Schattengarten - Tipps zur Gestaltung und Bepflanzung

Efeu im SchattengartenEin Schattengarten ist keinesfalls dazu verdammt, in trister Langeweile zu verharren. Im Gegenteil steht fantasievollen Hobbygärtnern ein umfangreicher Fundus an opulenten Blattschmuckpflanzen, eleganten Ziergräsern und verschwenderisch blühenden Stauden zur Verfügung, die in beschatteten Beeten prächtig gedeihen. Zugleich wissen sich diese Pflanzen bestens zu behaupten gegen Wurzelkonkurrenz benachbarter Gehölze, sind robust und pflegeleicht.

Wer sich auskennt mit den differierenden Bedingungen im lichten Schatten, Halbschatten und Vollschatten, wählt das ideale Pflanzenarrangement für stilvolles Erscheinungsbild zu jeder Jahreszeit. Die folgenden Tipps zur Gestaltung und Bepflanzung dienen der Inspiration und dem Ansporn.


Abgestufte Lichtverhältnisse

Der Schattengarten gilt als anerkannte Kulturform eines Gartens mit verringerter Lichteinstrahlung in unterschiedlicher Intensität. Demgemäß wäre ein Pflanzplan, der schlicht nach dem Kriterium 'geeignet für schattige Lagen' von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Vielmehr ist es von Bedeutung, die Gestaltung und Bepflanzung auszurichten nach den abgestuften Lichtverhältnissen, die im Folgenden vorgestellt werden.
  • Lichter Schatten, auch Flimmerschatten genannt, unter aufgeasteten Laubbäumen.
  • Offener Schatten an absonnigen Plätzen unter offenem Himmel, z. B. neben einer Mauer.
  • Halbschatten mit Sonnenschein in den Morgen- oder Abendstunden.
  • Vollschatten mit dem intensivsten Dunkeleffekt ohne jegliche Sonneneinstrahlung.
SchattengartenEinzig diejenigen Hobbygärtner, die sich die Mühe machen, ihr grünes Reich nach diesen Kriterien zu systematisieren, haben beste Aussichten auf einen harmonisch gestalteten und üppig gedeihenden Schattengarten für lange Zeit.

Übrigens sind sich erfahrene Gartenfreunde darüber im Klaren, dass selbst der perfekteste Pflanzplan keineswegs ein statisches Werk ist, das für alle Zeiten Bestand hat. Vielmehr ist ein Schattengarten dem permanenten Wandel der Natur unterworfen. Beete, die zunächst noch reichlich Licht erhielten, sodass Prachtstauden auf ihnen florierten, geraten im Laufe der Zeit vom lichten Schatten in den Vollschatten. Sofern die Gehölze, die sie überragen nicht radikal ausgelichtet und zurückgeschnitten werden, ist es erforderlich, die Bepflanzung so zu modifizieren, dass sie den veränderten Lichtverhältnissen entspricht.

Die Qualität des Bodens einordnen

Sind die herrschenden Lichtverhältnisse in den verschiedenen Bereichen dokumentiert, erfordert eine sinnvolle Gestaltung im nächsten Schritt die Begutachtung des Erdreichs. Erfahrungsgemäß herrschen auf dem Areal eines Hobbygartens weitgehend einheitliche Bodenqualitäten vor. Sollte dem nicht so sein, werden die Unterschiede im Rahmen der Gestaltung sowie der Auswahl der Pflanzen berücksichtigt. Folgende Bodenarten kommen im Hobbygarten vor:

Sandboden
  • Von leichter Konsistenz, trocken und kalkarm.
  • Zumeist in der Kombination mit Nadelbäumen.
Ein dichter, üppiger Bewuchs ist von Natur aus selten möglich. Daher nehmen erfahrene Hobbygärtner hier eine Verbesserung vor, indem sie Kompost, Lehm, Kalk oder Steinmehl einarbeiten und während der Vegetationsperiode regelmäßig mulchen.

Lehmboden
  • Nährstoffreich, frisch, locker und durchlässig.
  • Ideal geeignet für die meisten Pflanzen.
GartenbodenIn Verbindung mit Humus, der durch konstante Verrottung von Laub und anderen Pflanzenteilen entsteht, kann sich der Gartenfreund für seinen Schattengarten keinen besseren Boden wünschen.

