Ist Thymian in Deutschland winterhart?

Thymian - ThymusHaben Sie sich vertraut gemacht mit seinen überschaubaren Ansprüchen an die Pflege, sind Ihnen der Wasser- und Nährstoffhaushalt für Thymian rasch geläufig. Ebenso unkompliziert geht die Ernte des mediterranen Kräuterstrauchs von der Hand. Wer sich indes nicht nur eine Saison an der virtuosen Duft- und Gewürzpflanze erfreuen möchte, stellt zu Recht die Frage: Ist Thymian in Deutschland winterhart? Im Folgenden wird diese Frage detailliert beleuchtet, denn angesichts der breit gefächerten Sortenvielfalt, wird interessierten Hobbygärtnern eine einsilbige Antwort nicht genügen.

Steckbrief
  • Pflanzenfamilie Lippenblütler (Lamiaceae)
  • Botanische Bezeichnung Thymus
  • Vorkommen überwiegend im Mittelmeerraum
  • Bekannteste Art in Deutschland: Echter Thymian (Thymus vulgaris)
  • Straff aufrechter oder kriechender, buschiger Habitus
  • Wuchshöhe 5 cm bis 40 cm
  • Immergrüne, längliche oder ovale Blätter, behaart und unbehaart
  • Blütezeit von Juni bis Oktober mit weißen, rosa oder violetten Blüten
  • Nutzung als Zier-, Heil- und Gewürzpflanze
  • Trivialname: Quendel
In Anerkennung der wirksamen Heilkräfte, die Thymian zu bieten hat, wurde die Pflanze in 2006 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.

WinterharteThymian-Arten

Über die Winterhärte dieser facettenreichen Pflanzengattung lässt sich keine einheitliche Aussage treffen. Unter den mehr als 200 Arten haben sich die folgenden Exemplare in Deutschland als vollkommen winterfest erwiesen:
  • Thymian - ThymusEchter Thymian (Thymus vulgaris): winterhart bis - 23,5 Grad Celsius
  • Polster-Thymian (Thymus doerfleri): winterfest bis - 28 Grad Celsius
  • Duft-Thymian (Thymus odoratissimus): winterhart bis - 23 Grad Celsius
  • Feldthymian, Echter Quendel (Thymus pulegioides): winterfest bis - 22,5 Grad Celsius
  • Kaskaden-Thymian (Thymus longicaulis): winterhart bis - 28,8 Grad Celsius
  • Sand-Thymian (Thymus serpyllum): winterfest bis - 30 Grad Celsius
Gartenschätze, wie Kümmelthymian (Thymus herba barona) oder Zitronen-Thymian (Thymus x citriodorus), verfügen nicht über eine ausreichende Frostresistenz, um den Winter unter freiem Himmel unbeschadet zu überstehen. Darüber hinaus sind buntblättrige Sorten in der Regel frostempfindlich, selbst wenn sie aus dem Echten Thymian hervorgegangen sind. Dieser Umstand ist beispielsweise zu berücksichtigen beim Spanischen Küchenthymian (Thymus vulgaris ssp. aranjuez), dessen silbrig-grüne Blätter spätestens ab - 10 Grad Celsius aufgeben.

Tipp: Ein winterharter Thymian im Beet liefert der Küche sogar während der kalten Jahreszeit aromatischen Gewürz-Nachschub. Damit Sie bei klirrender Kälte für die Ernte nicht ewig weit durch den Garten laufen müssen, sollte der Standort in Hausnähe gewählt werden.

Im Zweifel ist leichter Winterschutz empfehlenswert

Während die genannten reinen Thymian-Arten in Deutschland vollkommen winterfest gedeihen, kann diese Aussage bezüglich ihrer Hybriden nicht bedingungslos getroffen werden. Überall dort, wo die Hand eine Züchters eingriff, um besondere Attribute der Kräuterpflanze zu betonen, kann dieser Prozess zulasten der Frosthärte verlaufen. Besteht daher Unsicherheit, welche Art oder Sorte Sie tatsächlich kultivieren, sind folgende Vorkehrungen vor dem Winter empfehlenswert:
  • Thymian im Beet vor dem ersten Frost bedecken mit einer Schicht aus Laub oder Stroh
  • Als winterfest deklarierte Arten und Sorten in rauen Lagen trotzdem schützen mit Fichtenreisig
  • In extra rauen Lagen ein atmungsaktives Vlies oder Jute überziehen
Als restlos winterhart definierte Thymian-Arten können gleichwohl unter winterlicher Nässe leiden. Bei Dauerregen ist es daher ratsam, die Kräuterpflanze mit Nadelreisig zu schützen.

