Kräuter auf der Fensterbank vorziehen | Aussaat & Anzucht

KräuterEigene Kräuter in der Küche oder auf dem Balkon zu ernten, ist für jeden Hobbykoch ein Muss. Natürlich gibt es in den Supermärkten und auf dem Gemüsemarkt diverse Kräuter fertig in Töpfen vorgezogen. Doch die Auswahl ist hier nicht groß und es ist auch nicht immer gegeben, dass die Kräuter für längere Zeit genutzt werden können, denn sie sind für den direkten frischen Gebrauch bestimmt.

Doch viele Kräuter können selbst ausgesät werden, wenn einige wichtige Regeln beachtet werden. Hierzu gehören die verschiedenen Anzuchtbedingungen, die die unterschiedlichen Kräutersamen benötigen. Der folgende Artikel gibt Aufschluss über Dunkel- oder Lichtkeimer und erklärt, wie die Kräuter auf der Fensterbank vorgezogen werden können.

Dunkel- oder Lichtkeimer

Bevor die Kräuter auf der Fensterbank aus Samen selbst vorgezogen werden, sollte überprüft werden, ob es sich bei den verschiedenen ausgesuchten Kräutersamen um Dunkel- oder Lichtkeimer handelt. Denn die Unterscheidung ist die Voraussetzung für das Gelingen der Anzucht. Wie die Namen schon vermuten lassen, benötigen die Lichtkeimer Helligkeit um zu keimen, die Dunkelkeimer hingegen werden tiefer in die Erde gesteckt und keimen auf diese Weise. Mit diesem Wissen können alle erdenklichen Kräuter selbst ausgesät und herangezogen werden.

Dunkelkeimer

PetersilieWer sich nicht sicher ist, ob ein Kraut ein Dunkelkeimer ist, der sollte einfach auf der Samentüte nachlesen, die im Handel erworben wurde. Doch manchmal sind es auch die eigenen Samen, die ausgesät werden sollen, daher sollte hier bekannt sein, bei welchen Kräutern es sich um Dunkelkeimer handelt: So gehören zu den Dunkelkeimern, bei denen die Samen in die Erde gesteckt und mit dieser auch bedeckt werden, die wenigsten Kräuter. Dennoch sollte die Anzuchtart hier immer beachtet werden. Denn liegen diese Samen nur auf der Erde, werden nur wenige bis gar keine Samen Keimlinge ausbilden.

{infobox type=check|content=Tipp: Wichtig bei der Wahl der Samen ist auch das Alter, denn je frischer die Samen sind, desto besser keimen sie auch. Wird hingegen altes Saatgut verwendet, dann keimt nicht jeder Samen, der Erfolg fällt geringer aus.}

Lichtkeimer

BasilikumDie Lichtkeimer dürfen auf keinen Fall mit Erde bedeckt werden, denn dann wird die Anzucht nicht gelingen. Die Samen werden hierbei nur mit feinem Sand vermischt, auf der Erde verstreut und leicht angedrückt. Die meisten Kräuter gehören zu den Lichtkeimern wie auch die folgenden:
  • Basilikum
  • Gartenkresse
  • Bohnenkraut
  • Kerbel
  • Kümmel
  • Beifuß
  • Majoran
  • Thymian
  • Salbei
{infobox type=check|content=Tipp: Bei der Aussaat der Lichtkeimer muss zwingend darauf geachtet werden, dass die Samen genügend Licht erhalten. Besser ist es, diese nur auf die Erde zu streuen als dass diese zu sehr bedeckt werden.}

Anzuchterde

Unerheblich, ob es sich um Licht- oder Dunkelkeimer handelt, sollte entsprechende Anzuchterde gewählt werden. Bei der Wahl der Erde sollte darauf geachtet werden, dass diese keinen Dünger enthält, denn bei der Keimung benötigen die Samen nur wenige Nährstoffe.