Tonboden
  • Enthält zu mehr als 50 % Ton.
  • Reich an Nährstoffen und gute Speicherung von Wasser.
Je höher der Anteil an Ton, desto weniger durchlässig erweist sich diese Bodenart. Um der Gefahr von Staunässe vorzubeugen, ist es empfehlenswert, Humus und Sand unterzumischen.

Es bedarf keiner umfangreichen, professionellen Bodengutachten, um festzustellen, um welche Bodenart es sich im Schattengarten handelt. Ein erfahrener Hobbygärtner nimmt etwas Erde zwischen die Hände und rollt sie. Fällt die Rolle gleich wieder auseinander, handelt es sich um Sandboden. Lässt sich eine Walze formen, weist dies auf Lehmboden hin. Verbleibt anschließend ein toniger Rest an den Fingern, kann der Gartenfreund von Tonboden ausgehen.

Kreative Gestaltung in Ebenen

Ein fantasievoll gestalteter Schattengarten verfügt idealerweise zumindest über drei, besser vier Pflanzenebenen. In der höchsten Ebene befinden sich entweder bereits die schattenspendenden Laub- und Nadelgehölze, oder sie werden gezielt angepflanzt. Sie bilden zugleich den Hintergrund, während die folgenden zwei bzw. drei Schichten dergestalt angepflanzt werden, dass sie in der Höhe nach vorne hin abfallen. Auf diese Weise schafft ein Hobbygärtner im gleichen Zug eine optische Tiefe und versetzt die Gewächse in die Lage, die vorhandene Lichtmenge optimal zu nutzen.

Hochwachsende Blütenstauden

Eisenheut - AconitumDer Eisenhut (Aconitum) mit seinen strahlend weißen oder blauen Blüten verleiht jedem Schattenbeet sommerlichen Charme. Obgleich die Pflanzenart giftig ist, gehört sie stets in die engere Wahl. Wer die facettenreichen Sorten in kluger Kombination pflanzt, erfreut sich vom Frühling bis in den Herbst an der Blütenpracht.

Hahnenfuß-Eisenhut (Aconitum lamarckii)
  • Hellgelbe Blüten ab Juni.
  • Wuchshöhe 100 cm bis 120 cm.
Lockerer Eisenhut (Aconitum henryi 'Spark')
  • Violette Blüten im Juli und August.
  • Wuchshöhe 100 cm bis 150 cm.
Herbst-Eisenhut (Aconitum carmichaelii 'Arendsii')
  • Violettblaue Blüten im September und Oktober.
  • Wuchshöhe 100 cm bis 130 cm.
Gartenfreunde, die keine giftigen Pflanzen kultivieren möchten oder sich weitere Stauden wünschen für mehr Abwechslung, wählen folgende Alternativen:

Geschlitzter Wald-Geißbart (Aruncus dioicus 'Kneiffii')
  • Cremeweiße Blütenrispen im Juni und Juli.
  • Wuchshöhe 100 cm bis 120 cm.
Schneeballhortensie 'Annabelle'Ball-Hortensie 'Annabelle' (Hydrangea arborescens 'Annabelle')
  • Riesige, weiße Blütenbälle von Juli bis September.
  • Wuchshöhe bis 150 cm.
Oktober-Silberkerze (Actaea simplex 'White Pearl')
  • Gebogene, weiße Blütensprossen im Herbst.
  • Wuchshöhe 90 cm bis 120 cm.
Darüber hinaus darf die dekorative Wirkung von Rhododendron mit Wuchshöhen bis 150 cm, nicht übersehen werden. Von
nahezu unschätzbarem Zierwert sind ferner immergrüne Laubgehölze, wie die Stechpalme (Ilex aquifolium) mit rotem Fruchtschmuck, die Lavendelheide (Pieris japonica 'Forest Flame') mit einem wunderschönen, blutroten Frühlingsaustrieb oder die Strauchmispel (Cotoneaster divaricatus) mit glänzend-grünem Laub und orange-roten Beeren.

Mittelhohe, schattenliebende Pflanzen

In der nächsten Ebene tummeln sich vorzugsweise Pflanzen, die sich mit halbschattigen bis schattigen Lagen arrangieren. Hierzu bilden sie besonders große Laubblätter aus, um die geringere Lichtintensität zu kompensieren.