Im Pflanzengefäß grundsätzlicher Schutz erforderlich

Thymian - ThymusFavorisieren Sie für Thymian eine Kultivierung im Kübel oder Balkonkasten, kommen Sie um eine winterliche Protektion nicht herum. Die Kräuterpflanze mag noch so winterhart beschaffen sein; in der exponierten Lage hinter den relativ dünnen Gefäßwänden, ist der Wurzelballen dem Frost hilflos ausgeliefert. Es sind weniger die Minus-Temperaturen, die dem Quendel schaden, als ein wiederholter Wechsel zwischen Frost- und Tauwetter. Dieser
Prozess zerrt dermaßen an den Zellwänden des Pflanzengewebes, dass sie früher oder später zerbersten. Damit es soweit nicht kommt, gehen Sie so vor:
  • Kübel oder Kasten dick einpacken in Luftpolsterfolie
  • Vor die schützende Südwand des Hauses auf einen Holzblock stellen
  • Das Substrat abdecken mit Holzwolle, Laub oder Tannenwedeln
Für einen Topf mit einem Durchmesser von weniger als 30 cm, reichen diese Maßnahmen nicht aus. Kleine Kräutergefäße sollten daher im Herbst umsiedeln in ein frostfreies, helles Winterquartier, in den Wintergarten oder auf die Küchen-Fensterbank.
Tipp: Ob im Beet, der Kräuterspirale oder dem großen Kübel; vermeiden Sie eine unmittelbare Nachbarschaft von Thymian und Majoran. Beide Kräuterpflanzen beeinträchtigen sich gegenseitig so vehement in Wachstum und Vitalität, dass sie den Strapazen eines Winters in Deutschland nicht gewachsen sind.

Ausgesuchte Thymian-Sorten - in Deutschland winterfest

Thymian - ThymusDie folgenden Hybriden übertreffen die reine Thymian-Art hinsichtlich ihrer Blütenpracht, des Aromas oder erfüllen besondere Gestaltungswünsche, ohne dass die Winterhärte darunter zu leiden hätte.

Compactus (Thymus vulgaris 'Compactus')
Diese prachtvolle Züchtung besticht mit intensiv duftendem, grau-grünen Laub und einer üppigen hell-lila Blüte von Juli bis September. Mit einem polsterartigen Habitus begrünt Compactus den Stein- oder Dachgarten. Die Sorte ist überdies trittfest und ungemein winterfest.
  • Wuchshöhe 10 bis 20 cm
Coccineus (Thymus pulegiodes 'Coccineus')
Die Züchtung entstammt dem Feldthymian und wartet auf mit einer eindrucksvollen, karminroten Blütenpracht im Mai und Juni. Ausreichend winterhart für einen deutschen Garten, fasziniert die Sorte mit Blättern, die sich allmählich rot verfärben. Infolge des kriechenden Wachstums, fungiert die Kräuterpflanze zugleich als dekorativer Bodendecker entlang der Gartenwege, an Böschungen und in großen Trögen.
  • Wuchshöhe 5 bis 10 cm
Tabor (Thymus vulgaris 'Tabor')
Ein Star unter den beliebtesten Küchenkräutern entstammt dem Echten Thymian und ist entsprechend winterhart. Darüber hinaus punktet die Züchtung mit einer rosafarbenen Doldenblüte im Sommer über dem immergrünen Laub. Wesentlich beitragen zur Popularität dieser Sorte hat der unvergleichliche Geschmack der Blätter, wenn sie als Tee zubereitet werden. Darüber hinaus fliegen Bienen auf den köstlichen Nektar von Tabor, sodass diese Sorte einen exzellenten Honig liefert.
  • Wuchshöhe 20 bis 30 cm
Orangenteppich (Thymus pulegioides 'Orangenteppich')
Hervorgegangen aus dem Echten Quendel, auch als Gewöhnlicher Thymian bezeichnet, ist diese Sorte winterfest bis nahezu - 30 Grad Celsius. Dem nicht genug, verbreiten die Blätter ein fruchtiges Aroma, wenn sie zwischen den Fingern zerrieben werden. Die purpurviolette Blüte zieht sich hin über lange drei Monate von Juni bis Ende August/Anfang September.
  • Wuchshöhe 5 bis 15 cm
Rosenthymian (Thymus species)
Die besonders gelungene neue Sorte, erfüllt den Wunsch kreativer Hobbygärtner nach einer Kräuterpflanze, die nach Rosen duftet. Da im Rahmen der Züchtung die Frosthärte nicht links liegen gelassen wurde, erweist sich Rosenthymian in Deutschland als bedingungslos winterhart. Einzig mit winterlicher Nässe sollte der Hybride nicht konfrontiert werden.
  • Wuchshöhe 25 bis 30 cm

Häufig gestellte Fragen

Kann ich Thymian am Rand des Gartenweges ansiedeln? Hier ist das Erdreich sandig und trocken. Im Sommer liegt der Standort sonnig, während er im Winter von November bis Februar durch das Haus im lichten Schatten liegt.
Unter den geschilderten Standortbedingungen fühlt sich Thymian besonders wohl. Solange er im Winter nicht dauerhaft im Schatten liegt, gedeiht er vital und gesund. Im Sommer sollte eine Sonneneinstrahlung von mindestens 4-6 Stunden pro Tag gewährleistet sein.

Jetzt am Ende des Winters präsentiert sich mein Thymian insbesondere in der Mitte ziemlich verkahlt. Ist die Pflanze entgegen aller Beteuerungen nun doch nicht winterfest und immergrün?
Sein immergrünes Wachstum bedeutet nicht, dass die einzelnen Blätter auf ewig gedeihen. Statt dessen findet ein permanenter Austausch des Laubs statt. Am Ende eines harten Winters kann es zudem zu einem vermehrten Blattfall kommen. Jetzt ist die beste Zeit für einen Verjüngungsschnitt. Kürzen Sie alle Triebe soweit ein, dass mindestens 5 Zentimeter nicht verholzten Pflanzengewebes am Zweig verbleiben. Im Resultat treibt der Thymian vital und buschig wieder aus.