Anzuchterde in Topf schüttenIm Handel wird entsprechende Anzuchterde angeboten, die auch genutzt werden sollte. Wer die Anzuchterde selber mischen möchte, sollte diese wie folgt zusammenstellen:
  • Torf
  • Sand
  • ungedüngte, lockere Gartenerde
{infobox type=check|content=Tipp: Als Alternative können auch im Handel erhältliche Torftöpfe erworben werden. In diese wird jeweils ein Samen gesteckt. Der Vorteil hierbei ist, dass die Keimlinge später nicht pikiert oder umgetopft werden müssen, sie verbleiben einfach in dem Torf. Allerdings ist Torf aus Umweltgründen als Material umstritten.}

Gefäß vorbereiten
Für die Anzucht können verschiedene Gefäße genutzt werden, in die die Samen in die Erde gegeben werden. So können zum Beispiel kleine Anzuchttöpfe genutzt werden, Aussaatschalen oder auch lange Balkonkästen. Wichtig ist hierbei, dass die Samen von Dunkel- und Lichtkeimern getrennt einsetzt werden. Näheres hierzu wird unter dem Punkt Standortwahl erklärt.

Die ausgewählten Töpfe werden dann wie folgt für die Aussaat vorbereitet:
  • alten Topf vorher reinigen
  • hierzu mit warmen Essigwasser ausbürsten
  • so werden Bakterien, Viren und Pilze entfernt
  • bei neuen Töpfen reicht ausspülen mit warmem Wasser
  • Drainage
    über Abflussloch anlegen
  • je nach Gefäß Kies oder Tonscherben nutzen
  • vorbereitete Erde einfüllen

Aussaat

Wurden die gewählten Gefäße entsprechend vorbereitet, dann kann der Samen eingesät werden. Hierzu sollten bei einzelnen Gefäßen jeweils nur dieselben Kräutersamen eingestreut werden. Das heißt, in ein Gefäß wird jeweils nur ein Kraut aber durchaus mit mehreren Samen eingesät. Werden Anzuchtschalen oder Balkonkästen genutzt, können verschiedene Kräutersamen eingesät werden. Diese sollte jedoch den gleichen Standort bevorzugen.

Samen in Anzuchtschale aussäenBei der Aussaat wird wie folgt vorgegangen:
  • Lichtkeimer mit feinem Sand mischen
  • hierzu zum Beispiel Spielsand für Kinder nutzen
  • über die Erde streuen
  • nur leicht andrücken
  • vorsichtig wässern
  • Dunkelkeimer in Erde stecken
  • ein wenig Erde über die Samen geben
  • vorsichtig wässern
Damit die Samen beim Wässern nicht alle auf eine Stelle schwimmen, an die Oberfläche (Dunkelkeimer) geraten oder aber in die Erde gedrückt werden (Lichtkeimer) kann das Anzuchtgefäß auch von unten über den Ablaufteller und das Abflussloch gewässert werden. So zieht sich die Erde von unten mit Wasser voll.

{infobox type=check|content=Tipp: In großen Aussaatschalen können auch Kokos-Quell- oder Torf-Tabs genutzt werden. Hier hinein kommt jeweils ein Samen, was später das Pikieren unnötig macht, da die Keimlinge bereits einen bestimmten Abstand zueinander besitzen.}

Standortwahl

Die richtige Wahl des Standorts ist ebenfalls ein großer Aspekt für das Gelingen der Anzucht der verschiedenen Kräuter. Da die Samen in einem Raum jederzeit ausgesät werden können, so durchaus auch im Winter, sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass die Anzuchttöpfe nicht direkt über einer Heizung stehen. Denn so wird es von unten zu warm und die Luft ist zu trocken. Dies führt zu einem Vertrocknen der zarten Keimlinge.

So sieht der passende Standort für die Anzucht der Keimlinge aus Samen wie folgt aus:
  • für Lichtkeimer ein West- oder Südfenster auswählen
  • keine direkte Sonneneinstrahlung auf den Keimling
  • Dunkelkeimer an Ost- oder Nordfenster stellen
  • bevorzugen Schatten
  • Temperaturen um die 20° Celsius
  • der Standort kann auch nach dem Gedeihen bleiben

Abdecken

Die Samen und hieraus entstehenden Keimlinge benötigen genügend Feuchtigkeit, um zu gedeihen. Staunässe muss jedoch vermieden werden. Damit die Luftfeuchtigkeit ebenfalls gleichbleibt, empfiehlt es sich, die Anzuchttöpfe abzudecken, bis die ersten zarten Blätter zu sehen sind.