Vanilleblatt (Achlys triphylla)
  • Cremeweiße Blüten über dreiteiligen Fächerblättern.
  • Wuchshöhe 40 cm bis maximal 80 cm.
Funkie - Hosta undulata univittataFunkie (Hosta)
  • Bezaubernde Blattschmuckpflanze in unzähligen Sorten.
  • Grüne, weiß-panaschierte Blätter für schattige Lagen.
  • Zierliche Glockenblüten von Juni bis September.
  • Gelbblättrige Sorten benötigen einen sonnigen Standort.
Heimischer Frauenfarn, Waldfrauenfarn (Athyrium filix-femina)
  • Mehrfach gefiederte Wedel bis 100 cm lang.
  • Buschiger, leicht überhängender Habitus.
Heckenkirsche (Lonicera nitida)
  • Immergrüner, schnellwachsender Kleinstrauch.
  • Ideal als schnittverträgliche Einfassungspflanze bis 100 cm hoch.
Neben Farnen aller Art, machen in diesem Bereich des Beetes immergrüne Gräser, wie die Wald-Segge (Carex sylvatica) mit einer Höhe bis 70 cm eine gute Figur oder die heimische Waldmarbel (Luzula sylvatica) mit ihren bräunlichen Ähren. Zwischen all den Blattschmuckpflanzen sorgt die Krötenlilie (Tricyrtis hirta) mit ihren weißen und purpur gefärbten Blüten für ein wenig zusätzliche Auflockerung.

Niedrige Schattenpflanzen

In Bodennähe siedeln Hobbygärtner schließlich kriechende bzw. flachwachsende Bodendecker an, die mittels verstreut eingesetzter, niedriger Solitäre noch einen Hauch zwangloser wirken.

Immergrün - Vinca minorBlaues Immergrün (Vinca minor)
  • Dichter Blütenteppich von Mai bis September.
  • Wuchshöhe 10 cm bis 15 cm.
Teppich-Hartriegel (Cornus canadensis)
  • Grünweiße Blüten im Frühling; rote Beeren im Herbst.
  • Ausläuferbildend, bis 10 cm hoch.
Efeu (Hedera hibernica)
  • Der Klassiker unter den Bodendeckern für schattige Beete.
  • Klettert außerdem bis 15 m hoch.
Zwiebel- und Knollenpflanzen schaffen in diesen Regionen vom zeitigen Frühjahr an fröhlich bunte Blickfänge. Hierzu zählen Schneeglöckchen (Galanthus), Alpenveilchen (Cyclamen coum,) Leberblümchen (Hepatia nobilis), Elfenblume (Epimedium x perralchicum), Gedenkmein (Omphalodes verna), Goldnessel (Lamium galeobdolon) oder Purpurglöckchen (Heuchera-Hybriden).

Ist der Boden feucht genug, gesellen sich im Sommer die zauberhaften Storchschnäbel (Geranium) dazu, die gerne lichtarme Orte beleben. Naht der Herbst heran, freut sich der vorausschauende Gartenfreund, dass er im Pflanzplan kleine Spätblüher einbaute, wie die Weiße Waldaster (Aster divaricatus), die Prachtspiere (Astilbe) oder das Japan Schiefblatt (Begonia grandis).

Kletterkünstler im Schattengarten

Wenn es gilt, in lichtarmen Ecken des Gartens einen Zaun zu begrünen, eine Pergola oder eine Hauswand, kommen vorzugsweise immergrüne Kletterpflanzen infrage, die dank panaschierter Blätter keine Langeweile im Erscheinungsbild aufkommen lassen.

Gelbgrüner Efeu (Hedera helix 'Goldheart')
  • Elegante dunkelgrüne Blätter mit gelber Mitte.
  • Klettert bis 20 m gen Himmel.
Kriechspindel - Euonymus fortunei 'Emerald Gold'Spindelstrauch (Euonymus fortunei 'Emerald 'n' Gold')
  • Grüne Blätter, goldfarben umrandet.
  • Auch als Bodendecker schön anzusehen.
Immergrünes Geissblatt (Lonicera henryi)
  • Cremegelbe Blüten im Sommer und rote Beeren im Herbst.
  • Ideal für die Begrünung von Pergolen.
Es spricht nichts dagegen, sich für Kletterpflanzen mit großen Blättern zu entscheiden, wie die Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla), vorausgesetzt, eine ausreichende Wasserversorgung ist garantiert. Die Anhänger von Hortensien, die bei ihren Kletterpflanzen auch im halbschattigen bis schattigen Bereich nicht auf Blüten verzichten möchten, favorisieren die Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris).

