, was Krankheiten anbelangt. Bei Schädlingen ist es vor allem der Frostspanner, der Schäden verursachen kann.
  • Frostspanner – umspannt die Knospen, legt seine Eier darin ab und die Larven leeren diese völlig aus. Betroffene Bereiche abschneiden und vernichten. Nicht auf den Kompost! Pflanzenschutzmittel einsetzen um zu verhindern, dass andere Knospen befallen werden.
  • Vögel – machen sich gern über die reifen Früchte her. Vogelschutznetze verhindern den Diebstahl.
Häufige Fragen

Muss man Heidelbeerpflanzen schneiden?

Man muss nicht, aber es ist besser. So erzielt man einen kontinuierlichen Wechsel zwischen Jung-, Trag- und Altholz. Entfernt werden vergreiste, knorrige und zu dichte Astbereiche, sowie abgetragenes Fruchtholz, an dem im Vorjahr viele, aber nur kleine Beeren saßen, die noch dazu schlecht ausreiften. Ein Schnitt fördert die Bildung junger Triebe und die sind Voraussetzung für eine gute Ernte.  Bei einem Schnitt werden auch Krankheitserreger entfernt, die gern auf altem und totem Holz überwintern.

Kann man Heidelbeeren auch auf sehr sonnigen Plätzen pflanzen?

Ja, für manche Sorten ist das sogar deutlich besser. Sonne fördert die Pflanzenentwicklung und die Bildung aromatischer und voll ausgereifter Beeren. Allerdings muss auf sonnigen Standorten mehr gegossen werden.

Welche Sorten sind am ertragreichsten?

Als sehr ertragreich gelten die Sorten ’Bluecrop’ und ’Duke’.