Abdecken des Anzuchttopfes mit FrischhaltefolieHierzu können die folgenden Dinge genutzt werden:
  • Anzuchtschalen besitzen Plastikabdeckung
  • Töpfe mit durchsichtiger Folie abdecken
  • durchsichtige Plastiktüte nutzen
  • PET-Flasche Hals abschneiden
  • über einzelne Töpfe umgekehrt stülpen
  • Zimmergewächshaus ideal
Wichtig ist, dass täglich unter der Abdeckung gut gelüftet wird. Denn ansonsten könnte es zu Schimmelbefall auf der Erde kommen. Vor allem, wenn sich Wassertropfen an der Abdeckung bilden, sollte diese sofort entfernt und abgetrocknet werden. Denn dann staut sich bereits zu viel Feuchtigkeit.

Erfolgreiche Keimung

Zeigen sich die ersten zarten grünen Blätter, dann war die Keimung erfolgreich. Wurden die Samen alle gemeinsam in einem Gefäß ausgestreut, müssen diese nun pikiert werden. Das heißt, alle einzelnen Sämlinge werden vorsichtig dem Topf entnommen und in einen eigenen Topf eingesetzt. Wurde bereits bei der Aussaat abgetrennt, muss nicht pikiert werden, die Kräuter können einfach so weiterwachsen.

Gewachsene KräuterNach der erfolgreichen Keimung ist weiter das Folgende zu beachten:
  • Abdeckungen entfernen
  • werden nicht mehr benötigt
  • zu viel Feuchtigkeit schadet den jungen Blättern
  • Töpfe mit wachsenden Kräutern am Standort belassen
  • alternativ im Frühjahr und Sommer auf Balkon
  • oder in ein Hochbeet im Garten umpflanzen
  • Kräuter dürfen nun auch gedüngt werden
Wie weiter nach der gelungenen Anzucht mit den Kräutern verfahren wird, hängt auch davon ab, ob es sich um ein- oder mehrjährige Kräuter handelt. Ebenso ist entscheidend, ob diese winterhart sind oder im Winter geschützt werden müssen. So sollten nur winterharte und mehrjährige Kräuter in ein Gartenbeet umgepflanzt werden. Alle anderen verbleiben im Topf, der je nach Wetterlage versetzt werden kann.

Häufig gestellte Fragen

Warum muss ich auf Dunkel- oder Lichtkeimer achten?
Es ist ganz wichtig, dass die Samen direkt von Anfang an die besten Keimbedingungen erhalten. Hierzu gehört auch, dass zwischen Dunkel- und Lichtkeimern unterschieden werden muss. Werden Lichtkeimer zu tief in die Erde gesteckt und erhalten dadurch wenig Licht, werden sie nicht keimen. Genau anders herum sieht es mit den Dunkelkeimern aus, die nur wenig Licht benötigen und mit Erde bedeckt sein müssen, damit sie keimen.

Woran erkenne ich Licht- oder Dunkelkeimer?
Leider ist es an den Samen nicht zu erkennen, um welche Keimer es sich hierbei handelt. Daher ist es wichtig, dass bereits vor der Aussaat darüber nachgelesen wird, bei welchen Kräutern es sich um Dunkel- oder Lichtkeimer handelt. Dieser Hinweis ist auch immer auf den Saattütchen, die im Handel angeboten werden, zu finden.

Welchen Zeitpunkt sollte ich für die Aussaat wählen?
Das Schöne an der Aussaat bei Kräutern auf der Fensterbank ist, dass diese das ganze Jahr ausgesät werden können. So gedeihen die Samen hier auch im Winter. Auf diese Weise kann auch immer wieder neuer Nachschub ausgesät werden, der dann die bereits abgeernteten Kräuter ersetzen kann. Denn nicht jedes Kraut ist mehrjährig und wächst nach einer Ernte weiter.