Obst-, Gemüse- und Kräuterpflanzen, die ohne viel Sonne gedeihen

Nirgendwo ist festgeschrieben, dass ein Nutzgarten sich auf sonnige Standorte beschränkt. Entscheidet sich ein Hobbygärtner dafür, seinen Schattengarten mit Gewächsen für den Verzehr zu bepflanzen, steht er keinesfalls mit leeren Händen da. So trägt ein kleiner Säulenapfelbaum (Malus) erfrischendes Naschobst. Bei der Schattenmorelle (Prunus cerasus subsp. acida) verrät der Name bereits, dass sie nicht auf volle Sonne angewiesen ist. Gleiches gilt für Rhabarber (Rheum rhabarbarum), der vor allem reichlich Wasser benötigt sowie für Brombeeren (Rubus), die auch in lichten Wäldern anzutreffen sind.

SpinatVon Gemüse ist allgemein bekannt, dass es eine hohe Dosis an Sonnenschein benötigt, um die erwünschte Ernte zu liefern. Verschiedene Blatt- und Wurzelgemüse sowie Hülsenfrüchte geben sich indes auch mit weniger Licht zufrieden. Hierzu gehören Gartensalat (Lactuca), Spinat (Spinacia oleracea), Erbsen-Arten (Pisum) oder Radieschen (Raphanus sativus var. sativus). Die folgenden Kräuter fühlen sich im offenen Schatten bis halbschattigen Beet wohl:
  • Estragon (Artemisia dracunculus)
  • Basilikum (Ocimum basilicum)
  • Liebstöckel (Levisticum officinale)
  • Salbei (salvia officinalis)
Versierte Kleingärtner sind sich bewusst, dass es einen Versuch wert ist, Obst, Gemüse und Kräuter unter weniger perfekten Lichtverhältnissen zu kultivieren. In der geschützten Sphäre eines Hinterhofs beispielsweise stehen die Chancen gut, dass einheimische Nutzpflanzen im offenen Schatten oder Halbschatten prächtig gedeihen.

Häufig gestellte Fragen

Ich möchte in meinem Schattengarten gerne ein Stück Rasen anlegen. Ist das überhaupt möglich?
Dank spezieller Samenmischungen ist es durchaus realisierbar, in schattigen und damit feuchten Lagen einen Rasen anzulegen. Ab und zu sollten im Verlauf des Tages freilich trotzdem einige Sonnenstrahlen dorthin gelangen. Von Vorteil ist es, wenn sich das Areal unter Laubbäumen befindet, die einen Flimmerschatten werfen. Darüber hinaus sollte der Boden möglichst luftig und durchlässig sein mit einem pH-Wert um 7. Sind diese Prämissen erfüllt, spricht nichts dagegen, einen Schattenrasen auszusäen, vorzugsweise im zeitigen Frühjahr, damit den Wurzeln eine ausreichend lange Zeitspanne zur Verfügung steht, sich am Standort zu etablieren.

Was ist bei der Pflege eines Schattengartens besonders zu beachten?
In erster Linie gilt es zu bedenken, dass unter einem dichten Blätterdach sehr viel weniger Regen an die Schattenpflanzen gelangen kann, als im klassischen Ziergarten. Zugleich verdunstet Gießwasser langsamer, als Sie es vielleicht gewohnt sind. Unterstützend für die Regulierung der Wasserversorgung in schattigen Beeten wirkt eine konstante Schicht aus organischem Mulch, wie Laub oder Grasschnitt.

Können Sie mir einige Ziergräser nennen, die mit dunkleren Lagen keine Probleme haben?
Beliebt ist die wintergrüne Pilzkopf-Segge (Carex caryophyllea 'The Beatles') mit kleinen, braunen Ähren. Edel kommt die Goldrand-Segge (Carex morrowii 'Aureovariegata') daher und bringt Farbe in jedes Schattenbeet. Ideal für den großen Garten ist die Wald-Schmiele 'Bronzeschleier' (Deschampsia cespitosa 'Bronzeschleier') sowie das farbliche Gegenstück 'Goldschleier' ('Deschampsia cespitosa 'Goldschleier') mit bis zu 120 cm Wuchshöhe. Für herrliche, sonnengelbe Farbtupfer im Winter sorgt die Waldhain-Simse (Luzula sylvatica 'Solar Flair'), die erst im Schatten ihre volle Schönheit entwickelt.